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der Verf. den Ton der Ermahnung annimmt, etwas Ueber⸗ ſchwängliches— Excentriſches— hat.
Das Werk— deſſen Heftenzahl vorerſt noch nicht beſtimmt iſt und die allerdings nach dem vorhandenen Stoffe eine unendlich große werden könnte, wenn das Unternehmen den Beifall des leſenden Publikums findet und behält— das Werk erſcheint in Heften von 8 Bogen zu 24 Kreuzer fuͤr Subſcribenten, zu 36 Kreuzer für die, welche ſie ein⸗ zeln kaufen und man kann auf daſſelbe ſowohl ſubſcribiren, als auch ſtets einzelne Hefte zu dem oben bemerkten Preiſe er— halten in der C. Bindernagel'ſchen Buchhandlung in Friedberg.
Das Maklerunweſen der Landungsplätze in Amerika.
Die Bemühungen der deutſchen Emigrantengeſellſchaften in Newyork und Philadelphia concentriren ſich jetzt immer mehr auf das Mallerunweſen und deſſen Bekämpfung, welche natürlich unter den dortigen Verhältniſſeu keineswegs ſo leicht iſt, wie ſie in einem deutſchen Polizeiſtaate ſein würde. Fortwährend gehen bei dem Präſidenten der Deutſchen Ge⸗ ſellſchaft und des Volksvereines in Newyork Klagen über Betrügereien ein, welche namentlich von Briſch und Comp. au Einwanderern verübt wurden. Man wird in Deutſch⸗ land fragen, wie dies möglich iſt, und warum dieſem Un⸗ weſen nicht ſchon längſt geſteuert wurde? Deshalb die nach— ſtehende kurze Erläuterung.— Da die Eiſenbahuen, Dampf⸗ und Canalböte nur ein Privateigenthum von Einzelnen oder von Erwerbsgeſellſchaften ſind, welche ſich in der Regel nur mit Uebernahme von Fracht beſchaͤftigen, die Annahme von Paſſagieren aber eigends dazu beſtellten Agenten über⸗ laſſen, ſo ſind die Einwanderer gezwungen, ſich lediglich an dieſe Agenten zu wenden, wenn ſie in das Land wollen. Bei der freieſten Concurrenz, welche in Amerika herrſcht, werden nun in der Regel Fahr- und Frachtpreiſe von den Eigenthümern der Linie nicht bekannt gemacht, indem eine jede ſolche Bekanntmachung ſofort niedrigere Preiſe von Seiten der Oppoſitionslinie hervorrufen würde. Doch iſt es dem Bekannten ſehr leicht, den niedrigſten Marktpreis zu erfahren, was freilich dem mit allen Verhältniſſen unbe⸗ kannten Einwanderer deſto ſchwerer wird. Die Transpor⸗ tationslinien geben nun natürlich ihren Agenten die Preiſe an, für welche ſie Einwanderer befoͤrdern, überlaſſen es aber dieſen Agenten ganz und gar, wie viel ſie von den Einwanderern ſich zahlen laſſen wollen, und daher kommt es, daß die armen Einwanderer in der Regel viel mehr zahlen müſſen, anſtatt daß es eigentlich im Intereſſe der Vereinigten Staaten liegt, die Einwanderer billiger nach dem Innern des Landes zu befördern.— Ein Beiſpiel mag dies erläutern. Briſch und Comp. ſind Agenten von Bingham's Linie, welche von Newyork über Philadelphia nach pittsburg führt. Der Preis eines Platzes von New⸗ york nach Philadelphia iſt 2 Dollars 25 Ceuts; der eines Platzes von Philadelphia nach Pittsburg 5 Dollars. Man ſollte nun denken, es müſſe ein jeder Einwanderer von Newyork nach Pittsburg für 7 Dollars 25 Cents befördert werden. Dies iſt aber nicht der Fall. Denn einmal muß jeder Einwanderer dem Briſch 25 Cents für Beſorgung des Fahrbillets zahlen, was die Linie allerdings den Agen⸗ ten erlaubt,— und dann nimmt Briſch von den Einwan⸗ derern wenigſtens 9 Dollars, ſo daß er alſo an jedem, und ſelbſt dem ärmſten Einwanderer mindeſtens 2 Dollars pro- fitirt. Dabei bezahlt Bingham an Briſch noch ein jährliches Salair von 500 Dollars und einen Antheil von 10 piCt. von dem tarifmäßigen Fahrpreiſe der zugewieſenen Paſſagiere. Die ſchändlichſten Betrügereien werden nun aber in den Fällen ausgeübt, wo Paſſagiere über die End⸗
Buffalo) hinaus weiter in das Land wollen.
