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1 N fue ö i g Und nun habe Dank für alle Freundlichkeit, die Du mir je erwiesen, vergieb mir, daß ich jemals Deinen Weg gekreuzt, wihung und lebe wohl. 5 Grete. Sie ließ das Blatt finken und sah ihn an, ein bitteres Lächeln verzog seinen Mund. „Und nun das Ende. Als sie gegangen war, da wußte ich auf einmal, daß ich sie liebte. Unbewußt und allmählich hatte erhalten der Zauber ihrer geräuschlosen Sorglichkeit, ihres nimmer müden, selbstvergessenen Fleißes mich umsponnen. Meine Freunde wurden herab- mir verhaßt, wo ich ging und stand, suchte ich ihre schlanke chweiß; Gestalt, ihre braunen Augen,— meine Reue kam zu spät.
0 Vergebens habe ich mich bemüht, sie aufzufinden, sie hatte de ii jede Spur verwischt. Nicht einmal ihre Mutter kennt ihren Au 0 N Aufenthalt, nur durch ihre Schwester Heddy steht sie mit ihr in 15 100 Verbindung. Und weder Bitten noch Drohungen, nicht List noch
Gewalt vermochten dieser das Geheimniß zu entlocken; denn sie 1 1 baßt mich so glühend, wie sie ihre Schwester anbetet. Ein ein⸗ u neh ziges Mal, in diesem Frühjahr, bewegte ich sie, ein Schreiben fir ft von mir an Grete zu senden,— es kam uneröffnet zurück.“ behüte 1 Er stöhnte leise auf. deren„Zwei Jahre sind nun fast vorüber, ich bin ruhig geworden, 15 9 aber—— ich kann es nicht vergessen, daß ich mein Glück mit
„eigenen Füßen zertreten habe.“.
Wieder waren Wochen vergangen, und Hans Marloff rüstete
ich halk. zur Abreise, denn in der Heimath rief die Arbeit. it. Von 14„Kommen Sie noch einmal an den See,“ bat ihn die alte men un. Dame,„gerade bei Sonnenuntergang ist er herrlich.“ igentläh 10 Lautes Lachen und Rufen scholl ihnen entgegen, als sie aus ich uw dem Walde heraustraten, und von der steilen Anhöhe auf das ürdigen, 4 Wasser hinab sahen. r zu den Eine bunte Schaar von Knaben und Mädchen tummelte sich
Aben: am Ufer und unterhielt sich lärmend mit einem halbwüchsigen
N Backfisch, der hinaus gerudert war und sich nun schaukelte.
i ihr„Sie werden den Kahn umwerfen, Mary,“ rief die ältliche ihr do) Erzieherin,„augenblicklich kommen Sie zurück!“
dasselb 1 Aber Mary lachte nur und sprang in tollem Uebermuth Thränn auf die 900 5 Dann ein einziger wilder Schrei! Das Boot
. war umgeschlagen.
10 14 In wenigen, halsbrechenden Sprüngen war Hans Marloff id 9 f 1 den Abhang hinuntergestürmt, doch er war nicht der erste.
5 5 1 An der Landungsbrücke hatte die Gouvernante einiger anderen it f 0 Kinder gestanden, und ehe er noch angelangt war, warf sie schon belles Hut und Schuhe ab und schwamm in langen Stößen der Unglücks⸗ aber 0 stelle zu. Doch es war nicht leicht, das junge Mädchen zu retten, and, 11 das sich wie eine Wahnsinnige an sie klammerte.
m me„Lassen Sie los, wir gehen beide unter!“ schrie sie ihr zu. se un Doch Mary war wie blind und taub und schlang ihre Arme
] nur noch fester um den Hals der Rettenden.
Blatt l“ Sie war sehr gewandt, und die Todesangst verlieh ihr über—
5 menschliche Kräfte, aber nun versagte ihr der Athem; denn die bis hel 1 Verzweifelte würgte sie bald.
4 Ein Boot war vom Lande abgestoßen, sie sah es und raffte flog 1 sich noch einmal auf, nun hatten ste sich erreicht, und sie guff 4 mit beiden Händen nach der Ruderstange, die ihr Hans Marloff
Jentgegenstreckte. 5 f en M Zuerst hob er die ohnmächtige Mary hinein, aber wie er sich 1- nun über den Rand beugte, um auch ihr zu helfen, schrie sie 115 1 plotzlich auf. Mit einer leidenschaftlichen Bewegung warf sie 155 WW sich in's Wasser zurück, doch schon hatte er ihr Kleid ergriffen, f II see konnte ihm nicht mehr entfliehen.
At Nun lag sie weich gebettet in einem der nächsten Häuser, weiß 1 und mit liebevollster Sorgfalt bemühte sich die Matrone um sie. 10 1% Sie versuchte, ihr dantbar zuzulächeln, doch es mißlang; denn nich 0 1. 1. 10 1905 irrten ihre dunklen Augen sorschend in dem
I kleinen Raum umher.
