Ausgabe 
15.4.1848
 
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124 4.

großen Verſammlung zu Frankfurt die Minorität(Minder⸗ zahl) bildete, auf energiſche Weiſe ihre Anſicht durchzuſetzen ſucht. Es haben ſich nämlich, um die Wahl in republi⸗ kaniſchem Sinne zu Stande zu bringen, verſchiedene Wahl Comités gebildet. Schon dies muß uns veranlaſſen auch mit Energie aufzutreten, um zu verhüten, was nach unſerer Anſicht unſerem deutſchen Vaterlande nur unſägliches Ver derben bereiten kann, nämlich die Einführung einer Repu⸗ blik. Es wird hier Gelegenheit gegeben ſein die Anhänger verſchiedener Anſichten und Parteien zu hören und der ge ſunde Sinn wird ſich für das Beſſere entſcheiden.

Darum auf ihr Landbewohner! denen das Wohl des Vaterlands am Herzen liegt; ſcheuet nicht die geringen Koſten, verläßt eure Arbeit auf eine kurze Zeit; denn es gilt hier eine Verſtändigung über eine Sache von der das Wohl und Wehe eurer Zukunft abhängt!

Wir wollen hiermit blos darlegen, wie ſich unſer Ver ein gebildet und in welchem Sinne er ſich zu wirken vor⸗ genommen hat und geben uns der Hoffnung hin, daß unſer oben ausgeſprochener Wunſch für Gründung ähnlicher Geſellſchaften in unſerer Umgegend recht bald in Erfüllung gehe und ſo ein gemeinſames Wirken zu Stande kommen moge. Der Präſident Der Ausſchuß

A. Groh. W. Baur. L. Friedrich. W. A. Simon. J. Steinhüußer. C. Wahl. W. Urich.

Wahlen zur deutſchen Reichsverſammlung.)

Offener Brief an alle großjährigen Männer des Kreiſes Friedberg.

Die deutſchen Männer, welche vom 31. März bis zum 2. April d. J. in Frankfurt a. M. verſammelt geweſen ſind, um über die Gründung eines deutſchen Reichstages zu verhandeln, haben u. A. folgende Beſchlüſſe gefaßt:

10 Es ſoll ein deutſcher Reichstag zuſammentreten, der über die dem geſammten deutſchen Vaterlande zu gebende Staatsverfaſſung zu berathen und zu be ſchließen hat;

2) auf je 50,000 Seelen ſoll aus ganz Deutſchland, ohne Rückſicht auf Stand, Vermögen, Religion ꝛc., ein Abgeordneter zur Reichsverſammlung geſendet werden;

3) die Abgeordneten werden frei vom Volke, d. h. von allen großjährigen Männern gewählt, direkt oder indirekt;)

4) der Reichstag ſoll ſich bis zum erſten Mai in Frank furt a. M. verſammeln.

Da nun der Kreis Friedberg ungefähr 50,000 Seelen zählt, ſo werden die Städte, Flecken und Dörfer dieſes Kreiſes vielleicht mit Ausnahme weniger, die einem andern Wahlbezirk zugetheilt werden einen Ab geordneten zur deutſchen Reichsverſammlung zu wählen haben und es iſt auf Mittwoch den 19. d. M. eine große Velksverſammlung zu Friedberg für alle Bewohner des Kreiſes Friedberg anberaumt, in welcher man ſich einſt weilen, ehe die Wahl ſelbſt ſtattfindet, über die Perſon des zu Wählenden u. ſ. w. verſtändigen will. Ich werde dieſer Volksverſammlung hoffentlich auch beiwohnen können, weiß aber nicht, ob ich werde zu Wort kommen und wenn

) Auch mir gefällt das fremde WortParlament für eine deutſche Sache nicht; ich ſetze alſo überall ſtatt ſeiner den hier gebrauchten Ausdruck, oder den früher gangbarendeutſcher Reichstag.

) Direkt iſt die Wahl, wenn Alle ſogleich den Abgeordneten wählen; indirect iſt ſie, wenn Alle erſt Wahlmänner und dieſe dann den Abgeordneten wählen. Mir ſcheint die indirecte Wahl die am meiſten zu empfehlende zu ſein, ſchon darum, weil ſie bei unſern jetzigen Verhältniſſen gewiß die am leichteſten ausführbare und auch diejenige iſt, bei welcher am erſten vorausgeſetzt werden kann, daß wirklich Alle abgeſtimmt haben.

ich zu Wort käme, dann könnte ich mich über das, was uns rückſichtlich der bevorſtehenden Wahl Noth thut, nicht ſo ausführlich, nicht ſo Allen vernehmlich ausſprechen, als ich dieß hier zu thun im Stande bin.

