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bei eintretendem außerordentlichem Falle die entſchiedenſten Männer der Linken von Frankfurt ſich mit Dir verbinden, ſei es auf deutſchem, franzöſiſchem oder Schweizer Boden. Dieſe Männer wären etwa Itzſtein, Brentano, Truͤtzſchler, Simon, Fröbel ꝛc. Dieſe würden eine proviſoriſche Regie⸗ rung bilden für ſammtliche Republikaner dieſſeits und jen⸗ ſeits des Rheins. In einem ſogleich bei Antritt Eurer Regierung erlaſſenen Manifeſte würdet Ihr in kurzen Zügen Eure Forderungen und Zwecke auseinanderſetzen, hauptſäch⸗ lich weil das Geſpenſt des Communismus noch Viele be⸗ ängſtigt und ſchwankend machen würde. Ein ſolches Manifeſt, von Männern ausgegangen, die Vertrauen und einen Namen haben, würde unſerer Sache eine ſchnelle und entſchiedene Wendung geben und ganz Deutſchland in Aufruhr verſetzen. Die Ratificirung des däniſchen Waffenſtillſtands gäbe zu einem Austritte der entſchiedenen Linken Gelegenheit, wo nicht, ſo wird ſich bald eine andere finden. Dann muß aber die Vorbereitung des Ganzen ſchon getroffen ſein. Zu dieſem Zwecke wirſt du gewiß ſchon mit Itzſtein oder Fröbel — auf welchen ich am meiſten Vertrauen habe— in Ver⸗ bindung getreten ſein; denn eine Anzahl von Männern, die ſick zu einer großen Sache vereinigt haben, hat im Volke mehr Halt und Geltung als die Unternehmungen Einzelner, die, ſo gut ſie auch gemeint ſind, ſtets den Vorwurf der Uſurpation tragen müſſen. Schiller ſagt hier ganz richtig: „Größe für ſich allein kann wohl Bewunderung und Schre— cken, aber nur die legale Größe Ehrfurcht und Unterwer⸗ fung erzwingen.“ Wenn Ihr auch nicht auf geſetzlichem, ſondern auf revolutionärem Wege erſtanden wäret, ſo wäre Eure Vereinigung doch geeignet, Euch den Schein der ge— ſetzgebenden Kraft, das Recht des Befehls zu geben. Euren auf dieſe Weiſe gegebenen Decreten würde ſich wenigſtens ganz Suͤddeutſchland fügen. In den Städten von Nord⸗ und Süddeutſchland, ſowie in Wien, womit man ebenfalls übereinſtimmen müßte, würden gewiß bedeutende Unruhen entſtehen. Die Bundestruppen könnten ſich nicht concen⸗ triren und ihre Vereinigung könnte leicht durch Angriffe auf die vereinzelten Corps vereitelt werden. Während deſſen wäre es unſere Aufgabe, den Schwarzwald, Odenwald, Rheinebene in Allarm zu ſetzen. Die Hauptpunkte, die wir beſetzen müſſen, wären im Odenwald Eberbach und Mudau. Hier müßte ſich die aufrühreriſche Bevölkerung ſammeln, bei Eberbach den Neckar überſchreiten, ſich in das Elſenzthal werfen und über Sinsheim, Eppingen und Bretten gegen Pforzheim vordringen. Um dieſe Bewegung zu begünſtigen, müſſen: 1) die beiden Eiſenbahnlinien zwiſchen Darmſtadt und Weinheim und Mannheim und Heidelberg zerſtört wer⸗ den, um die Beſatzungen von Darmſtadt und Mannheim zu neutraliſiren.(Von Würzburg, Aſchaffenburg und Mainz hätten wir bei ſchneller Bewegung nichts zu befürchten.) 2) Pforzheim ſelbſt müßte durch die dortigen Arbeiter die Straße von Ludwigsburg her vertheidigen, ebenſo Kalw die Straße von Stuttgart. Dies wäre jedoch nicht nothwendig, wenn in Würtemberg ſelbſt ein Aufſtand vorbereitet wäre. Stuttgart und Ludwigsburg könnten ſich dann nicht von ihren Beſatzungen entblößen. 3) Die Eiſenbahn zwiſchen Heidelberg und Karlsruhe muß augenblicklich unfahrbar ge— macht werden. Dies kann von Mannheim und Karlsruhe aus geſchehen. Dadurch iſt auch die Beſatzung von Bruch⸗ ſal(1. Regiment Dragoner) unſchädlich, und die Verbin⸗ dung der Landestruppen zwiſchen Mannheim und Karls⸗ ruhe, und durch die Beſetzung von Pforzheim auch mit Stutt⸗ gart geſtört, ja unmöglich. Die republikaniſche Bevölkerung von Mannheim muß ſich zum Herrn der Stadt machen, dies kann durch Verhaftung der Hauptoffiziere in einer Nacht geſchehen, während welcher man die Kanonen der Stadt wegnimmt und ſie gegen die Kaſerne führt, und ſo⸗
