Ausgabe 
8.11.1848
 
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die Ausübung dieſes Rechts aus Gründen der offentlichen Sicherheit zu ordnen iſt. 5

De Familienfideicommiſſe ſind aufgehoben. Die Art und Bedingungen der Aufhebung, beſtimmt die Ge⸗ ſetzgebung der einzelnen Staaten. Die Beſtimmungen über

die Familienfideicommiſſe der regierenden fürſtlichen Häuſer

bleiben den Landesgeſetzgebungen vorbehalten. Gleiche Be⸗

ſtimmungen, wie für die Familenfideicommiſſe, gelten für

die Stammgüter.

§. 32. Aller Lehens verband iſt aufgehoben. Das Nähere über die Art und Weiſe der Aus führung haben die Geſetzgebungen der Einzelſtaaten anzuordnen.

§. 33. Die Strafe der Gütereinziehung ſoll nicht ſtattfinden.

Wenn gleich dieſe Beſtimmungen einer nochmaligen Leſung und Beſchlußnahme unterliegen, bevor ſie für ganz Deutſchland als Geſetz verkündet werden können, ſo iſt doch mit aller Wahrſcheinlichkeit vorauszuſehen, daß die Haupt⸗ grundſätze, welche bei der erſten Berathung aufgeſtellt wurden, und theuͤs die unentgeltliche Aufhebung, theils die Ablös⸗ barkeit verſchiedener Reallaſten ausſprechen, im Weſentlichen auch bei der zweiten Berathung ungeändert, jedenfalls ohne weitere Beſchränkungen zum Nachtheile der bisher Verpflich⸗ teten werden angenommen werden. Es konnen nunmehr wenige Wochen verfließen, bis die zweite Berathung der Grundrechte des deutſchen Volkes beendet ſein wird. Das Reichsminiſterium des Innern ſieht ſich hierdurch, um die Durchführung dieſer Beſchlüſſe, wodurch viele auf dem Land⸗ volke haftende, zum Theil ſehr beſchwerliche Laſten, ihrer völligen Aufhebung oder doch Abloͤſung entgegengeführt werden ſollen, ſo viel als möglich zu beſchleunigen, veranlaßt, an alle deutſchen Regierungen die dringende Aufforderung zu ſtellen, daß ſchon jetzt in allen deutſchen Einzelſtaaten die Vorbereitungsarbeiten begonnen werden, welche zur möglichſt ſchnellen Verwirklichung jener Beſchlüſſe dienen können. Das eigene Intereſſe aller deutſchen Regierungen fordert, daß der großen Maſſe des deutſchen Volkes jene materiellen Erleichtungen, die es in Folge der Märzrevolution zu hoffen berechtigt iſt, ſo bald als moglich zu Theil werden, daß der Bauernſtand in Deutſchland von dem Drucke, der Jahr⸗ hunderte lang auf ihm gelegen, völlig befreit und durch den unmittelbaren Gewinn, der dadurch für ſeinen Wohlſtand erwächſt, zur Ueberzeugung gebracht werde, daß der fried liche und geſetzmäͤßige Weg, welchen die deutſche Reichs⸗ verſammlung eingeſchlagen, fur ihn nicht fruchtlos geblieben iſt. Es wird aber auch die möglichſte Beſchleunigung aller zur Durchführung jener Beſchlüſſe erforderlichen Maßregeln das Intereſſe der bisher Berechtigten weſentlich fordern, indem dadurch allein jene Unſicherheit des Beſitzſtandes und des Werthes von liegenden Guͤtern aufgehoben werden kann, die ſeit Monaten andauert und den Realeredit in ſeinen Grundfeſten erſchütterte. Das Reichsminiſterium des Innern glaubt ſich der ſicheren Erwartung hingeben zu dürfen, daß alle deutſchen Regierungen eifrigſt bemüht ſein werden, dieſer Aufopferung zum Wohle der großen Zahl aller Grundeigen thümer bereitwillig zu entſprechen und ſich dadurch in der Zufriedenheit der zahlreichſten Volksklaſſe die ſicherſte Bürg⸗ ſchaft der Fortdauer eines geordneten Rechtszuſtandes zu verſchaffen.

Frankfurt a. M. den 22. Oktober 1848.

Der Reichsminiſter des Innern: Schmerling.

Die Spinne als Wetter verkündigerin.

