Ausgabe 
3.10.1849
 
Einzelbild herunterladen

1

50 Sertbt.

i verrichte Sell.

Stadtkuc

t ſch. Stadtkirch⸗ tſtz.

r Burgkirch zur

r Burgkirch

igenz-Blatt

für die

Provinz Oberheſſen 2 im Allgemeinen 1

den Uegierungsbezirk eie 0

im Beſonderen.

L 77.

Mittwoch den 3. Oktober

1819.

Amtlicher Theil. a Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg

an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirks.

Betreffend: Die Wahlen der Abgeordneten zu den beiden landſtän⸗

u Nane 171 277 2 512% f

Mit Bezug auf unſer Ausſchreiben in Nr. 75 des Intelligenzblattes laſſen wir gleichzeitig mit dieſem einem jeden von Ihnen eine Anleitung, zur Vornahme der rubricirten Wahlen nebſt dazu gehörigen Formularien Nr. 2 12, wurde Ihnen früher mitgetheilt Nr. 1, zum Gebrauche bei den in der Kürze ausgeſchrieben werdenden Wahlen zugehen. Die

Stimmzettel Nr. 13 und 14 werden Ihnen von den Wahl⸗

Commiſſären mitgetheilt werden. Friedberg am 1. October 1849.

Rauten bu ſch.

Der Schmiedjacob hält einmal einen Spiegel vor. g(Schluß.)

Manchmal ſah und hörte ſie nichts, ſo waren ihre Gedanken verworen und irre. Sie ging und wußte nicht wohin. Den Weg hatte ſie längſt verloren, der zum Dorfe führte.

Da rauſchte auf einmal neben ihr das Waſſer. Es war der Main. Die Sonne brannte ſo heiß. Sie war ſo müde, daß ſie ſich in die Weiden am Ufer legte und mit ihrem Kinde einſchlief.

Da gab ihr der Teufel einen Traum ein(ſie hat das nachher Alles vor Gericht erzählt), der ſo war: Sie ſei wieder in die Stadt gekommen und wieder in Dienſt getreten und ſei Alles gut geweſen, und als ſie nach ihrem Kindlein umgeſchaut, da hab' es im Main gelegen und ſei todt geweſen. 5

Als ſie erwachte, ſchauderte ſie zuſammen vor dem Traume; aber das war ſo ein Gedanke, dem ſie gewiß ſchon im Wachen Raum in ihrer Seele gegeben hatte. Sie ſah das ſchöne Kind an. Es lächelte. Sie druckte es

an ihre Bruſt; aber, aber die ganze Laſt ihres Schick⸗ fals fiel auf ihr Herz. Ihre Angſt ſtieg. Ihre Gedaßken verwirrten ſich wieder und der Main rauſchte als wolle er zu ihr ſagen: Komm' nur, ich begrabe deine Schande! Schon war ſie dran, es auszuführen, wie ſie es geträumt, da ſiegte noch einmal die Mutterliebe. Eine Viertelſtunde ſpäter hatte der Main das ſchöne Kind⸗ lein verſchlungen. Was mit ihr vorging weiß ich nicht; äber das weiß ich, daß ſie nach zwei Tagen wieder fröhlich

Hur Miethfrau in die Stadt kam und ig erzählte, ſie habe frau untergebracht. Nun wolle ſie wieder dienen.

Das ging auch ganz gut. Sie bezahlte die Mieth⸗ frau für den Hauszins, bekam ihre Kleider wieder und Alles war gut. Kein Menſch dachte, daß da etwas Unrech⸗

tes wäre; denn das Gretchen blühte wieder wie eine Roſe, putzte ſich wieder wie ein Pfau, girrte wieder am Brunnen wie ein Täubchen, und ließ die Augen wieder ſpazieren gehen nach Handwerksburſchen. Geſtel ihr beſonders ein Schneider und ſie ihm auch, der ein braver, geſitteter Menſch war, aber wie behext von dem Maͤdel, daß er ihrer Schande vergeſſen und ſie heirathen wollte.

Eines Sonntags war Kirchmeß in ſeinem Dorfe, das lag etwa zwei Stunden von der Stadt am Main, und ſein Vater war ein Fiſcher, ein armer Schelm dazu, der eine zweite Frau genommen und mit ihr noch ein kleines Kindchen hatte, das dazumal etwas über zehn Wochen alt war. Den wollte der Sohn mit ſeinem Gretchen beſuchen und war Niemand fröhlicher, als die Zwei, zumal Gretchen ſchon vor einem halben oder drei Vierteljahren ihm geſagt hatte, ihr Kind ſei am blauen Huſten geſtorben.

Als ſie an den Main kamen, wollte Gretchen um aller Welt willen nicht über die Uferwieſen hingehen, wo die Weiden ſtanden, und doch war der Weg weit um und erſtaunlich ſtaubig.

Half aber alles nichts; er mußte mit ihr im Wege bleiben. Der gute Schneider dachte nichts Arges.

Es war ſchon Mittag, als ſie ins Dorf kamen, und des Fiſchers Familie ſaß ſchon bei den gebackenen Mainfiſchen.

Nun ſetzten ſie ſich gleich an, aber das Gretchen hätte um Alles keine Mainfiſche gegeſſen. Sie ſchauderte davor, und die Fiſcherin backte ihr noch einen Pfann⸗ kuchen extra. f