Leichtere mit kurzen Röhren fort. Jetzt habe ich einige rohe Maſchinen in Gebrauch und etwa hundert Mann be⸗
ſchäftigt, größtentheils Indianer, die gut genährt werden
und drei Mal des Tages Whiskey erhalten. Das Gerücht verbreitete ſich aber wie ein Lauffeuer. Ein Theil des Goldes wurde nach San Francisco geſchickt, und von dort ſtrömten die Bewohner in Maſſe nach den Minen heran. Hierzu kam noch, daß gerade in dieſer Zeit eine große Aus wanderungsgeſellſchaft von Mormonen über die Felſen⸗ gebirge nach Kalifornien kam, und zwar in denſelben Ta⸗ gen, als unſer Fund bekannt wurde, in die Gebirge einzog.
Sie machten natürlich Halt und fingen etwa dreißig Mei⸗
len von hier an zu arbeiten, wo Einige von ihnen ſich noch aufhalten. Als ich zuletzt in den Minen war, mögen etwa 800 Mann an verſchiedenen Plätzen dort beſchäftigt geweſen ſein, und 300 etwa gingen hin und wieder zwiſchen hier und den Goldplätzen. Zuerſt glaubte ich, das Gold würde durch ſolche Maſſen bald erſchöpft ſein, ſpätere Beobachtungen haben mich aber überzeugt, daß viele Jahre dazu gehören werden, ein ſolches Reſultat herbeizuführen, wenn gleich zehnmal die Zahl der jetzt hier Beſchäftigten noch einträfe. 4 „Was mich übrigens wundert,“ fuhr der Kapitän fort,„iſt, daß dies Land ſchon ſo lange Jahre durch wiſ— ſenſchaftlich gebildete Männer beſucht und erforſcht wurde, und daß nicht Einer von ihnen dieſe Schätze gefunden. Maſſen
von ſcharfäugigen Fallenſtellern und Jägern durchzogen dieſes
Thal in allen Richtungen, ganze indianiſche Stamme haben Jahrhunderte lang darin gewohnt, und dennoch war dies Gold nie entdeckt. Ich ſelbſt bin über den Platz wohl mehr als hundert Mal in den letzten zehn Jahren gegan⸗ gen, war aber ſo blind wie die Uebrigen, und ſo darf ich mich freilich nicht wundern, daß die Entdeckung nicht früher gemacht worden.“ Ich muß geſtehen, daß ich mich, während der Kapitän ſeine Erzählung beendete, ungemein erregt fuͤhlte und lieber gleich nach den Minen aufgebrochen wäre.
Die ſogenannten unteren Minen am„American Fork“ beſchreibt Mr. Brooks folgendermaßen:
„Je mehr wir uns jenen Stellen näherten, deſto rauher und ſchwerer, mit Eichen und Kiefern bewachſen, fanden wir den Boden, während wir in der Ferne und vor uns, durch dichte Wälder dieſer Bäume getrennt, einen langen Gebirgsrücken ſchneebedeckter Kuppen ſehen konnten. Es war dies die hohe Sierra-Nevada. Unſer Plan ging aber dahin, Gold zu finden, und wir kümmerten uns wenig um die nichts einbringenden Naturſchönheiten. Nur unſre Pferde trieben wir zu ſchnellerer Eile an. Wir ritten jetzt an des Fluſſes Ufern hin und erblickten gegen Abend die unteren Minen, die hier die Mormonen-Minen genannt werden und ſich etwa zwei bis drei Meilen am Fluſſe hin⸗ dehnen. Etwa vierzig zerſtreute Zelte ſtanden an der Huͤgelſeite hin aufgeſchlagen, die meiſten wurden von Amerikanern, von denen einige auch ihre Familie mitge— bracht hatten, bewohnt. Obgleich die Sonne ſchon faſt unterging, fanden wir Alle doch noch in voller Arbeit. Immer nur wenige Schritte von einander ſtanden Männer mit ihren bloßen Armen und waren ebenſo beſchäftigt, die goldnen Schuppen und den Goldſtaub aus dem reichhal— tigen Boden herauszuwaſchen. Andere ſchütteten es erſt durch Siebe, von denen viele aus erſt ganz kürzlich in einander geflochtenen Weidenzweigen verfertigt ſchienen. Sie wollten ſich dadurch vorher der großen Steine ent— ledigen, um nachher die Erdklumpen in Töpfen auszu⸗ waſchen, die unter der Oberfläche des Waſſers ſtanden. Der Inhalt der Gefäße wurde dabei fortwährend mit der Hand aufgerührt, bis die leichtere Erde oder Kiestheile ausſchwemmten. 5
