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zwei Uhr, sei exakt, Robert, sagte sie und blieb stehen.Heute geht unser Ritt nach Lillebonne.

Das wird Dein Ernst nicht sein, Jeanne, antwortete der Kousin und fuhr sich mit dem Taschentuch über die heiße Stirne. In der Mittagshitze und keine Spur von Schatten auf der Chaussée, das würde ein sehr mäßiges Vergnügen für uns sein.

Du meinst so; frage doch den Herrn Vicomte, ob das kein Vergnügen ist, sagte Jeanne, und ein Lächeln spielte neckisch um ihren feinen Mund.Tag für Tag macht er in der Mittagshitze den Weg nach Lillebonne zu Fuß und beklagt sich weder über Sonne noch über Staub. Jeanne's braune Augen waren sonderbar forschend auf ihn gerichtet, während sie sprach.

d'Ormont fühlte, daß ihm die Röthe in's Gesicht stieg; der Kousin sah den Einen und die Andere an und verstand nicht, auf was Jeanne hinzielte.Meinetwegen, sagte er und zuckte flüchtig die Achsel,ce que semme veut, Dieu le veut.

Hast Du je von der Marquise de Bonat gehört? fragte Jeanne und beobachtete mit wahrem Genuß d'Ormont's Ver wirrung.

Der Kousin schüttelte den Kopf.Nicht? Nun dann wollen wir trachten, sie heute zu sehen; der Herr Vicomte wird so freund lich sein, uns bei ihr einzuführen. Selbstverständlich darf die Großmama nichts von unserm Besuch erfahren.

d' Ormont betrachtete das kaum dem Kloster entwachsene Mädchen. Es lag eine Malice, ein Hohn in ihren Worten, die so harmlos hingeworfen waren, daß selbst der Kousin sie arglos auffaßte.Sie sind boshaft, Mademoiselle Jeanne, rief er lachend;glauben Sie ihr nicht, Baron; ich kenne die Marquise de Bonat nicht und habe sie nur zufällig oben vom Thurm aus in ihrem Garten gesehen. Forschend examinirten ihn des jungen Mädchens Augen, als wollten sie fragen:Kann man Deiner Wahrheitsliebe vertrauen?

Nach dem Frühstück wurden drei Reitpferde auf dem Perron des Schlosses vorgeführt. d' Ormont sühlte sich sonderbar erregt, heute sollte und mußte sein letzter Tag in dem Schlosse sein. Da fuhr auch schon die Kalesche vor, und die Gräfin stieg schwer fällig hinein. Der Vicomte hätte zu Hause bleiben mögen, als er sah, daß sich bis zur letzten Minute der Argus an seine Fersen hängen würde. Nun, schließlich lag ja nichts mehr daran, der Dienst der alten Gräfin fand ja doch heute seinen Abschluß. Der Anblick der Kalesche machte augenscheinlich auf Jeanne ebenfalls keinen ermuthigenden Eindruck, nur der Enkel ließ die Beiden, die schon die Pferde bestiegen hatten, warten und half seiner Großmutter sehr sorgsam in den Wagen. Auch war auf dem Ritt der junge Baron besonders bedacht, daß die Gesellschaft in der Nähe der Kalesche blieb.

Wir werden den Thurm des Lillebonner Schlosses besteigen, Großmama, rief Jeanne heransprengend. Der Vicomte be trachtete das schöne Mädchen in dem knappen Reitkleid mit so erstaunten Blicken, als sei Jeanne seit gestern eine ganz Andere geworden. Sie war anders wie sonst, das Kind war zurück getreten, und die junge Dame entfaltete sich, seit der Koufin auf dem Schauplatz erschienen war. Die Gräfin schüttelte miß billigend den Kopf.Der Thurm gehört zum Besitzthum der Marquise de Bonat; wie werden diese Dame, die uns unbekannt ist, um keine Gefälligkeit ansprechen, entschied sie.

Jeanne wendete den Kopf und sah einen Augenblick lang d'Ormont durchdringend an; und als er fest ihren Blick er widerte, erröthete sie. Was mochte ihr nun wieder das Köpfchen durchzuckt haben? Diese Marquise beschäftigte sie ja außer ordentlich, ja gerade, wie dem Vicomte zum Trotz. Es wurde Jeanne kaum ein neugieriger Blick auf das alte Schloß gegönnt, die Gräfin winkte schon, daß man umkehren solle.