punkte der Newgorker und Philadelphialinien(Pittsburg, 2 8 f Man kann ihnen dazu in Newyork keine Fahrbillets geben, nimmt aber nichts deſto weniger das Geld, und ſchreibt in der Regel auf den Rücken des Fahrbillets den Namen des Ortes, wo die Perſonen hin wollen, und überläßt es dann dem Schick— ſal und dem Geldbeutel der Auswanderer, wie ſie weiter kommen. Ebenſo iſt es mit den bereits in Europa zur Reiſe in das Innere gelöſ'ten Fahrbillets, welche namentlich von einem gewiſſen Boone in Antwerpen ausgeſtellt wer— den, und auch von der Schweiz aus vielfach an Briſch kommen, da dieſe dort auch ihre Agenten haben. An dieſen Fahrbillets verlieren die Auswanderer, unendliches Geld und man kann wirklich ſagen, daß das Plünderungsſyſtem in Europa ebenſo arg betrieben wird, wie in Amerika. Es hat ſich herausgeſtellt, daß Briſch und Com p. im vorigen Jahre 14,000 Dollars an ihre Untermäkler(Runners, Zutreiber) für Zutreiben von Emigranten zu ihrem Paſſage— bureau ausgegeben haben, und daß mehrere Linien gleiche Ausgaben bis zur Höhe von 50,000 Dollars machten. Dies Alles geht aus der Taſche der unwiſſenden Auswanderer! Da nun jetzt die öffentliche Stimme ſich immer mehr gegen ſolche gewiſſeuloſe Betrügereien erhebt, da namentlich der Newyorker Volksvetein unausgeſetzt be⸗ müht iſt, dieſem heilloſen Unweſen kräftig entgegen zu arbeiten, ſo hat es ſich bemerklich gemacht, daß jene Mäk⸗ ler ihre hauptſächlichſte Thätigkeit nach Deutſchland zu ver⸗ legen bemüht ſind, und daß ſich deshalb ſchon mehrere mit dieſem ſchmutzigen Geſchäfte eng verbundene Perſonen nach Deutſchland begeben haben. Es iſt deshalb um ſo wün⸗ ſchenswerther, daß die Auswanderer ganz beſonders darauf aufmerkſam gemacht werden: 1) daß ſie in Deutſchland ihre Paſſage nie weiter, als bis nach Newyork, nehmen, und 2) ſich bei ihrer Ankunft im dortigen Hafen(wo ſie ja
ohnehin 48 Stunden noch auf dem Schiffe zubringen koͤn⸗
nen) zunächſt und vor Allem an die Agenten der Deutſchen Geſellſchaft oder des Volksvereins wenden, bei deuen ſie die nöthige Weiſung erhalten können, was die Paſſage in das Juland wirklich koſtet und wohin ſie ſich deshalb zu wenden haben, um ohne Betrug be⸗ fordert zu werden.
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72 S An die Gewerbtreibenden Deutſchlands.
Gewerbsmänner!— Groß iſt die Noth des Gewerb— ſtandes in Deutſchland. Der ehedem wohlhabende Mittel⸗ ſtand geht einer gänzlichen Verarmung entgegen; einer Ver⸗ armung, deren gräßliches Bild uns in England, Frankreich und Preußen gezeigt wird. Die drückende Gegenwart, die düſtere Zukunft für uns ſowohl wie für unſere Nachkommen, legt uns die heilige Pflicht auf, uns darüber zu verſtändigen und zu einigen, wie das drohende Verderben abzuwenden, wie der Handwerkerſtand zu kräftigen und zu ſchützen ſei. Geuoſſen! um dieſe Fragen zu beantworten, müſſen wir vor Allem die Grundübel aufſuchen, welche unſere jetzigen Ver— hältniſſe herbeigeführt haben, die Mittel zur Abhuͤlfe ergeben ſich dann von ſelbſt.
Die Gewerbtreibenden des Großherzogthums Heſſen haben in ihren verſchiedenen Localgewerbvereinen gleichzeitig dieſe Frage berathen, in einer gemeinſchaftlichen Verſamm⸗ lung von Abgeordneten eine Einhelligkeit in den weſentlich⸗ ſten Punkten gefunden und beſchloſſen: ſofort rüſtig Hand an die Reorganiſation des Gewerbweſens zu legen.
Damit nun in ganz Deutſchland die Anſichten des Ge⸗ werbſtandes über die bezeichneten Fragen zur Klarheit kom⸗ men und der Handwerkerſtand, welcher bis dahin bei den


