. 376
zufrieden der Commiſſaͤr über die glückliche Ehrenrettung— unter ihm im dunklen Gewölbe ſtierte Georg vor ſich hin!— Wußte er wohl, daß Thräne auf Thräne nieder zum feuchtkalten Steinboden fiel? Gewiß nicht— die Welt außer ihm verſchwand vor dem entſetzlichen Zuſtande ſeines Innern!
So ſaß er unbeweglich, die Augen, rothunterlaufen, auf eine Stelle geheftet.— Es ward Nacht— er be⸗ merkte es nicht— es ward Morgen und es ward Tag, und noch ſaß er in derſelben Stellung— regungslos!
Um neun Uhr des Morgens trat der Büttel in das Gefängniß. Georg bemerkte ihn nicht— dieſer packte und rüttelte ihn— da ſtürzte der Gemartete von der Bank, und lag ohne Lebenszeichen am Boden!—
Auf die Anzeige dieſes Vorfalls wurde der Gerichts— arzt requirirt. Dieſer, welcher in der Umgegend beſchäftigt war, erſchien erſt um zehn Uhr.
Georg lag alſo eine volle Stunde auf dem kalten Steinboden!
Der Arzt erklärte ſeine Krankheit für einen heftigen allgemeinen Blutandrang gegen das Gehirn, und befahl, ihn in einer Sänfte nach Hauſe zu bringen.
Während man die Sänfte herbei holte, erſchien Anton bei dem Commiſſär, um über ſeinen Bruder Nachricht ein— zuziehen.
„Geht zum Vorſtande!“ brummte der Commiſſär.
Dieſer antwortete ihm auf ſein Befragen kurz:„Geht zum Commiſſär!“ a
„Der hat mich eben hierher geſchickt,“ bemerkte Anton ſchüchtern.
„Nun zum Teufel! ſo geht zum Gerichtsdiener!“ ſchrie aufgebracht der Vorſtand.
„Iſt mein Bruder noch im Arreſt?“ frug er den Büttel.
„Gleich wird er heraufkommen?“ war die Antwort.
Anton wartete nun vor dem Amthauſe auf deſſen Ankunft, und erblickte die Sänfte, welche hineingebracht wurde, ohne ſich etwas dabei zu denken.
Nach kurzer Zeit kam dieſe mit zugezogenem Vor⸗ hange wieder heraus, an ihm vorüber, und er ſchloß aus der Anſtrengung der Träger, daß Jemand darin ſäße.
Gleich darauf frug er abermals den Büttel, ob denn ſein Bruder noch nicht bald käme?
„Schon fort!“ ſchnauzte dieſer ihn an,„dort könnt ihr ihn ſehen,“ auf die Sänfte deutend.
„Das— mein Bruder?“ rief Anton erſtaunt— „warum trägt man ihn?“
„Weil er krank iſt.“ 5
Anton eilte der Sänfte nach, ließ die Träger halten, öffnete, und erblickte ſchaudernd ſeinen todtblaſſen Bruder, welcher mit geſchloſſenen Augen, faſt ohne Athem zu holen, und ohne Lebenszeichen darin lag!
„Das iſt nimmer ſchön, einen armen Kerl ſo zu ſchlagen, daß er faſt auf dem Platze bleibt,“ bemerkte einer der Träger mitleidig.—
„Wie?— Wer hat ihn geſchlagen?“ ſtotterte Anton.
„Geſtern Nachmittags erhielt er die Hiebe und ſo iſt der arme Kerl bis jetzt—“
Anton, ohne ihn weiter anzuhören, eilte zum Com— miſſär:„Sie haben meinen Bruder hauen laſſen, daß er liegen geblieben iſt?— Wie können Sie das verantwor— teu?— Was hat mein Bruder begangen?“
„Willſt du dein unverſchämtes Maul halten?“ donnerte der Commiſſär;„willſt du, daß es dir auch ſo gehen ſoll? He?— Wenn du dich übrigens beklagen willſt— ſo geh' zum Herrn Vorſtand, der hat ihn hauen
6 laſſen!“. 2
„Mein Bruder iſt auf Ihren Befehl geſchlagen wor⸗— den?“ frug Anton den Vorſtand. welches Unglück! Das hat noch gefehlt!“
„Er war ſtraffällig,“ unterbrach ihn dieſer—„übri— gens beſchwert euch beim Gerichtsarzt, welcher ihn für ſechs Ruthenhiebe fähig erklärte.— Ueberdies wird der Doktor noch heute zu euch ins Haus kommen.“
(Fortſetzung folgt.)
