Ausgabe 
12.7.1848
 
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* 224.

Wir werden vereint mit Unſerem Volke, mit dem großen deutſchen Vaterlande, in der Bahn des Geſetzes voranſchreiten, unbeirrt durch das Drängen derjenigen, die nur auf dem Wege der Geſetzloſigkeit ihre Zwecke zu er reichen hoffen und deren Treiben Wir mit allem Nachdruck entgegen zu treten entſchloſſen ſind.

Wer zum gewaltſamen Umſturz der beſtehenden Ver faſſung, zur gewaltſamen Störung ihrer geſetzlichen Umge ſtaltung durch Schrift oder Wort auffordert, oder Mittel zur Ausführung dieſes Vorhabens ſammelt, wer zum Auf ruhr, zur Widerſetzung gegen die Obrigkeit auffordert, oder an ſolchen Handlungen Theil nimmt, unterliegt der Strafe des Geſetzes.

Indem Wir alle Diejenigen, welche der Stimme der Feinde der Ordnung ihr Ohr geliehen haben, nochmals ernſtlich verwarnen, fordern wir Unſere Gerichte und anderen Behörden bei ihren Pflichten auf, furchtlos das Geſetz zur Geltung zu bringen, und alle Freunde der Ordnung, die Behörden hierin mit allen Kräften zu unterſtützen.

Urkundlich Unſerer eigenhändigen Unterſchrift und des beigedrückten Staatsſiegels.

Darmſtadt den 6. Juli 1848.

Ludwig. Frhr. v. Steinling. Zimmermann. Hallwachs. Kilian. Eigenbrodt. (Obiges iſt zugleich Inhalt des Regierungsblattes Nr. 33.)

Allerhand Erlebtes, Geleſenes und Gedachtes.

S' iſt eine ſchlimme Zeit jetzt für den, der von etwas Anderem reden will als von Politik, denn nicht allein iſt er in Gefahr, daß man ihn ſtehen läſſet und ihn gar nicht anhören mag, ſondern es kann ihm auch begegnen, daß man ihn für einen Menſchen erklärt, der kein Herz habe für das, was die Geiſter jetzt vorzugsweiſe bewegt, der es nicht leiden möge, daß die Politik, die bisher eine Art Geheimwiſſenſchaft geweſen iſt, nun auf den Dächern und auf den Gaſſen gepredigt werde, der darum indem er von etwas Anderem ſpricht die Leute der Bewegung der Zeit entziehen und in die gewohnten Bahnen früheren Schlendrians zurückführen möchte, der alſo offenbar ein Reactionär ſei. Am freigebigſten mit ſolchen die Geſin nungstüchtigkeit des Mannes ſchmähenden und brandmar kenden Titulaturen ſind von jeher ſolche geweſen, die von der Sache, um die es ſich handelt, am wenigſten ver ſtehen, in unſerm Falle ſolche, deren Geſichtskreis vor den Märztagen noch nicht über das Bierglas, ihren Bauch und dem Aehnliches hinausgegangen iſt und die ſich jetzt gebehrden, als ob ſie bereits die tiefſten Schachten der Weisheit befahren hätten, als ob ſie allein wüßten und verſtänden, was zum Heile der Völker diene, allein wüß ten und verſtänden, wie man zum Völkerwohle auf die beſte Weiſe gelangen könne, und als ob ſie die Geiſter zu unterſcheiden berufen wären, berufen wären abzuur⸗ theilen über Jeden und als beſtellter Vollziehungsausſchuß der öffentlichen Meinung Jeden zu ächten, der eben nicht in demſelben Strome ſchwimmt, in deſſen mitunter gar unreinen Gewäſſern ſie ſelbſt die Glieder dehnen.

So hat man auch von verſchiedenen Seiten ſchon, in Geſprächen da und dort, dieſes Blatt mit allerlei un ſchön klingenden Namen bezeichnet, aus dem Grunde, weil es bis jetzt ſeiner urſprünglichen Beſtimmung treu geblieben iſt, in ſeinem ſog. erzählenden Theile ſich auf die Mittheilung gemeinnütziger Aufſaͤtze und einzelner That⸗ ſachen beſchränkt und insbeſondere ſich von dem Gezaͤnke der jetzt ſich gegenuͤberſtehenden politiſchen Parteien fern gehalten und überhaupt die Politik nur dann, wenn's un