Jeanne war schweigsam während dem Diner, es gelang ihrem Kousin nicht, sie in die gewöhnliche fröhliche Laune zu versetzen. Die Gräfin erhob sich alsobald und sagte zu ihrem Sohne:Der Ausflug hat mich müde gemacht, ich will mich zurückziehen, ich wünsche, daß Jeanne und Robert mir Gesellschaft in meinem Zimmer leisten. Der Enkel erhob sich sogleich und bot seiner Großmutter den Arm, Jeanne folgte mit einem Gesicht, das, wie der Vicomte meinte, Erregung und Erwartung ausdrückte. Er folgte dem Grafen in den Salon und überlegte, ob es nicht 4 räthlicher sein werde, sich heute Abend ohne Erklärung zu ver⸗

abschieden, und es lieber bei einer leichten Anspielung bewenden zu lassen. Der Gräfin de Gatonniere Absichten traten zu deutlich hervor, mochte der Graf auch den Willen und Wunsch gehabt haben, seine Tochter nach seinem Geschmick zu verheirathen, die alte Gräfin hatte sich dem Vicomte von Anfang an schroff gegen⸗ über gestellt. Er sühlte sich gekränkt und beschloß bei seiner Durchreise den morgigen Tag in Lillebonne zuzubringen und sich den Eintritt durch de Preuil's Namen im Schlosse zu erzwingen. Zerstreut hörte er dem Grafen zu und wartete mit Ungeduld, daß er seine ausführliche Auseinandersetzung über die 1 1 des Bodens durch Rübsaat beendige, eiligst fiel er ein:Mein Vater glaubt, daß ich mich bereits eines Verstoßes schuldig ge⸗ macht, indem ich die mir so gütigst gewährte Gastfreundschaft über Gebühr verlängert habe. Sie wollen entschuldigen, Herr Grof, wenn ich, durch die sich mir entgegenstellenden Schwierig: keiten entmuthigt, anfange, meinen Zweck für verfehlt zu erachten. Graf de Gatonniere richtete sich auf und sah d'Ormont' an. Die Frau Gräfin scheint eine Gegnerin des Projekts zu sein und eine Heirath zwischen ihren Enkelkindern zu wünschen, fuhr d'Ormont hastig fort und stockte dann plötzlich, sein Verdruß sührte ihn über die Grenzen des Schicklichen. 9 Sie haben richtig errathen, dies war von jeher der Wunsch meiner Mutter, antwortete der Graf sehr ruhig. J d'Ormont fuhr hastig auf:Habe ich irgendwie Ihre Er⸗ wartungen getäuscht? fragte er stockend.Wollen Sie sagen, Herr Graf, daß Sie eine kurze Zeit lang nicht mit Ihrer Frau Mutter übereinstimmten in diesem Plane, daß ich aber nun die Anwesenheit des Herrn Barons als Ihr Eingehen auf das Projekt der Frau Gräfin zu verstehen habe? N 2 Das Einzige, was ich wünsche, ist, mich nicht mißverstehen zu wollen, sagte Graf Gatonniere mit seiner unerschütterlichen Ruhe.Mein Plan konnte nur unter der Voraussetzung aufgebaut werden, daß Sie und meine Tochter sich gegenseitig nicht miß⸗ fielen. Ich wüßte nicht, daß meine Mutter Ihnen den Anblick meiner Tochter entzogen hätte, im Uebrigen hat sie den A schauungen ihrer und, Gott sei Dank, auch unserer Zeit gem die Pflichten vertreten, die ihr durch den Tod meiner Frau gefallen. f Der Vicomte biß sich auf die Lippen, er hatte die Lekt verdient. 0 Unsere Welt gestattet nicht das sogenannte Kennenle 2 vor der Hochzeit. Ich brauche Ihnen das nicht zu erklären, Ihre psychologischen Studien werden Ihnen die Erfahrung bei⸗ gebracht haben, daß mancher Mann seine Frau nach zehnjähriger Ehe nicht kennt. Deshalb konnte es Ihnen wohl nicht einfallen, als Sie hierher kamen, bei einem siebzehnjährigen Mädchen, das fern von der Welt aufgewachsen ist, bodenlose Tiefen ergründen zu wollen. 0 9 Der Graf wurde sarkastisch in seiner gleichmäßigen Ruhe, und d'Ormont verlor die Fassung; gegen seinen Willen kam es über seine Lippen:Ich wollte nichts, wie Mademoiselle Jeanne sehen, als ich hierher kam, und Alles, was ich ergründet habe, ist, daß ich sie reizend finde. 4 Der Graf lehnte sich in den Sessel zurück und schwieg einige Augenblicke lang.Ich habe mich mit meiner Mutter verständigt, sagte er darauf;man entsagt ungern Plänen, die man lange mit Vorliebe gebätschelt hat; um sie ein für alle Mal abzuschneiden, schrieb ich an Ihren Herrn Vater; eine Heirath zwischen meiner Tochter und meines Bruders Sohn kann ich grundsätzlich nicht 4 gestatten, zudem waren die Beiden von jeher wie Geschwister. Der Vicomte erhob sich:Ich habe die Ehre, Herr Graf, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten, sagte er mit Be⸗- wegung.(Schluß folgt.) N

In der Heimalh.

Novelle von Hermann Birkenfeld.

(Fortsezung.) f

Du willst also Dein Wort nicht halten? 11 Gelassen drehte sich Steinwald eine Cigarette und steckte dieselbe in Brand, ehe er für erforderlich hielt, das schon einige Minuten geführte Gespräch mit seinem Gaste wieder aufzunehmen.