E
r,. 1 0. F N 8
7
2351.
sscheiden sich junge Gänse von alten?
jjunge eingekauft.
dieser gebeugte, gebrochene Mann? Er scheint zum Greise ge⸗
worden. Sein Gesicht ist fahl und die Augen liegen tief in den Höhlen. Seine sonst so straffe, militärische Haltung ist matt und nachlässig, als drücke und beenge ihn zum ersten Mal seines Kaisers Rock.
Ich bin erschüttert, fassungslos, wir reichen uns nur stumm die Hände, dann tritt er an das Bettchen des Kindes und be— trachtet es mit einem langen, todestraurigen Blick. Mein armes, armes Kind! ist alles, was er leise, mit herzbrechender Stimme sagt, dann beugt er sich nieder und küßt seine Stirn. Es er— wacht und umschlingt ihn mit seinen Aermchen.„Lieber, lieber Papa, hast Du ausgeschlafen?“
„Ja,“ sagt er zu und löst sanft ihre Arme von seinem Hals.
Selbst dem Kinde entgeht die Veränderung nicht, welche mit dem kräftigen Manne vorgegangen ist.„Papa, bist Du krank? Du siehst so blaß, so traurig aus! Schläft Mama immer noch?“
„Nein,“ sagt er mit tonloser, rauher Stimme,„ich bin nicht krank, und Mama schläft nicht, sie ist zu den Großeltern gereist.“
„Zu den Großeltern? O, da will ich auch hin!“
„Das kannst Du nicht, Du wirst bei dem Fräulein bleiben.“
„Bleibst Du auch bei dem Fräulein und mir?“
„Das weiß ich noch nicht,“ erwidert er langsam, wie sich besinnend.
„Aber das Fräulein, das bleibt doch ganz gewiß bei mir?“
„Ich hoffe es, daß sie mir dieses Opfer bringt!“ Und seine ernsten, schwermüthigen Augen suchen mit stummer Bitte die meinen. Ich erwidere sie ebenfalls nur mit einem stummen, langen Blick. 15
„Fräulein bringt kein Opfer, sie ist gerne bei mir,“ ver— sichert das Kind mit scherzender Unbefangenheit.
„Ich weiß das,“ entgegnet er traurig, unsagbar traurig.„Ich möchte aber jetzt mit dem Fräulein noch etwas besprechen, mein Liebling. Ich werde Deiner Bonne klingeln, daß sie inzwischen bei Dir bleibt.“
„Wird das Fräulein auch bald wiederkommen?“
„Ja, bald, ich halte sie nicht lange auf.“
(Schluß folgt.)
Jose Blätter.
Der Improvisator,(siehe Illustration! den uns Prof. Scheurenberg im Bild vorstellt, hat nichts gemein mit Andersens empfindsamem Ro⸗ manhelden. Der Improvisator des dänischen Poeten ist ein ernstes, schwärmerisches Meuschenkind mit glühender Phantasie und hohen Idealen,
das ganz Italien durchwandert und auf der Bühne wie im Salon der
großen Männer und Frauen für alles Schöne und Erhabene begeistert. Scheurenbergs Improvisator aber gehört einer früheren Periode an und nicht Begeisterung, sondern Heiterkeit will er wecken. Dieser derbe Gesell in der Tracht Schillers verspottet durch sein keckes Lied vielleicht den „Gefühlsdusel“, der durch Goethe's„Werthers Leiden,“ durch„Stella“ und andere Werke empfindsamer Dichter heraufbeschworen wurde. Sein Lachen verräth es, daß nicht hehre Begeisterung, sondern kecker Humor ihm die Worte auf die Lippen drängt. Durch ein Spottlied wird er die Freunde belustigen. Der Maler dieses Bildes gehört der Düsseldorfer Schule an. J. Scheurenberg ist im Jahre 1846 zu Düsseldorf geboren, woselbst er seine künstlerische Ausbildung vorzugsweise durch Karl und Wilhelm Sohn erhielt. Im Jahre 1879 wurde er als Lehrer an die königliche Akademie zu Kassel berufen, wo er noch heute mit Erfolg thätig ist. Sein Gemälde„Der Tag des Herrn“ hat Aufnahme in der Berliner National-Galerie gefunden. 5
