Ausgabe 
18.11.1888
 
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ließ ihr das Schicksal nur den Sohn, den einzigen, heiß geliebten ö Ahn O mache ihn glücklich, Du kannst es mit Haden ichen, zärtlichen Herzen. Das Zimmer, in dem Du sitzest, ist mein Vermächtniß für Dich; bald wirst Du die Heiligkeit der Mutterliebe empfinden und selbst ein kleines, hilfloses Wesen an Dein Herz drücken, dann laß es in diesem Zimmer, in dieser Wiege ruhen, wo auch ein Vater einst dem Leben entgegen schlummerte. [Ihr werdet das alte Haus nicht verkaufen, denn Deines Mannes Her: hängt an jedem Stein desselben, und die Liebe zu ihm wird Dich das Grauen überwinden lassen. Ich weiß, Du hast Dich nie zu mir, der alten, ernsten Frau, hingezogen gefühlt, aber nun wirst Du ahnen, daß sie Dich trotzdem in ihr Herz ge⸗ schlossen hatte; Du wirst Dein Kind die Großmutter lieben lehren. Gott segne Dich, meine Lilli, und Euer Leben im alten Hause; er lasse Dein Kind fröhlich emporblühen und zu einem guten Menschen werden, damit diese Mauern, die schon so manches Leid gesehen, von nun an nur Glück und Freude schauen. Die junge Frau faltete die Hände, ein heiliges Empfinden kam über sie. Hier in dieser Wiege sollte in künftigen Tagen ihr Kindchen träumen, hier in dem sonnigen Raum sollte sie ihm die ersten, süßen Wiegenlieder singen, und hier sie kniete nieder vor dem leise schaukelnden Korbe und verbarg ihre über itrömenden Augen in den Kissen. Mit tiefer Rührung gedachte sie der Frau, die sie so sehr verkannt, und die noch im Tode o liebreich für sie gesorgt hatte. So lag sie lange, bis sich die Thür geräuschlos öffnete:Hier ist ste, junger Herr, sprach Marinka's leise Stimme, und

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ungen für Dich birgt; nein, nein, Du sollst es auch nicht thun, ch werde es lieben lernen und glücklich darin sein. Sie sah trahlend zu ihm auf, der sie innig umschlungen hielt.Mein Weib, mein Weib, habe Dank.

Und weißt Du Ernst, flüsterte die liebe Stimme wieder, wer mir das trotzige Herz bezwungen hat? Deine Mutter! ind hier, sie zog ihn vor das blaue, duftige Wunder, und barg gas Köpfchen an seinem Herzen,hier soll es liegen und träumen, hier im alten, trauten Hause soll es spielen und aufwachsen, unser Kind.

JLose Blätter.

Zur Geschichte des Elysée. Dieser prachtvolle Palast, der sich zwischen 1 155 Elysees und der Rue du St. Honors erstreckt, stammt aus der zeit der Régence her. Ein Günstling des Regenten Philipp, ein Graf Evreux, mußte die Gnade eines Besuches dadurch erkaufen, daß er sich e des Besuchers würdiges Hötel bauen ließ. Durch diese Ausgabe gollte Philipp den Geiz seines Günstlings bestrafen. Von diesem Günst⸗ lige ging das Elysee in das Eigenthum einer Kourtisane über. Im Jahre 1748 kaufte die Pompadour, die Geliebte Ludwigs XV., das Hötel Gpreux. Dasselbe sowie die Kunst gewannen durch diesen Tausch. Boucher ud Vanloo schmückten die Wände mit ihren Meisterwerken, der Architekt ssurance brachte die nöthigen Erweiterungen an, und so erst wurde das ötel würdig gefunden, der Schauplatz jener königlichen Orgien zu sein, 0 1155 der glorreichen Erfindung des Hirschparkes vorangingen. Mit lem Einflusse wuchs auch der Ehrgeiz von Ludwigs Maitresse und wir een sie das Hötel d' Evreux verlassen, um in einem der königlichen Lust⸗ lösser von Versallles u. s. w. zu residireu. Nach dem im Jahre 1764 erfolgten Tode der Pompadour ward das tel wieder ein Bestandtheil der königlichen Domainen. 5 n Ludwig XV. wies das heutige Elysée den außerordentlichen Ge⸗ adten zur Wohnung an und machte später das garde-meuble de la aronne daraus. 15. Inm Jahre 1773 brachte der damalige Rothschild, Herr von Beaujon, det Palast käuflich an sich und trachtete demselben wieder den Glanz ück zu verleihen, den er zur Zeit der Pompadour gehabt. Ludwig XVI. kaufte im Jahre 1786 das Hötel, um es noch in dem⸗ ben Jahre der Herzogin von Bourbon zu überlassen, der Freundin e unglücklichen Prinzessin von Lamballe. Diese Dame 0 nur 1195 über in ihrem Hötel, dann vermiethete sie dasselbe. 5 5 1 e n Elysée Bourbon zu einem öffentlichen Belustigungsorte. Hier wur 5 un Bälle, Theatervorstellungen und andere Feste abgehalten. Die Ecreckenszeit machte den Festen ein Ende und das Elysse war Zeuge⸗

