Ausgabe 
15.7.1888
 
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Steinfliesen vor der Glasthür der Offizin ließ ihn von dieser Arbeit aufschauen. Auch Sophiechen sah sich um.

Was der nur hier will!

Zwei Seelen und ein Gedanke!

Sind Sie mit ihm in die Stadt gefahren, Sophiechen?

Alexander seufzte auch dieses, er war eben mal so im Zuge. Dem kleinen drallen Dienstmädchen aber hätte man kaum zu trauen sollen, daß ihm ein so grundschnippisches Gesichtchen, wie es jetzt aufsetzte, überhaupt zu Gebote stand.

Mit dem! Dann schwieg sie eine Weile, während welcher der junge Pharmazeut nachdenklich mit dem schwarzmähnigen Haupte nickte.Der ist zu Pferd gekommen. Mit dem fahre ich nicht, und wenn Er kommt mir so leicht nicht wieder. Und bliebe ich nicht unserer armen Frau wegen bei ihm, ich wäre längst anderswo.

Schruller den rauhtönenden Namen trug er übrigens mit Wehmuth, konnte aber doch nicht dafür, er hatte ihn einmal so von seinem würdigen Vater, dem fürstlichen Oberförster Schruller in Südhorn, geerbt Schruller hatte mittlerweile die Papier- kappe der Phiole beschnitten und schwenkte letztere, säuberlich eingewickelt, graziös über die Theke.

Ach ja, Sophiechen, es giebt Menschen

Sophiechen schien derselben Ansicht. Es giebt ja auch wirk lich welche. Doch während sie nickte, war sie puterroth geworden.

Und Alexander's Gesichtsfarbe suchte es der ihren gleich zu thun.

Hallunke! Mörder! murmelte er, als er, allein in der Apotheke, ingrimmig in einen Porzellantiegel hineinrieb.Aqua destillata hundertundfünfzig, Ammonium chloratum fünf o, dies Engelswesen! Suceus liquiritiae diese mater dolorosa in ihrer anmuthigsten Gestalt! Tartarus stipiatus Und dieser kalte, rohe Patron! Zweistündlich einen Eßlöffel voll. Oh!

Schließlich war die Mixtur fertig, und er wühlte zur Ab wechslung wieder in seinem Haar. Allerlei Fragmente aus seinem lyrischen Gedächtnißvorrath kamen ihm in den Sinn:Gieb, Räuber, aus dem Felsverließ die Tochter mir zurück ja so, das paßte nicht.Es waren zwei Königskinder er war allerdings keines. Aber sie für ihn war sie mehr als eine Prinzessin. Sein Abgott!

Alexander Schruller sank auf einen Stuhl und überließ sich dumpfem Schmerze. Wenigstens so lange, bis er aus seinen Träumen in die rauheste Wirklichkeit versetzt wurde.

Für zehn Pfennig Pommade, verlangte eine Küchenfee. Heute war ja Samstag.

** 5

Was der nur hier will! hatten Sophie und Schruller gefragt.

Was der nur wollte? fragte etwa eine halbe Stunde später auch des letzteren Prinzipal Pförtner, als er von einem kurzen Ausgang heimkehrte und sein Freund Wolf ihm mittheilte, Fritz Steinwald sei dagewesen.

Fritz Steinwald! Sieh da, sieh da! Natürlich ganz Landadel, ein bischen Nonchalance im Anzuge, etwas Stallduft Reit peitsche Schnurrbart keck hochgewichst übrigens außer ordentlich interessirt den lieben alten Schulkameraden wieder zusehen. Immer noch der Alte Unverbesserliche.

Er lud zu morgen ein.

Pförtner hatte einem Wandschranke zwei Gläser entnommen und war im Begriff gewesen, sich und dem Freunde zu einem Tropfen Sherry zu verhelfen; nun hielt er erstaunt mit Ein schenken inne.

Wen? fragte er.

Nun, Dich und mich.

Der Apotheker schob dem Freunde sein Glas hin.

Wohl bekomm's. 5

Was? Der Wein oder die Einladung?

Beides!

Ich hatte gehofft, Du wärest mit von der Partie. Pförtner setzte gerade sein Glas ab und verzog das Gesicht, sei der Wein zu feurig für seine Nase.

