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Der blaue Sommerhimmel wölbte sich in ungetrübter Klar⸗ heit über der Reiterin, welche einen mit jungen Obstbäumen eingefaßten Feldweg verfolgte. Zu beiden Seiten schweifte ihr Blick weithin über wogende Kornfelder, welche sich bis zu den am Horizont aufsteigenden Bergen ausdehnten und deren hohe Halme sich unter dem Segen der vollen Aehren tief zur Erde niederbeugten,— Alles, so weit sie blicken konnte, gräflich Warren'scher Besitz. Jubilirend stiegen die Lerchen in den war⸗ men Aether empor; jauchzend klang ihr Glück in den wonnigen Tag hinein, und fast schien es, als übertrügen sie dasselbe auch auf Pferd und Reiterin.
Tänzelnd und sicher trug das edle Thier seine leichte Last und ungeduldig kaute es an dem Gebiß des Zaumes. Irma aber beugte sich über den Hals des Rosses und, denselben lieb— kosend klopfend, sprach sie frohlockend:„Schau um Dich, mein Fuchs! Dies Alles gehört einst Heinz von Warren und, wenn wir wollen, auch uns. Und wir wollen! Wir werden kämpfen und siegen, was es auch koste; denn reich sein, heißt leben, heißt glücklich sein!“— Helles Wiehern wurde ihr als Ant⸗ wort. Ein freudiges Lächeln glitt über ihre Züge, stolz hob sie sich im Sattel, die Gerte fiel auf den Hals des Pferdes, und im Galopp flog sie ihrem Ziele entgegen.—
In Warren saß man gerade am Kaffeetisch auf der Garten— terrasse, als Irma, die Schleppe des Reitkleides über den Arm gehängt, fast gleichzeitig mit dem meldenden Diener vor den erstaunten Herrschaften erschien. 5
„Bon jour, da bin auch ich! Mein Gott, Helene, Du machst ein Gesicht, als schautest Du den Geist Deiner Groß⸗ mutter,“ lachte sie.„Sehe ich denn wirklich so gespensterhaft aus? Herr Graf, stehen Sie mir bei!“
Kokett wiegte sie sich in den Hüften und reichte Heinz mit schmachtendem Blick die Hand, welche dieser mit galanter Ver— beugung an die Lippen zog.
„Ich bin allerdings erstaunt,“ entgegnete Helene,„daß Ihr schon aus Teplitz zurück seid. Aber bitte, nimm Platz und trinke eine Tasse Kaffee! Dein Papa hat seine Kur unter— brochen, ihm geht es doch hoffentlich gut?“
„Danke, ja!— Eigentlich gilt mein Besuch heute Ihnen, Graf Warren; Papa hat mir nämlich gestern ein neues Reit— pferd geschenkt, und ich wollte mir von Ihnen als kundigem Sportsman ein unparteiisches Urtheil einholen.— Danke, danke, Helene; Kaffee, weißt Du, trink ich niemals— puh! und noch dazu bei dieser Hitze!“
„Stets Ihr Ritter, meine Gnädigste!“ antwortete Heinz, „wir wollen sofort den gewiß süperben Gaul in Augenschein nehmen, und wenn Sie mich zum Glücklichsten der Sterblichen machen wollen, so gestatten Sie mir, Ihnen bei einem kleinen Ritt zu akkompagniren. Was meinen Sie? Wie wär's mit einer muntern Galoppade, die den Körper erquickt und das Herz erfreut?“
„Ganz mein Fall! Ich denke, mein Goldfuchs wird Ihrem Rappen nichts schuldig bleiben, ja im Gegentheil, ich bin mei— nes Pferdes so sicher, daß ich beinahe eine improvisirte Schnitzel— jagd riskiren würde,— ich als Fuchs und— als Siegespreis,“ fügte sie mit kokettem Lachen hinzu, ihren Stuhl näher an Heinz herranrückend, mit welchem sie das Gespräch in gedämpftem Ton fortsetzte.
Bis jetzt hatte Irma Miß Longsword keines Grußes gewür— digt, sie schien dieselbe überhaupt nicht zu bemerken, und Letztere hatte daher ihre Aufmerksamkeit ganz der zierlichen Stickerei zu— gewendet, an welcher sie arbeitete.
