Ausgabe 
30.9.1888
 
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319 D.

Als eine neue Mode erscheinen weiße Wollenkleider mit eingewebter Palmenbordüre, wie man denn überhaupt denKaschmir⸗Palmen Er⸗ folge prophezeit, sei es, daß dieselben dh als brochirtes Streumuster von einem hellen oder dunklen Grunde abheben, sei es, daß sie, wie eben be⸗ schrieben, als Garnitur den Stoffen eingewirkt sind. Diese KleiderPal⸗ myra werden nicht mit einfarbigen Geweben untermischt. Ein anderes, ähnliches Genre bieten die Anzüge aus einfarbigen Kaschmirs und Serges, garnirt mit orientalischen Stoffen. Nichts Beliebteres in ersteren als Grün: Russisch⸗Grün, Epheugrün, Myrthengrün, Moosgrün! Es ist die Farbe des Tages, der Mode!

Um indeß auf die weißwollnen Toiletten zurückzukommen, so schmückt man sie will man ihnen ein besonders elegantes Geprä Goldstickereien, Goldgalons oder Goldverschnürungen, sollen sie einfach elegant wirken, mit weißen Moire⸗ oder Faillebändern. So zeigte 3. B. ein reizendes Gesellschaftskleid aus weißem Voile für ein junges Mädchen den ersten, kaum sichtbaren Rock mit einer feinen, schmalen Verschnürung

von goldener Soutache gent, den zweiten Rock ohne Goldausputz, sehr leicht drapirt. Das Leibchen öffnete sich über einem goldverschnürten Plastron, das oben am Halse mit einem fein plissirten Theil versehen war, an welchen sich der goldverzierte Stehkragen fügte. Um die Taille schlang sich ein Gürtel aus weißem Failleband, der seitwärts mit einem Gewoge von Schleifen schloß. Die Aermel endeten in ein Bündchen, das mit dem Stehkragen korrespondirte.

Die weißen, mit schmalen, farbigen Linien durchstreiften Wollenstoffe werden vielfach zu Herbst-Anzügen verwendet, ferner leichte, chinirte Tuche, schwarz und weiß, blau und schwarz, beige und braun gemischt. Die dunklen Serges, die Cachemiriennes und die einfarbigen Kaschmirs leihen sich hingegen vornehmlich zu den Direktoirekleidern. Dann versucht man von Neuem die Zusammenstellung von zwei abstechend farbigen Tuchen in einer Toilette, wie z. B. einen mausgrauen Tuchrock, über welchen ein zweiter Tuchrock in lapisblauer Farbe fällt. Man garnirt ein solches Kostüme, für welches man immer noch gern das Genre tailleur begehrt, entweder mit Passementerien oder mit Galons, Blau auf Grau, oder Grau auf Blau.

Mehr als je spielt das Plastron eine Rolle, das man hier aus einer Mischung von Seide, Gaze und Stickereien bereitet, dort aus Wolle mit gestickten oder goldenen Galons, die gekreuzt, der Quere, der Länge nach gesetzt, oder mit bulgarischen oder türkischen Stickereien.

Man fertigt von Neuem die einfarbigen Aermel abstechend vom Leibchen, entweder aus anderem Stoff oder in anderer Farbe. Nichts ist moderner als ein kurzschößiges Schnebbenleibchen, ein Jaquetteleibchen oder eine Redingote aus dunklem Wollenstoff, myrthengrün, granatroth, otterbraun, mit einer Weste oder einem Plastron und Aermeln aus Moire in dem selben Ton! Das Leibchen oder Uebergewand kann zu einem Rocke aus gleichnüanzirter schlechter Seide oder Moire getragen werden, desgleichen aus gestreiftem Wollenstoff, immer in derselben Tönung, versteht sich. Das Genre Peking ist nämlich für die Wintersaison zu Kleidern maßgebend.

Eine andere hübsche Mode ist das Jaquetteleibchen mit drapirter Weste, das man zu allen Arten von Röcken wählt. Ich sah ein solches aus schwarzer Peau de soie, geöffnet über einer drapirten Weste aus

schwarzem Crepe de Chine. Die Contouren dieses Kleidungsstückes waren.

von einem zierlichen Jetpassepoil begrenzt. Als Garnitur auf jeder Hüfte diente eine Tasche Genre Louis XIII., welche über den Rand des Schooßes trat. Ein hoher Stehkragen mit Jet umrahmte den Hals, und ein Jet gürtel, von welchem ein sprühender, sich hin- und herwiegender Perlen⸗ regen niederfiel, umspannte die Taille. Auf Taschen und Aermel waren schöne Jetornamente mit langen Gehängen gesetzt.

