Ausgabe 
22.11.1848
 
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werg und Butzbach Nepbr. 1848.

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alte eilig, um keine Zeit zu verlieren,

Intelligenz-Olatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

S

M 92.

Wie es einem ehrlichen Manne gehen kann! (Fortſetzung.)

Wir haben im Eingange von Maria, der Doppel⸗ vaiſe und Freundin Anna's geſprochen. Sie war aber zoch mehr, ſie war immer der tröſtende und beruhigende Zenius der Familie und für allen Schmerz hatte ihr ſanftes ebevolles Gemüth ein erheiterndes Wort. Georg liebte je längſt im Stillen, und auf der Hochzeit ſeines Bruders zatte er ſich feſt vorgenommen, ihr ſeine Neigung zu ge⸗ ehen. Da ſtörte die unſelige Rauferei den Fortgang des röhlichen Feſtes und Georg mußte ſeine Erklärung bis uf günſtigere Zeit verſchieben.

Maria hatte kaum von der Abſicht der Beiden ver⸗ ommen, als ſie ſich auch erbot, den Brief ſelbſt aufs umt zu tragen, und ſie entfernte ſich nach kurzem Aufent⸗ da es ſchon gegen Übend ging.

IV.

Sechs Tage waren vorüber, ſeitdem die Regierungs⸗ Entſchließung Georg bekannt gemacht worden war. Vor üblauf des achten Tages ſtellte ſich Georg auf dem Amte.

Bei ſeinem Eintritt empfing ihn ſogleich der Richter: So biſt du da, du impertinenter Kerl? Wie kannſt iu dich unterſtehen, mir einen ſo impertinenten Brief zu chreiben? Wart dich will ich mores lehren! Zigentlich ſollte ich dir dafür den Buckel vollhauen laſſen, iber

Der Brief iſt nicht impertinent und enthält blos zie reine Wahrheit. Ich werde unſchuldig geſtraft, ent⸗ zegnete Georg mit niedergeſchlagenen Augen.

Du bleibſt alſo dabei? frug ihn lauernd der Richter.

Ja der Beſchluß iſt ungerecht! wiederholte Georg.

Der Richter ging, ohne etwas zu erwiedern, einige Mal im Zimmer auf und nieder und diktirte dann folgen⸗ nes Protokoll:

Nachdem Georg Maier zur Erſtehung ſeiner Strafe vor Amt erſchienen, ſtellte man ihn wegen ſeines imper⸗ tinenten, zwei Tage vorher dem verurtheilenden Com miſſär überſchickten Briefes zu Rede. Da er nun den Inhalt deſſelben wiederholte und dem Commiſſär Un⸗ gerechtigkeit ꝛc. vorwarf, Letzterer ſich ſolche Ausdrücke in Beiſein eines zahlreichen Publikums aber nicht ge⸗ fallen laſſen kann, ſo, geht vorliegendes Protokoll an den Gerichtsvorſtand zur weiteren Verfügung.

Mittwoch, den 22. November

1848.

Georg wurde nun zu dem Gerichtsvorſtand gefuhrt, welcher nach Durchleſung des Protokolles ihn vor der Hand zur Exſtehung der ausgeſprochenen Strafe in Arreſt bringen ließ. 5

Nach Ablauf einer Stunde holte ihn der Gerichts⸗ diener ab, und führte ihn über den Hof in die Holzlege, wo ein Herr mit ſilbernen Augengläſern ihn erwartete, und bedeutete, ſich zu entkleiden. f

Auf Georgs Frage, warum, brüllte der Gerichts⸗ diener:Herunter mit dem Rock! und riß ihn am Aermel.

Zieh dich nur ganz aus, ſprach mit ſanfter Stimme der Gerichtsarzt,ich muß dich unterſuchen. Fehlt dir etwas?

Ich war nie krank, erwiederte Georg, der auf des Arztes freundliche Worte ſich entkleidete, worauf dieſer ſich ſchnell entfernte. Auf das Geheiß des Gerichtsdieners zog ſich Georg wieder an und wurde in ſein Gefängniß zurückgebracht.

Kaum hatte er hier eine halbe Stunde lang über, den ſonderbaren Vorfall nachgedacht, als der Gerichtsdiener ihn wieder in das Zimmer des Vorſtandes fuͤhrte, welcher ihm Folgendes verkündete:

Wegen deines ungebührlichen Benehmens vor Gericht wirſt du nach eingeholtem Parere des Herrn Gerichtsarztes mit ſechs Ruthenhieben beſtraft.

Ich ſoll Schläge bekommen? ſchrie Georg ent⸗ ſetztwas habe ich gethan? Ich bin unſchuldig! Ich laſſe mich nicht ſchlagen! Welche Schande! ſchluchzte er in heiße Thränen ausbrechend und ſein Geſicht mit den Händen verhüllend.

Marſch mit ihm! gebot der Vorſtand.

Ich bitte Sie um Gotteswillen! rief Georg, ihm zu Füßen fallend,nur die Schande thun ſie mir nicht an! O mein unglücklicher Vater! Der Vorſtand wandte ſich ab, der Büttel packte den Armen am Kragen und führte ihn wieder in die Holzlege, wohin der Aktuar folgte und ihm ſeinen Rücken zu entblößen befahl.

Georg legte mit der Reſignation der Verzweiflung ſeine Oberkleider ab, ließ ſich ruhig mittelſt Riemen auf eine Bank binden und der Büttel gab ihm den erſten Hieb.

Georg blutete, aber er ſchwieg Tiefaufathmend bei jedem Hiebe ſetzte er Verachtung der Grauſamkeit, Kraft der Rohheit entgegen!

Zornglühend im Innern todtenbleich auf dem Geſichte kehrte er in ſeine Keuche zurück. Oben laͤchelte