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„Aha,“ ſagte er.„Alte Liebe roſtet nicht. Du magſt keine andre, als das Bärbelchen. Nehme Dir's auch nicht übel!“*
Wir kamen nun tief in den Text, nicht wahr Veit? Du warſt immer ein guter Advokat! Da hörte ich denn etwas, was mir gar wunderſam zu Muthe machte, und was ich gar nicht wußte, daß nämlich meine ſterbende Mutter Bärbelchen gebeten hatte, mich zu heirathen, und — ſie hatte es nicht abgelehnt.
Ich will's kurz machen! Der Veit machte den Mit⸗ telsmann. Er wiederlegte meine Bedenklichkeiten, die aus ehrlichem Grunde hervorgingen, und— wir kamen öfter zuſammen— ja nach kurzer Zeit war Bärbelchen meine Frau.
Das war eine Ehe, die gewiß im Himmel geſchloſſen war; denn kein Wölkchen trübte ſie. Unſer Gluͤck wurde noch größer, als mir Gott meinen Philipp ſchenkte; aber es war zu groß für dieſe Welt, wo ja einmal nichts Voll⸗ kommenes ſein ſoll und kann.
Nach fünfzehnjährigem Leben wie im Himmel iſt ſie mir geſtorben!—* f 91102 J
Ueber des alten Mannes tiefgefurchte Backen rieſel⸗ ten heiße Thränen, und er war's nicht allein, der ſie ver⸗ goß. Es war ſtille in der Stube; man hörte nur das Picken der Schwarzwälder Wanduhr und die Töne theil⸗ nehmender Liebe für den Mann, der ihnen Allen an das Herz gewachſen war. a a
Da klopfte es plötzlich an die Thüre. Alle Köpfe flogen herum, und auf das freundliche Ja! öffnete ſie ſich, und ein junger Mann mit einem Felleiſen auf dem Rücken ſtand grüßend in der Stube. 4
Philipp! Philipp! rief Veit's Lieschen voll ſeliger Freude aus, und der Schmiedjacob ſprang auf. Das konnte ja nur ſein Sohn Philipp ſein! f
Er war's auch. Nachdem er ſein liebes Lieschen geherzt und gar nicht daran gedacht, daß Leute dabei ſeien, fiel er dem Vater um den Hals.
„Wo warſt Du?“ fragte der Schmiedjacob, der ſich an dem Staatsburſchen gar nicht ſatt ſehen konnte, nach⸗ dem Alle ihn herzlich willkommen geheißen.
„In England,“ ſagte er,„lieber Vater, und bin ein rechter Schmied geworden. Nun bin ich da und Ihr ſollt
Und als ſie am Abend ſo recht heiter waren und der Philipp koſend neben ſeinem Lieschen ſaß, ſagte der Schmied⸗ jacob zu Veit:„Nachbar, was hindert's, daß wir heute noch Handſtreich halten!“
Und noch an dem Abend legte der Herr Pfarrer die Hände Philipp's und Lieschen's in einander, obwohl die ſilbernen Ringe nicht zur Hand waren, und die Hochzeit folgte bald 1
Der Schmiedjacob hatte die Freude, daß Schulzen Kathrinchen ſeinen Valtin zu einem braven Manne machte, und Philipp und Lieschen eine Ehe führten, wie er weiland mit ſeinem ſeligen Bärbelchen, und in dem Glücke ſeiner guten Kinder wurde der Alte wieder ordentlich jung!
Anekdote.
Nach dem Schluſſe des Jahrmarkts ſaß ein Kauf⸗ mann ärgerlich auf dem Kaſten, darinnen er ſeine Waaren ſchon verpackt hatte, und überſchlug eben, daß er kaum Zehrung und Standgeld erlöſt habe. 1
Steht ein Bauersmann vor der Bude und blickt in Einem fort auf die leeren Dielen.
Der übelgelaunte Kaufmann ärgerte ſich darüber und ruft ihm zu;„Was ſtehſt Du da und gaffſt wie ein Maulaffe?
„Ich wollt' nur'mal ſehen, was Ihr feil hättet, ſagte der gutmüthige Bauersmann und rückte höflich ſein Käpplein.
„Eſelsköpfe hab' ich feilln grollte der Kaufmann.
„So?“, fagte der Bauer und lächelte.„Dann wun⸗ dert's mich, daß Ihr ſo bös ſeid; denn Ihr müßt einen prächtigen Markt gehabt haben, da Ihr nur noch Einen übrig habt! f ö
Darauf ging er ruhig ſeines Weges.
Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 12. September 1849.
a S gute Tage haben!“ Aufgefahrenſ Verkauft Mittelprei Der Schulz ſagte:„Setz Dich, Philipp,“ und die Gattung. wurden wur den epi junge Frau, das Kathrinchen, und das Lieschen trugen(Mltr.)](Mltr.) fl. kr. auf, daß der Philipp hätte müſſen ſieben Mägen haben, rr a 15 72 5 15 wenn er's hätte eſſen wollen. 1111 5 9 og 14 9 4 58 Aber die Freude des alten Schmiedjacob hätte ein Gerſte 5 5 4 20 Chriſtenmenſch— ſollen und das leuchtende Angeſicht Fate 1 4 70 1 2 Lieschen's! a Kartoffeln 20 8 1 10
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
Schen
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hofen eiche, auf den Stamm Freiherr von „wohnhaft zur Sorge
beſtehend in dem ehemaligen Oeutſch-Ordensgut N daſelbſt, in einem zu ohngefähr 403 Morgen ange ebenen Flächengehalt, in dem ehemaligen von Bobenhauſen'ſchen Gute mit einer Hofraithe
erſt neuerdings die Ausfertigung und Confir⸗ mation des Kaufbriefs beantragt worden.
Um nun die nicht ganz vollſtändige Eigen⸗ thumsnachweiſung zu ergänzen, ergeht dieſe Evictalladung unter dem Anfügen, daß, wer an
cataſtrirtes Gut,
Edictalladung.
Den Bentauf des zu, Oobennpofen gelegenen. ngen Gelände, auch weiter in der neu augekauf⸗
ten vorhin Amtsjäger Marchand'ſchen Hofraithe
Freiherrlich von Schenk'ſchen Guts an den Herrn Grafen zu Solms-⸗Laubach betreffend.
(1402) Die Erben der verſtorbenen Ehegat⸗
tin des Hauptmanns Freiherrn von Schenk zu
Schweinsberg auf der Sorge, nachher zu Her⸗
mannſtein, haben bereits im Jahr 1837, ihr in der Gmarkung des hieſigen Bezirksortes Obborn⸗
und dem etwa 6 Hufen haltenden, dazu gehö⸗
mit Nebengebäude und etwas über 13 Morgen Land, nebſt allen weiter dazu gehörenden Ge⸗ rechtſamen, namentlich auch Berechtigung in dem Bellersheimer Markwald, an den Herrn Grafen Otto zu Solms-Laubach zu 67,000 fl. verkauft, und es iſt bei unterzeichnetem Gericht
das bezeichnete Gut oder einzelne Beſtandtheile, Eigenthums ⸗,„ Pfand⸗ oder ſonſtige Anſprüche zu haben vermeint, ſolche ſogewiß binnen 3 Monaten dahier anzumelden und nachzuweiſen haben, als ſonſten keine Rückſicht darauf ge⸗ nommen und der Kaufcontract ohne Weiteres beſtätigt werden wird. Hungen den 18. Auguſt 1849. f Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann.
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