Ihr werdet es darum, liebe Mitbürger, einem Manne, der es ſein Lebtage gut mit dem Volke gemeint, der auch immer auf Seiten der Freien, nie auf der der Knechte, nie auf der der Frechen geſtanden, Ihr werdet es ihm nicht verargen, vielleicht gar im Stillen danken, wenn er ſchon vor jenem Verſammlungstage Euch auf Mancherlei, was zu bedenken iſt, aufmerkſam macht und Euch einige Perſonen zur Wahl eines Abgeordneten nach Frankfurt in Vorſchlag bringt.

Was ſoll der Reichstag in Frankfurt? Er ſoll, wie oben ſchon geſagt, eine dem geſammten deutſchen Vaterlande zu gebende Staatsverfaſſung berathen und be ſchließen, er ſoll denn die republikaniſchen Beſtrebungen, die bei Vielen auf weiter nichts als auf einen Zuſtand der völligen Geſetzloſigkeit(Anarchie) hinauslaufen, werden hoffentlich mit keinem beſondern Gewichte in die Wagſchale fallen er ſoll das Verhältniß der Fürſten zum Volke und des Volkes zum Fürſten ordnen und auf lange hin beſtimmen, er ſoll um die einzelnen Staaten des Vater⸗ landes ein Band dauernder Eintracht, die ſtark macht nach innen und außen, ſchlingen, er ſoll die Freiheit, nach der wir lange geſeufzt, die wir in unſerm Lande erhielten, ehe wir ſie nur erſt recht gefordert hatten, die man aber anderwärts z. B. in Wien und Berlin mit Blut erkaufte, die ſoll er ſo befeſtigen und beſiegeln, daß man ſie uns in Ewigkeit nimmer nehmen kann. Wahrlich, das iſt keine leichte Aufgabe in dieſer unſerer vielbewegten, nicht über⸗ all die Spuren der Selbſtbeherrſchung, des Gemeinſinns, des Rechts, des Geſetzes, der Ordnung, summa der wahren Freiheit aufzeigenden Zeit, wahrlich das iſt eine Aufgabe, die eines ganzen Mannes ganze Kraft und vollen Muth erfordert.

Was für Männer müſſen darum nach Frank⸗ furt geſendet werden? ſolche, die durch ihren ganzen Lebenswandel bewieſen haben und beweiſen, daß ſie eine höhere Ordnung der Dinge über ſich anerkennen alſo rechtſchaffene, fromme, brave Männer, ſolche, die ſich eine derartige allgemeine und insbeſondere politiſche Bildung erworben haben, daß ſie ein ſelbſtſtändiges Urtheil über die in Frankfurt zur Sprache kommenden Dinge fällen können und ſich weder durch glatte, noch durch grobe Reden von dem abbringen laſſen, davon ihnen ihr Ge wiſſen bezeuget, daß es recht und dem Volke zuträglich iſt, ſolche alſo, die den Muth haben zu widerſtehen auch im Drange eines allenfallſigen Sturmes und die Fähigkeit, ihre Anſicht redend geltend zu machen, wenn's der Rede bedarf, ſolche, die der Fahne der Freiheit jetzt nicht darum folgen, weil der Wind der Freiheit weht, ſondern die Proben gegeben haben, daß die Freiheit) das Kleinod war, das ſie ſtets wenigſtens im Herzen verehrten, wenn ſie's auch nicht immer ſagen durften, Männer alſo, die mit der Unbeſcholtenheit des Wandels eine möglichſt umfaſſende Bildung verbinden und was ſie als Jünglinge beim ſchäu⸗ menden Becher geſungen, jetzt als Männer und im Ange⸗ ſicht einer ernſten, ſehr ernſten Zeit, von Herzensgrund zu wiederholen vermögen:

Ob Fels, ob Eiche ſplittern, Ich werde nicht erzittern,

Es treibt mich fort mit Sturmestvehn Für Schwarz⸗roth⸗gold in Kampf und Tod zu gehn.

*) Ich verwahre mich auch hier gegen jedes Mißverſtändniß dieſes vieldeutigen, vielgedeuteten Worts, ich kenne keine Freiheit ohne Achtung vor dem Geſetze. f