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hatte Georg gehabt: aus der Harmlosigkeit war Klugheit ent⸗ 1655— die Klugheit der Eching. Web' ihr! e Während diese Gedanken unablässig in ihr arbeiteten, half in scheinbarer Gelassenheit der Mutter bei Ausübung der neuen Pflichten, welche die Gastfreundschaft ihr auferlegte. Sie fragte sich, ob es nicht einigermaßen ihr Unrecht sühnen dürfte, wenn sie sich gegen die Gattin des Majors recht freundlich erwiese, und sie hoffte, daß es ihr Verdienst noch ein wenig erhöhen würde, da sie bei ihren Bemühungen um die Gunst dieser Dame wenig Entgegenkommen fand. Aber noch im Laufe des Tages schwand die Eisrinde— und die sich gefügig zeigende Majorin blieb bis zum Ende des Manövers, den schmeichelnden Bitten Hedwigs, mit denen die Bürgermeisterin die ihrigen vereint, . nachgebend, in dem gastlichen Hause. Hedwig hatte der Majorin ihr eigenes behagliches Stübchen eingeräumt und sich äußerst serfinderisch und thätig in Unterbringung der jüngern Gäste erwiesen, welche sich bald mit den Kindern des Hauses eng befreundet hatten. Karl hatte sich enthusiastisch an den Studiosus an⸗ geschlossen,— dieser aber, von den kühlen Blicken Hedwigs ab⸗ geschreckt, seine Verehrung der lieblichen Josephine zugewandt. [Schneller als man es gedacht, war der Augenblick des Abschieds herangekommen,— für Hedwig zugleich die Erlösung standhaft und verschwiegen getragener Leiden, welche der Anblick des Majors immer von Neuem wachgerufend hatte. Nun schied sie von ihm mit einem festen Händedruck,— sich damit zugleich gelobend, nie wieder sich durch eine glänzende Außenseite bestechen zu lassen. — Dann noch ein Winken und ein Wehen mit Tüchern von der Veranda herab dem sich in Bewegung setzenden Wagen nach. Der Studiosus rief der heftig weinenden Josephine ein inniges: „Auf Wiedersehn!“ zu. Die Majorin beugte sich wiederholt vor: „Also im nächsten Jahre bei uns in L...“ Es war die Garnison des Majors. „Was meinst Du zu diesem Plane, Hedwig?“ fragte die Bürgermeisterin, als jede Spur der Davonfahrenden verweht war. Mit einem unbeschreiblichen Blick fixirte ste das Antlitz der Tochter. N„Sei nachsichtig gegenüber meiner großen Thorheit,“ bat Hedwig und küßte demüthig die Hand der Mutter. Diese schlang ihre Arme zärtlich um die Tochter und sagte:„Du hast dieselbe ischon zum Theil gesühnt, ich war zufrieden mit Dir, mein Kind.— Weißt Du auch, was Dir Georg hat sagen lassen?— Du siehst mich verwundert an: Ja, er ist fort. Sein Urlaub kvar noch nicht zu Ende,— aber er wollte die letzten Eindrücke Iwvohl fern von hier, im Thüringer Walde, wie ich glaube, ver⸗ vvischen lassen. Möchtest Du wissen, welche Botschaft er Dir I durch mich hinterließ, wenn Du sie hören wolltest? Sei auf⸗ nichtig!“— Hedwig senkte schweigend den Kopf.„Ich hab' es icht um ihn verdient, daß er meiner verzeihend gedenkt,“ sagte ssie leise.„Er thut es dennoch,—— Du würdest ihn über's [Fahr vielleicht besser verstehen, so hoffte er. Wär's möglich, Heda?“ Erröthend verbarg Hedwig das Gesicht an der Brust der Mutter.„Der Geburtstag des Majors hat mir die verblendeten Augen geöffnet. Und wenn die Zeit mich in ihre Schule nimmt, wird Georgs Vertrauen, das er, der Edle, trotz Allem in mich gesetzt hat, wohl noch belohnt werden,“ sagte sie flüsternd. Aber dennoch drangen die Worte mit großer, beglückender Deutlichkeit nn das Ohr der Frau Bürgermeisterin.—
Jose Blätter.
