Ausgabe 
8.1.1888
 
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werden. Er dachte einen Augenblick nach.Ihnen, Herr Lieutenant, habe ich dabei die Hauptrolle zugedacht, begann er dann, mich scharf fixirend, auf's Neue. f

Mir?! fragte ich erbleichend, von jähem Schrecken erfaßt.

Um Gotteswillen, Herr Oberst, das kann doch nicht Ihr Ernst ein! lNicht so laut! verwies er streng.Und warum denn nicht? Sie sind die geeignetste Person dazu; man ist es ja ge⸗ wohnt, Sie stets in Gesellschaft der Komtesse zu sehen, Sie können sie daher am leichtesten unauffällig überwachen und ihr folgen, wenn es nöthig werden sollte. Zudem will ich Ihnen Gelegenheit geben, Ihren Fehler von vorhin, wo Sie meine dienstliche Frage einfach mit einer Lüge zu beantworten versuchten, wieder gut zu machen.

In meinem Innern tobte ein heftiger Kampf. Das Ver langen, das mir aufgedrungene Rachemittel zu ergreifen, stritt mit dem Widerwillen, den das Häscheramt mir einflößte.

Herr Oberst, ich fühle mich außer Stande, Ihrem Verlangen zu entsprechen, rang es sich endlich von meinen Lippen.

Ju den Augen des eisernen Mannes flammte es drohend auf.

Subordination, Herr Lieutenant! herrschte er gedämpften Tones.Wenn Ihr Oberst befiehlt, haben Sie einfach zu ge horchen, einerlei, ob Ihnen das unangenehm ist oder nicht, ver standen? Noch einmal: werden Sie gehorchen oder nicht!

Das war allerdings deutlich. Solcher Sprache gegenüber blieb mir keine Wahl.Zu Befehl, Herr Oberst! preßte ich mühsam zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor.

Das ist Ihr Glück! Von Ihrem Eifer in der fraglichen Angelegenheit wird es abhängen, ob ich höheren Orts Anzeige von Ihrem Benehmen mache oder nicht.

Ruhig, als ob nichts vorgefallen, begann er dann, mir Ver haltungsmaßregeln zu geben.

Zunächst stellen Sie gänzlich unbefangen der Komtesse ihr Eigenthum zurück, gebot er,ohne selbstverständlich mit dem leisesten Hauch Ihre Kenntniß des Inhalts zu verrathen, und halten sich im Uebrigen möglichst an ihrer Seite. Natürlich wird sie versuchen, wenn die Stunde des Rendez-vous gekommen, sich unter irgend einem Vorwand aus dem Saal zu entfernen. Sie haben ihr alsdann verstohlen zu folgen und sobald der Be treffende sich zeigt, mittels dieser Signalpfeife die Wache herbei zurufen, die ich durch die Ordonnanz bereits unweit des Schlosses an das Ufer beordert habe. Mit Hülfe derselben wird es Ihnen leicht gelingen, den Rebellen lebend oder todt in Ihre Gewalt zu bekommen.

Zu Befehl, Herr Oberst, erwiderte ich abermals, indem ich

zugleich den dargereichten Gegenstand in meiner Uniform verbarg.

Sie haften mir für pünktlichste Vollziehung aller meiner Befehle, fuhr ex fort.Ist die Hauptsache geschehen, so kehren Sie mit Ihrem Gefangenen unverzüglich nach dem Schlosse zu rück, dessen Ausgänge Sie zu besetzen haben. Das Weitere werde ich dann selbst in die Hand nehmen. Nun noch Ihr Ehren wort, daß Sie sich nicht etwa in einer romantischen Anwandlung beikommen lassen werden, irgend eine Warnung direkt oder in direkt an die Komtesse oder einen der Ihrigen zu richten!

Ich gab es, diesmal ohne Weigerung; hatte ich doch gesehen, daß eine solche mir hier nichts half.

Der Oberst nickte befriedigt.So, nun gehen Sie, ich ver lasse mich auf Ihre Ehre!

In den Hauptsaal zurückkehrend, sah ich sogleich Komtesse Wladislava in sichtlicher Erregung auf mich zueilen.

Ihr Anblick gab mir einen Stich in's Herz. Nie meinte ich sie so sinnverwirrend schön gesehen zu haben, als mit diesem Ausdruck rührend hülfloser Angst in den wundervollen Augen, der Augst, die einem Anderen galt.

Ich habe etwas verloren, Herr Lieutenant, Werth, bebte es von ihren Lippen, als sie mich erreicht.Ein Notizbuch es muß mir vorhin beim Losnesteln des Kleides entfallen sein; ich habe aber vergebens unter den Lorbeerbäumen gesucht. Haben Sie vielleicht etwas gefunden?

Ich biß die Zähne zusammen unter dem süßflehenden Blick der dunklen Veilchenaugen. Es wurde mir unsäglich schwer, die mir aufgezwungene Rolle zu spielen. 8 Ich bin glücklich, Komtesse, Ihnen einen kleinen Dienst

das mir von

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leisten zu können, sagte ich unter Aufgebot all meiner Selbst⸗ beherrschung,hier ist der vermißte Gegenstand. Und das Notiz⸗ buch hervorziehend, überreichte ich es ihr mit einer Verbeugung.

