Ausgabe 
29.7.1888
 
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Mama hat gesagt, ich dürfte den ganzen Vormittag in der Wohnstube sein, wenn Papa nicht käme. Bleibst Du auch hier?

Wolf sah, wie ein heftiges Roth bis zu Hedwig's Schläfen emporstieg; doch faßte sie sich schnell:

Das kleine entant terrible! Sein Papa hat nicht gern, wenn ich den armen Schelm zu oft aus der Kinderstube hole, aber er dauert mich draußen. Sie sprach nur halblaut, ein wenig zögernd, doch schien ihr, sie mußte eine Aufklärung geben. Uebrigens hat mir Kurt die Worte von den Lippen genommen, ich wollte gerade dieselbe Frage an Sie richten wie er.

Herr Lützel bleibt; er hat mir's schon zugestanden, sagte Marie.Stillschweigend wenigstens.

Hab's auch gar nicht anders gehofft.

Es war Fritz Steinwald, der eben mit seinem festen Tritt in's Zimmer gekommen war. Wolf meinte, er habe Hedwig zusammenzucken sehen, als die laute, harte Stimme durch das Gemach klang. a

Guten Morgen, Wolf! Gut geschlafen? Ich schicke also an Pförtner gleich einen Boten, der Dir etwas Gepäck holt, ab gemacht, he? Freilich, mit dem Krabbenzeug sollte meine Ge mahlin Dich lieber verschonen. Er deutete mit der Gerte auf sein Söhnchen, das ängstlich zur Mutter geflüchtet war.

Ich sehe ganz gern Kinder um mich.

Fritz lachte.

Ich auch, alter Junge, das heißt, alle Woche einmal. Aber dies ewige Kindergetrappel im Wohnzimmer danke gehorsamst! Gehört nun einmal nicht hinein. Möchte in der That auch wissen, fügte er, zu seiner Frau gewandt, hinzu,womit denn eigentlich Jungfer Sophie ihre Zeit ausfüllt, wenn sie nicht mal auf den Jungen achten kann.

Hedwig Steinwald schickte sich an, mit dem Kinde das Ge mach zu räumen.

Sophie will Weihnachten sort.

Weiß schon, Kind. Wäre mir lieber, sie zöge übermorgen, halte längst nichts mehr von ihr. Sag' ihr nur, einstweilen möchte sie sich um das Wurm bekümmern. Und Dich bitte ich um mein Frühstück.

Sie ging hinaus. Ohne eine Silbe der Entgegnung auf die scharfgesprochenen Worte des Gatten. Ihre Koufine dagegen schien für die Abwesende eintreten zu wollen.

Sie thun, als handle es sich um eine ganze Schaar laut polternder Kinder, Herr Steinwald, während Kurt sich immer so artig und ruhig benimmt fast zu ruhig für einen Knaben. Und zudem stört er Sie sicherlich nicht zu oft hier, Sie sind ja ohnehin fast nie im Wohnzimmer!

Fritz Steinwald that leichthin einige Lufthiebe mit seiner Gerte.

Sieh da, Kousinechen! Ein Vorwurf, der sich wenigstens mit Anstand anhören läßt! Leiste Dir zu wenig Gesellschaft? Will mich wirklich bessern. Du erlaubst doch?

Er wollte ihr das Gebind Garn, welches sie zu wickeln im Begriff war, eilfertig abnehmen; sie indeß schien keiner Hülfe zu bedürfen.

Laß!

Mit einem kurzen Blick auf Steinwald und an Geringschätzung streifender Geschäftigkeit warf sie den Strang über eine Stuhllehne.

Er lachte kurz auf.

Verschmähte Ritterdienste! Muß übrigens'mal selbst sehen, wie es mit meinem Imbiß wird und mich deshalb von Dir be urlauben, theuerste Kousine. Du frühstückst mit, Wolf?

Wolf dankte natürlich; der Tisch stand ja noch für ihn ge deckt. Dann sah er Steinwald nach, wie dieser mit flüchtigem Kopfnicken klirrend aus der Thür schritt. Marie hatte nichts erwidert, eifrig nestelte sie an ihrem Knäuel, dessen Fäden sich verwirrt hatten. Wolf schien, als glühe es in ihrem Gesichtchen wie von innerer Erregung des Unwillens. Oder

Darf ich meine Dienste anbieten?

Er löste das Gebind von der Lehne und hielt es ihr hin.

Als nach einiger Zeit der Hausherr wieder eintrat, hielt sein Gast gerade den letzten Garnrest über den Händen.

Haha, der Bevorzugte! Warte, Fräulein! drohte Stein wald.Freilich, bei jungen Damen haben unverheirathete Herren 3 8 voraus; wir Ehemänner sind eo ipso älter. O, die Jugend!

Jetzt bemerkte Wolf, wie Marie Lauscher wirklich erröthete, so tief, daß sie für nöthig hielt, sich abzuwenden. (Fortsetzung folgt.) 5

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

Eine trübe, ernst bewegte Zeit liegt hinter uns. Und doch haben inmitten derselben Industrie und Mode ihren Fortgang genommen, um die arbeitenden Klassen leben und die Vorbereitungen für die Hochsommer⸗ saison nicht überflüssig und nichtig erscheinen zu lassen.

