lichen Kinder überlaſſen werden ſollen, 2) in welcher Wohnung die Frau ſich aufzuhalten hat, und 3) welche Unterhaltungsſumme inzwiſchen der Mann der Frau oder die Frau dem Manne entrichten muß.— Art. 10. Außerdem haben die Ehegatten wenn minderjährige Kinder aus ihrer Ehe vorhanden ſind, eine Beſcheinigung des Vormundſchaftsgerichts zu erwirken, daß die in Gemäßheit der Art. 8 und 9 abgeſchloſſene Ueber⸗ einkunft den Intereſſen der Erziehung und Vermögensverwaltung der Kinder nicht entgegen ſteht.— Art. 11. Die in den Art. 8 9 und 10 erwähnten Urkunden haben die Ehegatten mit dem Antrag auf Scheidung dem zuständigen Gerichte des Ehemannes gemeinſchaftlich zu überreichen.— Art. 12. Das Gericht hat in den nächſten vier Wochen nach dem Tage der erfolgten Eingabe Tag und Stunde zum Sühneverſuche zu beſtimmen und denſelben innerhalb weiterer 6 Monate nach erfolglos gebliebenem erſtem Verſuche zweimal zur gelegenen Zeit zu wiederholen. Bei allen dieſen Sühneverſuchen müſſen die Ehegatten perſönlich erſcheinen und den Antrag auf Scheidung wiederholen. Bas Gericht hat ihnen die geeigneten Vorſtellungen zu machen, ohne jedoch die Gründe der beantragten Schei⸗ dung ſelbſt zu erforſchen. Jedesmal ſind aber dazu die beiderſeitigen Eltern oder in deren Ermangelung die Großeltern der Ehegatten vorzu⸗ laden, wenn dieſe Ladung nicht mit beſonderen Schwierigkeiten verbunden ſein ſollte.— Art. 13. Erklären die Ehegatten in der erſten Hälfte des ſiebenten Monats nach abgehaltenem letzten Sühneverſuche, daß ſie bei ihrem Entſchluſſe beharren, dann hat das Gericht die Scheidung aus⸗ zuſprechen, oder auch den hierauf gerichteten Antrag, wenn es an einer der vorbemerkten Bedingungen fehlen ſollte, zu verwerfen.— Art. 14. In dem letzten Falle haben die Ehegatten, jedoch nur gemeinſchaftlich, innerhalb einer zerſtörlichen Friſt von vier Wochen, vom Tage der Be⸗ kanntmachung der Entſcheidung an, das Recht des Recurſes an die be⸗ ſtehenden höheren Inſtanzen.— Art. 15. Wenn eine Ehe zufolge der Uebereinſtimmung der Ehegatten geſchieden worden iſt, ſo kann der eine oder der andere Ehegatte erſt nach drei Jahren eine neue Ehe eingehen. Urkundlich Unſerer eigenhändigen Unterſchrift und des beigedrückten Staatsſiegels.
5) Bekanntmachung, Maßregeln zum Schutze der Segel⸗ ſchiffer betreffend. 5
6) Bekanntmachung, die Beſtätigung von Stiftungen und Ver⸗ mächtniſſen betreffend.
7) Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: die 1. evang. Schullehrerſtelle zu Monsheim, Kr. Worms, mit einem jährl. Gehalte von 345 fl. nebſt 30 fl. Vergütung für Heizung des Schullocals; die 2. evang. Schullehrerſtelle zu Monsheim, Kr. Worms, mit einem jährl. Gehalte von 210 fl. und 30 fl. Vergütung für Heizung des Schullocals; die neu errichtete Pfarrſtelle zu Blofeld, Kr. Nidda, mit einem jährl. Gehalte von 608 fl.; die evang. Pfarrſtelle zu Wieſeck, Kr. Gießen, mit einem Gehalte von 591 fl.; die 1. evang. Schullehcerſtelle zu Rodheim, Kr. Gießen, mit welcher ein Gehalt von 450 fl. einſchließlich der Wohnung und die Verbindlichkeit des Lehrers zur Heizung des Schulſaales verbun⸗ den iſt; die Caplanei⸗ und Rectoraksſtelle zu Kirtorf, Kr. Alsfeld, mit einem jährl. Gehalte von 623 fl., zu welcher dem Stadtvorſtande zu Kirtorf das Präſentationsrecht alternirend mit dem Ernennungsrecht des Staats zuſteht und bei der diesmaligen Vacanz der Staat das Ernen⸗ nungsrecht auszuüben hat.
Dei eiizeieee Gn denn Aus dem Leben eines Spielers.
Es mögen etwa zwei Jahre her ſein, daß ich mit einigen Freunden auf der prächtigen Promenade ſpazieren ging, welche das altehrwürdige Frankfurt von der Landſeite umfaßt. Plaudernd ſaſſen wir an dem kleinen Teiche mit der Fontaine, die ſich, glaube ich, hinter den Gärten Roth⸗ ſchilds oder eines andern Frankfurter Kröſus befindet, und betrachteten uns die Vorübergehenden, als einer meiner Freunde, den ich Adolph Brauneck nennen will, plötzlich einen Schrei der Ueberraſchung ausſtieß, ſchnell aufſtund und mit dem Rufe:„Da iſt er! Er iſt's!“ einem Fremden nacheilte, der eben um die Ecke eines Gebüſches bog. Ueber— raſcht folgten wir mit dem Blicke dem Unbekannten, deſſen Anblick unſern Freund ſo ſehr aufgeregt hatte und erblickten in ihm einen ärmlich gekleideten Mann von etwa fünfzig Jahren, der geſenkten Hauptes, die Hände in den Rocktaſchen und mit raſchen unſichern Schritten die Promenade entlang nach dem Gallusthore hinſchritt. Unweit von uns an einem kleinen Rondell blieb er plötzlich ſtehen, wandte ſich um, zeichnete mit ſeinem Stöckchen einige Figuren auf den Boden und ſetzte dann raſch ſeinen Weg wieder fort. Bei dieſer Gelegenheit hatten wir ſein Geſicht geſehen, das bleich, hager und abgehärmt, aber nicht unintereſſant war und
„* 272.
