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Freunde aus den untern Minen und brachten die Provi⸗ ſionen mit. Am nächſten Tag beſchloſſen wir an die Arbeit gehen N * Nachdem wir einen uns tüchtig ſcheinenden Platz im Herzen der ſteilen Bergſchlucht ausgewählt hatten, ſchafften wir unſre großen indianiſchen Körbe, die wir in Sutters⸗ Fort eingehandelt, herbei, ſchaufelten die Erde hinein, ſteckten Stöcke hindurch, legten dieſe auf unſre Schultern und trugen die alſo beladenen dann zum Rande des Stro⸗ mes hinab, wo wir nach alter Art wieder zu waſchen anfingen. Der Erfolg war übrigens ſehr günſtig, und am Abend fanden wir, daß wir uns um ein Bedeutendes verbeſſert hatten. Der Boden iſt hier weit reichhaltiger an Gold als weiter unten. Die Arbeit aber, die Erde nach dem Waſſer herunterzuſchleppen, war auch um ſo größer, und ich war an dieſem Abend ſo müde, daß ich mich kaum zwingen konnte, mein Tagebuch zu öffnen, und dieſe kurzen Notizen niederzuſchreiben.
Als wir am andern Morgen mit der erſten Ladung Kies nach dem Fluſſe zu aufbrachen, meinte Lacoſſe plötz⸗ lich, daß er gar nicht einſehe, weßhalb die Pferde dort wie Gentlemen ſpazieren gingen, während die Gentlemen wie Pferde arbeiteten, und er ſchlug vor, lieber die Schul⸗ tern unſrer Thiere, als unſre eignen dazu zu benutzen, den Kies bergab zu ſchaffen. Wir waren natürlich gern damit einverſtanden und wunderten uns nur, daß uns das nicht früher eingefallen war. Die Pferde wurden bald von ihren behaglichen Weiden herbeigeſchafft und zur Arbeit angehal⸗ ten und mußten die jetzt an beiden Seiten herabhängenden Körbe zu Waſſer tragen.
Verſchiedene Neugekommene von den Mormonen— Minen paſſirten heute an uns vorbei und gingen weiter den Bach hinauf. Am Morgen beſuchte uns auch Mr. Marſyhall, um zu ſehen, was wir erbeuteten. Er hatte von Kapitän Sutter gehört, dieſer wolle nach den Minen ſelber aufbrechen, ſobald er nur ſeine Weizenernte, was hoffentlich während der nächſten Woche geſchehen könnte, eingebracht habe. 5
Einige Tage noch Erfahrung in der Nähe der Säge— mühlen geſammelt, und wir waren überzeugt, daß wir hier in Folge der großen Entfernung zwiſchen dem Orte, wo wir das Gold herabholten, und dem Waſſer, nur Zeit und Mühe verſchwendeten und gewiß einen weit vortheil— hafteren Platz auffinden konnten. So lange wir uns hier befanden, hatten wir fortwährend gehört, daß an Weber's Fluß das Gold in weit größerer Menge gefunden würde, und nach Weber's Fluß beſchloſſen wir zu ziehen. Der hier genannte Waſſercurs iſt ein kleiner Zufluß des nörd— lichen Arms des Americanos.
Wir ſchlugen unſre Zelte geſtern Morgen ab, beluden unſere Pferde und brachen auf. Der Fluß war an der Furth breit und reißend, aber ſeicht. Die einzige Schwierigkeit im Uebergang machten uns die glatten run den Steine, die mit grünem, ſchleimigem Moos bedeckt waren und den Grund des Fluſſes bildeten. Ueber dieſe ſtolperten unſre Pferde mit einer Heftigkeit, die drohte, ihre Ladung abzuwerfen. Glücklicher Weiſe kamen wir aber Alle, den armen Horry ausgenommen, gut hinüber. Deſſen Pferd ſtolperte nämlich über einen außergewöhnlich großen Stein und warf ſeinen Reiter, zum unbeſchreiblichen Vergnügen der ganzen Geſellſchaft, die den Fall des armen Matroſen mit lautem Gelächter begrüßte, in's Waſſer. Horry plätſcherte ſo ſchnell er konnte und ohne ſich weiter im mindeſten um ſein Pferd zu bekümmern, an's andre Ufer. Das jedoch war noch eher auf trockenem Lande, als er ſelbſt.
