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zeichnete Staatsbü
rungsbezirk Friedbe gewählt worden ſind, als für den:
J. Bezirk: Abgeordneter Cretſchmar zu Rödelheim. H., Gr. Landgerichtsaſſeſſor Emmerich zu Großkarben. III.„ Gr. Bürgermeiſter Holzmann zu Pet— terweil. a IV Landgerichtsaktuariatsgehülfe Valentin Nau zu Friedberg. V.„ Georg Stoll ledig zu Niederwöllſtadt. VI.„ Gemeindeeinnehmer Johannes Dott zu Heldenbergen. VII. Collektor Kuhl zu Butzbach. VIII. Gr. Landgerichtsaſſeſſor Ur. Stockhauſen zu Butzbach. * Gr. Bürgermeiſter Streb zu Rockenberg. 8 Georg Muth zu Beienheim. ä 1 Bürgermeiſter Diehl zu Münzen⸗ erg. XII.„ Gr. eee Köhler zu Langs- dorf.
Friedberg den 25. November 1848. Die Großh. Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg 7 Ouvrier.
Wie es einem ehrlichen Manne gehen kann! (Fortſetzung.)
Auf dieſe Erklärung eilte Anton nach Hauſe, und traf nach zwölf Uhr dort ein.„Er kömmt!“ rief er ſchon von Weitem mit Thränen im Auge,„er kömmt!“
„Warum weinſt du, was iſt paſſirt?“ riefen der Vater und Anna zugleich. a
„Man— hat— ihn— geſchlagen!“ ſchluchzte Anton—
„Geſchlagen!“ ſchrieen die Erſteren,„geſchlagen?“
Dort bringen ſie ihn in der Sänfte!“ bei dieſen Worten näherte ſich dieſe auch ſchon dem Hauſe. Mit zitternden Händen öffnete ſie der alte Vater und ſein un⸗ glücklicher Sohn ſtürzte ihm leblos in die Arme!
Man brachte ihn ſchnell zu Bette, neben welchem jetzt auch der greiſe Vater zuſammenſank und mit verhüll— tem Antlitz am Boden lag.
„Guter Georg!“ klagte er,„wie haſt du das ver⸗ dient? Welcher Kummer drückt jetzt auf mein mit Ehren weiß gewordenes Haupt!“ So weinend, ſtöhnend und jammernd vergingen wieder zwei Stunden, während denen Anton, Anna und Maria, welche ſogleich herbeigeeilt war, vergeblich ſich bemühten, ihn zu beruhigen.
Georg aber lag tiefathmend, ohne die Augen zu öffnen, im Bette. Endlich hielt vor dem Hauſe der Wagen des Doctors.„Der hat das ganze Unglück angeſtellt,“ murrte Anton vor ſich hin.
„Warum haben Sie meinen Sohn ſo grauſam ſchlagen laſſen?“ rief der Vater dem Eintretenden erzürnt entgegen.
Der zuckte mit den Achſeln und ſprach:„Das iſt Zufall. Er war zu ſechs Ruthenhieben verurtheilt, ſeinen Körper fand ich hinlänglich geſund, die an ſich geringe Anzahl Schläge auszuhalten, und daß er ſich dieſe Strafe ſo tief zu Gemüth ziehen würde, war nicht vorauszuſehen! Uebrigens dürft ihr nicht zu ſehr in Angſt ſein, denn in einigen Tagen iſt alles wieder gut.“
Ein wilder Blick des Alten ſtreifte über den Doktor und er unterdrückte mit ungeheurer Anſtrengung eine bit— tere Bemerkung. Nachdem der Arzt ein Recept aufge⸗
r als Bezirksräthe für den Regie⸗
ſchrieben, entfernte er ſich, mit der wiederholten Verſicherung, daß in einigen Tagen alles wieder gut ſein werde.— „Mein beſchimpfter Name— wird der auch wieder ehrlich werden?“ grollte der Alte ihm nach.
