Ausgabe 
21.10.1848
 
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ziehungsweiſe geeignete Nachforſchungen anſtellen zu laſſen und im Falle der Entdeckung von Indicien uns unverzuͤglich die Anzeige zu machen. um e Friedberg den 18. Oktober 1848. Ouvrier.

Der Sophienduk ate n. (Schluß

Herward erkannte jetzt, daß er zum Untergange vom Schickſale auserkoren ſei, da mit dieſem Dukaten auch der letzte Hoffnungsſchimmer verblichen war. Nochmals warf er ſich auf die Erde und kroch auf Händen und Füßen nach dem Goldſtücke umher; aber abermals ver⸗ gebens da klopfte es zum zweiten Male an die Thür, und der Tabulettenkrämer trat in's Zimmer, die goldene Damenuhr in der Hand.

W Wie ſteht's, lieber Herr? fragte er,noch keine Luſt zum Handeln? Fuͤnf Louisd'or, ein Pappenſtiel!

Herward war aufgeſprungen. Sein geiſterhafter Blick ſtarrte den Händler, der an ihm zum Verſucher ge⸗ worden war, unheimlich an.

Zurückl, ſchrie der verzweifelte Spieler, oder ich erdroſſele Dich Verruchter!

Hoh, hoh! ſprach der Tabulettenkrämer, welcher Herward's Worte fur Scherz hielt,warum ſo unge⸗ halten, wenn das Gold auf der Erde umher liegt?

Wo, wo?, rief Herward außer ſich.

Nun, da blinkt's ja, am Löwenfuße des Büreau's, antwortete der Händler,wahrſcheinlich ein voll⸗ wichtiger Eremnitzer. 1

Herward ſtürzte nach der bezeichneten Stelle und hielt bald das ſchöne Goldſtuck, das bekanntlich die fromme Aufſchrift trägt:Wohl dem der Freude an ſeinen Kindern erlebt le krampſhaſe ii ſeiner Hund f 3

Der Tabulettenkrämer, welcher bald erkannte, daß hier wohl ſchwerlich ein Geſchäft zu machen ſei, entfernte ſich mit einem kurzen:wünſche wohl zu leben! während Herward ſeine Blicke von der glänzenden Liebes⸗ gabe ſeines Kindes nicht loszureißen vermochte. Aber je länger er auf das Goldſtück ſchaute, deſto größerer Frieden ſank in ſein zerrüttetes Gemüth; es war, als wenn ein ſtiller Segen auf dem Sophienducaten ruhte; neue Hoff⸗ nung keimte in der Bruſt des Unglücklichen, und tief er⸗ griffen brach er in die Worte aus:

Wohl dem, der Freude an ſeinen Kindern erlebt!

Als der Abend dämmerte, ſah man Herward die Bruſt voll freudiger Ahnung, abermals nach dem Spiel⸗ hauſe ſchleichen. Als es Mitternacht ſchlug ſtarrten ſeine Taſchen von Golde. Er ſtand auf, ging nach Hauſe und kniete betend nieder. i

Am andern Morgen zählt er die fünfhundert Thaler ab, ferner den Louisd'or ſeiner Gattin und die nicht be⸗ deutende Summe, die er von ſeinem Eigenthume verloren hatte; es verblieb ihm nach dieſem Abzuge noch ein hoͤchſt

anſehnlicher Gewinn. Dieſen füllte er in einen Beutel,

ſteckte dieſen zu ſich und ging nach dem Barmherzigkeits⸗ ſtifte für Nothleidende. Unterwegs begegnete ihm der

Tabulettenkrämer, welcher wieder die verhängnißvolle

goldene Uhr zum Kaufe darbot; Herward ging aber lächelnd

vorüber. 5

Als er im Barmherzigkeitsſtifte angelangt war, ließ er die gewonnenen Goldſtuͤcke ſo unbemerkt als möglich

in den eiſernen Almoſenſtock gleiten. 2

Mögen die Leiden, ſprach er für ſich,.die ihr in dieſem Hauſe zu ſtillen beſtimmt ſeid, mir bei dem himmliſchen Vater Verzeihung für das ſchwere Vergehen

340.

