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Die Revolution war dort inzwischen zum vollen Ausbruch gekommen und der junge Graf Szariszow, der, wie ich durch mühevolle Nachforschungen erfuhr, als einer der Ersten zu den nationalen Fahnen geeilt war, focht mit heldenmüthiger Tapfer⸗ keit in den Reihen seiner Stammesbrüder. Vorläufig war mir dadurch jede Möglichkeit, ihm irgend welche Freundschaft zu er⸗ weisen, abgeschnitten. Es blieb mir nichts übrig, als das Ende jenes unseligen Kampfes abzuwarten, um dann vielleicht ihm von Nutzen sein zu können.
Unterdeß starb mein Onkel, das Haupt unserer Familie. Sein Tod machte mich in Ermangelung direkter Erben— er hatte nur eine halberwachsene Tochter hinterlassen— zum Majoratsherrn und Besitzer dieses Schlosses.
Der neue, ausgedehnte Pflichtenkreis, in den ich eintrat, war eine Wohlthat für mich, indem ich dadurch gewaltsam meiner dumpfen Melancholie entrissen und mein leer gewordenes Leben mit neuem Inhalt erfüllt wurde.
In ernster Arbeit begann ich allmälich mich selbst wieder— zufinden. Darüber verlor ich jedoch keineswegs das aus dem Auge, was ich als den Hauptzweck meines Daseins erkannt.
Sofort nach dem traurigen, die Hoffnungen der Polen so grausam vernichtenden Ende jenes unseligen Verzweiflungskampfes eilte ich auf den Schauplatz desselben und forschte unablässig nach dem Schicksal des jungen Grafen und seiner Braut, zu deren Beschützer ich mich aufzuwerfen beschlossen. 5
Was ich erfuhr, war traurig genug, und doch mußte ich mir sagen, daß es für die Betheiligten selbst eigentlich kaum zu beklagen war. In einem der letzten Gefechte waren Beide Seite an Seite gefallen, nachdem die hochgemuthe junge Polin, die sich ihm unmittelbar vor Beginn des Aufstandes hatte an— trauen lassen und in allen Gefahren und Schrecknissen des blu— tigen Kampfes nicht von seiner Seite gewichen, ihn kurz zuvor mit einem Knaben beschenkt hatte, der während des Gefechts bei Bauersleuten in der Nähe untergebracht war.
Durch einen gemeinsamen Tod war ihnen mit dem Jammer über das traurige Ende des Kampfes zugleich auch die Strafe für ihre Betheiligung an demselben erspart worden. Ich durfte sie nicht beklagen, und auch mein Streben fand ja nun, wenn auch anders als ich gedacht, in der Fürsorge für das verwaiste Kind, das ich mit mir nahm, eine endliche Erfüllung.
Es war auf den Namen Roman getauft und dieser Umstand erschien mir fast wie eine Schicksalsfügung. Hinfort waren alle meine Gedanken diesem letzten Sprossen des Hauses Szariszow gewidmet. Ich erzog ihn als ein Glied meiner Familie und verbarg ihm, um die junge Seele nicht vorzeitig zu verdüstern, sorgfältig sowohl seinen wahren Namen wie das Schicksal seines
Hauses, ihm durch meine Liebe so viel wie möglich ersetzend,
was er verloren. Ich glaube, es ist mir gelungen, ihm eine glückliche Kindheit und Jugend zu schaffen..... g
Die Stimme des Sprechenden bebte in tiefinnerer Bewegung; sein umflorter Blick hob sich wie fragend zu dem Antlitz des jungen Mannes gegenüber, dessen feurige Augen in athemloser Spannung an seinen Lippen hingen.....
„Sprich, Roman,“ fuhr er nach einer Pause fort,„sag' mir, ob es so ist— laß mich in dieser Stunde die Bestätigung von Deinen Lippen hören, denn Du—— bist jener Knabe!“
„Vater!“
Der junge Mann lag zu den Füßen des Barons und be— deckte seine Hand mit leidenschaftlichen Küssen.
Der Baron entzog sie ihm sanft.
