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Er sah sie immer nur schweigend an; sie konnte die peinliche Situation nicht länger ertragen. f
„Sie werden sich eilen müssen, Herr Doktor,— der Ball hat gewiß längst begonnen und Milla wird Sie sehnlich er— warten.“——
„Ah,— Sie möchten mich gerne fort haben!— Aber wes⸗ halb glauben Sie denn so bestimmt, daß Milla mich sehnlich erwarte?“—
„Weil— weil— sie sprach von Ihnen, ehe sie fortging, Herr Doktor!“—
So— und was sprach sie denn von mir, Röschen? Es wird doch hoffentlich nichts Schlimmes sein?“—
Das junge Mädchen wand sich innerlich in großer Pein. „Im Gegentheil, Herr Doktor,— sie sagte,— sie hoffte“
„Was denn?— Sie stocken, und ich muß nun durchaus erfahren, was meine Kousine sagte und hoffte; ich habe ein Recht dazu, Röschen!“—
„Freilich,— Sie haben ein Recht dazu!— Nun denn— sie hoffte, daß— daß Sie sich diesen Abend noch erklären würden, Herr Doktor,“ stotterte das geängstigte Mädchen.
Ueber Richard Burk's Gesicht glitt ein eigenthümliches Lächeln. „Sie könnte Recht haben— die schöne Milla,— ich habe allerdings die Absicht, mich heute noch zu erklären, und den glühenden Wunsch, Erhörung zu finden.“
Röschen hatte wieder ihre nervösen Finger und zupfte an dem Spitzenbesatz ihres Anzuges herum.
„Ihre— Ihre— Braut ist heute sehr schön, Herr Doktor!“ sagte sie, um überhaupt etwas zu sagen.
Er sah sie mit einem langen Blicke an.
„Ja, sehr, sehr schön!“ sagte er dann, mit einem seltsamen Blick auf die Sprecherin.— Auf einmal sprang er empor.
„Machen wir ein Ende!“ rief er fast unwillig aus.—„Da sie ich und quäle mich selbst und Sie, daß Sie mich die ganze Zeit über erschrocken anstarren, und ich hatte mich doch so dar— nach gesehnt, diese Augen wieder einmal recht warm und ver— trauensvoll aufleuchten zu sehen,— diese schönen, lieben Kinder— augen, die mich seit drei Jahren auf Weg und Steg begleitet haben!“
Er beugte sich nieder und zog sie hastig zu sich empor.
Sie erblaßte bis in die Lippen und streckte die weißen Arme abwehrend gegen ihn aus.
„Um meiner seligen Mutter willen, treiben Sie keinen Spott mit mir, Herr Doktor!“
Er ergriff ihre beiden Hände und hielt sie zwischen den seinen fest.„Sehe ich aus wie Einer, der zum Spott aufgelegt ist, Röschen?“ Er holte tief Athem.„Wir Juristen gelten für ein
schlag- und zungenfertiges Volk, aber in Dingen der Liebe sind
wir nicht besser d'ran, als andere Sterbliche auch, da versagt uns leicht das richtige Wort. Aber, wenn Sie wüßten, wie lieb ich Sie habe, so würden Sie diese meine mehr als stümper— hafte Erklärung annehmen, als wäre sie die beste, redegewandteste der Welt, und Sie würden mir erlauben, Sie ganz einfach an meine Brust zu ziehen, und Sie ohne lange Umschweife zu fragen, ob Sie Ihrem alten Freunde, dem Ihr süßes Kinderherz einst so warm entgegenschlug, gut geblieben sind, ob Sie seine Frau,— seine liebe, kleine Frau werden wollen?“
„Herr Doktor,— ich?— ich?“
„Ja, mein Liebling, Du und keine Andere auf der ganzen, weiten Welt!“
Da flammten sie auf, die Kinderaugen in großer, reiner, heiliger Liebe, und was Röschen's Lippen in Richard's Ohr flüsterten, das klang dem hochbeglückten Mann so wonnig, daß sie es ihm immer und immer wiederholen mußten.— Es waren nur drei kleine Worte und wie sie hießen, das wissen Alle die, welche sie in seliger Stunde auch vernommen, oder selbst gesprochen haben. Diejenigen aber, denen diese höchste Wonne nicht zu Theil geworden, die träumen davon, daß sie sie dereinst kosten möchten, oder dann haben sie einmal davon ge— träumt und den schönen Traum, mit vielen andern, wehmüthig verschwinden sehen.
Und am nächsten Tage ist Richard Burk mit Sturm ge— kommen und hat Aschenbrödel im buchstäblichen Sinn des Wortes vom Herde geholt, um sie ihren Verwandten als seine liebe, junge Braut vorzustellen.
los abgeprallt.—
Milla, die welt- und redegewandte, brachte es fertig, sauersüßer Miene Glück zu wünschen, aber sie konnte nicht umhin sich höchlich zu verwundern,„daß ein so weitgereister Man sich an solch ausgesprochenem Küchenkräutchen, solch bescheidenem „Feld⸗ und Wiesenblümchen“, wie ihr liebes Röschen nun mal wäre, genügen lasse!“ Sie hatte ihm einen besseren Ge⸗ schmack zugetraut. a
Nach den üblichen Höflichkeitsphrasen erinnerte sich die schöͤne Kousine plötzlich ihrer„köstlich durchtanzten Nacht,“ ihrer Nerven und ihrer Migräne, und zog sich in's Junerste ihrer Gemächer zurück.— 3
In der Küche aber stand Trine und wischte sich mit dem Schürzenzipfel die Freudenthränen von den Augen.— Der schreckliche Zornausbruch ihrer schwer gereizten Herrin, der sie soeben auf den Zeitpunkt von Röschen's Hochzeit den Dienst gekündet, war an ihrer dicken, treuen Elephantenhaut wirkungs-⸗
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Kleine Frauen Zeitung.