Wir zogen uns jetzt an der rechten Uferbank des
Nordarmes hinauf und bekamen an der entgegengeſetzten Seite einen Trupp von Indianern zu ſehen, die dort und, wie wir ſpäter erfuhren, für Mr. Sinclair arbeiteten. In einer einzigen Woche hatte dieſer Trupp 16 Pfund feingewaſchenen Goldſtaub gewonnen. Sie arbeiteten hart, wurden gut mit Proviſionen verſehen und bekamen täglich reiche Quantitäten des„ſtarken Waſſers.“ Mittags raſteten wir ein paar Stunden in einem freundlichen dicht bewaldeten Thalgrund und ſtiegen ſpäter in einem rechten Winkel von dem Fluß ab, einen von vielen Bächen durch- kreuzten, waldigen, aber nicht zu ſteilen Abhang hinauf.
Während dieſes Marſches paſſirten wir mehrere verlaſſene indianiſche Dörfer. Die rund gebogenen Gerüſte der Hutten zeugten allein von früheren Anſiedelungen. Kein einziges Glied des ganzen Stammes war mehr zu ſehen, der Biber mag jetzt dort in Ruhe ſeine Hütte bauen und das Rothwild ſeine Weide ſuchen. Gegen Abend be— traten wir das Thal, das Webersfluß bewäſſert; ſeine äußere Erſcheinung war reizend und das klare Waſſer
ſchoß in ſeinem engen, ſteilen, felſigen Bett ſchäumend uber
große runde Kieſel und niedere Granitblöcke ſpringend hinab.
Die graſigen Abdachungen des Thales ſind nach allen Richtungen hin mit kleinen Bächen durchſchnitten, deren Bett von üppigem Unterholz, hohem Gras und Grup⸗ pen niederer Eichen bezeichnet wird.
Ein paar Lager ſahen wir mit einem oder zwei roh ausſehenden Zelten, alle mit flammenden Feuern davor. Wir hielten ebenfalls und hofften, am nächſten Tage einen Platz zu erreichen, den wir zu unſerm Zwecke geeignet finden würden. An dieſem Morgen brachen wir ſehr frühe auf und erblickten bald verſchiedene Geſellſchaften von Drei bis Vieren, die theils im Bette des Fluſſes Goldſand wuſchen oder die Schluchten mit ihren Schaufeln und Spaten unterſuchten. Das Wetter fing an, entſetzlich heiß zu werden; ja in der That, je weiter wir den Sa⸗ cramento verließen, deſto drückender wurde die Luft. Die Seewinde können nie bis hieher dringen, uns zu erfriſchen und die Luft iſt, wenn nicht dann und wann ein friſcher Windzug durch das Thal zieht, ungemein ſchwuͤl.
Wir rückten nur langſam vor, erreichten aber doch in einer Stunde etwa eine Gegend, die den Windungen des Stroms nach ungefähr 20 Meilen von da liegen mochte, wo er ſich mit dem Americanos verband und wo wir beſchloſſen, unſer Glück zu verſuchen. Auch hier fan⸗ den wir ſchon eine Art Lager, allerdings nicht in der Aus— breitung, wie in den Mormonen-Minen; dennoch waren
die Goldwäſcher ſehr zahlreich und der größte Theil von
dieſen Indianer. Einige Wenige arbeiteten im Bett des Stroms, den größten Theil fanden wir aber in den Schluch— ten, die die Berge hinauf liefen, beſchäftigt. Die größte Quantität Goldſtaub wurde allerdings am erſteren gefun— den, die letzteren lieferten aber die beſten Exemplare von Goldklumpen und Goldſchuppen. Es wurde uns geſagt, daß die Seitenſchluchten, obgleich ſie ſehr reichhaltig ſeien, dennoch ungewiſſeren Ertrag geben, als der Hauptſtrom. Allerdings fand man immer Klumpen von mehreren Unzen Gewicht, verſäumte aber auch oft einen ganzen Morgen, ohne das Mindeſte zu bekommen, wo hingegen der Mann,
der ruhig im Strom blieb und regelmäßig fortwuſch, doch
ſicher ſein konnte, ſeine eine oder zwei Unzen zu realiſiren. Deßhalb beſchloſſen auch wir bei dem Fluß zu bleiben. Unſer erſtes Geſchäft war nun, zu verſuchen, ob wir nicht ein paar Wiegen herſtellen könnten. In einem ziemlich großen neu errichteten Laden fanden wir einige Kieferbret⸗ ter, die Forderung dafür aber auch ungeheuer. Wir be⸗ ſchloſſen deßhalb dem Beiſpiel der Indianer zu folgen, die wir bei den Sägemühlen geſehen hatten, das iſt: ein paar ſtarke
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