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Reel
Intelligenz- Glatt
fur die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke
im Beſonderen.
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M49.
Sonnabend, den 24. Juni
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1848.
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Ein neues Halbjahr⸗ Abonnements
auf das wöchentlich zweimal erſcheinende„Intelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen“ beginnt am 1. Juli.
Geneigte Beſtellungen
wolle man recht bald entweder bei der Unterzeichneten, oder bei den den verehrlichen Abonnenten zunächſt gelegenen löblichen Poſtämtern einreichen.— Abonnementspreis: das halbe Jahr 40 kr.— Inſeratgebühren: die beiden erſten Zeilen zuſammen 7 kr.; die dritte und jede folgende
Zeile 2 kr.— Aufnahme der Inſeraten: welche bis zum Mitiwoch⸗Abend eintreffen, in das Samſtags⸗Blatt.
alle bis zum Sonntag Abend eingehenden Inſerate kommen in das Mittwochs-Blatt, und alle, Schließlich fügen wir noch bei, daß das Intelligenz⸗Blatt in einer Auflage von
1200 Exemplaren gedruckt und faſt in alle Theile des Großberzogthums verbreitet wird, weßhalb ſich alle in dieſem Blatte befindende Inſeraten einer
ausgedehnten Verbreitung zu erfreuen haben. Friedberg.
Die Redaction.
Die Arbeiter und die Arbeitgeber.
Wie ſehr man es auch beklagen mag: wenn man nicht das Auge vorſätzlich verſchließen will, wird man ſich doch eingeſtehen müſſen, daß der Klaſſenzwieſpalt zwi⸗ ſchen Arbeiter und Arbeitgeber beſteht und auch in Deutſch⸗ land reißende Fortſchritte macht. Es erhebt ſich im Ange⸗ ſicht dieſer Thatſache die Frage: Wer trägt die Schuld die— ſer beklagenswerthen Erſcheinung? Diejenigen, welche die fraglichen Verhältniſſe kennen und nicht nur die heutigen Zuſtände eines forſchenden Blickes würdigen; diejenigen, welche ihr Urtheil nicht nur an den Erſcheinungen des Au— genblicks abmeſſen, welche vielmehr das, was geweſen, mit dem zu vergleichen wiſſen, was iſt, erkennen wohl, daß die Arbeiterzuſtände, wie die allgemeine Geſittungsſtufe über⸗ haupt, in früheren Zeiten weit unter denen der Gegenwart geſtanden haben. Doch trotz dieſer Einſicht können ſie ſich nicht verheimlichen, daß in den Anſprüchen, welche ſich heute aus dem Schooße der arbeitenden Klaſſen erheben, in vieler Hinſicht eine tiefe Berechtigung liegt, obſchon in den häufig ſten Fällen das Ziel ihres Anſtrebens keineswegs zu den Mitteln ſtimmt, womit ſie jenes zu erreichen hoffen. Aber die Schuld, daß ſie darin fehlgreifen, iſt weniger die ihre, als ſie denen zur Laſt fällt, welche durch höhere Bildung und Stellung vor Allem berufen wären, ihnen den richtigen Weg zu zeigen und durch gewonnene Überzeugung ſie denſel— ben zuzuführen.
Unſere Zeit iſt eine ſolche— und es iſt ein Beweis des allgemeinen Fortſchritts, der ſie kennzeichnet— daß
das Beſſerwiſſen nicht anders zur Geltung gelangen kann, als indem es thätig wird, indem es überzeugend wirkt. Die gereifteſte Einſicht, das gründlichſte Urtheil verlieren ihr Recht, wenn ſie auf ihren Beweis und Wieder— beweis dem ſich in den Schranken der Beweisführung hal— tenden Gegner gegenüber verzichten.— Je bevorzugter eine Stellung, und je vielſeitiger die Kräfte ſind, die zu deren innerer Behauptung in Anſpruch genommen werden, deſto weniger dürfen Diejenigen, welche ſie ausfüllen, ſich der Mühe überhoben halten, nach Außen hin ihre Berechtigung und Befähigung dazu Denen deutlich zu machen, welche ge⸗ neigt ſcheinen, beide in Zweifel zu ziehen, mag dieſer Zwei— fel nun von einem richtigen oder falſchen Geſichtspunkt aus erhoben werden.
Es iſt augenſcheinlich, daß im geſetzten Falle das bloße Beharren in der erlangten höheren Stellung, wie günſtig letztere auch an und für ſich erſcheint, nicht ausrei— chen wird, ſobald Diejenigen, welche ſich ihr gegenüͤberſtel⸗ len, es in ihrem Intereſſe finden und es verſtehen, die ihrige nach und nach zu erhöhen und zu verſtärken. Wenn die Arbeiter in den wenig freien Stunden, welche ihnen von den Mühen der Werktagsbeſchäftigung übrig bleiben, ſich zuſammenthun, um ihre gemeinſamen Vortheile oder was ſie dafür halten, zu berathen, ſich gegenſeitig darüber zu unter— richten und in dem ſelbſtgeſchaffenen Kreiſe die Bildung ſich anzueignen, die ſie moͤglicherweiſe darin finden koͤnnen; während die Arbeitsgeber unter einander in gegenſeitiger Abſonderung verharren oder wechſelſeitigen Austauſch nur ausnahmsweiſe und nur dann ſuchen, wenn gelegentlich ein
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