Keines von allen Thieren verkündet den Wechſel der Witterung, inſofern dieſer mit der Verſchiedenheit des Ge⸗

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haltes der Luft an Waſſerſtoff- und Waſſerbläschengehalt

zuſammenhängt, ſo ſicher und zuverläſſig als die Spinne. Man kann aus ihrem Verhalten die Witterung 10 14 Tage ganz beſtimmt vorausſagen, und es iſt wirklich auf⸗ fallend, weßhalb man dies Thier in der Landwirthſchgft, bei vorauszubeſtimmenden Arbeiten ꝛc., nicht mehr. beachtet

und benutzt, da dieſe Sache doch ſchon ſo lange bekannt ik. Insbeſondere ſollen die Hausfrauen dies 18 thun, ehe 15

die große Wäſche vornehmen, wodurch auch im Hauſe e in bie vermieden werden könnten. i

f on dieſer zahlreichen Thiergattung ſind vorzüglich die Webſpinnen, Netzſpinnen, Hängſpinnen, aus 1 Gat⸗ tungen Lyniphia, Uloborus, Tetragnatha, Epeira, wozu

unſere Hausſpinnen gehören, und insbeſondere die bekannte

Kreuzſpinne geeignet, als Voraus verkündiger des Wetters benutzt zu werden. Dieſe Thiere beſitzen am Hintertheile ihres Leibes vier Spinnwarzen mit einer unendlichen Menge

kleiner Oeffnungen, aus denen ſie die dem Auge nur durch

das Microscop bemerkbaren feinen Fäden hervordrücken, von denen wohl 4000 zu einem Faden im Spinngewebe, wie wir ihn daſelbſt erblicken, erforderlich ſind. Dieſe kleben

ſie an einen feſten Gegenſtand und ziehen ſie dann zu einer

großen Länge aus, ſie mittelſt ihrer Füße, wie es ihnen zweckmäßig ſcheint, auseinanderhaltend oder zuſammenſtrei chend Sie weben dann ihr Netz, entweder indem ſie an den Wänden hinlaufen und dieſe Fäden quer übereinander ziehen, oder indem ſie lange Fäden ſpinnen und abbeißen, ſo daß dieſe vom Luftzuge bewegt und gegen einen andern Gegenſtand getrieben werden, wo ſie dann die Spinne als Grundlage des Gewebes oder als Brücke benutzt). Je mehr die Spinne nun Neigung zum Spinnen zeigt, je fleißiger ſie iſt, und je länger ſie ihre Fäden anlegt, deſto

ſicherer kann man auf gutes Wetter für eine längere Zeit

rechnen. Zieht ſie dagegen nur kurze Fäden aus, bereitet ſie nur ganz kleine Gewebe, ſo iſt die heitere Witterung nur von kurzer Dauer. Verlaſſen ſie das Gewebe, verkriechen ſie ſich und ſitzen ſie lange müſſig, da ſie bekanntlich langes Faſten ertragen, ſo ſteht Regen bevor. Zerreißen ſie ſelbſt

das Gewebe freiwillig, ſo iſt dieſes mit Sturm verknüpft.

Bei veränderlichem Wetter legen ſie die Endfäden deſſelben nicht weit auseinander und ihr Geſpinnſt iſt nur klein. So wie aber das Wetter ſicherer und anhaltend heiter wird, ſo erweitern ſie es, und bei der Spinne, welche die im Walde ſehr häufig an den Büſchen befeſtigten, hängenden Gewebe mit concentriſchen Kreiſen verfertigt, bemerkt man wohl, Fäden von 30 Fuß Länge. Spinnt ſie überhaupt ihre längſten Fäden, ſo kann man mit Sicherheit wohl auf 14 bis 15 Tage heiteres Wetter rechnen.

Um die Spinnen zu beobachten und ſie als Wetter⸗ propheten zu benutzen, wählt man einen ruhigen Ort im Garten oder im Gebäude, wo das Thier nicht geſtört wird, und wo man ſie unbemerkt im Auge behalten kann, da ſie geſtört, ſich ſogleich in ihr Gewebe zurückzieht. Alte Spinnen wiſſen das Wetter beſſer als junge voraus, und Spinnen, welche an einem Orte ſich aufhalten, von dem man die Inſekten abhalten und dadurch zum Faſten zwingen kann, ſind ebenfalls zuverläſſiger als ſolche, die geſättigt ſind, oder die ſich mit Todtung von Karfen beſchäftigen, die ſiaß in ihrem Gewebe gefangen haben. Die beſte Zeit zur Beob⸗ achtung iſt des Morgens bis 10 Uhr, wo man daun zuerſt darauf achtet, ob das Thier ſein Geſpinnſt vergrößert, ob es neue lange Fäden anlegt, oder ob es wohl ſelbſt viel⸗

2) Hinſichtlich der ausführlichen und ſpeciellen Beſchreibung der be⸗ a e Spann dieſer Thiere müſſen wir unſere Leſer auf Kirby und Spence Einleitung in die Entomologie, Stuttgart 1822, I. 443. verweiſen. Es iſt nicht leicht möglich, etwas Intereſſanteres zu leſen, als dieſe Darſtellung, nur iſt hier

nicht der Ort, ſie vollſtändig mitzutheilen.