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einzelnes Vorkommulß dazu drͤͤngt: ſo darf es die letzter⸗ wähnten Klaſſen keineswegs überraſchen, wenn das mora⸗ liſche Gewicht, das vor dem Urtheile der Welt die Regungen in jenen Kreiſen geltend zu machen beginnen, ſchwerer in die Wagſchale deſſelben fallt, als man hier erkläarlich findet oder erwartet. Wenn die Einen den Nachdruck ſelbſt mit Opfern erlangter gemeinſchaftlicher Entſchlüſſe begreifen lernen, das gegenſeitige Mißtrauen, den beſchränkten Eigen⸗ nutz fahren zu laſſen verſtehen, wo es gilt, die wohlver— ſtandenen Geſammtvortheile zu fördern, während den Anderen die eigenen Sonderintereſſen ſelbſt im Kreiſe der Gleichge— noſſenſchaft faſt allerwärts höher gelten, als der Geſammt⸗ nutzen der Letzteren: dann ergiebt ſich von ſelbſt, auf welche Seite zuletzt die ſittliche Kraft ſich hinwenden muß. Wenn endlich Diejenigen, welchen man Einſicht, gründliche Auf— faſſung, höheren Aufſchwung, richtiges Urtheil und gehörige Vorausſicht zu beſtreiten fortfährt, von ihrem Standpunkte aus, nach allen dieſen Dingen eifrigſt ſtreben; während die, welche ſich aller dieſer Eigenſchaften und Vorzüge rühmen, nichts thun oder zu thun im Stande ſind, um die Anderen von dem Vorhandenſein dieſer Gaben zu überzeugen, ſo läßt ſich vorausſagen, daß der Tag kommen wird, wo zu der Mißgunſt und dem Mißtrauen gegen deren höhere Stellung ſich die Geringſchätzung und die Verachtung geſellen muß.
Daß die arbeitenden Klaſſen in Bezug auf die Eigen thümlichkeit und die weſentlichen Bedingungen der Arbeit und ihres Lohnes, wie hinſichtlich der Mittel, beide zu ihren Gunſten zu ändern, Vorurtheile, beklagenswerthe Vorur— theile hegen, iſt leider von keinem Unbefangenen und Sach—⸗ erfahrenen in Abrede zu ſtellen. Aber, kann man fragen, was iſt von ihren Beſchäftigern geſchehen, was geſchieht von ihrer Seite, um ſolche Vorurtheile auszurotten? Ja, hat man auf dieſer Seite unter der großen Mehrzahl auch nur angefangen, ſich ſelbſt über die Dinge klar zu werden, die den eigenen Vortheil ſo nahe angehen? Hat man Schritte, entſchiedene, ausdauernde, gethan zur Förderung deſſen, was man in dieſem Kreiſe ſein Geſammtintereſſe nennen muß? Nach allen Vorgängen, nach allen Erſchei⸗ nungen, deren jeder Tag neue bringt, läßt ſich darauf leider nur eine ſehr wenig zufriedenſtellende, nur eine unerfreuliche Antwort geben.
Eutweder ſtimmen die wohl verſtandenen Intereſſen der Arbeitgeber und die der Arbeiter weſentlich zuſammen— und für den Tieferblickenden iſt ſolches eine ausgemachte Sache— oder das Gegentheil iſt der Fall. Eutweder liegt es im Vortheil der Arbeiter, daß die Induſtrie des Vaterlandes allenthalben und in allen ihren einzelnen Zweigen ſich hebt, und daß das Geſchäft ihrer Arbeitgeber blüht und gedeiht; entweder liegt es auf der andern Seite im Intereſſe der Arbeitgeber, daß ſie und alle ihre Genoſſen die Arbeiter vollauf und ohne Stockung beſchaͤftigen und ihnen fuͤr tüchtige Arbeit tüchtigen Lohn geben können: oder Beides iſt nicht der Fall, d. h. der Vortheil des Arbeiters hängt im Gegentheil von dem Verkümmern der Induſtrie, der des Arbeitgebers von dem Elend und der Entblößung des Ar— beiters, von den Schwankungen in der Production ab, welche dazu führen. Wäre die letzte Behauptung, die ihren Widerſpruch in ſich ſeloſt trägt, nun wirklich die richtige, ſo dürfte man freilich auf nichts eifriger hinſtreben, als mit der Induſtrie überhaupt zu Rande zu kommen, ſobald als möglich ſich einer Gewerbthätigkeit zu entledigen, deren Gedeihen über diejenigen, deren Loos unzertrennlich damit verbunden iſt, nach beiden Seiten hin Elend und Verderben bringen ſoll.
