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W140
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
M. 72.
enz-Blatt
fuͤr die
III
den negierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
Sonnabend den 15. September
1845.
Der Schmiedjacob erzählt von ſeinen Jahrten. (Schluß.) i
Es hat lange, lange gedauert, ſagte er, ehe wir beide, Mutter und Kind, reden konnten; aber die Mutter dachte nicht mehr an den Stelzfuß, und mir machte der Gedanke: Das haſt du verdient, weil dir das ſpaniſche Mädchen gefiel— das Herz nicht leichter. e
Endlich ſagte ſie:„Ach, lieber Jakob, zürne dem Bärbelchen nicht. Sie wollte ja nicht; aber alle Welt hing ſich an ſie. Ihre Mutter war todt. Sie ſtand allein in der Welt, und Dich hielten wir ja alle für todt. Wa⸗ rum ſollte ſie da den braven Lehrer nicht nehmen?— Ich rieth's ihr aüch.“ b
Ich konnte nichts weiter über den Punkt reden. Wir gingen ins Dorf. Die meiſten Leute waren in der Kirche; die übrigen auf dem Felde. Niemand ſah uns.
Liebſter Gott, mein Vater war faſt todt vor Schrecken, als er mich erkannte und meinen Stelzfuß ſah; indeß ſiegte doch über dieſen Schrecken die Freude, zumal ich ihn darüber beruhigte, daß ich doch im Handwerk mein Brod verdienen könnte.
Wie ein Lauffeuer ging's durchs Dorf: Schmied's Jacob iſt wieder da! Da kamen denn die Leute und grüß⸗ ten mich ſo herzlich. Sie fanden mich ſehr verändert. Freilich wohl! Das Elend, das ich erduldet, hatte mich nicht jünger gemacht; der Schmerz ſeit geſtern hatte die Friſche der Geſundheit von meinem Geſichte gejagt, und der Bart entſtellte mich auch. Das ganze Dorf kam. Bärbelchen nicht. Ich hatt's auch nicht erwartet. Der Wittwe ziemte es nicht. Ich mied es auch, ſie zu ſehen; aber als ſie Sonntags in dem ſchwarzen Trauerkleide zur Kirche ging, da ſtand ich hinter dem Laden der Schmiede und lugte hinaus; aber die Hand zitterte, die den Laden hielt, daß ſie es hätte ſehen können, wenn ſie hergeblickt hätte.— Ach, ſie war ja noch ſo ſchön, und die Trauer gab ihr Etwas, was mächtig auf das Herz wirkte. Ich wollte auch in die Kirche gehen; aber ich konnte nicht. Ich ſaß in der Stube, lehnte den Kopf auf den Tiſch und machte dem ſchweren Herzen Luft. Es vergingen gewiß ſechs Wochen, ehe ich ſie ſah und ſprach.
Ich war in den Wald gegangen, Holz holen, und
als ich beim Heimgang eben an einem Baume ruhte, kam ſie langſam den Weg her und ſah mich erſt, als ſie kaum
zehn Schritte von mir war.
Sie blieb einen Augenblick ſtehen, wie eine Bild⸗ ſäule.— Dann kam ſie langſam auf mich zu, reichte mir ihre Hand und drückte ihr Tuch vor die weinenden Augen. Ich ergriff die Hand und hielt ſie feſt, aber ich konnte auch nicht ae. 5
Endlich ermannte ich mich.„Bärbelchen,“ ſagte ich, „es iſt viel anders geworden ſeit zwei Jahren. Du biſt Wittwe und ich ein armer Krüppel!“— N
Sie ſah mich an mit den thränenvollen Augen. „Jacob,“ ſagte ſie langſam,„ſie ſagten, Du ſeieſt todt, ſelbſt Deine Mutter ſagte es, und ich habe ſchwer um Dich getrauert. Da ſtarb meine Mutter— ich war allein. Ach Gott, wie haben ſie mich gequält, bis ich Ja ſagte, ſelbſt Deine Mutter, Jacob!“ 8
„O ich hadere nicht mit Dir, Bärbelchen,“ ſagte ich. „Du thatſt wohl. War ich todt, ſo war ja unſer Band zerriſſen.“ f.
Sie ſeufzte tief auf und ſah mich an mit einem Blicke, den ich nie vergeſſen werde; denn er ſagte mir, daß das Band heute noch nicht zerriſfen ſei. Wenigſtens deutete ich ihn ſo.
„Und was wär's,“ fuhr ich fort,„wenn Du ledig geblieben wäreſt? Du hätteſt Dein junges Leben ja doch nicht an das eines Krüppels binden dürfen.“
„Ach, Jakob,“ ſagte ſie,„Du redeſt harte Worte, die ich nicht verdiene!“ a
In dieſem Augenblicke hörten wir Stimmen. erſchrack, ſagte mir Adje und wankte dahin.
Ich ging heim, und in meiner Seele iſt's damals recht bunt durcheinander gegangen. Das Herz hoffte— und der Verſtand ſagte: Du darfſt nicht hoffen, weil du Unrecht thuſt, ſie an dich zu binden..
Ich hielt mich ſtille und zurückgezogen. War dienſt⸗ fertig; arbeitete fleißig und ihr hattet mich alle lieb.
Es war etwas über anderthalb Jahre ſpäter, da
Sie
ſtarb mein Vater und die Mutter erkrankte auch. Damals
kam Bärbelchen oft ins Haus. Sie pflegte mit Veit's Frau meine Mutter, bis ſie auch ſtarb.
Nun war ich allein und verlaſſen.
Einmal kam der Nachbar Veit zu mir und ſagte: „Jacob, Du mußt heirathen! So geht's nicht mehr länger.“ ö
Ich ſchüttelte den Kopf.