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Nach der be Ludwig XVI. wanderte die Herzogin von Bourbon aus und das Elysée wurde Nationaleigenthum. Wieder einige Zeit später wurde es an Herrn Hovyn und Kompagnie verkauft, um neuerdings zum Schauplatze der öffentlichen Belustigungen zu dienen. Es legte seinen stolzen Titel ab, um den anspruchslosen Namen der Weiler von Chantilly anzunehmen. Die Unternehmer dieser Feste wett⸗ eiferten mit den Siegen des Generals Bonaparte, deren jeder durch ein besonderes Fest gefeiert wurde. 5

Ein Jahr nach der Krönung des Kaisers Napoleon kaufte Murat das Elysee Bourbon an sich und ließ es restauriren in dem charakter⸗ losen Bastardgeschmack der Napoleon'schen Epoche. Nur der große Salon wurde unverändert gelassen, so wie er zur Zeit der Pompadour gewesen. Murats Gemahlin, die schöne Großherzogin von Berg, Marie Annunciata Karolina Bonaparte, verließ nach drei Jahren dieses Hötel, um den Königspalast in Neapel zu beziehen. Das Elysée war nun wieder Kron gut und Napoleon bewohnte dasselbe häufig während des Sommers. Hier verlebte Kaiser Napoleon seine glücklichsten Stunden, hier vergaß er für Augenblicke seine ehrgeizigen Pläne und lebte ganz der Kaiserin. Nach seiner Scheidung blieb das Elysée die Residenz der Kaiserin Josefine.

Im Jahre 1814 kaufte Napoleon das Elysée, welches Josefine nach einem kurzen Aufenthalte wieder verlassen hatte, wieder an sich. Zur Zeit der ersten Invasion bewohnte es Kaiser Alexander von Rußland. Nach der Schlacht von Waterloo begab sich Napoleon in das Elysée, das so reich an Erinnerungen für ihn gewesen. Am 21. Juni kam er daselbst an, um am folgenden Tage seine Entsagung zu unterzeichnen. Drei Tage später verließ er Frankreich, um sich unter den Schutz der englischen Re⸗ gierung zu begeben

Unter der Restauration machte die Herzogin von Bourbon ihre An sprüche auf das Elysée geltend. Sie wurde zurückgewiesen, erhielt aber das Hötel Monallo zur Entschädigung. Das Elysée Bourbon wurde Krongut und dem Herzog von Berry zugewiesen. Im Jahre 1816 wurden neue Verschönerungen und Vergrößerungen daselbst angebracht. Zu jener Zeit feierte der Herzog von Berry seine Hochzeit mit der Tochter des Prinzen beider Sicilien. Das Elysee war nun wieder Zeuge großer Festlichkeiten, aber schon vier Jahre später widerhallte es vom Schmerze einer unglücklichen Gattin. Im Jahre 1820 fiel der Herzog von Berry unter dem Messer Louvpels, als er eben aus der Over kam. Sein Sohn, der Graf Chambord, besaß es nun von 18201830. Seitdem bildete der Palast einen Bestandtheil der französischen Staatsdomaine; er diente 18481852 als Residenz Louis Napoleons und hat seit 1871 dieselbe Bestimmung für den Präsidenten der Republik während seines zeitweiligen Aufenthaltes in Paris.