In der Verſtändigung über dieſe hier auf ihren letzten,
einfachſten Ausdruck gebrachte Alternative— in elner ſolchen
Verſtändigung zwiſchen Arbeitern und Arbeitgebern, ruht— da die Eutſcheidung über dieſe Fragen vor dem geſunden Menſchenverſtand nicht zweifelhaft ſein kann— die Aus- gleichung des drohenden Klaſſenzwieſpalts zwiſchen den beiden arbeitenden Klaſſen: den bloß ihre Arbeitskraft und Arbeitsgeſchicklichkeit zur Gütererzeugung beſitzenden, den Arbeitern im engern Sinne, und denjenigen Producenten, die mit den eigenen Arbeitsfähigkeiten noch höhere Einſicht und Geldkräfte verbinden, den ſogenannten Arbeitsgebern. Aus einer ſolchen Verſtändigung werden beide Theile nicht nur die Vortheile ziehen, welche innere Einigung den an entſchiedenes Zuſammenwirken gewieſenen Kräften ſtets gewährt, ſondern Beide werden darin auch die kräftigſte Stütze und den wirkſamſten Hebel ihrer Forderungen finden, die ſie zum Frommen ihrer gemeinſchaftlichen Jutereſſen an Staat und Geſellſchaft zu ſtellen ſich bewogen finden.
Aber damit dieſe Verſtändigung vor ſich gehen könne, iſt es nothwendig, daß der erſte Schritt von Denen gethan werde, welchen man eine höhere Bildung, eine tiefere Ein—
ſicht in die Verhältniſſe zumuthen darf. Sie dürfen nicht
länger fortfahren, die Vorurtheile und Abneigungen, auf die ſie zuerſt in dem Kreiſe der Arbeiter zu ſtoßen gewiß ſein können, als Vorwand zu gebrauchen, von demſelben in entfremdender Entfernung zu verharren und ſich der Mühe zu entheben, Jene zu überzeugen, daß nur im Zus ſammenwirken und Zuſammengehen Heil für das Gemein— ſchaftliche gefunden werden konne. Zu lange, viel zu lange ſchon iſt es von dieſer Seite verſaͤumt worden, in dieſer Weiſe das nothwendige Einverſtändniß zu erzielen und den immer tiefer aufklaffenden Riß zu heilen. Es iſt dringend
nöthig, daß die gegenſeitige Entfremdung aufhöre, was der
Natur der Sache nach nur dadurch geſchehen kann, daß ſich die geſellſchaftlich höher Geſtellten Denen nähern, welche in ihrer untergeordneten Stellung, wie jeder Tag zeigt, voll Mißtrauen und Argwohn, wenn nicht hie und da von noch ſchlimmeren Leidenſchaften gegen die ganze Klaſſe Jener erfüllt ſind. Es iſt möglich, daß zuerſt dieſes Eutgegen⸗ kommen von der andern Seite falſch verſtanden, vielleicht ſogar zurückgewieſen wird. Aber man darf ſich, der guten Sache und des nützlichen Zweckes bewußt, nicht abſchrecken laſſen, und darf dann die Ueberzeugung hegen, daß man das gewünſchte Ziel erreichen wird. (Deutſche Gew.⸗Ztg.)
Guſtav⸗ Adolf ⸗ Stiftung.
Die Jahresverſammlung der Mitglieder des Wet⸗
terauer Zweigvereins der Guſtav⸗Adolf⸗Stiftung ſoll Sonn⸗ tag den 25. Juni zu Melbach abgehalten werden und daſelbſt in der Kirche, Nachmittags um 2 Uhr begin⸗ nen. Indem die Unterſchriebenen zu einem recht zahlreichen Beſuche dieſer Verſammlung ergebenſt einladen, bemerken ſie zugleich, daß nach abgehaltenem Gottesdienſte und er⸗ ſtattetem Berichte über folgende Gegenſtände verhandelt werden ſoll: 1) Aenderung der Statuten des Landesvereines §. 5. und des Zweigvereines§. 3.; 2) Ob vorzugsweiſe die hülfsbedürftigen Gemeinden des Inlandes oder des Aus⸗ landes bei den Unterſtützungen des Vereines berückſichtigt werden ſollen? 3) Nothwendigkeit, daß der Verwaltungs⸗ rath zu Darmſtadt vor der Vertheilung der Jahreseinnahme die Abgeordneten der Zweigvereine mit ſeinem Unterſtützungs⸗ plane unter Angabe der Grunde bekannt mache; 2) Wahl des Vereins vorſtandes nach§. 10. der Statuten; 5) Beſtimmung des Orts fur die nächſte Jahresverſammlung. Sollte Jemand wünſchen, außer dieſen Gegenſtänden noch
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