Reorganiſation der Bürgerwehr zu Friedberg,
Ein Mann, der ſich für das Inſtitut der Bürgerwehr intereſſirt, glaubt bei der bevorſtehenden Umgeſtaltung der⸗
ſelben, einige Anſichten ſeinen Mitbürgern vorlegen zu dürfen. Der Veröffentlichung dieſer Worte unterliegt indeſſen keine andere Abſicht, als die, bei dem Umbau des zerfallenen Hauſes
mit dahin wirken, daß ein zweckmäßiges Gebäude entſtehe. Wenn wir irgendwo einer Bürgerwehrpatrouille n. begegnen, von welcher Ein Mann mit grauem Wamms, der Andere mit blauem Oberrock, der Dritte mit grünem Kittel bekleidet iſt, von der der Eine Stutzer und Hirſch— fänger, der Zweite Doppelflinte und Pulverhorn, der Dritte wohl blos eine roſtige Muskete trägt und wenn wir dieſe Männer in allerlei Tritt nebeneinander fortſchreiten ſehen, wem fällt bei ſolchem Anblick nicht ſogleich der Land— ſturm von Krähwinkel ein? Der moraliſche Eindruck, den eine Bürgerwehr nothwendig ſchon durch ihr äußeres An⸗— ſehen äußern ſoll, er geht bei ſolchem Anblick wahrlich ver⸗ loren und wie oft haben wir geſehen, daß aus dieſer Ur⸗ ſache Wehrmänner verlacht und verſpottet worden ſind. „Es erſcheint daher Erforderniß, daß die Büͤrger⸗ „wehr uniformirt ſei, oder beſſer ausgedrückt— „da man mit dem Worte„Uniform“ hin und „wieder vielleicht noch andere Begriffe verbindet—
„gleichförmig gekleidet ſei, aber unter Fernhaltung „alles zweckloſen Prunkes.“
Den Wehrmännern iſt durch das Buͤrgerwehrgeſetz eine Schießwaffe beſtimmt: ſie ſollen alſo feuern können. Deswegen iſt nun nicht hinreichend, daß der Wehrmann ein Gewehr führe, aus welchem man nur unter mancherlei ſehr unſtatthaften Bedingungen ſcharf zu ſchießen im Stande iſt. Auch müſſen ſich die Wehrmänner wechſelſeitig mit Munition aushelfen können und die Munitionsvorräthe müſſen für alle Gewehre paſſen:
„Es ergiebt ſich hieraus das fernere Erforderniß,
„daß alle Gewehre vollkommen brauchbar und von
„gleichem Kaliber ſeien.“
Aber eine Menge Wehrmänner befinden ſich nicht in ſolchen öconomiſchen Verhältniſſen, durch die es ihnen mög— lich iſt, die Ausgabe für Uniformirung und Bewaffnung be— ſtreiten zu können.
„Es iſt darum weiteres Erforderniß, daß die Ge „meinde, zu deren Schutz und Wohl ja allein die „Bürgerwehr beſteht, die Uniformirungs- und Be— „waffnungskoſten zum Theil trage, zum Theil vor⸗ „lege.“
Wenn in der Buͤrgerwehre nicht die ſtrenge Disciplin, wie im Linienmilitär herrſchen kann und darf, und wenn ſie nicht ſo tactiſch ausgebildet und eingeübt zu ſein braucht, wie dieſes, ſo muß doch darin ein gewiſſer Grad von Disciplin beſtehen und ſie muß ſo weit in den Waffen ge⸗ übt ſein, daß ſie im Stande iſt dasjenige 34 leiſten, was man an ſie indirect zu fordern berechtigt iſt. Sie bedarf deßhalb einer zweckentſprechenden Organiſation und einer Einübung, und darum 2 0
„erſcheint es ferner als Erforderniß, daß eine „Commiſſion gebildet werde, zur Entwerfung det „ganzen Organiſation und Ausbildung.“
„Er iſt todtkrank—


