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will, ich darf Dich nicht an mich fesseln,— an den Mann, den
die rauhe Hand des Geschicks gezeichnet. Irma! ich entbinde Dich Deines Wortes,— vergiß mich und werde ohne mich glücklich!“
Irma ist erblaßt.— Seine Worte haben sie verletzt, obgleich sie ihren Wünschen begegneten, denn sie haben schonungslos das Unrecht aufgedeckt, welches sie gern vor dem eigenen Gewissen verborgen hätte.
„Udo, Du bist rücksichtslos und ungerecht! Du kannst es einem Mädchen nicht verdenken, wenn es vor Blut und Wun— den zurückschreckt. Habe ich gesagt, daß ich Dich nicht mehr liebe? Ich bitte Dich nur, mir Zeit zu lassen;— ich werde wiederkommen. Hoffe auf morgen!“— und seine Hand er— greifend, schmiegt sie sich an ihn und streichelt ihm liebkosend die Wange. d N
„Nun— dann gehe, Irma! Mag diese Trennung bis morgen währen— mag sie ein Abschied für's Leben sein— Gott schütze Dich und lasse Dich glücklich werden! Leb' wohl, mein einziges Lieb! Will's Gott, auf Wiedersehen!“
„Auf Wiedersehen, morgen!“ klingt tröstend ihre Erwiderung; dann schließen sich die Vorhänge der Thür hinter Irma's lichter, zierlicher Gestalt, und Graf Warren hat lange, noch sehr lange Zeit, an morgen und die Zukunft zu denken, bevor der mit— leidige Schlaf sich seines trauernden Herzens erbarmt.———
Die Sonne des nächsten Tages war an dem klaren Herbst— himmel aufgestiegen und wieder zur Rüste gegangen— Irma war nicht gekommen. f
Zwei weitere Tage hatte Graf Warren vergeblich gehofft. Was in dieser Zeit des Harrens in seiner Seele vorgegangen, er hat es niemals einem Menschen geklagt.
Endlich, am dritten Tage, kam ein Brief.
Ein unsagbar verächtlicher Ausdruck hatte auf Udo's Gesicht gelegen, als er die Handschrift des Freiherrn von Maien erkannte.
Helene hatte mit gefalteten Händen von ferne gestanden, als ihr Bruder den Brief langsam erbrochen und gelesen,— als
er dann denselben ruhig wieder zusammengefaltet, sorgfältig in
den Umschlag gesteckt und fast feierlich neben sich auf das Tischchen gelegt hatte. Sie hatte die Thränen nicht mehr zurück— halten können, war hinausgegangen und im Vorzimmer bitter⸗ lich weinend in einen Sessel gesunken. Die Treue ahnte ja, was vorging, und der stumme Schmerz des Bruders zerriß ihr das Herz. i
In dem Brief aber hatte Irma's Vater in höflichen Worten seinem schmerzlichen Bedauern über die traurige Wendung des Geschicks Ausdruck gegeben, welches sich einer näheren Verbin— dung der beiden alten Familien entgegenstelle. Seine und seiner Tochter Interessen müßten indessen der Rücksicht weichen, welche ihnen der Wunsch einer baldigen Genesung des Grafen auferlege. Die Wiederherstellung der schwer erschütterten Ge— sundheit desselben dürfe durch die Aufregungen eines langen Brautstandes nicht erschwert werden. Er stimme daher dem durch seine Tochter ihm überbrachten Vorschlag des Grafen bei und löse hiermit die Verlobung. Er hoffe und wünsche, daß
die freundlichen Beziehungen der beiden Familien hierdurch nicht
gestört werden möchten, und halte es immer noch für möglich, nach Genesung des Grafen das alte Verhältniß wieder herzustellen. Graf Udo hatte am nächsten Tage seiner Schwester mit⸗
getheilt, daß er mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand die Alles, was ihnen begegnet, mit Staub oder Puder, ohne auf Rang und
Auflösung der Verlobung für seine Pflicht gehalten habe. Sie möchte daher seiner bisherigen Braut keine Schuld an dieser Entwicklung beimessen, sondern ihr als Freundin zur Seite stehen, falls sie einstmals Hülfe und Rath bedürfe. in ungefähr acht Tagen soweit wiederhergestellt sein, daß er reisen könne. Dann gedenke er zu wissenschaftlichen Zwecken
eine Tour in fremde Welttheile anzutreten, von welcher er vor
aussichtlich erst in einigen Jahren zurückkehren werde. Sie solle ihn auf Warren vertreten.
