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unstät im Zimmer umherging.„Ja, da soll doch gleich—— Landaufenthalt wird sonst als Stärkung für Schwächliche und Gebrechliche verordnet, Du aber gehörst erstens nicht zu diesen, und zweitens— zur Stärkung hat er Dir auch nicht gereicht.“
„Gefalle ich Dir nicht mehr, Karl?“
Der Apotheker zog die Stirn kraus.
„Dummes Zeug!“ Dann setzte er sich zu seinem Gaste.„Kurz und gut— Du hattest genug da draußen?“
Da Wolf schwieg, sah er ihm nur wieder in's Auge.
„Glaub's Dir gern. Hm! Weißt Du, im Grunde—“
„Es hat Dich gewundert, daß ich so lange ausblieb?“
Pförtner säbelte eifrig an einem kalten Rebhuhn.
„Ich kann Dir das andere da empfehlen,“ sagte er, ohne aufzustehen.„Gewundert?— Ach, so! Gewundert— nein.“ Er sprach mit so gelassener Bestimmtheit, daß Wolf befremdet den Kopf hob.„Aber— ich finde es natürlich, daß Du einmal ein Ende gemacht hast.— Still, keine Aufregung, Bester!“ fuhr er fort, als er eine heftige Bewegung Wolf's wahrnahm;„wir reden später vielleicht darüber— Später. Venena— Gifte— ich verstehe mich drauf— mein Handwerk bringt's so mit sich — und es giebt ihrer eben ganz unterschiedliche: einige, die rasch tödten und andere, die langsam krank machen, häßliche und
hübsch bunte, bittere und süße.— Und die letzteren sind am
gefährlichsten,“ setzte er nach einer sekundenlangen Pause leiser hinzu.„Aber Gegengiste haben wir ja allenfalls auch noch, und dieser Tropfen ist keines von den schlechtesten. Angestoßen! Auf seine gute Wirkung!“ Pförtner schien mit einem Male bei heiterster Laune.„Sieh da, Tante Dorette! Kommt gerade recht, uns zu assistiren! Aber ein Glas müssen Sie sich erst holen, Theuerste.“
Jungfrau Dorette Höckerlein fühlte sich allzeit geschmeichelt, wenn der junge Herr sie mit dem traulichen„Tante“ anredete, das er sich für gute Stunden aus jener Zeit, da sie seines längst verstorbenen Vaters Hauswesen vorstand, hinübergerettet hatte in das nüchterne, gemüthsarme Geschäftsdasein der Tage von heute, und ein Gläschen Wein, in allen Ehren und guter Ge— sellschaft, pflegte sie nimmer auszuschlagen.
Diesmal nur.
Der junge Herr werde unten verlangt, sagte sie ziemlich hastig.
Sie pflegte den Apotheker stets noch den jungen Herrn zu nennen, obschon es für sie längst keinen alten mehr gab.
Karl Ludwig verzog das Gesicht.
„Die Ketten, welche uns an die Alltäglichkeit binden, das heißt, zum Tränklein kochen an den Heerd des Laboratoriums!“ lächelte er.„Was soll's denn, Dorette? Ist keine Lippenpomade mehr da oder Latwerge zu rühren?“
Dorette Höckerlein sah sehr ernst aus.
„Es muß etwas Eiliges sein; sie haben ja einen reitenden Boten geschickt von Südhorn. g
„Von Südhorn?— Hollah, Mann, was ist's?“
Pförtner war bei den Worten seiner Wirthschafterin hastig
aufgesprungen. Jetzt näherte er sich rasch und besorgt dem Freunde,
der kreidebleichen Antlitzes in's Leere starrte. Doch Wolf erholte sich sehr bald. f
„Nichts, nichts! haben.“
Sein erster Gedanke war Marie gewesen, doch was sollte der zugestoßen sein! Dennoch bestand er darauf, seinen Freund in die Offizin zu begleiten. Unten rannte Alexander Schruller in großer Aufregung von einer Schieblade zur andern, suchte aqua destillata und griff nach der Flasche mit spiritus vini, Chinarinde, und nahm statt dessen Enzianwurzel; es war wirklich an der Zeit, daß sein Herr ihr zu Hülfe eilte.
„Ich— ich weiß nicht recht, Herr Pförtner—“ stieß er kleinlaut heraus und reichte ihm das Recept, welches Töne ge— bracht hatte.
Letzterer saß auf einem Schemel, doch gleichfalls in Unruhe. Er wäre zu Pferde gekommen, der Eile halber, sagte er und bat stotternd um rasche Abfertigung. N
Der Apotheker warf einen Blick auf das Rezept, einen andern auf Töne und riß schnell ein paar Schiebladen auf. Er nickte nur, als sein Freund ihn fragte, ob es sich um Frau Steinwald handle. Wolf sah Töne fragend an.
Ich werde mich auf dem Marsche erkältet
„Ein Glück, daß der Doktor just kam; es sollte sich ja um Gift handeln, Herr.“
Der Bursche wischte mit dem Aermel seines blauen Kittels einmal über sein Gesicht.
