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Neugeſtaltung der Kirche ſchon auf einer großen von Geiſt⸗ lichen und Nichtgeiſtlichen am 21. März d. J. zu Darm⸗ ſtadt zuſammengetretenen Verſammlung aus, auf welcher der Antrag auf freie Synodal- und Presbyterial⸗ Verfaſſung geſtellt und von Seiten eines hohen Kirchen— beamten die Zuſage einer alsbaldigen Ausarbeitung eines dieſem Antrag entſprechenden Entwurfs gegeben wurde. Leider ſcheint die Sache bei dem Verſprechen ihr Bewenden behalten zu ſollen, wenigſtens ruht ein magi— ſches Dunkel über der ganzen Angelegenheit.. Doch wir glauben, daß, wenn auch eine freie Kir⸗ chenverfaſſung im Großh. Heſſen ſchon eingeführt wäre, damit doch den in der Jetztzeit auftauchenden Verlangen, die weſentlich andere, als ſie am 21. März waren, ge— worden ſind, nur theilweiſe abgeholfen ſein würde. Wie unſere Zeit im politiſchen Leben ſich ſeit dem über die früher ſo engherzigen partikulariſtiſchen Intereſſen der ein— zelnen Staaten und Stätlein Deutſchlands zur erhabenen Idee Eines großen einzigen im Innern ſtarken, nach Außen mächtigen und achtunggebietenden Vaterlands erhoben hat, ſo kann auch die evangeliſche Kirche nur dann die ihr gebührende Stelle und Miſſion in dieſem ſich neu geſtaltenden Deutſchland würdig erfüllen, wenn ſie ſich zur Idee Einer deutſchen evangeliſchen Nationalkirche erhebt. Es gab bisher keine evangeliſche Kirche mehr; denn ſo viele Länder in Deutſchland ſo viele Kirchen gab es auch; man hörte, o Wunder! von einer heſſiſchen, preußiſchen ꝛc. Landeskirche reden! Die Kirche war ja in den Augen mancher Staatsmänner nur eine Polizeianſtalt, welche wohlfeiler, als es durch ganze Re— gimenter öffentlicher und geheimer Polizeichergen geſchehen konnte, das Volk im Zaume halten ſollte, damit es ja nicht an der künſtlichen Staatsmaſchiene rüttle! Aus dieſer unwürdigen und entehrenden Stellung muß unſere evangeliſche Kirche heraustreten, es muß, damit ſie künf⸗ tighin kräftig nach Innen und angeſehen nach Außen werde, Eine deutſche Kirche, frei von allen Sonder— intereſſen, wie oben bemerkt, raſch ins Leben gerufen wer— den. Dazu bedarf es der Einberufung einer deutſchen evange— liſchen Synode, welche einen aus ihrer Mitte erwählten ſtändigen Ausſchuß zur Leitung der allgemeinen Angelegen— heiten als kirchliche Oberbehörde einſetzt. Es möge alsdann nach zu ſchaffenden Kirchenprovinzen, oder auch nach den einzelnen Staaten ſich kirchliche Unterbehörden mit provin— ziellen Synoden bilden, um die Beſchlüſſe der allgemeinen Synode auf ihre Bezirke anwendbar und in ihnen durch— führbar zu machen, das wird die erſehnte Einheit und Macht der Kirche nicht ſtören, vielmehr nur ſegensreich fördern. Evangeliſche Brüder Deutſchlands! Die Zeit iſt gekommen, wo auch unſere Kirche eine Neugeſtaltung er— halten kann und muß, wenn ſie nicht gleich einem morſchen Gebäude in Schutt und Staub dahin ſinken ſoll! Jetzt, wo freie Kirchenbildung geſtattet iſt, wo ſich die übrigen religibſen Vereine enger an einanderſchließen, jetzt wollten wir in unſerer alten Zerſplitterung beharren? O, wir würden uns ſelbſt unſer Grab graben! Das alte Knech— tungsſyſtem iſt in der politiſchen Welt dahingeſunken, ſoll es denn auf dem Gebiete unſerer evangeliſchen Kirche fortbeſtehen und der Riß immer größer, die Spaltung immer breiter werden, da der im bürgerlichen Leben freie Geiſt auch in dem kirchlichen keine Bevormundung mehr ertragen kann? Nur jetzt, wo es gilt Hand anzulegen, nur jetzt, meine Brüder, kein Indifferentismus gegen unſere Kirche! Alle unter dem bisherigen Glaubens- und Ge— wiſſenszwang, der in manchen Staaten ſo hart geübt wurde, nicht von der evangeliſchen Kirche, nein, von der Kirche des Staats Abgefallenen wollen wir verſöhnen und Einen
ſtarken Bau mit ihnen gründen. Die Zeit iſt günſtig! Die bisher verſchloſſenen bayeriſchen und öſterreichiſchen Lande, ſie ſtehen jetzt offen, auch unſern Brüdern in ihnen können wir zurufen: Kommt, helfet uns bauen!