Die Mode.
Ich weiß, es ist durchaus nicht 1 8 Ton, mit dem Wetter zu be⸗ ginnen; allein muß man nicht unwillkürlich Klage führen gegen diesen Sommer, der uns schöne, warme, sonnige Tage nur ganz vereinzelt de f Theil werden ließ?! Er ist dadurch mit der Mode in offenbare Fehde erathen, denn was diese schuf, um unter heiterem Himmel 4** zu 1 hat er meist nichtig und überflüssig erscheinen lossen. Und so waren die Anzüge aus wärmenden Wollenstoffen, der Waterproof an der Tages⸗ ordnung, hier ebenfalls wärmender Gestalt in Form eines langen, an⸗ schließenden Paletots aus Cheviot oder seidegefüttertem Tuch, dort illu. sorisch kühlend, aber leichter als jener, in Form eines langen Mantels mit umgeschlagener Pelerine, resp. Bandagen Aermeln nebst Kapüchon aus seidenem Gummistoff.
Man brauchte mithin kaum an eine Abaͤnderung der Toilette für die“ herbstliche Jahreszeit zu denken, wenn.... Ja, dies Wenn schließt Vieles in sich ein, da einerseits, wie aus dem Eingange erhellt, die für Herbst und Winter reservirten Anzüge zum Theil im Sommer benutzt und ab⸗ genutzt worden, andererseits Mode und Industrie nicht Rasttag 1— sondern vorwärts schreiten, um bei Beginn einer Saison stets neue Ueber⸗ raschungen zu bieten, denen das weibliche Herz nun einmal nicht wieder⸗ stehen kann.
Viele praktische Frauen indeß lassen, ehe sie daran denken, sich neue Toiletten anzuschaffen, diesenigen, welche noch vorhanden, für die Ueber gangs-Saison auffrischen. Derartige Arrangements zusammenzustellen, zu einem glücklichen Resultate zu bringen, ist oft schwieriger, als neue Ko 1 zu gestalten. Es läßt sich als eine allgemeine Regel feststellen, daß man für das„Aufarbeiten“ einfarbige wie gestreiste Wollenstoffe, schlichten Sammet, Faille und schmalgestreifte Seiden-Pékings verwenden kann.
Was die Formen betrifft, so wird man gerade Röcke mit einfachen oder mit doppelten Quetschfalten, mit Quilles, Panneaux, Tabliers, bam i nach Belieben, fertigen, auch mit eleganten Draperien, denn trotzdem 3 Debüt der Sommersaison die Mode letztere zu verschmahen oder 1 in den Hintergrund zu drängen schien, so haben sie doch nach und nach wieder an Terrain gewonnen und sollen im Winter ihren alten, gewohnten Plag einnehmen. Also die Umwälzung, welche man im Bereiche der Kleider prophezeit, wird sich nicht vollziehen, und die verschiedensten Stilarten werden wieder herrschen. g
Die große Kunst in Toiletten-Angelegenheiten beruht ja g 1 darauf,„sich nach seiner Mode zu kleiden“, was ein großer Unterschied von dem ist, sich nach der Mode zu kleiden. Selbstverständlich ist erstere nicht Jedermann's Sache, denn es gehort schon viel, sehr viel Ge.
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schmack dazu, um das Richtige zu treffen. Aber das anzunehmen, was
alle Welt traͤgt, bekundet heutzutage schlechten Geschmack. I Für junge Mädchen bleibt das Matrosenkostüm, das am Strande soos
viel Beifall gefunden, zum Herbst oder als„Uebergang“ in der Mode..
Man fertigt es aus Vigogne oder Cheviot in dunkelblauer be mit
etwas Beimischung von Weiß. Der plissirte Rock wird z. B. blau sein, 8 N
das veibchen, das durch ein unter den Rock zu ziehendes emiset re
prasentirt wird, aus weißem Wollenstoff. Man legt um die Tallle eine
breite, drapirte Schärpe, ebenfalls aus weißer Wolle, 1905 man seit⸗ 9
warts ineinanderschlingt. Beim Ausgehen fügt man zu diesem Kostüm
ein blaues Jaquette, aus gleichem Skoff wie der Rock, hinzu, dessen Re-
vers mit zwei Reihen hübscher Metallknöpfe zurückgehalten sind. 5
erhält das Jaquette noch einen kleinen Kapuchon, der mit blauem datin
de Chine gefuttert ist. 3 Trotz der Ungunst des Wetters haben sich die weißwollnen Toiletten
aus Voile, Etamine, Vigogne erhalten, ja, wahre Triumphe und
man faͤhrt fort, sie im Herbst wie im Winter zu tragen, aus denselben
Stoffen zu festlichen Gelegenheiten, aus Serge, Cheviot und 2
Promenade. Immer elegant, immer distinguirt kann ein derartiges 2
ebensowohl von jungen Maͤdchen und von jungen Frauen wie von einer
Dame gewählt werden, welche nicht mehr in der ersten Jugend ist. Natür⸗
lich hatte letztere die Stoffe wohl zu unterscheiden! Das grobe Wollen⸗
gewebe, das leichte Tuch würden das für sie Geeignete sein. 2


