Ausgabe 
29.7.1888
 
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schrieb. Die Toilette wurde von einem Capotehut aus durchbrochenem, schwarzen Stroh mit schwarzer Tüllwolke, welche einen Tuff von Schnee bällen umhüllte, begleitet.

Von den eleganten Damen, die etwas Besonderes lieben, sind die Kleider aus schwarzem, gesticktem Tüll über Moire oder Taffet gesucht, ferner diejenigen, zusammengesetzt aus schwarzen Spitzen-Einsätzen und Streifen von Moire, Taffet, Seidenbatist oder Voile. In gleicher Weise bereitet man weiße und rahmgelbe Roben.

In den heißen Tagen gedenkt man vielfach die russischen Blousen zu tragen. Zuweilen stellen sie ein einfaches Leibchen vor, zuweilen nehmen sie die Polonaisenform an. Bei der russischen Blouse sind die Vordertheile übereinander gekreuzt, von rechts nach links. Nur der rechte Vordertheil ist am Halsausschnitt eingekräuselt und am Schlußrand hin unter mit einer Stickerei oder einem Galon garnirt. Dies besonders kennzeichnet die russische Garnitur, welche man bei allen Kostümen dieser Nation, selbst bei denjenigen der Bauern findet. Und da ich nun ein mal von der russischen Mode spreche, so sei gleich des neuen Gürtels gedacht, welchem man ebenfalls jenes Attribut beilegt. Derselbe besteht aus kleinen, beweglichen, aneinander gefügten Metall-Schildern und schließt vorn mit einem Haken, der in eine Kette greift; letztere hängt ungefähr 1215 Zentimeter nieder und mündet in eine Medaille aus. Man trägt den russischen Gürtel, rund oder vorn etwas niedergesenkt, zu seidenen Blousen.

Denn mit der Saison der Reisen und Bäder ist überhaupt die Blouse wieder in ihre Rechte getreten. Man fertigt sie entweder mit einer Passe, häufig mit einer gestickten, oder ohne eine solche und mit drei Quetsch falten vorn wie im Rückeu, mit mehreren flachgelegten Falten, vorn nach dem Knopfschluß zu mit krausgezogenen Falten oder, als Neuestes, mit großem, offenem Reverskragen nebst Plastron und hierunter mit ge legten Falten. Die beliebtesten Stoffe dazu sind der gestreifte Jersey in Wolle wie in Seide, der einfarbige Satin merveilleux und Surah, die einfarbige und die gestreifte Satinette. Ein Gürtel fesselt stets die Blouse in der Taille.

Die Redingote fiudet zu den Röcken ohne Draperien viele Lieb haberinnen. Man trägt sie zum Reisekostüm und am Strande. Die selbe, ebenso lang wie der Kleiderrock und in Prinzeßform geschnitten, ist immer vorn geöffnet, entweder von der Taille abwärts oder gänzlich und in diesem Falle am Halse mit einem Knopf geschlossen, und häufic mit großen Revers Direktoire ausgestattet. Zuweilen leistet man au auf den Rock Verzicht und versieht die Redingote nur mit einem schürzen⸗ förmigen Einsatztheil nebst Chemiset aus Changeant- oder einfarbigem Taffet, dunkler als diese selbst. Man fertigt die Redingote aus Wollen⸗ Trikotine, Vigognette, Kaschmir, Sommertuch, beige, blaßgrau, kurz, in neutralen und hellen Farben. Der Rock oder Rocktheil kann hierzu tabakbraun, ziegelroth, bräunlich roth ꝛc. sein.

Oft wird die Redingote auch zu plissirten Röcken getragen, und eine ganz neue Anordnung hierbei ist, den Rock zur oberen Hälfte in ganz feine Fältchen zu legen, die zur unteren Hälfte dann wie ein Volant ausspringen.