9 Nein, nein, sie hatte sich getäuscht. Es war nicht ihr Gatte,
der sie gerettet und bis hierher getragen, er konnte, er durfte des
micht sein.
a Sie athmete leichter und schloß ermattet die Augen, aber
rvie sie sie nach einigen Minuten wieder öffnete, gewahrte sie die
alte Frau nicht mehr; der da an ihrem Lager kniete und so
ünbrünstig ihre Hände küßte, war Hans. Cin Stöhnen entrang sich ihrer Brust.
O geh, geh fort, geh fort!“
Doch er schüstelte den Kopf und sagte ruhig:„Nie wieder. Du bist mein.“
„Dein!“ Sie fuhr auf.„Was willst Du noch von mir? Ich habe Dir ja Deine Freiheit wiedergegeben, mehr kann ich nicht, und Du darfst mich nicht mehr quälen.“
Er zog sie an sich trotz ihres Widerstrebens.
„Ich will Dich lieben, Grete,“ flüsterte er,„Dich lieben, hörst Du wohl?“
„Mich lieben!“
Mit beiden Händen stieß sie ihn zurück.
„Denkst Du, ich glaube Dir's?“
„Du glaubst es nicht? Grete, habe ich Dir jemals Liebe gelogen?“
Sie lachte gell und schneidend.
„Ach nein, gewiß nicht!“
„Und heute sag' ich Dir, daß ich Dich liebe.“
Da richtete sie sich stolz empor, und ihre Augen flammten.
„Und heute sage ich Dir, daß meine Liebe todt ist, ver— nichtet und zertreten von Dir selbst. Auf meinen Knieen hätte ich Dir einst gedankt für ein einziges solches Wort wie eben, jetzt nicht mehr.— Jene thörichte Liebe, die mein Leben vergiftet hat Jahre hindurch, ja, die ich schon im Herzen trug, als Du noch nicht einmal einen Blick für mich hattest, die hast Du selbst erstickt. Das ist mein letztes Wort: Zwischen uns ist es vorbei.“
Sie wandte sich und preßte das Gesicht tief in die Kissen, während er neben ihr stehen blieb, stumm und beläubt, lautlos und regungslos. Er wußte wohl, daß sie im Rechte war, und doch konnte er seine Hoffnung nicht begraben. Das Licht einer kleinen Lampe fiel auf das Bett, was blitzte dort nur so in dem schwachen Schein? Mechanisch suchte er danach und zuckte auf einmal zusammen. g ö
Ein feines Goldkettchen mit einem Medaillon schlang sich um ihren Hals, bei ihren heftigen Bewegungen hatte es sich verschoben, ohne daß sie es ahnte.
Glühende Eifersucht stieg plötzlich in ihm auf.— Also darum stieß sie ihn zurück! Sie dachte an einen andern und war doch noch sein Weib! Mit einem Griff erfaßte er's und hatte es in Händen, ehe sie nur recht zum Bewußtsein gelangt war.
Doch als sie es zwischen seinen Fingern funkeln sah, schrie sie auf.
„Gieb mir's zurück, es ist nichts Böses! O mach's nicht auf, erbarme Dich, Hans!“
Er hörte nicht auf sie, und, während sie leise weinend wieder ihr Gesicht verbarg, öffnete er, um dann zurückzutaumeln. Es war sein eignes Bildniß, das ihm entgegen schaute, und das Medaillon sein Verlobungsgeschenk.
Einige Minuten lang blieb Alles still, dann drang es wie ein Jauchzen an ihr Ohr:„Du liebst mich, Grete!“
Sie fand nicht mehr die Kraft zum Widerstand, als er sie von neuem umschlang.
„Nun kannst Du's nicht mehr leugnen. Und wenn ich Dich nun bitte, versuch' es noch einmal mit mir, sei wieder mein, mein Weib?“
Sie schmiegte ihren Kopf an seine Brust.
„Mag kommen, was da will, ich lasse Dich nicht mehr.“
Schon manches Jahr ist seitdem vergangen. Wenn aber Heddy Norbert, die längst eine glückliche Frau geworden ist, ihrem Manne ein besonderes Lob aussprechen will, so meint sie:„Du bist— beinahe so nett wie Schwager Hans.“
Eine PSylvesterskizze. Von J. v. Brun⸗Barnow.
Mondlicht! Langsam dämmert es auf. Matt lugt zuerst das Licht durch die schweren, tief herabhängenden Wolken. Der Schimmer wird stärker, nun liegt ein milder Glanz über dem mächtigen Häusermeer der Residenz.
Erst jetzt wird man den grauen Strom gewahr, der träge dahin rollt und viel zu düster ist, um auch nur auf einer einzigen Welle einen hellen Mondstrahl zurückzublitzen. Lautlos fällt der Schnee und leicht wie eine Schneeflocke, die zergeht im endlosen
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