zu den
P.uerhessischen Nuchrichten.
Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
Gießen, den 16. Dezember.
Am Christabend.
Erzählung von Lenore Werth.
o geringfügig war die Veranlassung gewesen, und so traurig Frau die morastige Straße entlang, das Herz voll zornigen Eifers, n die Folgen! Eine Meinungsverschiedenheit, gereizte Worte fest entschlossen, dem Mann ihren Groll empfinden zu lassen, der ber und herüber, zuletzt Vorwürfe und Anklagen. Dann hatte ihr so zu begegnen vermochte. Wie war er liebevoll und zärtlich ugendlich frische Mann den Stuhl heftig beiseite gestoßen[gewesen, als er sie zum Altar geführt, ste, die wohlhabende war hinausgestürzt durch den kleinen Garten auf die jetzt[Bauerntochter, die eine weit bessere Parthie hätte machen können,
zierliche Erscheinung, mit lebhaften dunklen Augen und feste Gesundheit und sein allerdings recht auskömmliches Gehalt. ich weichen Zügen, hastete glühenden Antlitzes in die Neben- Aber sie hatte nun einmal ihr Herz an den hübschen, schlanken „ Eilig schloß sie etliche Kleidungsstücke in eine Handtasche] Mann verloren gehabt, batte den vermöglichen Pächterssohn ver⸗ rüstete sich zum Ausgehen, als ob ihr der Boden unter den schmäht und sich den Mann ihrer Liebe von den Eltern ertrotzt. n brenne. Und das war nun der Dank.— r Tag war grau und regnerisch; schwere Tropfen rannen Die Stelle war erreicht, wo der Weg sich abzweigte; hinter matten Fensterscheiben herunter; qualmiger Nebel braute ihr, in qualmigem Dunst gehüllt, lag die kleine Stadt, an derem den sumpfigen Wiesen und breite Wasserlachen machten die Ausgange auch ihr bisheriges Heim lag; vor ihr, in der von e beinahe ungangbar. Wie häßlich und unbehaglich Alles grauen Nebelschleiern umwobenen Thalmulde lag das Gehöft ihres raußen, wie wohnlich und traut hier drinnen in dem kleinen, Vaters. Einen kurzen Moment blieb sie zögernd stehen— wenn sauberen Gemache!— Am Tische, der noch die Reste des Mittags- sie dennoch wieder umkehrte?— bei den Eltern würde sie gewiß mahles trägt, sitzen zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, und willkommen sein, doch entbehrte man sie dort auch nicht— Mann drücken sich verschüchtert, ängstlich aneinander; die ungewohnten und Kinder aber bedurften ihrer nur zu sehr. Aber ihr Mann lauten Worte haben die armen Dinger erschreckt. hatte ihr Unrecht gethan, sie bitter gekränkt; sie wollte und mußte Beim Anblick der rothwangigen Lockenköpfchen stockte Lisa ihn wieder kränken, mochte ihr selbst das Herz auch noch so wehe Dormann's Fuß, das Herz krampft sich ihr zusammen, und un⸗ dabei sein; finstern Antlitzes schritt sie in den Nebel hinein. willkürlich lösen ihre Hände das bereits geknüpfte Hutband wiede... Augenblick nur, dann erwachte der Trotz in ihr. Es war Langsam und eintönig gingen die Tage auf dem einsamen böses Wort gewesen, das der Vater dieser Kinder vorhin ge- Bauernhofe dahin. Die alten Leute waren froh gewesen, die chen.„So geh', wenn Du magst; ich halte Dich nicht!“— Tochter wieder zu haben, und die Mutter hatte besonders Lisa's wohl, sie will auch gehen und sich vorher nicht erst weich] Thun vollkommen gerechtfertigt gefunden. Lisa selbst aber fühlte achen lassen. sich nicht mehr zu Hause im alten Heim; als Mädchen hatte sie Mit zitternder Hand fährt sie noch einmal über die zarten so fröhliche Tage dort verlebt, hatte lustig umher gewirthschaftet Blondhaare der Kinder, heißt sie mit verschleierter Stimme sich in Haus und Hof und dazu gesungen wie eine Lerche. Aber die ruhig verhalten, bis der Vater zurückgekehrt sein werde; dann, alten Zeiten waren vorüber, und Lisa's Interessen seither andere ohne Abschiedskuß, ohne ein zärtliches Wort, verläßt sie Stube geworden. Oede und traurig schien ihr die Heimath ihrer Jugend, d Haus— sie will ja stark und entschlossen bleiben.— fund doch war diese die alte geblieben; nur Lisa war verändert Wie sie den kleinen, winterlichen Garten durchschreitet, trifft dahin zurückgekehrt, und die Sehnsucht nach dem eigenen Herde, 4 ge mit dem heimkehrenden Gatten zusammen— überrascht blickt nach ihren Kleinen, die sie so schnöde verlassen, nach dem Manne, dieser auf, und seine Züge verfinstern sich.
„Du hast mich ge ißen, wohlan ich gehe—“ hinaus in den frühen Dezemberabend und blickte starren Auges 5 a en 1 8 5 5 0 9 15 Auf Deine den Weg hinauf, den sie vor wenig Tagen so trotzigen Sinnes Verantwortung!“ dahergekommen. O, wenn sie jenen Tag aus ihrem Leben hätte Auf meine Verantwortung!“ streichen können! Ob ihr Gatte nicht doch einmal kommen würde, Kein Lebewohl— in Groll und Bitterkeit gehen sie von sie in sein verödetes Heim zurückzuholen? Ob er nicht wenigstens einander, deren Herzen bisher eins gewesen. 5 d eine Botschaft schickte, ein Lebenszeichen von sich gab? Und Lisass elterliches Haus, ein kleines Bauerngut, liegt über eine während dessen lobte drinnen in der wohldurchwärmten Stube Wegstunde entfernt; der Weg ist durchweicht und schwer gangbar; die Mutter der Tochter stolzes Herz. 5 mühsam, im unaufhörlich niedertropfenden Regen, watet die junge„Sie hat recht gehandelt, und es stände dem rauhen Mann
m liegende Straße; und die junge Frau, eine noch mädchen- als den unbemittelten Steiger, der nichts besaß, als seine kern
N dem trotz allem ihr ganzes Herz gehörte, ließ sie ihr jetziges D 82„Ich gehe zu meinen Eltern zurück,“ erklärt sie harten Tones, sein wie eine schwere Last empfinden.— So schlich sie wohl
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