Bald darauf war Graf Udo in aller Stille abgereist. Sein finsteres Gesicht hatte sich nur einen Augenblick erhellt, als er von der Schwester Abschied nahm, deren heißeste Segenswünsche ihn begleiteten.
(Fortsetzung folgt.)
Er selbst würde
oe Water.
Die Wunder der Schwarzen Berge(siehe Illustration) könnte man jene seltsamen Erdbildungen zwischen Shyenne und White-River im
Territorium von Dacota nennen, welche jetzt durch die North Pacsfic—
Bahn den Reisenden leicht erreichbar geworden sind. In denselben Wunderregionen, deren Perle jener Park am Bellowstone-See bildet, welchen die Vereinigten Staaten-Regierung zum Nationalpark erhoben hat, liegen auch die Bath-Lands, oder„Böse Landstriche.“ Diese eigen⸗ thümlichste aller Naturbildungen schildert der amerikanische Geologe Evans wie folgt:„Von den Hochprärien, die wie ein Hintergrund sich in Bänken und Terrassen gegen die Ausläufer der Felsengebirge erheben, blickt man in ein ausgedehntes Thal hinab, das eine Welt für sich ist und das theils durch Faltung der Erdrinde, theils durch die langdauernde Wirkung der nagenden Einflüsse der Erosion entstanden zu sein scheint. Es ist etwa 10 km weit und die Länge, in der es sich westwärts bis zum dunklen Fuße der Kette der Schwarzen Berge erstreckt, mag 32 km betragen. Seine tiefsten Theile, die ca. 90 m unter dem Niveau des umgebenden Landes liegen, sind mit spärlichem Gras bewachsen und ihr Boden ist ähnlich dem der höher gelegenen Strecken. Aber das ganze Thal bildet den schärfsten Gegensatz zu seiner Umgebung. Von der einförmigen offenen Prairie steigt man 30—60 m hinab in ein Thal, das aussieht, als ob es aus einer Welt versunken sei, die Tausende von hohen Säulen und Obelisken scharf von einander geschieden, steil zu 60 m und mehr an⸗ steigend, oft von unregelmäßigeu Pyramiden gekrönt, in ihm hinterlassen habe. So dicht stehen diese natürlichen Säulen und Thürme über der Oberfläche dieses merkwürdigen Thales zerstreut, daß man sich nur auf tiefen schmalen labyrinthischen Gängen durch sie hindurchwindet, die den schmalen gekrümmten Straßen irgend einer alteuropäischen Stadt nicht unähnlich sind. Aus der Ferne gesehen nehmen in der That diese Fels⸗ massen in ihrer endlosen Aufeinanderfolge den Schein massiger Bauten an, aus denen Zimmer und Thüren, Pfeiler und Thorwege sich in bun⸗ tester Mannigfaltigkeit hervorheben. Man könnte glauben in den Bau einer Todtenstadt eingetreten zu sein, doch schwindet dieser Schein, wenn man von der Höhe herabsteigt, um sich einen Weg durch das Labyrinth zu bahnen und dasselbe in seinen verborgensten Winkeln kennen zu ler⸗ nen. Oede und Wüste starrt uns da von allen Seiten entgegen. Im Sommer liegt die Sonne in den engen Gassen, die weißen oder asch⸗ farbenen Wände der Felsbauten werfen ihre Strahlen heiß zurück und kein Windhauch, noch der Schatten eines Strauches mildert die Gluth. Nur der Geologe fühlt seinen Geist hier noch angeregt. Ihm lohnen reiche Schätze von Fossilien die Mühe der Wanderung in dieser Felsen⸗ wüste. In größter Fülle sind Reste entschwundener Thiergeschlechter im Schutt des Trümmerwerkes zerstreut. Sie alle verkünden, daß eine aus⸗ gedehnte Süßwasserablagerung der früheren Tertiärzeit vor uns steht. Vorläufer des Mammut und Mastodon wanderten hier an den Stellen, die nun der Tummelplatz des Bergschafes, des zottigen Büffels und der leichtfüßigen Antilope sind. R E. *
