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Du sprichst tragisch, alter Junge! Als ginge es um Wohl oder Wehe von 5 Von einem Menschen, so gut wie Du Besser als Du

wahrscheinlich, entfuhr es Lützel, der bisher mit Mühe an sich

gehalten hatte.

Der Andere lächelte.Nimm mir's nun übel oder nicht, aber ich hätte Lust, Dir ein Brausepulver zu spenden. Soll ich? Er griff nach dem Schellenzuge.Nein? Dann thu' mir wenigstens den Gefallen und mach' Dir's in dem Schaukelstuhl dort bequem.

Du vergißt, daß ich nicht hier bin, eine Komödie aufzuführen, sondern Dich zu fragen, ob Du ein Betrüger werden oder Deine Verpflichtung erfüllen willst.

Nichts stimmt den Menschen ruhiger als ein bequemer Sitz, Du solltest es doch versuchen, Wolf. AX propos sagtest Du eben etwas von einem Betrüger? Ich will das Wort nicht ge hört haben. Du hast eine ganz wunderbare Auffassung von Geschäftssachen.

Ich billige allerdings nur eine, die, ehrlich zu handeln. Und wenn Du Bretters und mir Dein Wort nicht halten solltest, so wäre das eben Betrug.

Aufmerksam sah Steinwald seinen kunstgerechten Rauchringeln nach.

Wie Du willst, entgegnete er dann gedehnt;ich nenne es ein Geschäft. Freilich kein schlechtes, noch dazu eines, das mir nebenher einen kleinen Spezialgenuß verschafft hat.

Den, Dich auf jämmerliche Art an einem Manne zu rächen, dessen Tochter sich Dir nicht verkaufen wollte.

Für einen Moment blitzte ein lebhafteres Interesse in den hellen Augen des Gutsbesitzers. Dann aber fielen die Lider schon wieder halb darüber, als brauchten sie Ruhe.Kann mir denken, woher Dir diese Wissenschaft kommt; der alte Scheinheilige hat sie Dir vermittelt, und für Dich ist das natürlich Evangelium. Nein, guter Freund, ich habe doch besseren Geschmack als Du mir zutraust.

Und wirst zum Lumpen an Deiner Gattin. In diesem'

Augenblick hätte sich Wolf Lützel auf den Erbärmlichen stürzen mögen.

Der fingirte ein Gähnen.Wenn ich nicht irre, bezahlt man solche Schmeicheleien sonst mit der Waffe in der Hand. Eine unsinnige Manier! Man riskiert sein Leben und ist nicht einmal gewiß, das des Andern zu treffen. Wenn Du aber darauf bestehst

Ohne ein Wort, nur mit einem Blick, in welchem sich tiefste Verachtung mit lebhaftem Abscheu vor diesem Charakter paarte, hatte Wolf das Zimmer verlassen und schritt über den Korridor nach oben, seine Sachen zu packen. Aber während er den Koffer aufschloß und seine Kleidungsstücke zusammenlegte, überkam ihn wieder der Gedanke an das freudenlose, verlassene Weib drüben im Krankenzimmer. Und an die Andere. Er fuhr auf. Warnen wenigstens konnte er sie noch, vielleicht retten, wenn nicht für sich, so doch vor Jenem! Eine Weile sah er am Fenster stehend unbeweglich in das erblassende Licht des Tages, der sich seinem Ende neigte, dann sank er auf einen Sessel und stützte den Kopf in die Hand.

Wieder nach einer Panse erhob er sich langsam und bereitete Alles zu seinem Weggange vor. Er schloß den Koffer, legte seinen Paletot darauf und ging. g

Ich werde Jemanden aus dem Dorfe schicken, der mein Ge päck nach Kirchberg trägt, sagte er unten zu Sophie, die er an der Küchenthür traf, nachdem er im ganzen Hause vergeblich ein lebendes Wesen gesucht hatte;Sie sorgen wohl dafür, daß er die Sachen auf meinem Zimmer findet. Er hatte vorher bei Hedwig angeklopft, aber keine Antwort erhalten und mußte nun wohl oder übel dem Madchen auch auftragen, ihr eine letzte Empfehlung von ihm zu überbringen.

Sophie Bretters barg veclegen die Hände unter der weißen Latzschürze.

Die Frau ist unpäßlich. Sie fragten.

Gut, gut! antwortete er mechanisch; seine Gedanken weilten eben anderswo. Doch sche rate er eine offene Frage, selbst an die Magd.

Ich sollte Ihnen das sagen, wenn

Er drückte seinen weichen Filzhut auf den Kopf und verließ das Haus.

