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heiratheten Damen zudiktirt sind. Die sogenannten„weißen Bälle“, welche man schon seit ein paar Jahren in Paris protegirt, sollen auch bei uns Nachahmung finden. Auf diesen Bällen, welche nämlich aus— schließlich den jungen Mädchen gewidmet, durften bisher die Tänzerinnen nur in weißen Toiletten erscheinen. Allein jetzt nimmt man es mit letzteren nicht mehr so genau und besucht solche Bälle auch in rosa und blaßblauen, vorwiegend jedoch in cremefarbenen und bläulich- weißen Kleidern, wie man will. Die letztere Nüance ist in diesem Jahre moderner als die cromefarbene oder rahmgelbe, aber nicht so kleidsam wie diese. Für die unverheirathete Jugend keine kostspieligen Toiletten mehr! Die beliebteste Tracht, welche von derselben fast allgemein angenommen, ist die Robe von Gaze(diese Gaze, fein gewebt, ersetzt den früher so be— liebten Tarlatan) von schlichtem oder von gesticktem Tüll, bestehend aus mehreren übereinanderfallenden Röcken, meist ohne Draperien, geschmückt mit fallenden Schleifen und vervollständigt durch ein bescheiden aus— 1 Leibchen aus farbigem Atlas oder Sammet: blau, mohn— blumenroth, wassergrün, smaragdgrün, lebhaft- rosa, blaßrosa, weiß. Dies schließt aber nicht aus, daß man nicht auch zartnüancirte Ballkleider gänzlich in einer Farbe trägt. Im Haar nichts weiter als ein kleines Blumensträußchen oder eine Tüllaigrette mit Band oder beweglichem Schmetterling! Eine entsprechende Garnitur wiederholt sich dann auf dem Leibchen, sei es, daß man sie auf der Achsel oder auf der linken Seite nach vorn zu in der Taillenbiegung aubringt.— Andere einfarbige Tüll⸗ oder Gazekleider werden mit kurzen Schleifen aus Atlas- oder Sammetband, welche eine einzelne Blüthe oder ein kleines Blumenbüschel umschließen, hie und da besteckt, auch mit Blumenguirlanden geziert.
Sehr beliebt sind die rosa Blumen, die Rosen in allen Größen— Abstufungen, die Heckenrosen, die Winden, die Exiken; ferner werden rothsammetne und rothseidene Mohnblumen gern gewählt, desgleichen gelbe Blüthen. In Blau sieht man nur die ganz zarten Töne, welche sich in seidenen Kornblumen und in Sammet- wie in Stoff-Vergißmeinnicht geltend machen. Hierzu, wie zu den rosa Eriken, nimmt man gern dunkel⸗olive Sammetlaub, oder Schleifen aus olive Moirebändern, wie man denn überhaupt häufig Schleifen unter die Blumen mischt.
Eine allerliebste Komposition in diesem Geschmack, welche jungen Mädchen besonders zu empfehlen, sind Schleifen aus blaßblauem oder blaßrosa Moireband mit sammetnen Farrenblättern und sammetnem, klein- und feinblättrigem Laub in olivegrünen Schattirungen, überragt von einem sich wiegenden Schmetterling aus rosa- oder blaßblau-bunt schillernder Perlmutter mit dunkelrothen und goldenen oder mit dunkel— blauen und silbernen Flittern und einem feinen, rosa oder blaßblauen Federrand. Zuweilen verirren sich noch ein paar einzelne kleine, gleich— nüancirte Blüthen unter jene Garnituren, deren eine für das Haar, deren andere zum Vorstecken bestimmt ist. Nicht minder hübsch sind Schleifen aus ebensolchen Moirebändern, welche ein Büschel olivenbrauner oder blivengrüner, zu Schlingen geformter Stiele aus feiner Chenille halten, oben umgaukelt von einem buntfarbigen Feder-Schmettling.
Außer den oben erwähnten Geweben werden die gestreiften, die mit Lahnfäden durchzogenen und die mit Flittern übersäeten Tülle, Gaze— und Krepparten, kurz, das Duftige und Luftige, ferner der Voile, der Surrah und der Seidencrépon zu Tanzkleidern verwendet.
Für diese hübschen und jugendfrischen Toiletten, gleichviel ob sie Mädchen, oder jungen Frauen angehören, bereitet man häufig, z. B. bei einer Gaze mit satinirten Langstreifen, einen gekräuselten oder fein plissirten Rock über einem Fond aus Glanztaffet, Atlas oder Moire. Sind diese Röcke blaßblau gehalten, so fallen Zweige von rosa und weißen Winden, graziös gewunden, von der Taille bis zum Saume nieder, um die Falten des Rockes flatternd und sich zuweilen darunter versteckend. Oder man wählt zu cremefarbener oder bläulich-weißer Gaze auf gleichem Fond Ranken von abschattirten Nelken ꝛc. Das Leibchen, aus demselben Seiden— stoff wie der Fond, ist mit Schnebbe versehen, über den Hüften kurz und geschweift und um den Hals rund, nicht zu tief ausgeschnitten. Eine tuffige und moosartige Tüllgarnitur, in welcher winzige Schmetterlingsschleifen liegen, umgiebt den Ausschnitt; von der einen Achsel zieht sich ein
0 Windenzweig in schräger Richtung bis zur Taillenbiegung, oder es liegt auf derselben ein Tuff Nelken ꝛc. Diese Toiletten, einfacher oder eleganter,
sfsind höchst anmuthig; man kann sie oftmals tragen und hat nur nöthig,
die Blumen daran zu verändern.