7 das ich mir euretwegen zu Schulden komme ieß. f

Inſpector der Anſtalt aber war die Erſcheinung des ſchlicht gekleideten Mannes gleichwohl aufgefallen. Er ward neu⸗ gierig und ließ den Almoſenſtock öffnen. Aber wie erſtaunt er ob der reichen Gabe, die er darin vorfand. Er ließ ſich nach Herward erkundigen und glaubte eine heilige Pflicht zu erfüllen, wenn er den Chef dieſes Beamten von dem außerordentlichen Wohlthätigkeitsſinne ſeines Unter⸗ gebenen in Kenntniß ſetze.

Bereits nach wenigen Tagen befand ſich Herward

wieder im Schooße ſeiner Familie; wer ſchildert die Freude

des Wiederſehens dieſer glücklichen Menſchen! Doch wie erſchrack Herward, als ihn ſein Vorgeſetzter, der Rechnungs⸗ rath, plotzlich nach der Urſache fragte, warum er ſich im Bade N... ſo wohlthätig erwieſen?

Herward wußte in dem erſten Augenblicke nicht, was er antworten und ob er den wahren Grund eingeſtehen ſollte. Er zögerte, 1

Wohlan,, ſprach der humane Obere,ich dringe nicht weiter in Sie; Sie haben ſich barmherzig erwieſen, das iſt mir genug; ich kann Ihr Thun, der Grund ſei, welcher er wolle, nur edelmüthig und lobenswerth finden.

Auf dieſe Worte konnte Herward nicht länger ſchweigen. Er kannte ſeinen Chef als einen menſchenfreundlichen, liebreichen Mann, und der Gedanke, daß dieſer nur einen Schatten von Mißtrauen gegen ihn hegen könnte, war ihm unerträglich. So erzählte er ihm offen und wahrheitger treu ſein ganzes furchtbares Abentheuer vom Anfang bis zum Ende, ſeine Qualen, ſeine Verzweiflung, ſein Ver⸗ gehen, und wie ſich Gott endlich ſeiner angenommen durch die Liebe ſeines Kindes. 8 328

Der Rath hatte die erſchütternden Mittheilungen ſchweigend mit angehört. Dann trat er auf den Erzähler zu und erfaßte mit ernſter Würde, doch auch nicht ohne Milde, Herward's beide Hände. 1

Sie waren auf böſen, ſehr böſen Wegen, ſprach er,doch Gott reichte Ihnen noch ſeine Hand, bevor Sie in den fürchterlichen Abgrund ſtuͤrzten; beten Sie, Herward, beten Sie täglich zu ihm, daß er ähnliche Ver⸗ ſuchungen von Ihnen gnädig abwende. Sie haben ſchwer

efehlt und ſchwer gebuͤßt. Daß Sie das gewonnene Geld freiwillig wieder hingaben, iſt mir ein troſtreicher Beweis für Ihre wahrhafte Reue und wahrhafte Beſſerung. Was Sie mir erzählt haben, haben Sie mir, wohl verſtanden, nicht als amtlich Untergebener, das haben Sie mir als Privatmann, als Freund erzählt, und als ſolcher werde ich Ihre Mittheilung zu würdigen wiſſen. e

Obſchon Herward weder Frau noch Tochter ein Ge⸗ ſchenk aus dem Bade mitgebracht hatte, ſo blieb doch der Segen nicht aus. Denn als man nach längerer Zeit ſeinen Geburtstag im ſtillen Familienkreiſe feierte, erſchien plötzlich unverhofft der Rechnungsrath und erfreute den Geburtstägler mit einer Beſoldungszulage, Emilien mit einer zierlichen goldenen Uhr und Marien mit Stoff zu einem neuen Kleide, welches letztere ſchon längſt der Wunſch ihres Herzens geweſen war.

Den Sophienducaten hatte Herward henkeln laſſen, und bewahrte ihn als heiliges Palladium; ſo oft aber 10 1 auf der ſchönen Münze weilte, gedachte er der

chönen Wahrheit: f

Auf dem Golde ruht Fluch und Segen; doch glücklich der Sterbliche, der dem verlockendem Glanze zu widerſtehen vermag. une e N. landw. D. Ztg.

Still, wie er gekommen entferte er ſich wieder; dem 1