Ausgabe 
6.6.1849
 
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folgendermaßen:An der Sägemühle des Kapitän Sutter),

etwa 25(engl) Meilen oberhalb der unteren Wäſchereien, oder fünfzig Meilen von Sütter's erſter Anſiedelung(Neu Helvetia), erheben ſich die Berge zu einer Höhe von etwa tauſend Fuß und mehr uͤber das Niveau des Sacramento.

Hier wächſt eine beſondere Art Föhren, welche zunächſt

zur Entdeckung des Goldes geführt hat. Es fehlte den neuen Anſiedlern) an Bauholz, und Kapitän Sutter con⸗ trahirte, um dieſen Mangel abzuhelfen, im September 1847 mit einem Mr. Marſhall, ihm dort eine Sägemühle zu erbauen. Dieſe ward im Verlaufe des Winters und Frühlings 1848 erbaut, eine Wehre und Mühlkanal er⸗ richtet, allein als man das Waſſer an das Rad treten ließ, zeigte ſich, daß der Mühlkanal unmittelbar hinter der Schütze zu ſchmal und zu ſeicht war, um dem Waſſer

ſtrome die gehörige Kraft und Geſchwindigkeit des Laufes Um Mühe und Zeit zu erſparen, ließ Mr. Marſhall das in einem oberen Behälter hinter der Wehre

zu geben.

aufgeſtaute Waſſer mit raſcher Strömung direkt in den Mühlkanal, um dieſen tiefer und breiter auszuwaſchen. Er erreichte auch ſeinen Zweck vollkommen, und am Fuß des Waſſerlaufs ward ein großes Bett von Schlamm und Kies angeſchwemmt. Als Mr. Marſhall eines Tages am Mühlkanal hinunterging und ſich den Schlammhaufen beſah, bemerkte er ande Glänzendes darin, und las einige Stückchen von mekalliſchem Gefüge und Aussehen heraus, die für gediegenes Gold erkannt wurden. Er ging damit nach dem Foxt, erzählte dem Kapitän Sutter von ſeinem Fund, und Beide kamen überein, denſelben ſo lange zu verſchweigen, bis eine gewiſſe Mahlmühle Sutter's vollendet ſein würde. Allein trotzdem ward die Sache doch bekannt, und das Gerücht verbreitete ſich mit Blitzesſchnelle. Die erſten Arbeiten des Entdeckers und ihrer Competenten hatten den perlockendſten Erfolg und ſchon in wenigen Wochen ſuchten Hunderte nach den Goldgängen und dem Sande in der Nachbarſchaft.. e e

Die Wirkung dieſer Nachtichten auf eine Bevölke⸗

rung von 10 dünngeſäeten Anſtedlern in dieſem Lande, das an dieſem Theile der Küſte wenigſtens zu den ödeſten und unwixrthlichſten gehört und beinahe nur der Viehzucht günſtig iſt, dürfte nur denjenigen klar ſein, welche mit der en ech und dem Unternehmungsgeiſte des ame⸗ rikaniſchen Volkscharakters bekannt ſind. Kaum ward landes⸗ kundig, daß man um Gold zu finden, in gewiſſen Gegenden nur darnach zu graben brauche, ſo bemächtigte ſich eine wahre Manie der Gemüther; alle gewöhnlichen Geſchäfte und Berufsarten wurden verlaſſen, alle Bande der Pflicht ſchienen gelöſt. Man konnte unmöglich einen Diener oder Kommis behalten; von den Kriegs- und Kauffarteiſchiffen in den Häfen deſertirten Matroſen, Officiere und Unter⸗ officiere; die Soldaten gingen aus den Garniſonen davon. Die Zeitungen konnten nicht mehr erſcheinen, weil alle Arbeiter bis auf den Laufburſchen herab, auf die Gold⸗

jagd gingen und die Druckereien geſchloſſen werden mußten.

Ziegeleien, Sägemühlen und Landgüter(ranchos) wurden verlaſſen und öde. Die Stadt San Franzisco ward von ihrer Bevölkerung verlaſſen. Mr. Larkin ſagt ſogar: In San Franzisco blieb nicht einmal mehr ein Friedens⸗ richter zurück. Der zweite Alcalde von Monterey geht heute mit den beiden Eigenthümern unſeres Hotels nach

eines geborenen Badeners der halb Soldat halb Geſchäftsmann,

wie viele Hunderte der Bewohner des Oregon-Gebietes und Cali⸗ forniens ſeit 1839 dort angeſtedelt iſt, und ein ungeheures Ver⸗ mögen beſitzt. Ihm gehören Neu⸗Helvetig am Sacramento⸗, Harmong am Federfluſſe, und Fort Roß am Hafen von Bodega.