Sie griff hastig darnach mit einem wie aus tiefster Brust kommenden:Gott sei Dank!

Ihr Blick suchte den meinen, unsicher, wie in banger Frage. Ich errieth, was in ihr vorging und was sie doch nicht auszu⸗ sprechen wagte:Ob kein Auge'den Inhalt gelesen! Das war es, was sie quälte.

Ich hätte ihr gern eine Beruhigung gegeben, aber ihr sagen, Aug' in Auge, was doch eine Lüge wäre nein, das konnte ich nicht, so weit reichte weder meine Selbstbeherrschung noch meine übernommene Pflicht. So that ich denn, als ob ich die stumme Sprache ihrer Blicke nicht verstünde und versuchte, ein unbefangenes Gespräch anzuknüpfen.

Wo waren Sie nur so lange? Ich habe Sie überall ge sucht, unterbrach sie mich nach einer Weile.

Wie würde mein Herz noch vor Kurzem aufgejauchzt haben bei dieser Frage, die mir jetzt nur ein bitteres Lacheln entlockte, konnte ich mich doch über ihren Ursprung keinen Illusionen hin geben.Ich wurde leider im Klaviersalon von unserm Obersten, welcher ein leidenschaftlicher Musikliebhaber ist, festgehalten, er widerte ich mit möglichster Unbefangenheit.Komtesse können versichert sein, daß ich die Minuten zählte, bis ich wieder in Ihre Nähe zurückkehren durfte.

Das Kompliment glitt völlig eindruckslos an der sichtlich nur von einem einzigen Gedanken Beherrschten ab.

Ich hörte, der Herr Oberst habe eine wichtige Meldung erhalten, und glaubte seine Gedanken daher mit ganz anderen Dingen beschäftigt, warf sie hin. Die Bemerkung sollte harm los klingen, aber ich hörte doch deutlich das Zittern ihrer Stimme.

Es muß wohl nichts von Bedeutung gewesen sein; wenigstens zeigte er ungetheiltes Interesse für die Musik, gab ich zurück.

Welch' unsägliche Anstrengung jedes der leichthin gesprochenen Worte mich kostete! Ich meinte, das schöne Geschöpf an meiner Seite müsse mir meine Empfindungen von der mit Angst schweiß bedeckten Stirn ablesen; aber es schien wohl, daß ich meine Rolle vorzüglich spielte, denn ich sah, wie sie heimlich erleichtert aufathmete. Arme Wladislava! Trotz all meiner qual vollen Eifersucht fühlte ich wider Willen eine Regung brennenden Mitleids mit ihr.

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Frauen Zeitung.

Die Mode.

Die Herrschaft der Mode erstreckt sich zwar bekanntlich über die gesammte Frauenwelt, jedoch unterwerfen sich die Einzelnen ihrem Einfluß mehr oder minder willig, mehr oder minder schuell. Zwischen der Weltdame, die be ständig auf Neuheiten Jagd macht, und deren Hauptbeschäftigung es ist, die noch kaum erschienenen Moden zur Schau zu tragen, und der guten Hausfrau, der wichtigere Dinge am Herzen liegen, die dem allmächtigen Einfluß der Mode nur allmaͤlich nachgiebt und ihr nur von fern folgt, besteht sicherlich ein großer Unterschied. Aber es ist blos ein Unterschied von Graden und Abstufungen; im Grunde bleibt die Sache ziemlich dieselbe. Die Eine schwört auf die Mode, die Andere tadelt sie und gehorcht ihr nur widerwillig, kann ihr aber schließlich ebenso wenig widerstehen wie die Erstere. So herrscht denn die Mode über Alle als unumschränkte Gebieterin, und jede ihrer Schöpfungen, ja sogar ihrer Uebertreibungen, hat ihre Saison des Triumphes.

Der Jahreszeit entsprechend ist das Pelzwerk gegenwärtig sehr gesucht, und die Mode neigt demselben eine so große Gunst zu, wie es deren sich wohl selten hat rühmen können. Nicht allein, daß es zu dem traditionellen Muff, dem Stehkragen oder der Boa, zum Besatz wie zum Futter der Mäntel dient, man wendet es auch zur Verbrämung der Kleider, namentlich derjenigen aus Tuch, an, desgleichen 1 Garnirung von Hüten wie zu diesen selbst. Man ist ein wenig auf das hellere Pelzwerk zurückgekommen, wie: Blaufuchs, Silberfuchs, den natürlichen, sehr schöͤnen Niber, Fhinchilla, doch gehören diese Arten, ebenso wie der Zobel und die tamschadalische Seeotter ihrer hohen Preise wegen dergroßen Mode an. Im Uebrigen bleiben die etwas geringeren, immerhin noch wohl zu schätzenden Sorten von See⸗ otter, ferner schwarzer(gefärbter) Biber und der echte Astrachan, ebenfalls in Schwarz, als elegantes Pelzwerk beliebt und modern. Auch Iltis, Siberienne lein hübscher, schwarzer bann schwarzer Bär, Opossum, Luchs werden getragen, ferner viele Nachahmungen von edlem wie von gewöhn⸗ licherem Pelzwerk, welchen man durch die Kunst des Färbens den Schein