„Nelly, mein gutes Kind, willst Du nicht auch einmal einen Ritt versuchen? Heinz wird Dir gewiß gern den ersten Unter— richt ertheilen. Nicht wahr, Bruder,“ wandte sich Frau von Haldern an den aus der Unterhaltung mit Irma aufgeschreckten Lieutenant,„Du nimmst Miß Nelly unter Deinen Schutz und versprichst mir, keine Unvorsichtigkeiten zu begehen?“
Dreien! Fräulein von Maien bürgt Dir, Helene, für unsere Vorsicht und Sie, Miß Longsword, finden in der Baroneß ein glänzendes Vorbild.“ „Ich danke Ihnen, Herr Graf! Ihre Frau Schwester hat es nicht so ernst gemeint!“ entgegnete Nelly, und zu Frau von A
lich vornehmen Kreisen.“ 0
„Welch ein Glückstag!“ jubelte Heinz,„reiten wir doch zu
Haldern gewendet, fuhr sie mit ihrer ruhigen Stimme fort „Du bist sehr gut gegen mich, Helene, doch ich muß Dei freundliches Anerbieten ablehnen. Ich kann reiten, denn ie habe es von Jugend an geübt, aber ich glaube, es würde hier nicht für mich schicken. Wir find in Deutschland, liebe Helene, und da muß ich mich schon den hiesigen Anschauungen anpassen, die den Sport wohl für die Verwandte des Hauses, nicht aber für die Gesellschafterin gestatten“ 3 Sie sprach dies mit lächelndem Erröthen, indem ihre Blick flüchtig zu Fräulein von Maien hinüberschweiften. 3 Irma sah die Sprecherin mit zusammengekniffenen, Augen von der Seite an. Ihre Lippen zuckten verächtlich, als sie sich mit affektirter Gleichgültigkeit in den Sessel zurücklegte und die Beine kreuzte.. „Ah wirklich, Miß, Sie haben eine ganz richtige Auffassung! Nur bedaure ich, Ihr eigenes Vaterland gegen unverdiente Ver⸗ dächtigung in Schutz nehmen zu müssen; gute Sitte gilt wohl selbst in dem formlosen Amerika nicht weniger, als hier in wirk—
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Nelly war bei diesen spitzen Worten um eine Schattirung blasser geworden, und Frau von Haldern hatte sich unwillig erhoben. Doch bevor noch eine der Damen auf den plötzlichen Angriff antworten konnte, hatte sich Heinz begütigend an Irma gewendet: 3
„Mille fois pardon, meine Damen! Ich verstehe Sie Beide nicht! Wie darf es unschicklich gesunden werden, wenn Longsword, die Freundin meiner Schwester, welche als Famili mitglied des Hauses Warren gilt, unter meinem Schutz ein erlaubten Vergnügen huldigt?“ a
„Sie vergessen, mein theurer Graf,“ entgegnete Irma sanftem Lächeln,„daß nicht ich, sondern Miß Longsword zuerst Bedenken gegen den an und für sich allerdings harn Vorschlag geäußert hat. Ich habe ja kein Interesse zur Sache, verstehe es aber sehr wohl, wenn ein junges Mädchen, dessen intimes Verhältniß zu Ihrem Hause nicht Jedermann beka ist, ihren guten Ruf eines entbehrlichen Genusses halber 1 aufs Spiel setzen will. Man kennt ja,“ setzte sie mit ei lauernden Seitenblick auf Nelly hinzu,„die Lästerzungen der lieben Mitmenschen, welche an den einsamen Spazierritten des Fräuleins mit dem Herrn Grafen einen besonders pikanten S finden würden.— Doch sieh da! Was haben meine kleiner Freundinnen?“ mit diesen Worten erhob sie sich langsam und umfing mit unschuldig freundlichem Lachen die beiden k er Mädchen, welche soeben athemlos die Stufen der Treppe heta
stürzten. Fortsetzung folgt.)
2 En
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Kleine Irauen-Zeitung.
Die Mode.
Der Frühling ist spat gekommen, in den Magazinen aber schon lange die glänzenden und duftigen Stoffe für die wärmere Jahn zeit aus. Fragt man, was ist gegenwärtig modern, so muß ich dar antworten: Alles, vorausgesetzt, daß die Kleidung durch Geschmack Chic geadelt wird. Dies„Alles“, das Vergangenheit, Gegenwart un Zukunft repräsentirt, wirbelt nun freilich beim ersten Anblick in buntem Chaos durcheinander, aber bei aufmerksamer Betrachtung gewinnt es nach und nach feste Gestalt und läßt sich analysiren..
Mehr und mehr strebt die Mode den Direktoire- und Emp 5 Toiletten zu, ohne indeß sich von den chiffonirten und gerafften Dispositionen des modernen Geschmacks abzuwenden, die vorla noch bestehen und in nächster Zukunft bestehen werden. Und man sagen, daß die Herrscherin ihre Gunst in zwei verschiedene Geg satze theilt? in das Schlichte, Flache und knapp Anliegende und in Drapirte. Jede Art wird ihre Anhängerinnen haben; letztere wohl meisten! a
Die Anhängerinnen des Direktoire- und Empirestils 1 — daß man schon zu lange dem Chiffons und— Drapiren gehuldigt hat mit Ver 1 auf die gerade und korrekte welche der vornehmen 1 tung so sehr zu Statten kommt.
Es dürften die jungen Frauen und die jungen Mädchen welche die neuen Formen sich 1 erweisen koͤnnten. Sie dieselben wohl nicht ganz streng im Stil, sondern ein wenig um tragen, mit sehr leicht gewölbter und sehr mäßig erhobener 2 auf den Rückenbahnen. Der Rock soll der— nicht er im Gegentheil.
Das drapirte Kostüm, das Gewohnheit uns so lieb gemacht
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