Unserer Stunmung gemäß haben wir uns bisher in Schwarz ge⸗ kleidet. Aber wie Alles durch die Zeit gezeitigt wird, so dürften wir allmälich wieder Geschmack an dem Colorit finden. Die heitere, lebens- lustige Jugend wird auch die strahlenden Farben annehmen, und, um den Schritt dazu nicht gar zu kühn zu machen, dürften die weißen Toiletten mit schwarzem Sammetausputz den richtigen Uebergang bilden. Ich kann also die hervorragende Mode der weißen Kleider konstatiren; nach ihnen kommen die ganz rothen Toiletten und diejenigen theilweise roth, theilweise weiß, denn bald ist es die weiße Farbe, welche dominirt, bald die rothe. Das rothe Kostüm hat zuweilen keine anderen weißen Zuthaten als den Gürtel, den Hut und den Sonnenschirm, und in gleicher Weise markirt sich der weiße Anzug mit Roth. Die Kleider aus Foulard, Satinette oder Wollenmuslin, rother Grund mit weiß bedruckten Mustern, oder umgekehrt, erhalten die Garnituren und den übrigen Toiletten- zubehör in derjenigen Farbe, welche die andere beherrscht.

Ein blasses Rosa, eine Art rose erevette, sehr zart im Ton, vereint sich auf glückliche Weise mit Roth. Das klingt so sonderbar, und doch sah ich eine derartige, für ein junges Madchen bestimmte Toilette, die ihre reizende Wirkung in einem viel besuchten Badeort nicht verfehlen kann. Der Rock aus crevettenrosa Voile war plissirt und mit langen Draperien aus demselben Gewebe verschleiert. Hierzu gehoͤrte ein Leibchen aus Ehangeantseide, roth und rosa schillernd, mit einzn Direktoirekragen aus mohnblumenrothem Sammet, geöffnet über eissem weißen Baust⸗ chemiset. Eine Toque aus weißem Stroh mit einem drapirten Rand und einem Schleifen-Arrangement aus Changeantseide und ein Sonnen- schirm aus mohnblumenrother Faille vollendeten den Anzug. 5

Um auf die schwarzen Toiletten zurückzukommen, so hat man hierbei der Wolle wieder einen hervorragenden Platz eingeräumt, zumal sie sich in den denkbar luftigsten Geweben kundgiebt. Schon bei Ge legenheit der Sommertrauer habe ich bereits auf die Wollengrenadine hingewiesen, welche, eine klare, feine und leichte, ganz stumpfe Goze, vielen Beifall gefunden. Dann macht sich die Grenadine noch in schiedenen, etwas groͤberen, immerhin aber leichten Webarten geltend, mehr gitter⸗, armüre- und kreppartig, ferner in den mannigfachsten Streifendispositionen, welche letztere freilich zu Kleidern für verschiedene Gelegenheiten verwendet werden. Zur tiefen Trauer aber stellt sich jener schlichten Grenadine noch eine solche zur Seite, welche, halb in Seide, halb in Wolle fabrizirt, ein luftiges, völlig glanzloses, etwas sproͤdes Gewebe vergegenwart'egt. Selbst über Seide ist dasselbe noch von ganz stumpfer und düsterer Wirkung, zugleich von vornehmem Aussehen.

Die schwarzen Voiles erhalten sich immer in der Mode, und in Baumwolle sind schwarz gestreifte Satinettes in hübschen Variationen erschienen. 8

Ungeachtet der vielen schwarzen Wollenstoffe, welche, je nachdem, als mehr oder minder elegant erachtet werden, nimmt die schwarze Seide auch wieder einen nicht unbedeutenden Rang in, unserer Toilette ein. Eine solche Robe wird den verschiedensten Zwecken dienstbar gemacht; man ist damit niemals zu sehr geputzt, noch zu wenig, zumal wenn man sich unvermuthet in einer Versammlung befindet, in welcher man, eben; sowohl dem Luxus wie der Einfachheit begegnet. In diesem Sommer fertigt man derartige Roben mehr mit Polonaise als mit veibchen und garnirt sie mit matten Stickereien oder mit einem Geriesel von Jet. Man kann sehr gut eine Spitzenpolonaise zu einem Rock von schwarzer Moire oder Peau de soie tragen. Und wenn Einem das Perlengefuntel zu ge. putzt erscheint, kann man dasselbe vortheilhaft durch Schleifengewoge aus Moire- oder Peking⸗Bänder(Moire, Atlas, Faille, abwechselnd in. einandergestreift) ersetzen, welche auf den Achseln, dem 8 und auf dem Rocke, hier zum Aufraffen der Draperien, angebracht werden.

Das schwarze Spitzenkleid ist jetzt fast allen Damen zuganglich ge. worden, Dank der Industrie, welche uns wahre Wunderwerke von Imua⸗ tionen, d. h. mit der Maschine hergestellten Spitzen, in künstlerisch schönen, alten Mustern liefert. Die Spitzen-Leze(Spitzenstoff oder Spitze in Stoff breite), aus welcher man die Toilette schneidet, ist allgemein verbreitet. Eine derartige Robe eignet sich für die heiße Jahreszeit vortrefflich; wird sie bei uns mit Vorliebe über einem schwarzseidenen Fond getragen, so wählt man in Paris und in den auslandischen Seebadern gern ein tupferrothes oder kohlgrünes, seidenes Unterkleid dazu. Eme geschmack volle, ganz schwarze Robe, für eine junge Frau zur Halbtrauer vestummt, bestand aus einem fein plissirten Rock aus französischer Farue und einem zweiten Rock aus schoͤnen Chantillyspitzen, graziös mit Bandschleifen hoch genommen, welche von der linken Seite in langen Schlingen niederfielen. Das seidene Leibchen, mit Spitzenstoff bedeckt, kreuzte sich mit leichten Draperien und zeigte die obere Oeffnung ausgefüllt mit einem Plastron in Stahl und Silber gestickt. Der Stehkragen, die kleinen C

und die Spangen, welche den Aermel am Ellbogen hielten, wiederholten 1 dieselbe Stickerei, desgleichen der Halbgürtel, welcher eine Schnebbe be⸗ 1