Wohl bekomm's! sagte er noch einmal.A propos die Cigarren stehen ja wohl dort in der Ecke? Kann sie Dir

als

5 5 75 Der Andere bemerkte den flüchtigen Schatten nicht, welcher dabei über des Freundes Stirn huschte.. Ich habe angenommen. Für meine Person wenigstens, sagte er nach einer kleinen Pause, während welcher er die an- gebotene Havannah angezündet hatte. 1 Pförtner machte die gleichgültigste Miene von der Welt. So fährst Du eben hin. 9 Ich soll also in der That allein 5 Nun war's für Karl Ludwig Pförtner gerade genug, er warf daher seine urwüchsige Figur unter vernehmlichem Krachen sämmtlicher Sprungfedern in das verschossene Junggesellen- Kanapee. f 1 Herrgott, ja! Beißen wird Dich ja wohl Niemand dort. Ich für meine Person freilich danke gehorsamst; Fritz Steinwald, Rittergutsbesitzer pp., war nie meine Passion. Meine, auch Du müßtest noch von der Sekunda her den liebenswürdigen, glatten Kerl in gutem Andenken haben. 2 Du hast doch später noch mit ihm verkehrt? 1 Wer sagt das? fragte der Apotheker schnell, fast rauh. Dann verbreitete er eine solide Wolke blauweißen Rauches um sein Haupt. 3 Steinwald selbst. Er bedauerte, Dich so lange nicht mehr draußen gesehen zu haben. f Nun lachte Pförtner laut auf. Vergoß er nicht gleich ein paar Krokodilsthränen dazu? Hat allerdings seine Richtigkeit, habe'mal mit ihm verkehrt. Verstehst Du? Ich habe. Zur Zeit stehe ich nun, einfach gar nicht, mit ihm. Sehne mich auch nicht danach. Aber er scheint es zu wünschen. 2 Wird seine Gründe haben, brummte Pförtner und trommelte auf der steifgebogenen Sophalehne Generalmarsch. Wenigstens lud er Dich nicht minder herzlich ein als mich auch seine Frau würde sich freuen, Dich wiederzusehen. Können angenehmere Gesellschaft finden, wenn sie wollen. Frauenunterhaltung war nie meine Force. 1 Es handelt sich hier doch nur um eine Frau, Hedwig Steinwalds Gattin, wandte Wolf Lützel leicht ein. 1 Na ja. Und Du kennst sie ja von früher, fällt mir eben Wirst Dein blaues Wunder erleben. Lützel fühlte, das Gespräch war auf prekäres Terrain hinüber⸗ geführt, und das Blut schoß ihm in's Gesicht, trotz seiner dreißig Jahre. Deshalb entging ihm die Bitterkeit, mit welcher sein Freund die letzten Worte hingeworfen hatte, trotzdem daß gerade diese sein Interesse erregten. Wie meinst Du das? fragte er. Schruller stand auf, wie um das Zimmer zu verlassen. 6 Ich meine gar nichts, alter Junge. Er klopfte demalten Jungen biderb auf die Schulter und fügte mit ernstem Gesicht hinzu:Geh hin und sieh! Bei Deinem Interesse für die Fa milie, das ich allerdings nur halb erklärlich finde a Die blonden, kräftigen Brauen Wolf Lützels zogen sich zu- sammen. Auch er stand auf und starrte schweigend auf den Marktplatz draußen hinab. Juteresse! murmelte er.Schließlich kümmern mich die ganzen Südhorner Verhältnisse blutwenig, schloß er dann lauter, und Pförtner nickte dazu.Aber ich habe einmal Fritz Stein⸗ wald versprochen, morgen hinüberzufahren, er will meinen Rath wegen seiner Brennereianlage. Der Apotheker that einen leisen Pfiff. Daher bläst der Wind! Ein Steinwald ohne seinen reellen Zweck zum Handeln wäre ein Unding. Und Du nimm mir's nicht übel, aber so'n Bischen prickelt's Dich doch, als Autorität aufzutreten, wenn's auch nur in einer Gährbottich⸗Angelegenheit wäre. Fahr' zu! 2 Noch einmal bat Lützel den Freund, mitzufahren. um einen plausiblen Grund zu früher Heimkehr zu haben.! Steinwald's Frau. Weiß bislang von der Einladung ihres Gatten gar nichts. Er sprach so aufrichtig, so freundschaftlich; seit einiger 3 habe er leider Eure Kirchberger Gesellschaft etwas vernachlö Pförtner brummte etwas wie:Kein Fehler! Du sprichst mit einer Bitterkeit

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ein.

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4 empfehlen. Mehr als den Besuch bei Steinwalds.