Nicht dem Reichstage zu Frankfurt können wir unſere heilige Angelegenheit überlaſſen, es hat ſich mit der poli— tiſchen Neugeſtaltung unſeres theuren Vaterlandes zu be— faſſen, auch kann er dieſe Leitung darum nicht in ſeine Hand nehmen, weil er ſich ſonſt einſeitig auf einen con— feſſionellen Standpunkt ſtellen würde, er aber allen reli— giöſen Elementen gleiche Anerkennung muß zu Theil wer—
den laſſen; aber unter ſeinen Schutz wollen wir unſere,
Arbeit gegen die zu befürchtenden Eingriffe der ſeitherigen Kirchengewalten ſtellen, von ihm lernen wollen wir, daß bei einem ausdauernden Verfolgen unſeres Plans auch die bis jetzt demſelben noch entgegenſtehenden großen Hin— derniſſe, welche wohl manches ängſtliche und kleingläubige
Gemüth von der Unterſtützung deſſelben abgehalten, ſinken
müſſen. Was deutſche Kraft, verbunden mit deutſcher Vaterlandsliebe nach langem Kampfe im politiſchen Leben errungen hat, ſollte das der deutſchen Beharrlichkeit und der religibſen Begeiſterung auf dem Gebiete der Religion zu erreichen unmoglich ſein? O, gewiß nicht! Deutſchlands Vertreter ſind zu Frankfurt zuſammen— gekommen, der an Deutſchland frühere Größe und Blüthe ſo lebhaft erinnernden Stadt, um dort das einige Deutſchland zu gründen, laſſet uns eine an Erinne— rungen für unſere evangeliſche Kirche aus der Zeit ihres Glanzes reichen Ort erwählen, wo auch wir bald aus allen deutſchen Gauen zur vorberathenden Verſamm⸗ lung über die unſerer evangeliſchen Kirche zu verleihen⸗ den neuen Geſtaltung zuſammen kommen! wegen ſeiner geſchichtlichen Erinnerungen möchte ich Marburg dazu vorſchlagen, Marburg mit ſeiner Eliſabethenkirche, wo einſt Luther und Zwingli zuſammen traten, um die Ver⸗ ſtändigung und Einigung ihrer Meinungen herbeizuführen. Was ihnen damals nicht gelang, möge es uns nach 300 Jahren gelingen! Möge unſere evangeliſche Kirche bald Ein Bau werden, frei, ſtark und wahrhaft beglückend! R. Möbius, Pfarrer.
Zwei Feinde in einer Falle.
Krieg war im Lande, eine geringfügige Fehde nur, doch für die Heimburger juſt ſo ſchlimm, als ob die ganze Welt in Flammen ſtünde. Die Leute wandten ſich ſchier an keinen Heiligen mehr, als an den Bartholomaͤus, der da weiß, wie's thut, ſo einer geſchunden wird. Es iſt ſchon lange her, das merkt ihr daraus, daß vom Beten die Rede. Unſere Vorfahren waren frömmer wie wir; im übrigen trugen die Menſchen damals noch Affenſchwänze, die grad nur ein Bischen höher hingen als bei den Affen, und die Länder ſchienen blos um der Fürſten willen da. Der Fürſt war die Urquelle aller Weisheit und Gerechtigkeit, und das deutſche Vaterland beſaß einen größeren Vorrath un ſolchen Urquellen, als von Geſundbrunnen. Heutzutag iſt's umgekehrt, und ſchon darum gut, weil die Heilquellen miteinander keinen Krieg führen können, als höchſtens in den Zeitungen. Links brannte ein Dorf, rechts flackerte ein Schloß, vorn lag ein Weiler in Schutt und Aſche, hinten dampfte noch ein Meierhof. Roſſeshufen zerſtampf⸗ ten Wieſe und Ackerfeld. Fußvolk, Reiterei und Stück geſchwader waren hart aneinander. Die Karrenbüchſen brüllten, das kleine Gewehr knallte und knatterte, das blanke Eiſen klirrte. Am tollſten ging es in einem kleinen Gehölz auf dem Flügel zu; um zu ſagen ob's der rechte oder linke Flügel war, müßte ich Partei nehmen. Weiß⸗