Emin Pascha und seine Befreier könnte man die Bildergruppe unter⸗ zeichnen, welche wir heute unsern Lesern vor's Auge führen, sofern es Henry Stanley und Lieutenant Wißmann gelänge, ihre kühnen Pläne wirklich auszuführen. Wir wissen, daß nach der Ermordung Gordon's
in Chartum Dr. Schnitzler, den wir jetzt unter dem Namen Emin Pascha kennen, mit einem Rest von schwarzen Truppen und wenigen weißen Gefährten, unter denen der italienische. Kapitän Casati der erprobteste ist, won den fanatisirten Schaaren des Mahdi südwärts abgedrängt wurde. Der deutsche Gelehrte sah sich mit einem Male von Aegypten und England vperlassen und rings von Feinden eingeschlossen. Die Rolle des Feld⸗ herrn und Herrschers wurde ihm aufgenöthigt und er hat es seit mehreren Fahren verstanden, eine Provinz zu behaupten, die sich von Lado am oberen Lauf des Nil bis zu den Quellen desselben, den Seebecken Albert⸗ Mianza und Muta. Nsige erstreckt. Auf die furchtbare Lage Emin Pascha's
lenkte zuerst der Afrikaforscher Dr. Junker unsere Aufmerksamkeit. Dieser 0 hatte bei ihm Schutz und Förderung gefunden und er richtete bei seiner
Rückkehr einen Aufruf an die europäischen Staaten, dem bedrängten Manne in Lago zu Hülfe zu kommen, dessen Provinz im Südosten nicht allzuweit von den im deutschen Schutzgebiet liegenden Ukerewe⸗See ent⸗ fernt liegt. Im Frühjahr 1887 rüstete Stanley, von England und Belgien unterstützt, eine große Expedition zur Befreiung Emin Pascha's aus. Vom Kongo-Gebiet nahm der Auffinder des verschollenen Living⸗ stone, der Durchquerer Afrika's, seinen Ausgang, zog hinauf zum Aruwhimi und ist seitdem spurlos mit seinen 1800 Begleitern verschwunden. Unter⸗ dessen hat sich in Deutschland eine Bewegung zu Gunsten Emin Pascha's geltend gemacht und was dem kühnen Stanley mißlungen zu sein scheint, will Premierlieutenant Wißman versuchen. Soeben hat er sein Vaterland verlassen, um einer größeren deutschen Ex⸗ pedition, die von der Ostküste Afrika's nach Wadelai ziehen soll, die Wege zu bahnen. Wißmann, welcher bekanntlich als junger preußischer Lieutenant durch Dr. Pogge nach Westafrika geführt wurde und dem es sofort in kühnem Zuge gelang, als erster Deutscher Afrika von West nach Ost zu durchqueren, ja, der diesen Weg gar zum zweiten Male zurück⸗ gelegt hat, ist wohl von allen deutschen Reisenden am ersten berufen, eine Expedition behufs Befreiung Emin Pascha's in's Werk zu setzen. Ob es ihm gelingen wird, den letzten Träger europäischer Kultur in⸗ mitten der schwarzen Niam⸗Niams und der fanatisirten Muhamedaner zu erlösen und zum Ukerewe hinzuführen, oder ob die Hülfe zu spät kommt, wird die Zukunft lehren. R. E.
