Ausgabe 
4.8.1849
 
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Ein Kampf um Leben und Tod. 0 (Fortſetzung.)

Er ging mit dem Kinde auf dem Arme nach der Küche zu ſeiner Frau, mit der er ſeit geſtern Abend kein Wort gewechſelt hatte. a

Biſt bald fertig? fragte er.

Ich habe nur zwei Hände! antwortete ſie barſch.

Sie war noch unwillig vom geſtrigen Abend her und glaubte Stephan ſei unwillig. Dieſer aber fragte in mildem Ton: 1111

Kann ich Dir nichts helfen? N

Margret horte Nichts von dem milden Tone und agte: 98 4 5 1Nein! geh' Du nur wieder in die Stube. Die Männer ſind einem nur im Weg in der Küche. Hörſt Du, wie das Kind ſchreit? Geh doch, ich kann nicht an zwei Orten auf einmal ſein.

Stephan gehorchte, aber voll Ingrimm; er dachte, er ſei doch ſo liebreich geweſen und ſei ſo hart behandelt worden; er vergaß, daß ſeine Frau nicht ahnen konnte, was in ihm vorging, und daß er ihr ja eigentlich nichts

eſagt.

0 Wunderbar! Wenn die Menſchen in Zank und Streit gerathen ſollen, da werden die Zaghafteſten beredt; wenn es aber gilt ein Liebeswort, ein verſöhnendes zu ſagen, da krümmen und winden ſie ſich wie Stotternde, oder mei⸗ nen gar, der Andre müßte von ſelbſt ihnen in's Herz ſchauen und wiſſen was darin vorgeht.

Stephan wiegte zornig das Kind, das mit geſchloſ⸗ ſenen gegen die Bruſt gehobenen Händchen bald feſt ſchlief, bis er merkte, daß er es faſt auf den Boden warf und hielt inne. Er war doppelt ärgerlich, denn ihn hungerte. In den leeren Magen läuft gerne die Galle über; Du fannſt das in der Stunde vor der Eſſenszeit merken, und dieſe Stunde dehnt ſich bei den Armen, Unglücklichen oft zum ganzen Tage aus. Darum erklärt es ſich auch leicht warum ſie ſo oft von Kleinigkeiten gereizt werden und einander noch peinigen. Die bitterſte Frucht der Armuth iſt leider oft der Unfriede mit ſich ſelber und mit den nächſten Angehörigen.

Voll Aerger harrte Stephan des Abendeſſens. Zwar lag noch ein Stück Brod in der Tiſchlade; er betrachtete es prüfend und legte es wieder ungeſchmälert an ſeinen Ort. Morgen war erſt Samſtag, und vor Sonntag ging es nicht, daß man wieder Brod kaufte.

Endlich brachte Margret den Topf voll geſottener Kartoffeln, ſchüttete ihn auf den Tiſch aus und ſtellte Salz daneben. Dann faltete ſie die Hände und ſprach das Tiſchgebet; Stephan betete leiſe nach. Aber was iſt das für ein Beten, während man gegen ſeinen Nächſten, deſſen Andachtsworte man mit ihm auf der Zunge hat, Groll im Herzen hegt? Wie kann ſich die Seele zu dem Höchſten erheben, belaſtet von ſolcher Bürde? Wird da das Beten nicht bloſes Maulwerk und Litanei? l

Freilich ſagſt Du, wenn man allen Menſchen das Beten verſagen wollte, die noch gegen ihre Nebenmenſchen verſchloſſen und hart ſind, da wuͤßten viele Lippen ſchon lange nicht mehr wie man Amen ſagt, und auf den Kir⸗ chenbänken läge jähriger Staub!

Aber denk' einmal darüber nach, ob man ein Recht hat die Hände zu falten,'ſtatt ſie aufzumachen und dem Andern zu reichen, zur Verſöhnung und Hülfeleiſtung.

Nun aber wollen wir unſeren beiden Leutchen beim

Abendeſſen zuſchauen; man beißt ja vom Zuſchauen kein Stück ab.

Es geht ſtill her, denn Niemand will ein Wort reden. Das kleine Mädchen, welches Stephan auf einen Stuhl neben ſich geſetzt hatte, unterbrach das Schweigen, indem es fragte: f

Wo iſt denn unſer Anton?