umgänglich nöthig ſchien, in den Kreis ſeiner Beſprechung gezogen hat, und vielleicht in der Abſicht, die Zahl der Abonnenten des Intelligenzblatts zu vermindern und ſie anderen, wie man ſagtentſchiedeneren, zeitge mäßeren, dem Fortſchritt huldigenden Blättern zuzuwen⸗ den. Man ſieht, daß auch hier wieder, wie ſo oft im Leben, die chriſtliche Liebe im eigenen Beutel ſteckt, und

wir halten es nicht der Mühe werth, darüber viel Redens

zu machen. Was aber die Stellung des Intelligenzblatts zu den Bewegungen der Zeit betrifft, ſo glauben wir noch folgende Bemerkungen hinzufügen zu müſſen, damit die⸗ ſelbe richtig gewürdigt werde:

Das Intelligenzblatt iſt urſprünglich ein Anzeig e⸗ blatt und ſoll es auch künftig bleiben; als ſolches gehört es keiner Partei an und ſeine Spalten ſtehen jedem offen, der die Inſeratgebühren bezahlt, heiße er nun Metternich von Wien oder Metternich von Mainz; kann das Intel⸗ ligenzblatt ſeine Spalten mit lauter Anzeigen füllen, ſo iſt ihm dies am liebſten, weil es für den Verleger am vortheilhafteſten iſt. Das Intelligenzblatt iſt auch ein Amtsblatt und hat als ſolches die Mittheilungen der Behörden zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, ohne daß ihm irgendwie zuſtände, ein Urtheil über die Zweckmäßig⸗ keit oder Unzweckmäßigkeit der beliebten Anordnungen aus zuſprechen. Weil nun aber der vorhandene Raum mit amtlichen Bekanntmachungen und ſonſtigen Anzeigen nicht immer ausgefüllt wird, ſo hat man geglaubt, den manch⸗ mal übrigen Platz nicht beſſer ausfüllen zu können als mit ſolchen Dingen, die den Bürger und Landmann vor⸗ zugsweiſe angehen, die die zum Wohle der Menſchheit in kleineren und größeren Kreiſen beſtehenden Vereine be treffen, die die Kunde bringen von außerordentlichen Er eigniſſen innerhalb des eigentlichen Wirkungskreiſes des Intelligenzblatts, die auch die höheren Intereſſen des Menſchen nicht ganz außer Acht ließen und bildend und ſittigend wirken zu können geeignet ſchienen. Die Politik war früher von den Gegenſtänden der Beſprechung gänz⸗ lich ausgeſchloſſen, und man war um ſo weniger in Ver⸗ ſuchung und in der Möglichkeit, in dieſem Stücke der be ſtehenden Vorſchrift entgegenzuhandeln, als man ja froh war, wenn man über unſere politiſchen Zuſtände ſchweigen konnte und als die im Hintergrunde ſtehende Cenſur, den Rothſtift in der Hand, jede Uebereilung ſofort wieder gut machte. Jetzt iſt das anders geworden jetzt kann man auf ſeine Verantwortlichkeit drucken laſſen, was man will, und das Intelligenzblatt, obgleich es, wie ſchon geſagt, ſeiner urſprünglichen Beſtimmung treu bleiben will, wird doch keineswegs die Beſprechung politiſcher Gegenſtände ängſtlich vermeiden, ſondern ſie vielmehr als mit andern gleichberechtigt anerkennen und ihnen den Raum geſtatten, den es für ſie entbehren kann. Und was wird der Stand punkt ſein, den dabei das Intelligenzblatt einnimmt? kein anderer, als der, den man gewöhnlich den conſtitu tionell⸗monarchiſchen nennt und zwar mit der Farbung etwa, wie dieſelbe in dem linken Centrum des in Frankfurt ver⸗ ſammelten Reichstag erſcheint. Alle Artikel die von dieſem Standpunkte aus für das Intelligenzblatt geſchrieben ſind, wird die Redaction mit Dank annehmen und veröffentlichen, wenn es die Raumverhältniſſe geſtatten; alle Artikel, welche die Sachen aus einem andern Geſichtspunkte be trachten, koͤnnen natürlich keine Aufnahme finden.

Nach dieſen Bemerkungen noch zwei Worte über die nachfolgenden Zeilen. Wie ihr ganz allgemeiner Titel erkennen laͤßt, kann im Verlaufe derſelben auch von poli tiſchen Dingen die Rede ſein, denn darüber erlebt, lieſt und denkt man ja jetzt das meiſte, ob aber je unter obiger Ueberſchrift davon die Rede ſein werde, weiß der Ver