Origineller Verkehr zweier Liebenden. Der englische Dichter Coleridge bemerkte während eines Spazierganges, daß der Briefträger einem Dienst⸗ mädchen einen Brief überreichte, der unfrankirt war. Die Empfängerin warf einen Blick auf die Adresse und gab dann den Brief mit dem Bemerken zurück, sie könne ihn nicht annehmen, da sie kein Geld für das Porto habe Mitleidig bezahlte Coleridge den Schilling und übergab dem Mädchen den Brief. Zu seiner Verwunderung zeigte sie weder Freude noch Dankbarkeit über diese Freigebigkeit, und als er sie fragte, ob sie denn nicht gespannt sei, zu erfahren, was der Brief enthalte, er⸗ klärte sie, es sei ihr sehr wohl bekannt, daß garnichts darin stehe. Zur Bekräftigung ihrer Angabe erbrach sie den Brief und zeigte ihm, daß sich darin nur ein leeres Blatt befand. Zugleich gestand sie ihm, daß sie mit ihrem Geliebten, der gleich ihr arm sei, verabredet habe, sie wollten sich über ihr Leben und Wohlbefinden dadurch unterrichten, daß sie sich adressirte Couverts unfrankirt zusendeten, dieselben aber nur ansähen und deren Annahme verweigerten. Diese Schlauheit der Liebe und Armuth im Verein machte dem Dichter viel Vergnügen; für unsere findige deutsche Postbehörde dürfte eine solche List schwerlich lange undurchsichtig ge⸗ blieben sein. J. H.
Rachel. Diese berühmte französische Schauspielerin erzählte aus ihrem Leben Folgendes:„Ich erinnere mich, daß ich als kleines Kind aus alten Flicken und Läppchen Puppen machte, um mit ihnen Ko⸗ mödie zu spielen. Kaum zwölf Jahre alt,; mußte ich die Wirthschaft meiner Eltern führen. Wir wohnten im sechsten Stocke eines schmutzigen Hauses in einer engen Gasse. Wenn meine Mutter, die den Tag über in der Stadt und der Umgegend Handel trieb, nach Hause kam, und die Küche nicht aufgeräumt fand oder sie sonst übler Laune war, so mußte ich es büßen. Die dicken Holzschuhe, die ich trug, drückten meine nackten Füße wund, dessenungenachtet mußte ich täglich mehrere Male an die Seine laufen und das Wasser die sechs Stiegen hinauf schleppen. Als ich fünfzehn Jahre alt war, ward ich endlich, nachdem ich manche schlaf— lose Nacht verbracht, auf der Bühne des Gymnase dramatique zu⸗ gelassen und ausgepfiffen. Ich wollte im Lustspiel auftreten und war selbst eine Trauergestalt, bleich, hager und von Hunger abgezehrt. Wäh⸗ rend ich spielte, stand mein Vater hinter den Coulissen und empfing mich mit Schlägen, wenn ich statt Beifallklatschen nur Zischen erregte. Endlich hatte ich das Glück, den trefflichen Samson kennen zu lernen; derselbe nahm sich meiner an, gab mir förmlichen Unterricht, eröffnete mir, als er mich reif glaubte, das Théatre frangçais und von der Zeit war ich ein Glückspilz.“
Geistesgegenwart. Als der Komiker L Arronge in Danzig den Schloß⸗ hauptmann in der„Preciosa“ gab, trug es sich zu, daß ihm die eine Hälfte des Schnurrbartes herunterftel. Ein schallendes Gelächter ertönte durch das Haus; doch der Schauspieler, sich schnell fassend, hebt den Bart auf und ihn wehmüthig betrachtend, sagte er kopfschüttelnd:
„—— Schade, Schade, Seit der großen Retirade, Wo ich mich zuletzt barbirt, Ist mir so was nicht passirt!“ Ein donnernder Applaus folgte dieser Improvisation. N.
Saphir sagt: Liebe und Ehe sind zwei Himmelsleitern; auf der Leiter der Liebe geht man auf der einen Seite in den Himmel hinauf, und auf der andern Seite steigt man auf der Leiter der Ehe wieder herunter.
Woher kommt der Ausdruck Ehehälfte?— Daher, weil man in der Ehe kaum die Hälfte von dem ist, was man war! Im gewöhnlichen Leben sagt man: die kleinere Hälfte— die größere;— dies ist ein un⸗ natürlicher Ausdruck und nur in der Ehe verwendbar; der Mann ist die kleinere Hälfte, und die Frau ist die größere Hälfte. NM.
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