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gleich gegen das Gebäude das Feuer richtet; die Truppen durch plötzlichen Allarm erſchreckt, durch Verhaftung ihrer Offiziere ohne Leitung und Befehl, könnten auf dieſe Weiſe leicht zur Capitulirung gezwungen werden. Man würde ſie ohne Waffen aus der Caſerne gehen laſſen, durch einen Theil der Republikaner ſodann bewachen(ſie müßten ſich niederlegen), während der andere Theil in die Kaſerne dringt, und Waffen mit Munition, Kleidung ꝛc. in Beſitz nimmt. Hat ſich die Beſatzung in das Zeughaus geflüchtet, ſo muß auf gleiche Weiſe verfahren werden. In der gleichen Zeit werden die Hauptbeamten, Bürgermeiſter ꝛc. verhaftet, und iſt man Herr der Stadt, ſämmtliche Thore beſetzt, Jedermann ein-, Niemand hinausgelaſſen. Ein Manifeſt ergeht dann an die Bevölkerung von Rheinbayern, worin ſie aufgefordert wird, den ſiegreichen Bewohnern von Mann⸗ heim zu Hülfe zu eilen. Deßhalb muß auch ſogleich Lud⸗ wigshafen beſetzt werden, um ihren Uebergang zu ſichern. Landau kann wegen Metz, woher es bedroht iſt, nicht ſich entblößen. Ein gleiches Manifeſt ergeht an die Republi⸗ kaner nach Weinheim, Ladenburg und Heidelberg. Auf ſolche Weiſe können in Mannheim in 1 bis 2 Tagen 10,000 Mann verſammelt werden, während welcher Zeit die Bewe— gung vom Odenwald her gegen Pforzheim Karlsruhe be— droht. Auf dieſe Weiſe iſt der Hauptzweck im Unterland erreicht, nämlich die Herrſchaft über die Hauptſtadt des Unterlandes, die Republikaniſirung des Odenwaldes und die Bereitſchaft einer ziemlich großen Kriegskraft. Die Be⸗ volkerung der Jaxt(Jaxthauſen ꝛc.) geht im Jaxthale ab⸗ wärts, bei Jaxtfeld über Gundelsheim und Neckarelz, Mos⸗ bach, wohin auch die Bevölkerung von Adelsheim ſich wen⸗ den muß. So haben wir alſo Mannheim mit Mosbach als Hauptpunkte und Sammelplätze, und eine Bewegung gegen Karlsruhe(Pforzheim), um die dortige Beſatzung im Zaume zu halten. Mannheim wird nun zum Sitz der Regierung erklärt, und das Heer, welches ſich gegen Bret⸗ ten und Pforzheim in Bewegung geſetzt hat, wird, je nach⸗ dem entweder Karlsruhe und Pforzheim ſchon in Feindes⸗ händen ſind, oder nicht, entweder den Ruͤckmarſch nach Mosbach oder Mannheim antreten oder Karlsruhe beſetzen, oder über Pforzheim, Neuenburg, Schwan und Herrenalb nach Gernsbach vordringen, um nun im Murgthale auf⸗ wärts ſich zu bewegen. Unterdeſſen wird Mannheim und Mosbach inner⸗ und außerhalb in Vertheidigungszuſtand verſetzt, und alle umliegenden Ortſchaften aufgeboten. Durch den Beſitz von Mannheim und Mos bach iſt zwiſchen dieſen beiden Städten die Verbindung geſichert, und wir ſtehen bereit, gegen Heilbronn und Stuttgart im günſtigen Falle vorzudringen. Mannheim kann durch ſeine günſtige Lage zwiſchen zwei Flüſſen und ehemalige Befeſtigung, Mosbach durch ſeine Lage im Gebirge ſchon eine Zeitlang gegen An⸗ griffe gehalten werden, und darum iſt es uns ja haupt⸗ ſächlich zu thun. Zu dieſer Operation im Unterland wären 3— 4 entſchiedene Männer als Colonnenführer nöthig, nämlich für Mannheim, Mosbach und die Colonnen gegen Pforzheim. Während dies im Unterland vorgeht, muß in Uebereinſtimmung der Seekreis und Oberrheinkreis ſeine Anſtalten treffen. Als Hauptpunkte ſind hier ins Auge zu faſſen: die Alexanderſchanze auf dem Knibis, Offenburg, das Schappacherthal gegen Freudenſtadt, Freiburg, Lörrach, Donaueſchingen und Conſtanz. Ueber das Nähere in mei⸗ nem nächſten Briefe. Mit den Herrn Phariſäern und In⸗ triguanten wird es nun bald ein Ende nehmen, denn ſie haben an Hecker ihren Haltpunkt verloren, und von ſeinem Nachruhm, den ſie an ſich zu reißen ſuchten, werden ſie auch nicht lange leben können. Kaiſer iiſt ſogleich nach Deiner Abreiſe von hier eingetroffen, er war auch in Donau⸗ eſchingen, und verſuchte— wie hier— alles aus einander
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