Was soll ich Ihnen über die Knöpfe sagen? Sie sind bestimmt, einen hervorragenden Platz im Ausputz der Herbst⸗ und Wintergarderobe ein zunehmen, wohl gemerkt: imAusputz, denn man wird sie nicht wie sonst allein als Nothwendigkeit anbringen, um den Schluß zu vermitteln. Vorzugsweise wendet man sich den artistischen Metallknöpfen zu, welche so recht für die Directoireroben geeignet scheinen, denn hier können sie auf den großen Revers der Redingote zu ihrer schönsten Geltung kommen. Man gedenkt ferner, dieselben auf Kleiderröcke anderen Stils, auf Leibchen, Jackets ꝛc. vielfach zu garniren. Und für besonders elegante Roben, seien dieselben nur für den Morgen oder Abend bestimmt, hat man ciselirte, gemalte, emaillirte Knöpfe ziemlich großen Umfanges hervor gerufen, welche allein schon den Reichthum einer Toilette ausmachen. Auf den Habits Louis XV. werden kunstvoll gemalte Knöpfe mit Amo retten von Boucher oder mit Schäferscenen von Watteau prangen, auf den Casaques Directoire Knöpfe mit geschliffenen Stahlnägeln, welche wie Diamanten funkeln. 5:

Die Galons, die eleganten, in bunten Seiden oder in Gold gestickten oder brochirten, ebenso wie die einfachen wollnen Tressen, die Verschnü⸗ rungen in runder Soutache, vornehmlich diejenigen in Palmen⸗ mustern, gehören gleichfalls zu modernen und beliebten Kleiderzierrathen. Auch die ausgeschlagenen Stoffgarnituren erscheinen wieder, und man läßt hierbei häufig einen solchen hellen Streif unter einem dunklen vor⸗ sehen. Man führt das besonders in Tuch aus.. Originell und sehr neu ist die Verwendung der weißen Garnituren auf eleganten Tages- wie Abendkleidern. Die Weste aus weißer Wolle oder Seide gehört bekannterweise der alten Mode an, doch kommt sie verjüngt in jeder Saison wieder, und jetzt hat man ihr Revers, Kragen, Jockeys, Puffen und noch viele andere Toilettendetails in Weiß bei⸗ gefügt. Die weiße Directoireschärpe ist gleichfalls sehr in der Mode. Es läßt sich nicht leugnen, daß derartige weiße Garniturtheile sich höchst kleidsam erweisen; sie sind von großer Distinktion und geben der ein⸗ fachsten Toilette dasCachet, das man so sehr liebt. 5

Als herbstliche Umhüllung steht das Jaquette wiederum in erster Linie. Man fertigt es aus groben, melirten Cheviots, aus Himalaya,

e geben, mit

aus Tuch, mit oder ohne Seidenfutter, meist anschließend, doch auch mit geraden, immerhin aber knappen Vordertheilen. Sehr beliebt daran ist die Verschnürung aus ganz groben, eigenthümlich verstrickten und in⸗ einandergeflochtenen Wollentressen, begleitet von feiner, runder Soutache und abgeschlossen mit Knebeln, welche auch zum vorderen Schluß dienen. Derartige Tressen werden bei dem Husaren-Jaquette in Form von Brandebourgs auf die Vordertheile, ferner von den Aermeln bis zur Taillenbiegung auf die Rückennähte gesetzt. Zu den Kleidern aus groben Cheviots, grober englischer Serge, vor allem aber aus Tuch, hat man allerliebste, seidengefütterte Capuͤchons aus übereinstimmenden Stoffen in verschiedenen Formen hervorgerufen, desgleichen Pelerinen mit drei oder vier Kragen, welche der Toilette eine hübsche Vollendung geben und sie zu einem herbstlichen Straßenanzuge gestalten. Der lange, am Halse in mehrere krause Puffenreihen Peoogene oder an eine Schulterpasse gekräuselte Reise- oder Staubmantel bonne kemme hat trotz seiner un⸗ kleidsamen Form so viel Beifall im Sommer gefunden, daß man ihn als Herbstmantel in mattbunt gestreiften Cheviots wiederholt. Durch innerhalb angebrachte Bänder liegt derselbe im Rücken fest an. Eine ähnliche Fagon bereitet man mit überfallenden, eckigen Aermeltheilen, 10 ebene lang wie der Mantel sind und sich aus den Rückentheilen ergeben