Junge und alte Gänse. Die kalte Jahreszeit bringt uns wieder den wohlschmeckenden Gänsebraten auf den Tisch. Die kluge Hausfrau ist bestrebt, nur junge Gänse einzukaufen, da das Fleisch alter Thiere hart und nicht wohlschmeckend ist. Durch welche sichere Kennzeichen unter— Es sind schon die verschieden— sartigsten Merkmale aufgeführt worden, aber sie waren stets dann un— zuverlässig, wenn sie sich nicht auf die Hausgans im allgemeinen, sondern dauf bestimmte Spielarten bezogen. Es werden daher immer noch von derfahrenen Hausfrauen wie von gewiegten Sachkennern alte Gänse für Es dürften folgende Hauptmerkmale für junge Gänse als richtig für alle Abarten der Hausgans gelten. Hat man lebende
bGänse vor sich, so sehe man darauf, daß die Füße derselben blaß gefärbt sind, daß das Auge einen weißen— nicht gelben oder blauen— Ring um die Pupille hat, daß der Schnabel blaßgelh, daß die Nägel spitz und
die Flügel weich sind. Ist das Thier aber geschlachtet, so kann man noch weitere Merkmale aufsuchen. Die Schwimmhäute der jungen Gänse sind leicht zerreißbar, auch ist die Gurgel sehr zerbrechlich, sie läßt sich
daher leicht zerdrücken. Faßt man das geschlachtete Thier am Unter—
kiefer an, daß der letztere ziemlich wagerecht steht, und hebt es so senk— recht empor, so muß er umbrechen, wenn die Gans jung ist,— bei einer alten bricht er nicht. Viele mögen lieber das Fleisch von einer jungen Gans als von einem jungen Gansert verspeisen. Der ausgewachsene Gansert hat eine stärkere Stimme als die Gans gleichen Alters, auch zeigt sich's, wenn man ihm die Federn der Brust ausrupft, daß sie fester sitzen als die des Weibchens. Der Gansert ist größer und hat einen längeren Hals.— Es dürfte wenig bekannt sein, daß die Gänse ein ziem⸗ lich hohes Alter erreichen können. Man läßt die zur Zucht bestimmten Gänse in der Regel nicht über fünf Jahre alt werden, doch kannte Dr. Lenz Beispiele von einer 19 und einer 25 Jahre alten Zuchtgans. Einem Forstmeister zu Wiesbaden starb eine 37 Jahre alte Gans, die bis zu ihrem Tode jährlich noch immer 8 bis 10 Eier gelegt und aus⸗ gebrütet hatte. Willughby erzählt von einer 80 Jahre alten Gans, die aber keineswegs an Altersschwäche starb, sondern deshalb geschlachtet werden mußte, weil sie gegen junge Gänse zu boshaft war. 9 2
Kaiser Adolf von Nassau, der das thüringer Land für 160 000 Thaler gekauft hatte, belagerte die Wartburg, die der junge Landgraf Friedrich mit der gebissenen Wange gegen die Feinde behauptete. Friedrich sprach nämlich, wie auch sein Bruder Diezmann, dem Vater, Albrecht dem Ent— arteten, das Recht ab, das Land seiner Ahnen selbst an den Kaiser zu verhandeln. Deshalb war die Fehde entbrannt, die schließlich mit dem Siege der Thüringer endigte(1293). Mochte jedoch Friedrich die Stürme abschlagen, ein entsetzlicher Feind hatte sich schon in die Burg geschlichen, der Mangel an Trinkwasser. Zu dieser Zeit schenkte die Landgräfin einer Tochter das Leben. Nun besaß die Mutter nicht Milch genug, und es hieß eine Amme herbeizuschaffen. Friedrich entschloß sich, eine solche ab— zuholen, daß sie den Säugling baldigst tränke. Er und sechs treue Männer bestiegen deshalb ihre Pferde, und wirklich gelang es ihnen, sich durch— zuschleichen und die Amme anzutreffen. Als sie auf dem Rückweg waren, schrie das Kind nach Nahrung.„Halten wir, bis das Kind getränkt ist,“ sagte Friedrich. Da versetzte ein Thüringer:„Herr, ich höre hinter uns Waffen klirren.“—„Mag sein,“ versetzte Friedrich:„mein Kind soll aber trinken, und sollte es mir Thüringen und das Leben kosten.“ Es war aber Diezmann, der den Kriegslärm verursacht hatte. Er war mit dem Heeresbann herbeigeeilt und entsetzte den Bruder, indem er die Kaiser— lichen überfiel. Das Wort aber:„Mein Kind soll trinken“, wurde ein geflügeltes Wort der Thüringer, wenn es hieß:„Nicht gewichen!“