Das Elysée hat vier Revolutionen an sich vorüberrauschen sehen es war Zeuge des raschen Steigens und plötzlichen Falles des großen Imperators.

Gewandtheit der Araber im Stehlen. Ein Araber kroch auf allen Vieren wie ein Thier in das Zelt eines Beys, legte dessen Kleidungs⸗ stücke und Waffen an und schlich sich zurück. Am Morgen, als der Bey noch schlief, ahmte er dessen Benehmen so täuschend nach, daß man ihm das Pferd desselben brachte, auf dem er, ohne Argwohn zu erregen, fortritt. Mit Erstaunen hörten eine Stunde später die Diener des Bey von ihrem wahren Herrn sich gerufen; noch mehr als seine Diener aber wunderte er sich über die Gewandtheit und Keckheit des Diebes. Vergebens waren die Bemühungen, den Dieb ausfindig zu machen; da versprach der Bey dem Diebe Verzeihung, wenn er gestehen würde, wie er es an⸗ gefangen habe, die Waffen und Kleider unter dem Kissen, worauf er ge⸗ schlafen habe, fortzunehmen. Nach einigen Tagen erschien ein Araber, erinnerte ihn an sein Versprechen und ersuchte ihn, sich auf dem Lager auszustrecken, er wolle dann versuchen, es ihm deutlich zu machen, wie er ihn bestohlen habe. Wie das erste Mal, so geschah es auch jetzt; der Araber nahm wieder die Kleidungsstücke des Bey, legte auch dessen Waffen an, und die Gebehrden desselben nachahmend, trat er vor das Zelt, wo er wiederum von den Dienern für ihren Herrn gehalten wurde. Man brachte ihm ein Pferd, er schwang sich in den Sattel, und während der Bey herzlich über die Manieren seines Nachahmers lachte, jagte dieser davon. Zu spät bemerkte der Bey, daß er nochmals um ein Pferd, Kleidungsstücke und Waffen betrogen sei. M.

Der Schatz im Kreml. In dem neuen Arsenal(Cruscheinaja Palata) im Kreml befindet sich der Schatz, in welchem die Kronen, Szepter, Throne, Waffen und Trinkgefäße der Großfürsten und Czaare Rußlands nebst andern neueren Merkwürdigkeiten aufbewahrt werden. Er bildet eine Sammlung von Kostbarkeiten, die wegen ihres zum Theil sehr hohen Alters und ihres Kunstwerthes für den Alterthumsforscher und Künstler von großer Wichtigkeit, wegen des Reichthums an Edelsteinen, mit denen sie besetzt, aber auch sür den Mineralogen von großem Interesse sind. Die Kronen ruhen auf Kissen, welche auf besonderen Piedestalen liegen; die Throne stehen an der Wand des Saales auf besonderen Erhöhungen. Die Kronen sind mit Diamanten, Rubinen, Smaragden, Türkisen und Perlen besetzt; die größten Edelsteine befinden sich gewöhnlich auf der Spitze der Kronen unter dem Kreuz. Die älteste Krone, die sich im Schatze befindet, ist die, welche der griechische Kaiser Alexius Comnenus im Jahre 1116 dem Großfürsten Wladimir nach Kiew sandte, wo sie zur Krönung des Großfürsten diente. Die Masse der Kostbarkeiten, die hier aufbewahrt wird, ist außerordentlich, und vielleicht die größte, die an einem Orte gesammelt ist, da sie noch an Werth die Schätze des Juwel Office im Tower von London, die auf zwei Millionen Pfund Sterling geschätzt werden, übertreffen soll. M. 7

N 45 fürchterlichen Scenen, die sich so blutig auf dem Platze der Re pelution entrollten.