Ausgabe 
9.5.1849
 
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ich 2 Soll'n Menſch ſich ſein Leben lang

85 End herum balgen und von ihnen gejagt werden? Manch liebes Mal hab' ich mir vorgenommen, nach Taos hinunterzugehen und mir ein Weib zu holen, denn der Burſche wird nachgerade alt, und fühlt, daß er ein Weib für ſeine Hütte braucht, um ſeine alten Tage zu pflegen; allein wenn's drauf ankömmt, dieſen Vorſatz auszufuͤhren, hab' ich nicht im Geringſten den Muth dazu. Freihlich gedenk' ich manchmal auch der alten Staaten, und meiner Heimath; aber wer denkt dort noch an mich alten Kerl! Auch dort wimmelt's nachgerade von Men⸗ ſchen, und man kann nicht mehr Luft ſchöpfen vor den großen Banden von Kornkracken und Ackersleuten in Miſſoury. Ueberdem geht's mir wider die Natur, das Büffelfleiſch aufzugeben und von Schweinefleiſch zu leben, und die weißen Mädel ſind mir zu zart und gleichen all⸗ zuſehr Bildern, für mich rauhen Burſch ſind ſie allzu folarraw(fanfaron). Nein! zum Henkel mit den Nieder⸗ laſſungen, ſag' ich! Es paßt nicht für mich, und gibt keine Dollars? Zudem müſſen die Biberfelle wieder auf⸗ ſchlagen;'s geht wider menſchliche Natur, ſie um einen Dollar per Pfund zu verkaufen; nein, das kann nicht länger angehen. War'mal'ne Zeit, damals wo ich alter Kerl erſtmals in die Gebirge ging: da galt der plew!) ſechs Dollars, gleichviel ob alt oder jung, Weibchen oder Rammler. Bah! es muß wieder aufſchlagen; und da iſt Einer, der weiß, wie er bald ein Dutzend Päcke zuſammen⸗ bringt, und dann will er wahrlich den Weg nach Taos einſchlagen. Mit dieſem Selbſtgeſpraͤch klopfte Killbuck die Aſche aus ſeiner Pfeife und ſteckte ſie in das bunt⸗ verzierte ſchöne Futteral, das ihm um den Hals hing, ſchnallte ſeinen Gürtel um ein paar Löcher höher empor, hing wieder Pulverhorn und Kugeltaſche um, nahm die Büchſe, die er in den Falten ſeines Navajo⸗Teppichs ver⸗ ſteckte und verlies lautlos das Lager, um deſſen nächſte Umgebung zu recognosciren. Als er wieder zum Feuer zuruͤckkehrte, kauerte er wieder nieder wie zuvor, aber dieß⸗ mal mit der Büchſe quer über dem Schooße. Sein ſcharfes Auge ſchaute ſich von Zeit zu Zeit neugierig um, und haftete beſonders oft auf einem alten, verwitterten grauen Maulthier, das nun ein altes gedientes Thier träge an ſeinem Pfahle ſtand und, nachdem es ſich den Wanſt ge⸗ füllt, den Kopf ſinken ließ, die Ohren auf den Nacken zu⸗ rücklegte, und nun die Beine nahe zuſammengeſtellt, mit gekrümmten Rücken, um beſſer vor'm Regen geſchützt zu ſein, im Halbſchlummer von einer Seite zur andern ſchwankte. Hellauf, Alte! rief der Trapper dem Maulthiere

zu und warf es zugleich mit einem halbverbrannten Holz- ſtück aus dem Feuer, worauf das alte Thier ſich ſchnell aufrichtete und die Ohren ſpitzte, da es die Stimme kannte; hellauf, Alte, und behalt deine Nüſtern offen; ſind Braun⸗ häute um den Weg, denk' ich, und du könnteſt leicht noch vor Tag von einem Rapaho gelaſſo't werden! Und wiederum ſetzte ſich der alte Trapper vor das Feuer und bald nickte ſein Kopf, weil ihn die Schläfrigkeit über⸗ mannte. Er war in's Land der Träume entrückt, und ſchweifte nach Herzensluſt unter Heerden fetter Kühe oder jagte an einem biberreichen Strome, wo ihn keine india⸗ niſche Fährte ſtörte, und ihm die Ausſicht auf das luſtige Rendezvous und einen guten Markt, zu ſechs Dollars der Balg und Branntwein nach Gelüſten doppelt lockend er⸗ ſchien. Oder ſeine Einbildungskraft führte ihn vielleicht

rückwärts auf dem Pfade ſeiner Erinnerungen und er

überſchaute raſch die tauſend gefährlichen Wechſelfälle ſeines

*) plew, von dem franzöfiſchen la pluie, nennt der Pelzjäger den Balg des Bibers.

