Ausgabe 
16.5.1849
 
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tiges Werk zu beginnen; aber Killbuck legte ihm leiſe

ſeine eiſerne Hand auf die Schulter und ermahnte ihn zu

nur noch kurzer Geduld. N i

Et fleine Pauſe verging, die Mondſcheibe ſtand ſchon halb über den Bergen, der Moment der That war nahe. In dieſem Augenblick aber reckte das alte Maul⸗ thier des Trappers, das im Graſen allmählig über die ganze Prairie herübergekommen war, den Kopf in die Höhe und gewahrte die wohlbekannte Geſtalt ſeines Herrn. Auf einmal ſtand es ſtill, ſpitzte die Ohren, ſtreckte Hals und Nüſtern aus, ſchnüffelte in die Luft und ließ ein durch⸗ dringendes lautes Freudenwiehern hören. Killbuck hatte kein Auge von den Indianern verwandt und ſo das Thier nicht bemerkt; dieſer Ton aber, der ihn erſchreckte wie die Indianer, gab ihm das Signal zum Angriff.Drauf, Burſche! jag' die Niggers zur Hölle! rief er mit ſeinen wildeſten Toͤnen, und ſprang mit La Bonté hinter den Büſchen vor auf die verdutzten Indianer ein, die der un⸗ vermuthete Angriff ſo ſehr überraſchte, daß ſie nicht gleich wußten, wohin ſie ſich wenden ſollten, und wie Schafe durcheinander rannten. Am Fuße der kleinen Anhöhe ließ er ſich im Schatten auf ein Knie nieder, ſtieß ſeinen Peit⸗ ſchenſtock auf Armslänge in den Boden, legte die Büch ſe auf und zielte ſo kaltblütig und methodiſch, als gälte ſein Schuß einem feiſten Hirſche. Mit dem Knall ſtürzte ein Indianer zuſammen, und ebenſo auf La Bonteé's nicht minder ſicheren Schuß. Als die überlebenden drei Indianer nur zwei Feinde vor ſich ſahen, die ſich uͤberdies bereits verſchoſſen hatten, drangen ſie mit gellendem Wuthgeſchrei und geſpannten Bogen auf dieſe ein, tief an den Boden geduckt, um ihrer Gegner Geſtalten deſto deutlicher auf dem lichteren Firmament hervortreten zu ſehen und deſto beſſer zielen zu können. Die beiden Trapper warteten aber nicht ſo lange, zogen vielmehr ihre Piſtolen, ſprangen den Feinden entgegen und ſchoſſen auf ſie, obwohl zu glei⸗ cher Zeit drei wohlgezielte Pfeile von der Sehne ſchwirr⸗ ten. La Bonts ſchleuderte die entladene Piſtole dem einen der Indianer an den Kopf, der auf Armslänge von ihm entfernt ſchon wieder einen Pfeil auf den Bogen legte, zog ſein Meſſer und ſtieß nach ihm. Der andere Indianer aber und ſein Gefährte liefen davon, und Killbuck ſtieß raſch eine Kugel in ſeine Büchſe, und ſandte ſie den beiden nach, die wie die Ziegen an den Bergwänden hinaufkletter⸗ ten und in ihrer Eile und Beſtürzung Bogen und Schilde weggeworfen hatten. 5

Das Gefecht war voruͤber und die beiden Trappers ſahen einander an.Na, wir haben ihnen heimgeleuchtet! ſagte Killbuck mit wildem Lachen.

Ja, das haben wir!, verſetzte La Bonté und zog ſich einen Pfeil aus dem Arme.

Schätz' wohl, wir woll'n ihnen jetzt das Haar ab⸗ ſtreifen, bevor der Scalp kalt wird!, ſagte Killbuck, nahm den Wetzſtein aus ſeinem Gürtel, ſchärfte ſein Meſſer und hatte mit ſicherer Hand bald die Kopfhaut des erſten In⸗ dianers abgeſtreift, der ſchon mauſetodt am Boden lag, worauf er das Blut davon am Graſe abwiſchte und die furchtbare Trophäe unter ſeinem Gürtel barg. La Bonté hatte ſich mit dem andern auf gleiche Weiſe zu ſchaffen gemacht; darum trat Killbuck nun auf den dritten zu, der noch lebte, weil ihm die Kugel der Piſtole nur durch den Leib gedrungen war, ohne einen edleren Theil zu verletzen.