*) welche von 18371848 nach Beendigung des mexicaniſchen Krieges dorthin gezogen waren. n 3

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derſelben auf einen

dem Goldlande ab, denn dieſe haben ihr Comptoir und

ihren Gaſthof geſchloſſen und gehen nach dem Goldfluſſe. Ich ſah einen Advokaten, der voriges Jahr erſt zum General⸗

procurator des Königs der Sandwichs⸗Inſeln ernannt worden war, am Boden knieen, nach Gold graben und

waſchen, und alltäglich etwa 3 Loth Gold als Ausbeute

gewinnen. In ſeiner Nähe konnte man alle ſeine Collegen

vom Advokatenſtande in derſelben Beſchäftigung begriffen

ſehen. 4 5 Schon im Auguſt berechnete man, daß ſich etwa

4000 Perſonen, wovon die Hälfte Indianer, mit dem

Goldſuchen abgaben, und ſchätzte die tägliche Ausbeute nen Werth von 30 50,000 Dollars. Colonel Maſon ſagt, dieſe Leute alle leben unter Zelten oder Hütten von Fellen und Baumzweigen und unter

freiem Himmel; gleichwohl aber ſollten, ſeiner Verſicherung

zufolge, damals noch keinerlei Verbrechen unter ihnen vor⸗ gefallen ſein, obſchon manche ſehr bedeutende Summen in Gold bei ſich trugen. Die Leichtigkeit, ſich das werth⸗ volle Metall zu verſchaffen, und die Furcht vor dem Lynch⸗ geſetze, hält gewiß Manchen von Gewaltthaten zurück, obſchon dieſe ſicherlich ſpäter nicht ausbleiben werden. Hinſichtlich der wirklichen Ausbeute in einzelnen Fällen gibt Mr. Larkin intereſſante Notizen. Bei der Schilderung eines kurzen Aufenthalts an einer Stelle, wo acht Männer mit zwei ſehr rohen Maſchinen arbeiteten, ſagt er:Zwei Abende ſah ich die acht Männer den Erx⸗ trag ihrer Tagesarbeit in ihr Zelt hineinbringen; Jeder mochte durchſchnittlich 50 Dollars täglich verdient haben; ihrer eigenen Schätzung zufolge kamen auf ken Tag etwa zwei Pfund Gold, alſo auf den Mann vier Unzen im Werthe von 64 Dollars. Zwei Brüder, welche zuſammen arbeiteten und den Schlamm und Sand des Fluſſes nur in einer Blechpfanne wuſchen, fanden, der Eine für ſieben, der Andere für 82 Dollars in Einem Tage. Dieß rührte daher, daß der Eine weniger Stunden arbeitete, als der Andere und zufällig auch einen minder ergiebigen Boden hatte. Dieſe Fälle gehören aber zu den ſeltenſten und auffallendſten. Wahrend meines Beſuchs machte ich den Dollmetſcher für einen Eingeborenen von Monterey, der eine Maſchine oder Kanode kaufte. Zuerſt verſuchte ich Bretter zu kaufen und einen Zimmermann für ihn zu miethen; allein es waren im Ganzen nur einige hundert Fuß Bretter zu haben, und für dieſe forderte der Eigen⸗ thümer mir 50 Dollars per hundert Fuß, und ein gold⸗ waſchender Zimmermann verlangte ein Taglohn von 50 Dollars für die Arbeit. Endlich kaufte ich ein Boot aus einem ausgegrabenen Block, mit einem aus Weiden ge⸗ flochtenen Durchſchlag und Sieb, für 120 Dollars, zahl⸗ bar in Goldſtaub zu 14 Dollars per Unze. Der Eigen⸗ thümer motivirte dieſen hohen Preis mit dem Vorgeben, er habe zwei Tage lang daran gearbeitet, und verlangte noch überdieß, daß er es noch bis Sonnenuntergang be⸗ nützen dürfe. Mein Californier hat mich hernach ver⸗ ſichert, daß er, ſein Aſſocié und zwei Indianer mit dieſem Boot, oder beſſer geſagt: dieſer Waſchtonne, den erſten Tag acht, den zweiten Tag fünf Unzen Gold gewonnen habe. 3 1 a Colonel Maſon erzählt von Dem, was er an Weber's Creek geſehen, folgendes:Wir fanden eine große Anzahl Weiße und Indianer, von denen die Einen im Strombette,

die Anderen in den kleinen Seitenthälern der einmündenden

Gewäſſer beſchäftigt waren. Gerade dieſe letzteren ge⸗ währten eine reiche Ausbeute, ſelten weniger als zwei Unzen per Tag. Ein winziges Bächlein, das man mir zeigte, kaum hundert Schritt lang, 4 Fuß breit und 23 Fuß tief, ſollte zwei Goldſuchern: William Daly und

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