Man arrangirt auf diese Weise auch Muslinröcke, welche sehr hübsch aussehen, besonders wenn sie Streifen haben. Ich bemerkte deren in blau, rosa, lila, ferner strohgelb und roth, blaßblau und mohnblumen⸗ roth und für Halbtrauer schwarz und weiß gestreift. Bleiben wir z. B. bei letzterer Zusammenstellung! Der Rock wird also, wie angeführt, bis zur Hälfte plissirt. Die Tunika, nichts weiter als eine Draperie für den mäßigen Rückenpuff, ist voll gekräuselt und ganz nach hinten zurück genommen, so daß der Vordertheil des Rockes frei bleibt. Das kraus gezogene Chemiset, ebenfalls aus gestreiftem Muslin, kommt durch die Oeffnung des von großen Revers eingerahmten Direktoire-Jäckchens aus schwarzem Taffet zur Erscheinung. Letzteres ist mit ziemlich kurzen und gespaltenen Aermeln ausgestattet, welche plissirte Aermel aus dem ge streiften Muslin vorsehen lassen. Die große Direktoire-Schärpe, aus schwarzem Taffet, ist seitwärts ineinandergeschlungen. Zu diesem Halb trauer-Kostüm gehört ein Hut Récamier oder Merveilleuse aus weißem Bast, garnirt mit schwarzen Bändern und einem Panache schwarzer Federn, welche letztere nach vorn fallen. Was sich noch besser der Epoche anpaßt, ist der ziemlich kurze Aermel mit kleinen Volants, unter welchen sich der fchwarzseidene Handschuh verliert.

In den Strandkostümen herrschen Weiß, Marineblau und Roth vor; man kommt immer wieder auf diese Farben zurück, da die anderen zu sehr ausbleichen. Viel Erfolg verspricht man sich von den Röcken aus grauem oder rohgelbem Leinen, hochgerafft über einem Rock, einfarbig roth oder blau, oder gestreift roth und blau. Der Leinenrock wird mit einer roth und blau gemischten Stickerei im russischen Stich verziert, desgleichen die Blouse, welche ebenfalls aus Leinen bereitet und in der Taille durch eine breite, rothe oder blaue Wolleuschärpe zusammengehalten wird. Dieselbe fällt in langen Enden mit eingeknüpften Fransen seit wärts herab.

Dem weißen Unterrock scheint es wie den weißen Strümpfen zu er⸗ gehen. Er geräth allmählich in Vergessenheit. Selbst an heißen Sommer tagen trägt man ihn als Promenaden⸗Unterrock sehr, sehr selten, und nur der Anstandsrock aus weißem Piqus oder weiß gestreifter und fagonnirter Satinette ist es, an welchem viele Damen festhalten, obschon man ihn auch durch die Farbe in Baumwolle wie in Seide ersetzt.

Der seidene Unterrock hat alle Erfolge zu verzeichnen, und er ist, in seiner graziösen Koketterie, ein neuer Luxus mehr in der Garderobe der eleganten Frau geworden. Es giebt reizende Unterröcke aus dunklem Taffet, geschmückt mit schwarzen Spitzen; andere wiederum, aus hellem Changeanttaffet, erscheinen um den Saum schneeig von weißen Spitzen. Und viele haben als Zierrath einen Plissévolant, der in große Zacken

geschnitten, welche ausgeschlagen sind.

Wie ich aber schon oftmals betont: die Mode ist so tolerant, so willfährig und verbindlich, daß sie jede Geschmacksrichtung anerkennt, vorausgesetzt, daß dieselbe wohlgefällig und hübsch sei. Auf der einen Seite Luxus und Phantasie auf der anderen Seite Einfachheit und Solidität, hier wie dort mit vielen Varianten.

So wird man nach wie vor auch sommerliche Promenaden-Unter röcke aus halbwollenen Phautasiestoffen tragen, unter welchen sich der buntgestreifte Skirting erhält. Dann hat man zu jenen Röcken ganz leichte Stoffe mit mittelgroßen Gitter-Karreaux, marineblauer Grund mit weißen oder rothen Karreaux, tabakbrauner Grund mit goldgelben oder blaßblauen Karreaux ꝛc., ferner, als besondere Neuheit, die in lebhaft bunten Farben gestreifte Satinette und den Gloria, letzteres ein halb seidenes, ebenfalls leichtes Fabrikat, einfarbig grau oder mit schwarzen Streifen. Ein Plissé⸗, ein in doppelte Quetschfalten oder ein in Gruppen⸗ falten gelegter Volant mit oder ohne Blende bildet an derartigen Röcken die Garnirung.

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Eine Naturbrücke in Virginien.(Siehe Illustration.) Die Natur wiederholt sich in ihren Bildungen fast in jedem Welttheile. Wir Eu ropäer staunen in der sächsischen Schweiz das Prebischthor alsNatur wunder an und eine ganz ähnliche Felsbildung hat Amerika im Norden Virginiens aufzuweisen. Die Alleghanies, welche der Virginier als die Apenninen Amerika's betrachtet, ziehen sich an der Westseite des Staates hin. Vor ihren Höhen, welche 600 m nur selten überschreiten, breitet sich die vom Jamesriver durchfluthete fruchtbare Ebene aus. Das Auge schweift hier in der Ferne über Mais- und Baumwollfelder, über Reben gelände und weiße Erdbeerpflanzungen. Herrliche Melonen und Trauben, Maulbeeren und Aepfel, Kirschen und Pfirsiche reifen hier in über quellender Fülle.