Der verde Nigger da iſt nur waidwund geſchof⸗ ſen! ſagte er;dieſe verwünſchten Piſtolen thun nie ihre Schuldigkeit! dabei gab er ihm mit ſeinem Meſſer den

Gnadenſtoß, und zog auch ihm mit einem ſcharfen Schnitte

die Kopfhaut herab, die er zu der anderen ſteckte. i La Bonté hatte nur zwei leichte Wunden, und Kill

buck hatte einen Pfeil noch ſo tief im Schenkel ſtecken,

daß die Spitze davon ſich auf der anderen Seite an der

Oberfläche der Haut verſpüren ließ, war aber ſeither da⸗ mit umhergegangen. Nun ſtieß er, das läſtige Ding los zu werden, die Spitze des Pfeils vollends durch, ſchnitt mit dem Meſſer den Schaft dicht hinter dem Eiſen ab, zog ihn rückwärts heraus und ließ die Wunde verbluten. Eine Compreſſe von Büberfell ſtillte bald die Blutung, worauf der Bergjäger ſein geliebtes Maulthier einfing und zum Feuer führte, das La Bonts inzwiſchen wieder ange facht hatte. Nach manchen, oft recht komiſch klingenden Liebkoſungen gegen den langjährigen treuen vierfüßigen Gefährten ſeiner Wanderungen fing er dann auch die an⸗ deren Thiere ein, die er alle noch wohlbehalten antraf; mittlerweile hatte La Bonté einiges Wildpret gekocht, das die Indianer am Feuer zurückgelaſſen hatten; ſie hielten nun eine tüchtige Mahlzeit, und rüſteten ſich dann zur Fortſetzung ihrer Reiſe, weil ſie ſich nicht der Gefahr aus⸗ ſetzen wollten, nun ihrerſeits von den Rapahos beläſtigt zu werden. 1

Da ſie keine Sättel mehr vorfanden, banden ſie ihren beiden Maulthieren Büffelhäute auf den Rücken, und ſetzten ihre Wanderung fort. Sie folgten den Spuren der Indianer ſtromaufwärts, und fanden, daß jene den Schluchten und Thalgründen des Weges gefolgt waren, wo der Weg beſſer war. Allein gleichwohl war dieſer noch uneben genug, um ihnen große Schwierigkeiten zu bereiten, da er häufig ganz mit Felsblöcken verſchüttet war. Killbuck's Wunde ward ſehr ſchmerzhaft, denn das Bein ward ſteif und ſchwoll ſtark an, aber trotzdem ritt er die ganze Nacht hindurch. Mit Tagesanbruch, wo ſie ſich wieder zu orientiren vermochten, verließen die Jäger die Fährte der Indianer, und folgten dem Laufe eines kleinen Flüßchens, das auf mäßiger Anhöhe in den Bergen ent⸗ prang, und über welchem ſüdwärts der Pike's Peak hoch in die Wolken hineinragte. Nur mit ſchwerer Mühe über⸗ ſtiegen ſie dieſe Anhoͤhe und ſtiegen an ſanfteren und nie⸗ drigeren Hügeln herab, die ſich am Ende ganz in's Thal verloren. N

Etwa drei Stunden nach Sonnenuntergang befanden ſie ſich im ſüdöſtlichen Winkel des Bayou Salade. Dieſes Bayou, wörtlich das Salzthal, iſt das ſüdlichſte von drei ſehr ausgedehnten Thälern, die hier mitten im Schooße der Hauptkette der Felſengebirge eine fortlaufende Reihe von Ebenen bilden, welche bei den Trappern unter dem Namen der Parks bekannt ſind. Die zahlreichen Ströme,

welche dieſe Ebenen bewäſſern, ſind reich an den um ihrer

Pelze willen ſo ſehr geſchätzten Bibern, während alle Ar- ten des im Weſten vorkommenden Wildes hier ebenfalls in Fülle vorhanden ſind. Das Bayou Salade insbeſondre iſt um des Salzgehalt ſeines Bodens und ſeiner Quellen ein Lieblingsaufenthalt aller großeren Thiere, und die Büf⸗ fel weiden beſonders gern im hohen üppigen Graſe dieſer Niederungen, deren Fruchtbarkeit ſo grell gegen die Nackt⸗ heit und Oede der umliegenden Berge abſticht. Aus dieſen Urſachen wird das Bayou Salade auch immer von In dianern als Winteraufenthalt benützt, und die größeren Stämme jener Gegenden: die Rapahos, YJutas, Sioux und Shians führen deßhalb auch häufig blutigen Krieg um ſeinen Beſitz. Beſonders die Nutas hatten hier ſchon ſeit einer Reihe von Jahren das Hauptwinterquartier ihres Stammes aufgeſchlagen; die Rapahos dagegen kamen nur ſelten und ſtets nur auf Kriegszügen gegen die Nutas hieher.

Aus der Richtung, welche die Rapahos eingeſchlagen,

ließ ſich ſchließen, daß der friedliche und freundlichgeſinnte

Stamm der Putas bereits dort war, und die Trappers wollten nun dieſen ſo ſchnell wie möglich erreichen. Sie