Peter erwiederte mit kluger Miene:

O, der iſt jetzt ſchon lange im Himmel und ißt mit

unſrem Herrgott zu Nacht. Der Lehrer hat geſagt, es ſind ſo viel Millionen Stunden von der Erde bis zur Sonne; wenn man aber geſtorben iſt, iſt man in einer Minute dort.

Margret ſeufzte ſchwer auf, große Thränen ſtanden ihr in den Wimpern; Stephan ſah ſie mit eingekniffnen Lippen an; man wußte nicht, war es Zorn oder Mitleid was aus ihm ſprach. Er rief nur den Kindern zu:

Seid ſtill und ruhig beim Eſſen. i

Er zwang ſich ſelber eine Kartoffel hinabzuwürgen, und doch war ihm die Kehle wie zugeſchnürt, und er mur⸗ melte vor ſich hin:

Am beſten iſt's man iſt geſtorben. Er lehnte ſich zurück, ſchüttelte mit dem Kopfe, als wollte er das An⸗ denken an das, was nun einmal unabänderlich geſchehen war, abſchütteln.

Es gelingt oft wunderbar ſchnell, einen bedruͤckenden Gedanken los zu werden; auch Stephan erging es ſo. Zwar ſpürte er keinen Hunger mehr, aber er wollte nun eſſen, weil es einmal Zeit dazu war und er ſich erinnerte, daß er nagenden Hunger gehabt habe.

In ſolchen Augenblicken ſchmeckt Alles, was man zum

Munde führt, wie dürres Stroh. 3 Nach einer Weile ſchaute Stephan ſeine Frau an,

mit einem Blicke der viel ſagen konnte, in der That aber

verwundert und bittend fragte: 5

Krieg' ich denn heute Nichts? Denn Margret hatte ſonſt in der Regel, bevor ſie einen Biſſen zum Munde brachte, mit wunderſamer Behendigkeit die beſten aufge⸗ ſprungenen Kartoffeln geſchält, in der Mitte entzweige⸗ brochen mit Salz beſtreut und ihrem Manne hingeſchoben. Mit dieſer Freundlichkeit fuhr ſie dann fort während ſie ſelbſt. Heute aber dauerte dies für Stephan zu lange (denn Margret trödelte in der That etwas), und er warf ihr jenen bemerkten vielſagenden Blick zu. Die Frau er⸗ kannte darin nur Vorwurf und Zorn. Was für ein Recht hatte denn Stephan auf ihre Zuvorkommenheit? Konnte er ſich nicht ſelbſt ſchälen was er eſſen wollte? So dachte Margret und ſchob die geſchälten Kartoffeln den Kindern hin, gleichſam um ſie zu begütigen, weil der Vater ſie ſo hart angerannt hatte.

Da lächelte Stephan vor ſich hin, und theils aus wirklicher Freundlichkeit, um damit zu verſöhnen, theils aber auch aus einem verſteckten Rachegefühl, um die er⸗ fahrene Unbill heimzubezahlen(denn ſo gemiſcht ſind oft die Empfindungen und Thaten der Menſchen), legte er jetzt eine von ihm ſelbſt geſchälte Kartoffel vor Margret. Sie aber ſagte trutzig: N

Du nur ſelber, und Du haſt Dir ja nicht ein⸗ mal die Hände gewaſchen vom Steinklopfen her.

Stephan biß die Lippen aufeinander und knirſchte endlich hervor:

Schaff' Dir einen Bäcker an, der hat immer ſaubere Hände wenn er den Teig geknetet hat. a

Er klappte ſein Taſchenmeſſer zuſammen, ſtand auf und verließ ſein Haus.

Draußen aber begann er erſt recht in ſich hinein zu wettern und zu fluchen, und eine ungehörte tiefe Stimme

erlaubte ſich drein zu reden. Stephan dachte: e

n schr eger). Vahe.

Porte

meinem nich. gigen, mir nie Praten! wie ein

glich für Da lhuſtꝰ)

Outheit

Fenn

(159 9 uhr ar Rechlers der Bataf befehend Nag, Shnur, hrfeiger

Fried