Von Harper's Ferry, das fast an der Grenze Marylands gelegen ist, gelangt man, der Kette der Alleghanies folgend, zu der natürlichen Brücke. Es ist das ein Thorbogen von etwa 30 m Spannung, der sich über die 65 m tiefe, steile Schlucht des Cedar Creek, eines im Sommer sehr wasserarmen Nebenflusses des James River, wölbt. Aehnliche Fels 1 finden sich etwas südlicher und diese werden alsnatürlicher Tunnel bezeichnet. In jenen Bergen, die vor Ausbruch des Bürger krieges noch mit dichten Wäldern bedeckt waren, hatte sich jener John Brown mit seinen streitbaren Söhnen lange aufgehalten, der zuerft den Sklavenbaronen den Fehdehandschuh hinwarf, der aber seine Parteinahme für die Unterdrückten am Galgen büßen mußte. Seine Verfolger er litten aber freilich spätev auch schwere Heimsuchungen, denn jene Nord spitze Virginiens, wo man John Brown strangulirte, wurde im Bürger krieg fast ganz verwüstet und die Sklavenbarone verarmten gänzlich.

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Die Stickerei im Alterthum. Nach Plinius sind es die Phrygier, denen wir die Erfindung der Stickerei verdanken, welche übrigens aus den ältesten Zeiten stammen muß, da man sie in der Geschichte sämmtlicher alten Kulturvölker erwähnt findet. Man stickte nicht allein mit Wolle oder Seide, sondern verwendete dazu Gold- oder Silberfäden, Baumrinde, Samenkörner, Elfenbeinplättchen, kostbare Steine, Federn u. s. w. Früh schon war man darauf bedacht, Kleidungsstücke und Geräthschaften mit Stickereien zu verzieren, in denen die Geschmacksrichtung des betreffenden Volkes gewöhnlich recht anschaulich zu Tage trat. Oft waren die Rang stufen durch Stickereien auf dem Obergewand kenntlich gemacht; da nun die meisten Würden mit dem Kultus im Zusammenhange standen, so waren diese Abzeichen auch den Gebräuchen der herrschenden Religion entlehnt, so daß diese auch hinsichtlich der Stickerei als Anregerin und Beförderung der Künste bezeichnet werden kann. Persien, Indien, China, ja selbst unkultivirtere orientalische Länder bewahren und liefern jetzt noch Stickereien, welche an Kunstfertigkeit und Farbenzusammenstellung den Europäern schwer erreichbar sind. Im Alterthum war die Stadt Babylon besonders berühmt durch die Mannigfaltigkeit und den großen Reichthum ihrer Stickereien. Dort wurden die kostbaren Decken für die Gastbetten angefertigt, die man schon zu Catos Zeiten mit 800 000 Sesterzien be zahlte, während später Nero für eine einzige solche Decke vier Millionen Sesterzien gab. Auch im Mittelalter wurde die Stickerei noch haupt sächlich zum Schmucke der kirchlichen Ornamente verwendet; in Italien, Spanien, Frankreich und auch noch in Deutschland sind in alten Kirchen und Kathedralen große Schätze davon aufgespeichert und die herrlichsten Kunstwerke, welche jetzt unsere Kunstgewerbemuseen oder die Häuser reicher Leute schmücken; bei denen dasStilvolle wirklich echt sein soll, sind ehemals Altardecken, Meßgewänder, Kleider und Schleier der Heiligen u. dergl. gewesen. 0

Mirabeau. Als in einer zahlreichen Gesellschaft die Rede von Liebes abenteuern war, sagte ein alter Geck selbstgefällig zu Mirabeau:Sie können's mir glauben, lieber Graf, in meinen jüngeren Jahren habe ich mancher hübschen Frau den Kopf verdreht.Doch wohl nur so, daß sie ihn wegwandte? sagte Mirabeau sarkastisch. NM.

Ironisch. Eine Dame fragte einen Tischnachbar nach Beendigung der Tafel, weshalb der Gänsebraten allemal neben ihr gestanden hätte. In der That, sagte jener,ich weiß keinen Grund dafür; doch ist ihre Frage so seltsam, daß ich künftig nie eine Gans sehen werde, ohne an Ew. Gnaden zu denken. M.

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