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22.4.1848
 
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Intelligenz Blatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke

im Beſonderen.

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Sonnabend, den 22. April

1848.

reer

Der die Preßfreiheit betreffende Artikel in der Aller⸗ hoͤchſten Botſchaft des Erbgroßherzogs-Mitregenten vom 6. März d. J. lautet: Die Preſſe iſt frei, die Cenſur hiermit aufgehoben.

Der Einſender des Nachſtehenden hat vielfache Gelegen heit gehabt, ſich zu überzeugen, daß noch lange nicht uberall die richtigen Begriffe über Preßfreiheit, Cenſur u. ſ. w. im Schwange gehen und glaubt darum einem Wunſche vieler Leſer dieſes Blattes entgegenzukommen, wenn er ſich ausführlicher über die bezeichneten Gegenſtände ausſpricht.

Johannes Gensfleiſch vom Sorgeuloch, genannt Guten

berg, geboren zu Mainz im Jahr 1397 und geſtorben eben⸗

daſelbſt 1468 hat die Buchdruckerkunſt ums Jahr 1440 er⸗ funden und iſt durch dieſe Erfindung einer der größten Wohlthäter der Menſchen geworden, denn vermittelſt der Buchdruckerkunſt der Preſſe allein war es möglich, die Schätze des Wiſſens, in deren Beſitz bisher ſtets nur Einzelne waren, zum Gemeingute Aller zu machen und Licht und Wahrheit über alle menſchlichen und göttlichen Dinge, ſoweit ſie von dem beſchränkten Geiſte der Menſchen ver ſtanden werden können, zu verbreiten. Damit aber dieß Ziel erreicht werden kann, muß nothwendig die Preſſe frei ſein, d. h. es muß Jedem geſtattet ſein, durch die Preſſe vor aller Welt bekannt zu machen, wie er dieſe oder jene Sache anſieht und beurtheilt, damit, wenn ſeine Meinung und ſein Urtheil die Wahrheit enthält, dieſelbe ſich ihren Weg zu Allen bahnen, und wenn beides falſch iſt, es als falſch bezeichnet und zurückgewieſen werden kann. So war das auch in der erſten Zeit. Aber es gab Leute, die, gerne im Trüben fiſchend, Wahrheit und Licht nicht leiden mochten, die, weit davon entfernt, den Menſchen, auf welche ſie Ein⸗ fluß hatten, zu der Geiſtesbildung, deren ſie fähig waren, zu verhelfen, vielmehr das Heil für ſich und ihren Vortheil darin ſuchten und fanden, die Menſchen in ihrer fortſchrei tenden Bildung möglichſt aufzuhalten ſie zu verdummen; und je mehr ſich nun die Preſſe als der eigentliche Hebel der Volksbildung darſtellte, je mehr ſie anfing, durch ihre

Erzeugniſſe z. B. Bibelausgaben auch Licht über die herrſchenden Lehren der Kirche und ihre Uebereinſtim⸗ mung und beziehungsweiſe Nichtübereinſtimmung mit der heiligen Schrift zu verbreiten, je mehr die Preſſe ein ge⸗ waltiger Rütteler an den damals ſchon morſchen Säulen des römiſchen Kirchengebäudes zu werden drohte, je mehr ſie auch ſich nicht ſcheute, die Einrichtungen der Staaten(ob⸗ gleich dieß damals nur wenig geſchah) in ihr Bereich zu ziehen: mit deſto ängſtlicheren Blicken betrachteten geiſtliche und weltliche Gewaltherrſcher ihre ſtets wachſende Wirkſam⸗ kuie, und es ſchien den Herren ein Fluch, was als ein wahrer Segen Gottes zur Erde gekommen war. Da ſchaffte Rath Se. Heiligkeit der Pabſt Alexander IV.(reg. vom 2. Auguſt 1492 bis 18. Auguſt 1503.) unter allen Päbſten, die mit ihrem Wandel ihren TitelHeiligkeit/ Lügen ſtraften, der hervorragendſte, der ſchlechteſte; er verordnete, daß alle Bücher vor dem Drucke unterſucht werden ſollten, ob ſie nichts der Kirche, dem Staat, ſeiner Perſon u. ſ. w. Nachtheiliges enthielten. Pabſt Leo X., ſchon bekannt durch die Großartigkeit, mit welcher er zu Luthers Zeiten den Ablaßhandel betrieb, vervollſtändigte die Anordnung des würdigen Alexander mittelſt einer eigenen Bulle( ſo heißt man die päpſtlichen Verordnungen)9 vom 15. Mai 1515, welcher Tag darum als der eigentliche Geburtstag des lieblichen Kindes, Cenſur benamet, be trachtet werden kann. Die Fürſten ſchenkten dem, was der Papſt, zunächſt um die Kirche vor ſ. g. Ketzereien zu ſchützen, angeordnet hatte, ihren Beifall, führten auch ihrerſeits die Cenſur ein und gar bald mußte jedes Buch in dem doppel⸗ ten Fegfeuer der kirchlichen Cenſur und der Cenſur des Staates gereiniget werden von allen den Biſchöͤfen und Herren mißliebigen Aeußerungen, ehe es durch die Preſſe an das Licht des Tages gefordert werden durfte. Wo war da an einen freien Flug des Geiſtes, wo an einen unge hemmten Austauſch der Gedanken, wo an ein wahrhaftes Fördern der religuſen Wahrheit, wo an ein wirkliches Mündigmachen des Volkes in ſtaatlichen Dingen zu denken? und auf der andern Seite, wie war es moglich, daß die