Wie die Mode aber Alles tolerirt, so läßt sie auch Ballkleider gelten, welche des Blumenschmucks entbehren, wie z. B. solche aus weißem oder blaßblauem Tüll, auf der einen Seite hochgerafft mit einer großen Rosette aus ausgeschlagenem, mattblauem Atlas. Ein Direktoiregürtel aus gleichem Atlas umschließt die Taille, kreuzt sich auf der linken Seite und schließt mit einer Schleife. Entsprechende Schleifen auf den Achseln.
f Meine Vorliebe für die einfachen Toiletten, wenn es sich um junge Miädchen handelt, läßt mich keineswegs, wie ich schon am Eingange be⸗ merkt, die phantastische wie die künstlerische Schönheit der Staatstoiletten für verheirathete Damen zu Bällen und anderen Abendfestlichkeiten ver⸗ kennen. Seitdem die Mode uns die Perlen, die Gold- und Silberstickereien gegeben, zu denen sich nun neuerdings noch die Gold- und Silberflittern wie die bunten Metallflittern gesellen, seitdem sie die Kontraste in den Kleidern, das heißt, das vom Rock abstechende Leibchen autorisirt:— kann man wirklich von einem„Blenden“ der Toilette sprechen. Man trägt z. B. ein kupferrothes Moireleibchen, drapirt mit goldbeflittertem Tüll, nebst einem Rock von gleicher Moire mit, Wogen aus demselben Tüll und dazu eine Schleppe aus Brokat oder Peking Louis XVI. Aber hübscher ist es, die Schleppe mit dem Leibchen in Einklang zu bringen, wie z. B. bei einer Toilette aus rosa Plüsch und rosa, silbergesticktem
Crépe de Chine mit altem Point, bei welcher der erste Stoff zu Schleppe
und Leibchen, der Crepe de Chine zum Rock diente. g Denn die Schleppe, die prächtige, majestätische Schleppe ist das
unentbehrliche Zubehör der„großen Toilette“. Man bereitet dieselbe in der Länge von zwei Metern bis 1 zwei Metern zwanzig Centimeter. Sie ist unten eckig geschnitten und im Uebrigen mit einer Einlage aus Steiftüll versehen, welche sich zwischen Oberstoff und Futter befindet. Dieser Steiftüll hat den Zweck, zu verhindern, daß die Schleppe sich zu— sammengiebt oder sich rollt und den Gang der Trägerin hemmt. Man kann hierbei auch des Schlepp-Unterrockes entbehren, welcher die große Unbequemlichkeit hatte, sich von der Schlepprobe zu trennen und dadurch einen ungraziösen Effekt hervorrief..
Wie soll ich Ihnen all' die modernen Seidenstoffe zu den festlichen Toiletten in kurzen Worten beschreiben?! Ein Einzelbericht könnte kaum sie umfassen. Da giebt es den schlichten und den moirirten Sammet, den schlichten und den moirirten Plüsch, die einfarbigen, die changirten und die fagonnirten Moires, ferner die Moires mit Atlas- oder Sammet⸗ streifen im Genre„Péking“, wie denn überhaupt die Pekings: breite Atlas- und Faillestreifen mit bunten Brochemustern,— Atlas- und Rippsstreifen mit reichen Sammetmustern oder mit Pompadourdessius, — Sammet- und hell schattirte Fagonnéstreifen,— breite Faille- und fagonnirte Veloursstreifen— ebenfalls eine hervorragende Rolle in den erwähnten Toiletten spielen.
Je nach dem Arrangement wallen diese prächtigen Stoffe in schweren Faltenmassen nieder oder dienen, glatt, zu den Garniturtheilen, auch zu Leibchen, seltener zu Draperien, denn die„große Linie“ ist bei den Ge— sellschaftskleidern Vorschrift.
Und diese große oder„verlängerte“ Linie macht sich selbst in den Draperien bemerkbar, in welche man die Kleider aus Surah, Satin merveilleux, Atlas und französischer Faille ordnet, ferner in den Draperien aus Crépe de Chine Spitzen, Malinestüll, Tüll point d'esprit, Pastillentüll, welche die seidenen Gesellschaftsroben umhüllen.
