Ausgabe 
22.4.1848
 
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Hirten der Völker, geiſtliche und weltliche, über die unter

den Völkern herrſchenden Beduͤrfniſſe und Stimmungen ſo aufgeklärt werden konnten, wie ſie über Beides hätten auf geklärt ſein müſſen, wenn ſie Beiden ihrer Pflicht gemäß hätten entgegenkommen wollen? Was die Daumenſchrauben fuͤr die Hand, was der Hemmſchuh für das Rad, das war die Cenſur für den Geiſt und ſeine Entwickelung.

(Schluß folgt.)

Deutſche Reichsverſammlung. Einladung an die Wahlmänner des achten Wahl⸗ bezirks im Großherzogthum Heſſen.

Mehrere Männer von Hungen lebhaft uͤberzeugt, daß es eines jeden deutſchen Bürgers heilige Pflicht iſt, Hand mit anzulegen an dem großen Bau deutſcher Einheit, Frei⸗ heit und Stärke, zu welchem in dieſen Tagen der Grund gelegt werden ſoll, ſind der Anſicht, daß vor Allem Volks verſammlungen das mächtige Mittel ſind, um Jeden über dieſe Pflicht aufzuklären, um ſich gegenſeitig zu kräftigen und um durch einmüͤthiges, nicht vereinzeltes Zuſammen⸗ wirken nach einem Ziel dieſes Ziel um ſo ſicherer zu er⸗ reichen. Sie wollen alſo, dieſe Männer von Hungen, zu denen auch ich gehöre, auch in ihrer Gegend eine Volks verſammlung veranſtalten, und zwar fuͤr den ganzen achten Wahlbezirk; ſie wollen aber nicht für ſich allein eine ſolche Verſammlung veranlaſſen, ſondern zunächſt mit den größeren Städten des Wahlkreiſes und deren Umgegend über Zeit und Ort fuͤr eine ſolche Verſammlung und über die Wahl der Männer, welche die erforderlichen Einleitungen zu treffen hätten, Rückſprache nehmen. Demgemäß ergingen Einla⸗ dungen nach Grünberg, Laubach und Lich nebſt Umgegend, zu einer vorläufigen Beſprechung auf den in der Mitte die ſer Städte liegenden Heſſenbrücker Hammer auf den 16. April, da man durch eine Zeitungsnachricht irre geleitet geglaubt hatte, die Kreiſe Grünberg und Hungen bildeten für ſich allein den 8. Wahlbezirk und weil deßhalb keine Veranlaſſuug vorlag, auch die andern größeren Städte dieſes Bezirks(zu welchem nun auch die Städte Butzbach, Friedberg und andere Orte gehören) zu dieſer Vorbeſprechung einzuladen. g

Die Verſammlung auf dem Heſſenbrücker Hammer war aber ſo zahlreich gewiß von einigen Tauſenden be ſucht worden, daß es ſich nicht mehr um eine Beſprechung im engeren Kreiſe, ſondern um eine Berathung in einer großen Volksverſammlung handelte und ſo wurde denn, ſo ſchnell es gehen konnte, mit Rückſicht auf die geänderte Sachlage, zumal auch mit Rückſicht auf die mittlerweile be⸗ kannt gewordene größere Ausdehnung des Wahlbezirks und auf die in Friedberg bereits auf den 19. d. M. anberaumte Polksverſammlung, die Tagesordnung den Umſtänden an gepaßt und von der Einberufung einer weiteren Volksver⸗ ſammlung abgeſtanden. Dagegen wurde die Wahl eines Ausſchuſſes vorgeſchlagen, welcher uͤber die zur Wahl vor⸗ zuſchlagenden Männer ſich beſprechen und mit den Wahl⸗ männern in Berathung treten könne, natürlich ohne deren Wahlfreiheit zu beſchränken, und welcher auch die Kreiſe

Grünberg und Hungen bei der Wetterauer Volksverſamm⸗ lung zu Friedberg vertreten könne. Nach einigen Vorver⸗ handlungen, bei welchen ſich namentlich einmuͤthig und ent ſchieden für eine conſtitutionelle Monarchie auf breiter volks⸗ thümlicher Grundlage und gegen eine deutſche Republik aus⸗ geſprochen wurde, entſchied ſich die Verſammlung, in Be⸗ rückſichtigung, daß nicht alle Gemeinden vertreten ſeien, da hin, daß von der Wahl eines beſonderen Wahlausſchuſſes abzuſtehen und den Wahlmännern ganz ſelbſtſtändig die Wahl zu überlaſſen ſei. Damit indeſſen bei der Ab geordnetenwahl keine nachtheilige Zerſplitte rung der Stimmen ſtattfinde, ſollten ſo be ſchloß man die ſämmtlichen Wahlmänner des achten Wahlbezirks(nördlicher Theil des Kreiſes Friedberg, Kreis Hungen, Landgerichtsbezirk Grünberg) eingeladen werden, ſich den Tag vor der eigent⸗ lichen Wahl an dem von dem Wahlcommiſſär beſtimmt werdenden Wahlorte einzufinden, um ſich über die vorzunehmende Wahl in öffent licher Beſprechung moͤglichſt zu verſtändigen.

Jeder der Anweſenden übernahm zugleich, dieß in ſeinem,

Wohnorte bekannt werden zu laſſen, und der Unterzeichnete, welchen die Verſammlung mit der Leitung der Berathung betraut hatte, übernahm den Auftrag, die Abweſenden, namentlich auch die Wahlmänner des Kreiſes Friedberg, ſo weit dieſer Kreis zum achten Wahlbezirk gehört, freundlichſt einzuladen.

Indem ich mich dieſer Verpflichtung hiermit unter⸗ ziehe, glaubte ich zur Vermeidung von Mißverſtändniſſen die nähere Veranlaſſung vorher auseinander ſetzen zu müſſen. Es wird durch dieſe Vorverſammlung der Wahlmänner auch denjenigen Bürgern, welche wunſchen, zum Abgeordneten des Wahlbezirks gewählt zu werden, um unſere Sache bei der deutſchen Reichsverſammlung zu vertreten, eine Gelegen heit geboten, ſich öffentlich vorzuſtellen und frei und offen ihr politiſches Glaubensbekenntniß abzulegen, da die bei dem Heſſenbrucker Hammer Verſammelten alle der Anſicht waren, man müſſe wiſſen, welche Grundſätze die Schritte unſeres Abgeordneten leiten. Zugleich glaube ich aber auch den Wunſch ausſprechen zu dürfen, es möchte dieſer Einla⸗ dung von recht vielen, ja von allen Wahlmännern entſprochen werden; denn es handelt ſich ja um eine große, um eine deutſche, um eine heilige Volksſache.

Deutſchen Bruͤdergruß!

Karl Ludwig Hunſinger. Hungen den 17. April 1848.

Für Schleswig-Holſtein ſind weiter eingegangen:

Von Kammerdirector Geyger zu Aſſenheim Ertrag einer Sammlung vom 19. d. in dem Trappeſchen

und Simo n'ſchen Wirthslocale 29 fl. 51 kr. 5 Hierzu die in Nro. 31 angezeigten 70

Zuſammen 183 20, wovon 147 fl. bereits am 13. d. an die proviſoriſche Regierung für Schleswig⸗Holſtein zu Rendsburg abgeſendet worden find.

Friedberg den 20. April 1848. Textor.