„Weißt Du auch, was Du thust, mein lieber Roman?“ fragte er mit Betonung.„Kann Roman von Szariszow wirk— lich diese Hand in Liebe küssen?“
„Ja, mein Vater, denn in meinen Augen ist sie, wenn wirklich eine Schuld an den Ereignissen jener unseligen Sylvester— nacht ihr anhaftet, längst entsühnt und mein Herz weiß dem Namen gegenüber, den ich bisher getragen, nur von Liebe!“
Ein beredter Strahl aus seinen dunklen Augen streifte dabei aber das junge Mädchen, das in diesem Augenblick herzutrat und, den blonden Kopf an des Barons Schulter schmiegend, feuchten Auges flüsterte:„Du warst noch nicht zu Ende, Vater — hast Du Deiner Irene nichts zu sagen von— von 8
„Von Deiner Mutter meinst Du, mein Kind?“ kam der
Baron ihrer Verwirrung zu Hülfe, indem er sie zärtlich an sich zog.„Sei ruhig und vergieb mir, wenn meine Enthüllungen Dir weh gethan. Liebe hatte ich freilich nicht mehr zu ver⸗ schenken, als ich, den letzten Wuusch meines verstorbenen Oheims erfüllend, sieben Jahre nach jenen erschütternden Vorgängen um seine hinterlassene Tochter warb. Aber ich war es meinem alten Namen, der nur auf meinen zwei Augen stand, schuldig, ihn vor dem Aussterben zu bewahren, und in der jungen Elsbeth fand ich ein sanftes, liebenswürdiges Geschöpf, das vor allen ihren Mitschwestern befähigt erschien, einem Manne von meiner Gemüthsverfassung eine verständnißvolle Gefährtin zu sein. Sie war hochherzig genug, trotz ineines offenen Bekenntnisses mir ihr Jawort zu geben und ist mir die kurzen Jahre hindurch, die das Schicksal sie mir gelassen, die treueste, liebevollste Freundin gewesen, deren Andenken ich tief im dankbaren Herzen trage.“
Er schwieg bewegt. Irene drückte als stumme Antwort ihren Mund auf seine Wange.
Einen Augenblick lang herrschte tiefe Stille, in die dann feierlich von der alten Stutzuhr auf dem Kamin her die zwölf Schläge der Mitternacht hineintönten.
Unwillkürlich richteten sich drei Augenpaare auf die Schüssel, auf deren Grund, mattglänzend im Strahl der darüberhängenden Ampel, noch das bleierne Herz lag. Irene erröthete bis unter die Stirnlöckchen— Roman's Augen sprühten feurig auf— um die Lippen des Barons aber zog ein wehmüthiges Lächeln.
Er trat an den Tisch und nahm die metallene Figur aus der Schüssel.
„Ich glaube,“ sagte er, letztere verschleierten Blickes betrach— tend,„die heutige Mitternachtsstunde hat uns auch wieder ein Orakel gebracht, aber ein glückliches, das den Fluch jenes andern in Segen wandeln wird....... Hab' ich recht gelesen in Euren Herzen, Kinder, und darf ich hoffen, daß die gegen- wärtige Sylvesternacht wieder gut machen wird, was vor fünfundzwanzig Jahren auch eine Sylvesternacht verschuldet, indem sie ein glückliches Paar zur Sühne für jenes unglückliche
„Vater— Irene!“ jubelte es von Roman's Lippen. Ver— langend streckte er die Arme aus nach der zarten Gestalt, die sich ihm schüchtern entgegenneigte, und drückte ihr stürmisch den Brautkuß auf die jungfräulichen Lippen.
In mächtiger Erregung blickte der Baron auf die Glücklichen.
„Und glaubt Roman von Szariszow auch nicht die Manen seines Geschlechtes zu erzürnen, indem er mit meinem Blute sich verbindet?“— tönte nach einer Weile seine ernste Frage in deren seligen Rausch hinein.
Der Angeredete küßte noch einmal zärtlich die Lippen seiner erschrocken zu ihm aufschauenden Braut, ehe er hellen Blickes erwiderte:„Die Manen meines Geschlechtes sind versöhnt durch diese Stunde, in der Du den letzten Sproß derselben so unaus— sprechlich beglückst— das süße Friedenspfand, das ich hier in meinen Armen halte, löscht in meinem Herzen jedes Gedenken an vergangene Schuld.“
Der Baron athmete wie befreit aus tiefster Brust.
„So hat mich meine Ahnung nicht getäuscht,“ sagte er, sein bräutliches Kind umarmend,„die mich Dich damals„Irene“ taufen ließ.— Der holde Friedensname bewährt seine Be— deutung! Fortan, ich fühl' es, werd' ich wieder glücklich sein können mit den Glücklichen; die finstern Geister der Vergangen— heit, die mich bisher unerbittlich in ihrem Bann gehalten, wer— den von mir weichen, denn zwischen mir und ihnen herrscht von nun an Friede!“
Kleine Frauen Zeitung.
Der Geschmack und die Eleganz reichen sich einander die Hand, um die wunderbarsten und prächtigsten Dinge hervorzubringen. Die Neuheit macht sich überall geltend, und man fragt sich mit Staunen, wie Fabrikanten
und Modisten mit stets fruchtbarer Wan und mit glücklichem
Talent ohne Aufhören schaffen können. Die Verfeinerung, die Koketterie, das Schone lassen die Moden, welche sie zur Erscheinung bringen, triumphiren.
Und in der That, es läßt sich nichts Reizenderes vorstellen, als die neuen Balltoiletten, die hier in ihrer Einfachheit so recht für die junge Mädchenwelt hervorgerufen, dort in ihrem Glanze, ihrer Pracht den ver-