beſonders durch einen ſtieren, dſtern und doch nachdenklichen Ausdruck des Auges eine Bedeutung gewann, die es fur einen Künſtler intereſſant machen mußte.
Mittlerweile hatten wir auch unſern Freund Brauneck wieder eingeholt und über den Grund der Aufregung gefragt, a 4 i in ihm erweckt hall „In der That,“ ſagte Brauneck„ich fühle mich verpfli Euch Aufſchluß über mein Betragen 10 9 5 Cuche ein Räthſel ſein muß, ſo lange Ihr die Veranlaſſung nicht kennt, durch welche ich mit dieſem Manne in Beruͤhrung kam. Es knüpft ſich eine ganze Geſchichte daran, die ich Euch gelegentlich erzählen werde, wenn Ihr ſie wiſſen wollt.“
Natürlich drangen wir in ihn, ſie ſogleich zu erzählen und da wir eben auf dem Wege nach der Mainluſt begrif— fen waren, ſo mußte Brauneck dort ſogleich mit ſeiner Geſchichte herausrücken.
„Ich war vor zwei Jahren in Baden-Baden,“ hub er an,„einer Stadt, wo, wie Ihr wißt, das Spiel alljähr⸗ lich eine Menge Fremder aus allen Gegenden des Erdballs vereinigt, wo Franzoſen, Engländer, Ruſſen und Italiener ſozuſagen eine Muſterkarte von allen Völkern Europa's bilden zu wollen ſcheinen; wo vornehme Herren, Militärs, Diplomaten, Finanzmänner, Müßige, Neugierige und Spieler von Profeſſion ſich alljährlich zuſammenfinden. Ich beſuchte Baden zum erſten Mal, von deſſen Wundern ich ſchon ſo viel gehört hatte, und war daher in nicht geringem Grade aufgeregt, bis ich dieſelben mit eigenem Auge kennen lernen ſollte. Das Spiel und die anderen Sehenswürdig⸗ keiten des paradieſiſchen Badens hätten jedoch nur einen untergeordneten Werth fuͤr mich gehabt, wenn ich nicht die Hoffnung gehegt hätte, ſie an der Seite einer allerliebſten jungen Frau zu ſehen, mit welcher zuſammenzutreffen der Hauptzweck meines kleinen Ausfluges war. Madame Som⸗ mer war eine junge Wittwe von 22 Jahren, eine ver⸗ traute Freundin meiner Schweſter, und die engen Beziehun⸗ gen zwiſchen dieſen Beiden ſchrieben ſich noch aus der Zeit her, wo Beide im Waatlande einige Jahre miteinander in einer Penſion waren und wo ich damals bei einem Beſuche die Bekanntſchaft des ſchönen jungen Mädchens gemacht hatte, welche jetzt ſchon wieder Wittwe war. Durch meine Schweſter hatte ich erfahren, daß Madame Sommer, die einſtige Auguſte Breitenfeld, an welcher ich von jeher ein großes Intereſſe genommen hatte, mit ihrer Mutter in Baden war, um die tödtliche Langeweile eines frühen Wittwen— ſtandes zu kürzen, der ihr nicht nahe gehen mochte, da Auguſtens Herz bei dem nun gelöſten Ehebunde nicht be— theiligt geweſen war. Ihr könnt Euch denken meine Freunde, mit was für ſtillen Wünſchen oder Hoffnungen ich nach Baden reiſte, und wie ſehr dieſer ermuthigt worden durch den überaus freundlichen Empfang, den mir das Empfehlungs— ſchreiben meiner Schweſter und Auguſtens Erinnerung an unſere frühere Bekanntſchaft im Jura bereitete. Bald hatten wir auch miteinander alle wichtigen Punkte der Umgebung beſucht, alle Schätze der Natur geſehen, an welchen die Umgebung von Baden ſo reich iſt und tief von dem Becher der Vergnügungen genippt, welche jene Stadt der Freuden bietet. Ich war ſo häufig und ſo ausſchließlich an der Seite der Madame Sommer, daß ich nach acht Tagen noch nicht einmal Zeit gewonnen hatte, Benazet's Spielbank mehr Aufmerkſamkeit zu widmen, als mit dem flüchtigen Beſuch des Converſationshauſes zu verbinden geweſen war. Da wollte der Zufall, daß Auguſtens Mutter, Madame Breitenfeld, eines Abends unpäßlich wurde und der Pflege ihrer Tochter bedurfte; dadurch wurde ein Spaziergang vereitelt, den wir für dieſen Abend vor hatten; ich knüpfte im Speiſeſaale des badiſchen Hofes einige intereſſante Bekanntſchaften an, begleitete einen jungen ruſſiſchen Offizier, der erſt dieſen
2