Rüstig wie Jemand, der sich seines Zieles voll bewußt ist, schritt er über den Hof, die schmale steinerne Brücke davor, durch das kleine Buchengehölz, welches die Front und eine Seite des Gutshofes umschloß.

Am Wegrande zur Rechten mit einem Blick in's Freie stand ein leichtgefügter Pavillon. Wolf hatte dort noch neulich vor der Erkrankung des kleinen Kurt mit den Damen eine sonnige Mittagsstunde verplaudert, nun war er längst für den Winter verschlossen, seit Wochen hatte ja Niemand von der Südhorner Gesellschaft Lust verspürt, sich im Freien zu ergehen. Aber auf der künstlich aus rohem, ungeschältem Geäst gezimmerten Bank davor saß eine Mädchengestalt, den Arm auf die Lehne gestützt, wie verloren in dämmerigem Sinnen Marie.

Er fand sie also doch noch vor seinem Scheiden. Gleich müthig indeß kam er näher, kaum daß seine Pulse etwas rascher arbeiteten, als er ihr gegenüber stehen blieb. Er hatte ja eigentlich nichts mehr hier zu verhandeln, auch mit ihr nicht.

Ich war fertig hier, sagte er aus dem Zusammenhang

seiner Gedanken heraus. In gleichem Tone hätte er über den Herbst, die blattarmen Baume, die hereinbrechende Daͤmmerung eine Bemerkung hinwerfen können.

Hatte das unter seinen Füßen lautraschelnde Laubwerk ihr sein Nahen längst verrathen, daß keine Spur von Verwunderung sich in ihrem Antlitz zeigte und sie nur gleichgültig den Kopf nach ihm wandte.

Sie gehen nach Kirchberg zurück.

Keine Frage. Einfach eine apathische Bestätigung dessen, was sie längst wußte. d

Er nickte.

Es ist gut, daß ich Sie noch hier finde, um Ihnen wenigstens Lebewohl zu sagen. n

Sie strich mit der Hand über ihre Stirn als habe sie trübe Schatten von dort zu verscheuchen, dann erhob sie sich langsam und wandte sich zum Gehen. Jetzt erst bemerkte er, wie bleich sie in den letzten Tagen geworden war, und eine Regung milder Nachsicht mit ihrem jungen Wesen keimte wieder in ihm auf. Der herbe Ton jedoch, in welchem sie ihm antwortete, schnitt ihm jedes versöhnliche Wort ab, ehe er es gesprochen.

Ein Abschied? Unser Verkehr beschränkte sich wochenlang so sehr auf das Maaß des Unvermeidlichen, daß ich keinen An spruch auf soviel Rücksicht Ihrerseits erhoben hätte.

Sie wollte gehen, da hielt sein Blick sie fest. In ihm kochte es. Er kreuzte die Arme eng über der Brust, sich zur Ruhe zu zwingen.

Ich wollte Sie zugleich warnen, Fräulein Lauscher.

Fast heftig wandte sie sich nach ihm um.-

Ich weiß nicht, was Sie sagen wollen. Aber ich habe keinen Grund, eine Warnung anzunehmen von Ihnen am wenigsten welche für mich einer Beleidigung gleichkäme.

Sie wollte sich also vertheidigen? Und den Elenden?

Er achtete kaum darauf, wie die Umrisse ihrer Gestalt immer undeutlicher wurden und rasch gänzlich vom wogenden Nebel des Holzes verweht wurden; kurz entschlossen setzte er seinen Weg fort. Am Eingange des Dorfes traf er Töne, der vorgab, dort ein kleines Geschäft zu haben. Zögernd erklärte dieser sich be reit, die Sachen des Herrn vom Hofe abzuholen, er müsse ohnehin bald nach der Stadt zurück.

Karl Ludwig Pförtner war eben im Begriff, sich zu Tisch zu setzen, als sein Freund bei ihm eintrat.

Also endlich! Er reichte Lützel die Hand, aber der leichte Spott wich aus seinen Zügen, als er ihn genauer in's Auge faßte.

Er pflegte wenig Förmlichkeiten zu machen, Wolf hatte sich deshalb gesetzt, ohne eine Aufforderung dazu erst abzuwarten.

Ich bin herzlich müde.

Pförtner glaubte ihm. 5

Hm! Hm! Er schien nicht recht zu wissen, wie er sich unter den obwaltenden Umständen verhalten sollte. Schließlich rief er Dorette, die alte Hausjungfrau der Apotheke, und ersuchte sie um eine Flasche Wein.

Fürerst hm fürerst ist gut, daß Du wieder da bist, brummte er, indem er, die Serviette unter'm Arm, ein bischen