Ausgabe 
6.6.1849
 
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utelligen.

fur die

Blatt

Provinz Oberheſſen nee 5s 218 baer im Allgemeinen, 15 1 5 dien Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

.

5.

Mittwoch den 6. Juni

8159

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

An die Gtoßh. Bürgermeiſter und Beigeordneten des i Gerichtsbezirks.

Betref fend: Das Executions verfahren bei den Untergerichten.

In Folge mehrfacher Beſchwerden, daß bei Pfandun⸗ gen nicht mit dem gehörigen Nachdruck verfahren werde und veranlaßt durch ein Ausſchreiben Gr. Hofgerichts, em⸗ pfehlen wir Ihnen die pünktliche Befolgung unſeres Aus⸗ ſchreibens vom 18. Dezember 1832. Wir finden uns namentlich veramaßt, Sie auf die unter Nr. 1 vorgeſchrie⸗ bene Entfernung der Pfandobjecte aus dem Gewahrſam des Schuldners, mit dem Bemerken, aufmerkſam zu machen, daß wir den Gerichtsdienern bei Strafe anbefohlen haben, vor jeder Zwangsverſteigerung von Mobilen den Schuldner aus dem Beſitz zu ſetzen und die Pfänder Ihnen zu über⸗ liefern!. f Eine Verſteigerung von Pfändern, ohne vorausge- gangene Beſitzentſetzung und Uebertieferung, würde nicht allein die Nichtigkeit des Actes zur Folge haben, ſondern wir wären auch genöthigt, Ihnen die dadurch entſtandenen Koſten zur Laſt zu ſetzen. 99

Zugleich verſehen wir uns zu Ihnen, daß Sie in jedem einzelnen Fall, in welchem Ihnen eine Pfänderver⸗ ſteigerung zugemuthet wird, ohne daß der deßfallſigen Vor⸗ ſchrift Genüge geſchehen iſt, unverzügliche berichtliche An⸗ zeige machen werden. N

Friedberg den 1. Juni 1849. 05

f Gr. Heſſ. Landgericht Dr. Gilmer.

Californien, das neue Eldorado.

Den Leſern dieſes Blattes wird es wohl nicht un⸗ intereſſant ſein, über das Wunderland, nach welchem der⸗ malen aus allen Theilen der Welt eine ungeheure Ein⸗ wanderung ſtattfindet, in Nachſtehendem einige zu ver⸗ läſſige Notizen zu finden. ane

Vielen unbefangenen Beobachtern der öffentlichen und politiſchen Zuſtände der nordamerikaniſchen Union drängte

ſich, als im vorigen Spätherbſte die Kunde von der Auf⸗

findung ſolch ungeheurer Goldgaͤnge am Rio Sacramento ganz Amerika und Europa durchlief, der Gedanke auf, dieſe Nachricht ſei nur ein amerikaniſchet Puff, erfunden um nach jenem neuerworbenen, dünnbevölkerten Lande recht raſch eine zahlreiche Bevölkerung jener Abenteurer und wilden Pionneers hinzuziehen, welche in der Union überall die Vorläufer der Kultur und die Bevölkerung auf dem Saume der Civiliſation bilden. Nur wenige mit Amerika bekannte Männer nahmen dle Nachtichten von dem uner⸗ ſchöpflichen Goldreichthum für baare Münze. Aber auch hier wie in den meiſten ähnlichen Fällen, lag oder llegt die Wahrheit mitten inne zwiſchen den beiden entgegenge⸗ ſetzten Behauptungen. Hterfür ſpricht beſonders der glaub⸗ würdige Inhalt einer Nummer der beſt redigirten Boſtoner Zeitung, the Daily Evening Traveller vom 11. Decem⸗ der 1848, worin authentiſche Documente eines höheren Officters im Dienſte der V. St., des Colonel Maſon, enthalten ſind, datirt aus ſeiner Statton Monterey, vom 17. Auguſt, und gerichtet an die Wige euß als offizielle Depeſche. Aehnlich lauten auch die Berſchte von Mr. Larkin, dem Conſul der V. St. zu San Frantisco. Beides ſind kaltblütige, beſonnene, geſchäftliche Mitthei⸗ lungen, änſcheinend über jeglichen Argwohn erhaben, und ohne Schwindelei oder die Abſicht zu täuſchen geſchrieben; beide beſtätigen im Allgemeinen die Nachrichten, welche urſprünglich von dem Goldreichthum in Californien zu uus gedrungen ſind.

Der gegenwärtig ausgebeutete Golddiſtrikt liegt an einer kleinen langgeſtreckten Meerenge, der ſogenannten ſourche americaine, in welche ſich der Rio Sacramento ergießt, und an den verſchiedenen anderen Flüſſen, welche ſich in dieſen und die Fourche münden. Der Grund und Boden iſt Staatsland, allein dies ſcheint bis jetzt noch kein Hinderniß für die Menge der Abenteurer, welche dort bereits nach Gold ſuchen. Ueberdem gielt hier vorerſt noch das alte mexicaniſche Geſetz, wornach Jeder nur gegen eine gewiſſe Abgabe an den Staat und nach vor⸗ gängiger Anzeige auf edle Metalle anbauen darf, wo und wie lang er will, gleichviel wem der Boden gehört, und wornach der Finder auch Eigenthümer eines ſolchen Erz⸗ ganges iſt. Das Goldland heißt nach mexicaniſchem Brauche el placer, und erſtreckt ſich uͤber die Gebiete des Rio Sa⸗ cramento, San Joaquino, des Feder⸗, Bären⸗Fluſſes u. ſ w. Colonel Maſon, der den Golddiſtrikt ſelbſt beſucht, und die darauf borfallenden Scenen beobachtet hat, ſchildert ſie