W. G.
Eier für den Winter aufzubewahren. Dieses leichte und bewährte Mittel, auch im Winter wohlfeile und frische Eier genießen zu können, verdanken wir dem berühmten Réaumur. Man wasche die Eier rein, trockne sie gut ab und nehme dann: Butter, Oel, Fett, eine Schwarte oder etwas Aehnliches und bestreiche damit das Ei so, daß dasselbe voll— ständig damit überzogen, und alle Löcher der Schale vor dem Zugange der Luft geschützt sind; das dicke Ende des Eies behandle man am sorg⸗ fältigsten. Sind sie dergestalt zugerichtet, so kann man sie zur Aufbewahrung hinlegen, wo sie vor Frost oder vor einer zu starken Hitze geschützt sind. Kann man sie so stellen, daß nichts vom Fette abgewischt wird, desto besser. Auf diese Weise sind die Eier keiner Veränderung ausgesetzt und bleiben länger als ein Jahr selbst zum Weichsieden gut. Nur dürfen die Eier, welche man mit Fett überzieht, nicht bereits bebrütet worden sein; auch die aufbewahrten Eier taugen zum Ausbrüten nicht mehr, denn das Fett entfernt sich nie so ganz von der Schale wieder, daß ein einmal bestrichenes Ei zur Empfänglichkeit der Wärme und zur Ausdünstung geeignet wäre. a M.
Geistesgegenwart. Der König Friedrich Wilhelm J sah den Soldaten Manches nach, wenn sie nur Geistesgegenwart zeigten und entschlossene Antworten gaben. Einem Soldaten, der auf einem abgelegenen Posten an der Spree Schildwacht stand, wandelte an dem heißen Sommertage die Lust an, sich zu baden. Als er mitten im Fluß war, sah er von Weitem den König kommen; so schnell wie möglich schwammm er an das Land jedoch zum Ankleiden war keine Zeit mehr; schnell hing er Säbel und Patrontasche um und präsentirte das Gewehr. heftig an, und verlangte Bescheid. Der Soldat sah ihm dreist in's Gesicht und sagte:„Ew. Majestät haben befohlen, die Montur zu schonen, und Trotz sei dem geboten, der mir auf meinem Posten zu nahe kommt.“ Der König wendete sein Pferd und that nichts, als daß er dem Soldaten mit dem Finger drohte. M.
Die Kleinigkeit. Bei einem Abschiedsbesuch, den ein von der Universität abgehender Student einem Professor derselben machte, sagte er zu diesem unter anderen Komplimenten:„Ihnen verdanke ich Alles, was ich weiß.“—„Ach,“ erwiderte der Professor ebenfalls höflich,„er— wähnen Sie doch nicht einer solchen Kleinigkeit.“ M.
König Karl II. von England hatte einen Banditen begnadigt, weil dieser zur Zeit der Republik Royalist gewesen war. Einige Wochen dar⸗ auf kam des Monarchen Hofnarr mit sehr bedenklichem Gesicht zu seinem Gebieter.„Was giebt es Neues, Killigrew?“ fragte Karl.—„Unangenehme Geschichten, Sire. i 5 gangenen Nacht einen Menschen auf der Straße ermordet.“—„Was für abgeschmacktes Zeug Du redest! Ich sollte Jemanden ermordet haben?!“ —„Doch scheinen die Leute nicht Unrecht zu haben; Ihr habt Bob Smith begnadigt. Nun, Bob Smith hat gemordet. Seid Ihr also an dem Morde nicht auch schuldig?“ W. G.
Der König fuhr ihn
Man erzählt sich, Eure Majestät hätte in der ver⸗