harten beſchwerlichen Lebens den einen Tag nah am Hungertode, den andern ſchlemmend in Saus und Braus; heute angefallen von blutgierigen brüllenden Wilden, denen er aber mit dem unerſchüttlichen Muthe des Mannes die Spitze bot, wie der gehetzte Hirſch ſeinen Feinden; morgen aller Sorge und alles Harmes ledig, ſicher und der Ver gangenheit vergeſſen, als willkommener Gaſt in einem Handels fort; oder das Gaukelſpiel ſeiner Phantaſie führte ihn vielleicht noch weiter rückwärts in die Heimath, nach der Wiege ſeiner Kindheit in die braunen Wälder von Kentuky, wo eine Mutter ihn pflegte, ihm Leckerbiſſen zu⸗ ſchob, ja wo er vielleicht ſpäter eine geſunde braune

blühende Dirne ſein Liebchen genannt. Genug, er ſchlief;

aber der Schlaf ſaß nur leicht auf den Augen des müden Mountaineers, denn ein leichtes Puſten des alten Maul thiers weckte ihn und ſpannte im Nu jede Nerve an ihm, und ohne ſeinen Körper zu bewegen, heftete ſein ſcharfes Auge ſich von ſelbſt auf das Maulthier, das nun mit rückgewandtem Kopfe daſtund, und Auge und Ohr nach Einer Richtung hingekehrt, in die Nachtluft hinaus puſtete und mit offenbarer Furcht ſchnaubte. Ein leiſer Laut des alten Jägers weckte auch die Anderen vom Schlaf, und während ſie den Körper leiſe vom durchnäßten Bette er⸗

hoben, belehrte ſie das einzige Wort: Indſchens!/ über

die Art und Nähe der Gefahr.

Kaum aber war das Wort über Killbuck's Lippen, ſo brach, das Heulen des wüthenden Windes und das Klatſchen des Regens übertönend, aus hundert Kehlen plötzlich von allen Seiten her um's Lager ein hölliſches gellendes Geſchrei; ein Dutzend Büchſenſchüſſe knallten aus dem Dickicht, und eine Wolke von Pfeilen pfiff durch die Luft, während zu gleicher Zeit ein Schwarm Indianer ſich auf die angekoppelten Thiere ſtürzte.Auh⸗auh⸗auh⸗auh⸗ auh! auf die Beine, Burſchen! rief Killbuck, und macht das alte Maulthier frei. Auf ſie, Burſchen! hurrah für Alt Keutuck!, Dabei ſtürzte er zu ſeinem alten Maul⸗ thiere hin, das wie toll vor Furcht ſtampfte und ſchnaubte, als ein nackter Indianer, der bereits den am Pfahle ange, bundenen Strick durchſchnitten hatte, dem Thier eine Tren, ſenſchlinge um die Naſe zu legen verſuchte.

Die Hand weg, verdammter Teufel! ſchrie der Trapper, auf den Wilden zuſpringend und ſtieß ihn, ohne die Büchſe anzuſchlagen, aus voller Wucht mit der Mün⸗ dung vor die nackte Bruſt, indem er zugleich abdrückte, ſo daß der Schuß knallte und den Wilden zwei Schritte weit mauſetodt an die Erde warf. Allein im ſelben Augenblick ſchwang ein Wilder ſeine Keule hinter ihm und ließ ſie mit ſolcher Wucht auf Killbuck's Schädel niederfallen, daß dieſer wankte, die Arme wild in die Luft warf und kopf⸗ über an die Erde ſtürzte. 5

Auh⸗auh⸗auh! ſchrie der Rapaho als der Weiße ſtürzte, warf ſich über den Daliegenden, erfaßte mit der Linken die Mittellocke von Killbuck's Kopf und fuhr eben mit dem Meſſer in ſeiner Rechten um die Kopfſchwarte des alten Trappers, als glücklicherweiſe La Bonté noch zeitig genug die Gefahr des Alten bemerkte und dem In⸗ diauer ſein Meſſer bis zu Hefte zwiſchen den Schultern hineinſtieß, ſo daß dieſer mit einem ſtöhnenden Aechzen und Schauder todt über den ausgeſtreckten Körper ſeines Fein⸗ des hinſank. 5

Der Angriff dauerte übrigens nur wenige Sekunden; der Aufall auf die Thiere war von vollſtändigem Erfolge begleitet geweſen, und die Indianer verſchwanden, die Laſt⸗ thiere mit lautem Geſchrei vor ſich hertreibend, in der Dunkelheit. Ohne den Tagesanbruch zu erwarten, be⸗ gannen zwei von den drei Trappers, die zur Zeit des Ueberfalls im Schuppen geweſen und nun allein noch zu