Anna's Vater war inzwiſchen aach herbeigekommen und ließ nach der Entfernung des Doktors ſeiner leicht erregbaren Galle den freieſten Lauf.„Es muß keine Ge— rechtigkeit mehr im Lande geben,“ ſchloß er ſeinen Ser⸗ mon,„und es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn man
nicht einmal ſein Recht mehr bekommen könnte! Und wenn
ich die Geſchichte bis zum König bringen muß, ſo thu' ich's!— Heute noch gehen wir in die Stadt zu einem Advokaten!“
„Das iſt nicht möglich,“ entgegnete ihm Anton;„es iſt ſchon zu ſpät und der Vater iſt zu ſehr angegriffen!“
Das Geſpräch drohte durch den immer mehr in Hitze gerathenden Feldwebel ſehr lebhaft zu werden, als Maria, welche ſich Georgs Pflege nicht hatte nehmen laſſen, ein⸗ trat, und mit leuchtenden Blicken verkündete, daß Georg die Augen geöffnet habe. Alle gingen hinein zu dem Kranken.
„Mit dir ſind ſie ſchön umgegangen, mein armer Georg,“ ſeufzte nach einer Pauſe der Vater.
„Es ſoll ihnen aber uͤbel bekommen!“ polterte der Feldwebel. f
„Wenn du mir nur verzeihſt, lieber Vater,“ lispelte Georg,„dann iſt alles gut, denn ich bin doch eigentlich die Schuld und Urſache der Schande, die über unſer Haus kommt!“ f
„Sei ruhig, ſprich nicht vom Verzeihen! Du haſt ja nichts verbrochen, lieber Sohn!“ tröſtete der ſelbſt höchſt troſtbedürftige Vater.
„Thut dir etwas weh?“ frug Anna—
„Haſt du nicht Durſt?“ Maria. 5
Der Kranke verneinte Beides und bat um nichts weiter, als ihn jetzt ſchlafen zu laſſen. Maria blieb an ſeinem Bette allein zurück. Sie lauſchte die ganze Nacht mit der größten Aengſtlichkeit den leiſen Athemzügen des theuren Kranken, denn auch ſie liebte den guten Georg ohne zu hoffen und zu ahnen, daß ſie wieder geliebt würde!
V.
Am nächſten Morgen traten der alte Maierbauer und der Feldwebel, letzterer mit ſeinen Dekorationen auf der Bruſt, in das Büreau eines Anwalts der nahen Stadt. — Nachdem dieſer den Hergang der Sache erfahren hatte, ſchüttelte er mißmuthig den Koof und ſprach alſo:
„Liebe Leute! dies iſt allerdings ein trauriger Fall, allein er iſt nicht der Erſte, welcher mir vorgekommen iſt. Einmal habe ich ihn verfochten— aber was war das Reſultat? Ein halbes Jahr lang wurde hin und herge— ſchrieben, und am Ende behielt doch das Gericht Recht! Die Partei hatte ſich verhaßt gemacht und mußte oben⸗ drein ungeheure Koſten bezahlen. So würde es auch euch gehen; die Hiebe können nicht mehr zurückgenommen wer⸗ den, der Richter hat aber einige Anhaltspunkte zu ſeiner Vertheidigung, und ſo iſt eure Beſchwerde ohne Reſultal Es iſt dies eine der unſeligen Folgen des geheimen, ſchrift⸗ lichen Polizeiverfahrens! Hätten wir Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, ſo hätte ſich dieſer Vorfall nie ereignen koͤn⸗ nen, nie ein die Eitelkeit des Richters verletzerbes, nicht einmal bös gemeintes Wort ſo viel Unbell über eine Familie bringen können!“
Offen und ehrlich hatte der Anwalt geſprochen und die beiden Alten ſahen die Wahrheit ſeiner Rede ſeyhr gut ein.— Wie viele unnütze und ruinirende Prozeſſe würden nicht geführt werden, wenn jeder Anwalt gleich offen und ehrlich zu ſeinen Clienten ſprechen würde!—