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Ein großer Theil der Anſiedler beſchäftigte ſich ubrigens
mit der Verfertigung von Maſchinen, die ſie hier„Wiegen
nennen. Der Name rührt auch theils von der Form her, die ſie ihnen geben, theils von der ſchaukelnden Bewegung, mit der ſie ſpäter benutzt werden. Dieſe Maſchine ſchlägt man ziemlich roh aus Brettern zuſammen. Später am Tage beobachtete ich eine derſelben in voller Arbeit und ließ mir die Manipulation erklären. Vier Männer ſtanden daran beſchäftigt. Der Erſte ſchaufelte die Erde auf, ein Anderer trug ſie zu der Wiege und warf ſie gegen eine Art Roſt oder Sieb, das horizontal zu Kopf der Maſchine ſtand. Der Draht dieſes Roſtes lag ziemlich dicht neben einander und ließ nur die kleinern Theile von Erde und Sand hindurchfallen. Der Dritte ſchaukelte die Wiege, und ich muß geſtehen, daß ich noch nie einen Mann an einer Wiege ſo emſig beſchäftigt gefunden habe, wie Den. Der Vierte hatte nur fortwährend Waſſer hineinzugießen. Das Reſultat dieſes vierfältigen Prozeſſes iſt, daß die leichtere Erde nach und nach durch das Plätſchern des Waſſers hinausgeſchwemmt wird und ein dicker Satz von ſchwarzem Sand am Boden zurückbleibt; dieſen nahmen ſie nachher ſehr ſorgfältig heraus und legten ihn bei Seite, damit er am nächſten Tage an der Sonne getrocknet würde.
Ich glaube nicht, daß ich im Stande wäre, die Wir⸗ kung zu beſchreiben, die dieſer Anblick auf unſre Geſell— ſchaft hatte. Es war ordentlich, als ob die fabelhaften Schätze der 1001 Nacht plötzlich vor unſern Augen reali— ſirt würden. Wir ſchüttelten uns einander die Hände und ſchworen, treu zuſammenzuhalten und zum gemein⸗ ſamen Wohl kräftig mitzuhelfen. Die Goldſucher ver— ſicherten uns, daß Einige von ihnen manchmal bis zu 50 Dollar Werth den Tag auswüſchen. Während wir ſo von Lager zu Lager ritten und die Goldmaſſen ſahen, manches in kleinen Klumpen, der größre Theil aber in
einer groben Art Staub, was Alles durch dieſe Leute in
den letzten kurzen Wochen zuſammengewaſchen worden, ſo überlief uns eine ordentliche Fieberhitze. Ein Mann zeigte uns 400 Unzen reinen Goldſtaub, den er in einer Blech⸗ pfanne ausgewaſchen hatte und zu vierzehn Dollar die Unze ſchätzte. Man kann ſich wohl denken, daß die ganze Scene nicht wenig auf unſre Einbildungskraft wirken mußte. Alle kleinen Erhöhungen, die ſich in leiſen Ab⸗ dachungen von den Ufern des Fluſſes erhoben, waren mit weißen Leinwandzelten beſprenkelt, und zwiſchen denen hindurch lagen die düſter ausſehenden Hütten, die früher mit grünen, jetzt verdorrten Zweigen bedeckt waren. Ein paar hundert Schritte vom Fluſſe entfernt ſahen wir einen großen Haufen von Planken und Balken, die, wie uns geſagt worden, dazu dienen ſollten, einen Laden auc ten. Der Eigenthümer deſſelben, ein gelbhäutiger Yankee mit einem großen Cigaretto im Munde, arbeitete dort ebenfalls in Hemdärmeln.(Fortſetzung folgt.)
Birnkheim(Bornigheim).
An dem Wege, welcher von Grüningen nach Lang⸗ göns führt, lag vor Zeiten das Dorf Birnkheim. Wie Herr Prof. Dieffenbach in ſeiner Urgeſchichte der Wetterau S. 147. erwähnt und aus einem in dem dritten Bande des Archivs für Heſſiſche Geſchichte mitgetheilten Schreiben des Herrn Pfarrer Deichert zu Grüningen erhellt, ſo iſt die Stelle des Dorfes noch an einer Linde, einem Brunnen, einem Kreuze, den Mauerüberreſten, einer Capelle und dem neben dieſer liegenden, wahrſcheinlich den ehemaligen Kirch— hof einnehmenden„Schulgarten“ kenntlich. Es war wol nicht groß und hatte außer der Capelle, zu welcher ein Garten und Ackerland gehörte, noch eine Klauſe. Dieß weiſt das in Nr. 41. S. 178. unſers Intelligenzblattes angeführte, im
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