Karnevals⸗Belustigungen auf den canarischen Inseln. Der Karneval ist auch auf den Canarien eine Zeit unbeschränkter Freiheit. Alles ist dabei Lust und Freude. Die Geschäfte ruhen, Handwerker und Tage— löhner vergessen ihre Arbeit. Am Sonntage vor Weihnachten sind die Straßen Abends mit bunten Masken-Gruppen angefüllt, welche, sich nach allen Richtungen hin zerstreuend, nach der Musik der Guitarre und dem Takte der Schellentrommeln und Castagnetten unter lautem er Volkstänze aufführen. Die Maskenaufzüge dauern bis nach Mitternacht fort und bei der fröhlichen, alle Gemüther beseelenden Stimmung kommen Streit und Schlägereien nur selten vor. Die höheren Stände nehmen nicht früher Antheil an den Freuden des Carnevals, als einige Wochen vor der Fastenzeit, dann wetteifern alle Häuser, Masken und Tänzer aufzunehmen und sie mit Erfrischungen zu bewirthen. Die jungen Mädchen gehen selten maskirt aus, wenn es nicht ist, um einen Ball zu besuchen; dann entschädigen sie sich aber dort auch, weniger streng beobachtet, für den Zwang, dem sie in der Regel unterworfen sind, und freuen sich des Lebens in ungebundener Freiheit. Fortwährend treten Masken, einzeln oder gruppenweise, in den Saal, um allerlei Possen aus dem Volksleben aufzuführen; dann entfernen sie sich wieder, um in anderen Häusern dieselben Thorheiten zu wiederholen. Aber nichts gleicht der Ausgelassenheit in den drei letzten Tagen des Karnevals. Die landen
Leute, zu Pferde und zu Fuß, durchschwärmen die Straßen und bestäuben
Alter Rücksicht zu nehmen. Selbst die jungen Mädchen sind bereit, die unter ihrem Fenster vorbeigehenden Bekannten mit dem Puderbeutel in eine Staubwolke einzuhüllen und mit wohlriechenden Wassern zu be⸗ sprengen. Die jungen Leute rotten sich vor der Thür zusammen, und
läßt sich dieselbe nicht einstoßen, so werden Leitern geholt und man steigt
durch die Fenster ein. Dort drinnen erhebt sich ein Krieg mit den Mädchen, welche die Mutter vergebens zu schützen sucht. Man beschmiert sich gegenseitig die Gesichter und übt eine Menge der lustigsten Streiche aus. Weit entfernt sich darüber zu ärgern, lacht man aus vollem Halse und betrachtet sich der Reihe nach im Spiegel, und hält es für eine Schande, wenn das Haus nicht vollends umgekehrt würde. MI.
Schleifsteine.„Man muß die Studenten in Gesellschaft von Frauen bringen, damit ihre Sitten abgeschliffen werden,“ behauptete eiust Jemand in Gegenwart einiger Göttinger Professoren.„Meinetwegen,“ erwiderte einer der Professoren,„aber meine Frau und meine Töchter gebe ich zu Schleifsteinen nicht her.“ H. R.
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