Bestimmte Regeln über das Arrangement dieser Kleider lassen sich eigentlich nicht geben. Jedes Haus hat seinen Stil, folgt seinen eigenen Juspirationen. Das oben erwähnte Schnebbenleibchen, über den Hüften ausgearbeitet, ist jedoch fast ausschließlich angenommen, und trotzdem wechselt es durch seine Ausstattung fortwährend im Aussehen. Es ist hoch und dann mit kostbaren Fichüs oder Plastrons aus perlen- und flitterfunkelndem Krepp oder auch aus Tüll point d'esprit und Spitzen geschmückt, oder mit einem schmalen Westentheil aus gold-, silber- oder stahlgesticktem Stoff ausgestattet,— eckig oder herzförmig im Rücken wie vorn, oder nur allein vorn ausgeschnitten und dann mit Einsatztheilen aus Gold- oder Silberbrokat oder aus Stickereistoff, oder mit einer Chemise russe aus den erwähnten luftigen Geweben ausgefüllt, oder nur von einer leichten, wolkigen Draperie umrahmt ꝛc. Was die Aermel betrifft, so wählt man deren häufig solche aus luftigen Geweben, leicht bauschig, unmittelbar unter dem Ellbogen aufhörend und hier mit einer Stickereibordüre, mit einer Bandspange nebst Schleife, mit einer Manschette aus Plüsch, Sammet oder schwerem Seidenstoff abgeschlossen und oben mit einem kleinen entsprechenden Jockey bedeckt. Oder man arrangirt den Spitzen-, Tüll- oder Kreppärmel in zwei übereinanderfallende Puffen.
Man kehrt zur„Sitte“ zurück, denn man will dem ärmellosen Leibchen an Gesellschaftskleidern entsagen und es nur noch auf die Balltoilette beschränken und selbst hier deutet man es durch einen Puff, durch über— fallende Bandschlingen, durch Spitzenschleifen an.—
Um nochmals auf die Surahs zu kommen, so werden sie, einfarbig, in zwei oder in mehreren Farben liniirt, gewürfelt, schmaler oder breiter gestreift, zu Abendkleidern für junge Mädchen vielfach begehrt. Auch der Satin merveilleux und der Atlas, welche man häufig mit Damast zu— sammenstellt, erhalten sich, wie wir oben bereits gesehen, in Gunst, und dieses Vorzuges darf sich noch mehr die französische Faille rühmen.—
Die Toilette aus schwarzen Spitzen bleibt immer in der Mode; sie ist nützlich, elegant, doch trägt man sie im Winter nur des Abends, niemals zu Tagesbesuchen. Man fertigt sie neuerdings auf eine sehr hübsche Art: ganz aus Leze(Spitze in Stoffbreite) von Chantilly-, Bayeur⸗ oder Lyoner Spitzen oder aus schönen Seidenblonden, in reichen Falten— massen geordnet über einen Fond aus schwarzer Seide, besonders aus schwarzer Faille, da diese den matten Ton abgiebt, welchen man gegen— wärtig besonders liebt. Der Saum einer solchen Robe zeigt eine An— häufung von Spitzen und ausgeschlagenen Seideurüschen, welche auf den Faillefond gesetzt wird. Darüber flattert der Spitzenrock, welcher auf der rechten Seite drapirt ist, während von der linken Hüfte drei Streifen in Jet- und Stahl- oder Goldstickerei niedergehen, welche in die Leze gearbeitet ist. Man kann auch an Stelle der Streifen drei Galons an⸗ bringen, was indessen zu dem luftigen Spitzengewebe etwas schwer, mithin nicht so elegant wirkt. Im Rücken nichts wie krausgezogene Falten!
Ein Leibchen, hoch, geöffnet, ausgeschnitten, wie man will, begleitet diesen Rock, welcher, ebenfalls nach Belieben, rund oder mit kurzer Schleppe geschnitten wird. Das Leibchen hat entweder eine kleine Schnebbe oder einen abgerundeten Halbgürtel; es ist mit gleicher Stickerei wie der Rock geschmückt. 5
Man kann auch zu letzterem an Stelle des Leibchens ein sogenanntes „Theater-Jaquette“ tragen: ein knapp anliegendes Jäckchen aus schwarzer Moire, der Länge nach durchstreift, je nachdem mit feinen Stahl- oder Goldgalons, vorn herzförmig geöffnet und die Oeffnung ausgefüllt durch eine Draperie aus stahl- oder goldbeflittertem, schwarzem Tüll, so daß man nicht gerade„ausgeschnitten“ erscheint.
Das Theaterhütchen— die kleine Kapote ohne Kinnbänder— findet bei uns mehr und mehr Annahme. Aber es ist nicht comme il taut. zu einem derartigen Hütchen, so elegant es sei, ein vollständig geöffnetes Kleid zu tragen, das nur zulässig bei einer Haarfrisur ist. Zum Hut gehört ein hohes oder ein vorn verhülltes Leibchen. Das sind so kleine Nüancen des Geschmackes, wichtig genug, um sie zu beachten.
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