91 Lützel 1 seinen Ohren nicht trauen zu dürfen.
„Gift——?“
Pförtner hatte sich so ganz in die Bereitung der Arznei ver— tieft, daß er Töne's Worte überhörte. Jetzt, bei Wolf's Ausruf, sah er auf, auch in seinen Zügen Angst und Entsetzen. Doch es war nur für einen Augenblick; er hatte ja das Rezept in Händen; diese Arznei deutete nicht auf so Schreckliches, Töne mußte falsch berichten. Dennoch horchte er auf, als derselbe fortfuhr:*
„Sophie wenigstens meint es so, Herr; sie hat gesehen, wie die Frau sich mit dem Gift in ihrer Schlafstube eingeschlossen
hat, und hernach ist das Fläschchen beinahe leer gewesen. Aber!
Doktor Zange sagt, die Frau könnte das unmöglich eingenommen
haben, die— die Merkmale waren gar nicht darnach. Schlimm
genug steht's aber mit ihr, sonst hätte Sophie mir nicht solche
Eile auf die Seele gebunden. Wenn sie nun stürbe!“ (Fortsetzung folgt.)
ee Blälkter.
Philadelphia.(Siehe Illustration.) Die von William Penn be— gründete Stadt der Bruderliebe ist zur Geburtsstätte jener großen Re⸗ publik geworden, über welcher das Sternenbanner weht und der re— publikanische Geist hat ihr deutlicher sein Gepräge gegeben als irgend einer andern Stadt der mächtigen Union. Nicht nur, daß die Independence⸗ Hall, jenes mit Andenken an die Freiheitskriege gefüllte Haus, in welchem einst die Unabhängigkeitserklärung des Kongresses unter dem Jubel des Volkes verlesen wurde und das so zur Wiege der Freiheit wurde, den Mittelpunkt dieses ungeheuren Häusermeeres bildet, die Stadt selbst verräth dadurch den echt republikanischen Geist ihrer Bewohner, daß alle Privathäuser einfach und bescheiden, alle öffentlichen Gebäude aber Monumentalbauten von imposanter Größe und Pracht sind. Die am Delaware erbaute Stadt breitet sich über einen ungeheuren Flächenraum am „glorreichen Strome“ aus, weil jede Familie fast ihr eigenes Haus und ein Gärtchen besitzt. Nur in den Hauptstraßen, wo Handel und Gewerbe ihre Läden und Magazine errichtet haben, sind große Gebäude zu finden, die Wohn⸗ häuser der Bürger dagegen sind einfache, behaglich eingerichtete Backstein⸗ gebäude mit schmuckloser Fagade. Der Bürgersinn bethätigt sich aber in der Herstellung großartiger Wohlthätigkeitsanstalten, schöner Gesellschafts— häuser und gemeinnütziger Institute. Philadelphia besitzt eine der herrlichsten öffentlichen Bibliotheken, vor der das Standbild Benjamin Franklins sich erhebt; es hat wohl das schönste Stadthaus der Welt, einen Palast aus weißem Marmor mit stolzen Kuppeln und Thürmen; sein Custom— haus, sein Postgebäude, seine Akademie für Musik, seine Akademie für Naturwissenschaften, seine Akademie der schönen Künste, seine Kathedrale von St. Peter und Paul sind Prachtbauten, in denen der Reichthum und die echt republikanischen Tugenden der Bewohner einen großartigen Ausdruck finden. Einen Weltruf hat sich das im griechischen Tempelstil errichtete Girard-College erworben. Dasselbe verdankt dem hochherzigen Stephen Girard seine Entstehung. Dieser aus Frankreich stammende Kaufmann, welcher vom armen Krämer zum Besitzer einer Handelsflotte emporstieg und der im Jahre 183] als einer der reichsten Bürger Amerikas starb, errichtete mit einem Aufwand von zwei Millionen Dollars dieses College, das seinen Namen trägt. Dasselbe ist der Erziehung verwaister Knaben gewidmet. 500 Pfleglinge werden darin genährt, gekleidet, unter⸗ richtet und für einen Beruf ausgebildet. Die Anstalt liegt auf dem höchsten Punkte der Stadt, nimmt ein Terrain von 40 Acres ein und über ihrem Eingang prangt die Aufschrift:„Hier findet kein Priester Einlaß.“ Die um ihres Handels mit Doktordiplomen etwas in Verruf gekommene Universität der Stadt besitzt ein herrliches Gebäude im gothischen Stil. Die Stadt ist um ihrer ungeheuren Ausdehnung willen nur in der Nähe des Stromes belebt, da wo die Wohnhäuser breite Straßen bilden, herrscht wenig Leben und man ist wohlberechtigt, Philadelphia die stille Quäkerstadt zu nennen. g R. E.
Aus König Wenzels Leben. Wenzel von Böhmen wünschte zu er⸗ fahren, wie einem, der geköpft werden soll, wohl zu Muthe sei. Um diese Erfahrung zu machen, ließ er sich von einem Trabanten die Augen verbinden, kniete nieder und dieser mußte ihm nun mit der flachen Klinge den Nacken berühren. Jetzt verlangte Wenzel, daß auch der Trabant dieselbe Erfahrung machen sollte. Der Trabant kniete ebenfalls mit ver⸗ bundenen Augen nieder, und Wenzel— hieb ihm den Kopf ab.— Eines Tages, mit Mehreren von seinem Hofe auf der Jagd, sah er einen Mönch ruhig des Weges daherkommen.„Ein höchst seltenes Klosterwild!“ rief er, seine Armbrust abdrückend, und der Mönch stürzte todt zu Boden.— Einst hatte der Koch, nach Wenzels Meinung, einen Wildbraten nicht mürbe genug gebraten; er ließ deshalb den Koch an einen Bratspieß stecken und langsam zu Tode rösten. M.