In den Kopfbedeckungen für Herbst und Winter unterscheidet man vier Hauptformen, von denen jede wiederum eine Anzahl Varianten mit sich bringt. Zuerst den runden Hut mit niedrigem Kopf und breiter, weit vorstrebender Krämpe, welchen man aus Filz fertigt und mit Band⸗ schleifen und Straußfedern schmückt; dann den Directoire aus Sammet oder Filz mit einer Schleife im Innern und einem Kranz von Blumen oder Bändern außen; die kleine Capote aus allen möglichen Stoffen und schließlich die Toque, welche sich in Filz, in chiffonnirtem Surah mit, Filz⸗ oder Sammetrand, ferner in Federn präsentirt. Die Toques aus Federn zumal sind die neuesten, die reichsten. Der Fond ist aus glatten, glänzenden Federn, z. B. der wilden Ente, der Rand aus kleinen Flügeln, welche in schräger Richtung emporstehen und über der Stirn ein Diadem bilden; eine kleine Sammetschleife befindet sich in der Höh lung des Diadems und ruht auf dem Haar.

Als Uebergangs⸗ wie als Reisehut trägt die elegante Damenwelt vielfach den weichen Filzhut, GenreMascotteb. Um ihm sein männ⸗ liches Air zu nehmen, windet man eine Echarpe aus weißer Gaze um den Kopf und bringt seitwärts Flügel oder eine Möve an.

Vom Hut ist der Schleier unzertrennlich, welchen man am liebsten der Farbe des Hutes oder, ist dieselbe nicht vortheilhaft für den Teint, derjenigen des Ausputzes anpaßt. Ich mache wiederholt auf das Un⸗ günstige der rothen Schleier aufmerksam. Bei schwarzen Hüten, schwarzen Garnituren nichts Kleidsameres als der schwarze Schleier! Man hat reizende Tülle für dieselben, bestickt mit dichten, ziemlich großen Erbsen, mit dichten Punkten(Tüll point g'esprit) mit kleinen Kreuzmustern.

Eine entzückende Neuheit an Regenschirmen und Encas bilden Griffe aus Schildpadd von breiter, trotzdem stark gewölbter Form, entweder glatt und rundlich oder kantig geschliffen. Sie finden nur an braun⸗ oder schwarzseidenen Schirmen Anwendung und sind hier von wirklich vornehmem Aussehen. Ein braunes oder schwarzes Grosgrainband, zu einer Armspange mit Schleife geschlungen, schließt den Griff am Ansatz des Stockes ab. Zuweilen ist der Griff mit einem großen, schön ge⸗ formten Monogramm in echtem Silber ausgelegt.

oe n lölter.

Der Liebesbrief.(Siehe Illustration.) Wilhelm Wieder, der vor wenigen Jahren in Berlin verstorbene Maler, hat viele Jahre seines Lebens in Italien, und vorzugsweise in Rom verbracht. Zu seinen ge⸗ fälligsten Genrebildern gehörtder öffentliche Schreiber. In der Nähe des Vatikans blüht der Glaube, aber nicht die Wissenschaft. Breite Volksschichten Roms vermögen weder zu lesen noch zu schreiben und so kommen Hunderte von jungen Römerinnen in die fatale Lage, sich ihre Liebesbriefe von einem Fremden schreiben lassen zu müssen. In Wieder's Darstellung zeigt es sich nun, wie ein verliebter Alter das Vertrauen seiner Klientin mißbraucht. Er schreibt einen Liebesbrief, aber an seine Auftraggeberin und flüstert dieser die süßesten Liebesbetheuerungen in's Ohr, bis die Mutter der Schönen dem falschen Spiele ein Ende macht. Mit einemPeccato!(Wie schade!) bricht Dr. Bartolo ab und läßt das Vögelchen aus der Schlinge. R. E.

Sechs Wochen Trauer. Der berühmte Eßlair starb bekanntlich in Innsbruck. Bei seinem Leichenzuge betheiligten sich sämmtliche dort an wesende Schauspieler, sowie viele Künstler und Kunstfreunde der Stadt. Der Bassist B.. r, nicht im Besitze eines schwarzen Fracks, ging zu einem kunstliebenden Bürger, um sich dieses zum Leichenzuge so nöthige Requisit auf ein paar Stunden zu borgen. Jedoch acht Tage waren ver⸗ gangen, und der Gute war noch nicht wieder im Besitze seines Eigenthums; im Gegentheil stolzirte B... r Tag für Tag in dem feinen Festkleid herum. Endlich' suchte ihn der Ausleiher eines Abends im Bierhause auf, und ersuchte heimlich und bescheiden um Rückgabe seines Fracks. Aber mit eisern⸗ernstem Gesichte raunt der Bassist dem Bürger die Worte in's Ohr:Sechs Wochen Trauer! N.

Beruhigung. Ein bekannter Komiker saß in einer Gesellschaft zu dreizehn am Tische. Einer von ihnen bemerkte dies mit Schrecken; der Komiker entgegnete ihm:Beruhigen Sie sich, ich esse für zwei

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