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Oberhessischen Muchrichten.
Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
Gießen, den 30. Dezember.
1 Die table d'hôte im ersten Hötel eines eleganten Schweizer [Bades hatte begonnen. Eben räumten die Kellner die Suppen⸗
teller fort, als noch ein Nachzügler erschien, ein Tourist. Er
ließ sich am untern Ende eines Tisches nieder und nahm an der Mahlzeit Theil, ohne mit seinen Nachbarn mehr als einige HHöflichkeitsformeln auszutauschen. Er sah sich so wenig im Saale um, daß es ihm entging, wie eine alte Dame an der Nachbartafel hartnäckig ihr Augen⸗
glas auf ihn gerichtet hielt, um dann lebhaft auf ihre Tochter
einzusprechen, eine hübsche junge Frau, die neben ihr saß.
„Es ist ganz sicher Marloff,“ meinte sie,„Du kannst Dich
darauf verlassen, Alice. Ich begreife nur nicht, daß er uns nicht
bemerkt.“ g „Der Rehbraten auf seinem Teller wird ihn wohl mehr
interessiren,“ erwiderte die Tochter lachend.„Ueberlaß ihn jetzt nur seinem Appetit, nachher kannst Du ihn Dir ja rufen lassen, wenn Du magst.“ 0 „O, und ob ich mag! Er war immer mein Protégé, ich Sin ganz sicher, daß er seine alte Freundin noch nicht vergessen hat.“ Und er hatte sie wirklich noch nicht vergessen, das bewies das Treudige Aufleuchten seiner Augen, als er sie nach beendeter Mahlzeit endlich gewahrte. „Gnädige Frau, Sie hier! Welch' glücklicher Zufall! „Schlimm genug, daß es ein Zufall sein muß, Sie Un⸗
zetreuer! Wissen Sie wohl, was die letzte Nachricht von Ihnen war? Ihre Vermählungsanzeige! Ich habe sie zwar mit großem Vergnügen gelesen, aber——“
ö Sie brach ab, so blaß war er plötzlich geworden.
„Was haben Sie, lieber Marloff?“
ö„O nichts, nichts“— er zwang sich zu einem Lächeln— es war drinnen so heiß.“
1„Ja, ja,“ bestätigte sie.„Kommen Sie, begleiten Sie mich iin wenig in den Garten. Seit wann sind Sie hier?“ f„„Seit einigen Stunden, und heut Abend geht es weiter.“
„Heut Abend schon? Davon kann nicht die Rede sein,“ wehrte stie.„Sie kennen die Schweiz ja auswendig, bleiben Sie n paar Tage. Oder haben Sie Verabredungen getroffen?“ „Das nicht, nur——“
„Nun also, abgemacht! Oder sollte Ihre Frau auf meine Ichszig Jahre eifersüchtig sein? Wo haben Sie sie übrigens? Darum ist sie nicht bei Ihnen? Schickt sich das für einen soliden Ehemann?“
Er biß sich heftig auf die Lippen.
EWSie— sie— sie ist todt,“ stieß er endlich kurz heraus. 0
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Die alte Dame schwieg erschrocken, dann reichte sie ihm fast N Hüchtern die Hand. J
Aebersehen.
Novellette von G. Baumann. d
„Vergeben Sie mir, ich habe Ihnen gewiß sehr wehe gethan.“
Er entgegnete nichts, und einige Minuten blieben Beide still.
Dann begann sie wieder:
„So habe ich keine Aussicht, Sie länger hier zu fesseln? Es war mir wirklich schmerzlich, so garnichts mehr von Ihnen zu hören.“ 5
„Wenn ich hoffen dürfte, gern gesehen bei Ihnen zu sein,“ meinte er zögernd.
„O, Sie thörichter Mensch, soll ich Ihnen denn Schmei— cheleien sagen?“
„Aber Ihre Frau Tochter,“ wandte er ein. Zuwachs nicht genehm wäre!“
„Alice? Aber ich bitte Sie! Im Gegentheil! Sie wird Ihnen Dank wissen. Sie liebt die Geselligkeit und muß manches ent⸗ behren, um mich nicht allein zu lassen.“
„Nun denn, so bleibe ich ein paar Tage.“
Doch aus den Tagen waren nun schon zwei Wochen ge— worden, und noch immer war Hans Marloff der unzertrennliche Begleiter seiner alten Freundin.
„Ich hoffe, Mama, Du lässest Dir nichts von Herrn Marloff in den Kopf setzen,“ hatte Alice lachend gesagt, als sie sich heut' verabschiedete, um einen Ausflug zu machen,„so ein ernster, junger Wittwer ist gefährlich! Da biegt er schon wieder um die Ecke, hüte Dich! Sonst kratzen Dir die jungen Mädchen die Augen aus.“
Die alte Dame hatte es ihm lebhaft wiedererzählt, aber sein Lächeln darüber war recht gezwungen.
„Wollen Sie denn nicht wieder heirathen?“ fragte sie jetzt rasch.„Ich denke mir, Sie vermissen schmerzlich eine Häuslichkeit.“
Er hob abwehrend die Hand, doch sie war einmal im Zuge.
„Jetzt denken Sie natürlich nur noch an Ihr erstes Glück. War sie schön, Ihre kleine Frau? Ich hätte gerne einmal ein Bild von ihr gesehen. Haben Sie keines?“
„O gewiß! wenn Sie wünschen——“
Er griff zögernd in die Brusttasche und reichte ihr ein ein— faches Medaillon. Doch sie hielt seine Hand zurück.
„Wenn es Ihnen schwer wird, mein Freund, ich bin nicht neugierig.“
Er sah ihr ins Gesicht.
„Ich weiß es lange, Sie hegen wirkliche Theilnahme für mich, darum nehmen Sie. Sie sehen wohl, was man schön nennt, war Grete nicht, aber—— sie liebte mich.“
Er sagte das Letzte kaum hörbar, und sie achtete auch nicht darauf, so eifrig betrachtete sie das Porträt, ein blasses Mädchen⸗ gesicht mit dunklen, braunen Augen.
„Sie haben Recht,“ sagte sie endlich,„sie ist nicht schön, aber wenn ein oberflächlicher Beobachter auch wohl nicht viel heraus⸗
„Wenn ihr der


