Ausgabe 
7.10.1888
 
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327.

ganz vereinsamt, ihre Bonne hat für diesen Abend sich Urlaub erbeten und würde ich Ihnen dankbar sein, wenn Sie sich der Kleinen annehmen und sie beaufsichtigen wollten.

Ich erklärte mich sehr gern bereit, obgleich ich ein Gefühl der Demüthigung bei der mir zuertheilten Aufgabe nicht unter⸗ drücken konnte. Immerhin war ich aber froh, mich ihr nützlich machen zu können. Empfand ich doch bereits die Güte dieser Frau peinlich und hätte gerne das Nessushemd abgestreift, welches sie mir mit ihrer Protektion angezogen hatte.

Ich trat jetzt an den Weihnachtstisch der kleinen Elfriede. Ein wahrer Bazar von Geschenken war hier aufgebaut.Ihr Vogel ist mir doch das liebste Geschenk! versicherte sie mir und schmiegte sich zärtlich an meine Seite.

Ich hoffe, Elly, sagte eine Stimme hinter uns,daß Du ihn auch nicht vernachlässigst und Deiner Bonne die Sorge um ihn überläßt! f

Gewiß nicht, Papa! betheuerte das Kind.

Es war sehr gütig von Ihnen, der Kleinen diese Freude zu machen. Die Gabe ist nur zu groß!

Ach, er ahnte nicht, wie groß sie war, wie ich mit ihr meinen einzigen Freund fortgegeben hatte. Und doch, es war gut, daß ich es gethan! Die Sorge, der Klang meiner Stimme, möchte Erinnerungen in ihm wecken, hieß mich ihm eine leise, kaum verständliche Antwort geben. Er trat zu meiner Erleichterung wieder von dem Tisch zurück und überließ mich der Unterhaltung seines Kindes. Die Kleine, vereinsamt wie ich inmitten der Gäste ihrer Eltern, die sich wenig um das unschöne blasse Kind kümmerteu, mochte mit dem feinen Instinkt des Kindes fühlen, daß ich in gleicher Lage war und nicht viel Berücksichtigung fand. Mit altkluger Freundlichkeit übernahm sie, so zu sagen, meine Protektion, machte die Diener aufmerksam, wenn sie bei den herumgereichten Erfrischungen mich übersehen oder absichtlich übergangen hatten. Bei Tische saß ich an dem untersten Ende der Tafel, entfernt von der Hausfrau und dem Hausherrn, neben ihr und hatte Zeit, zwischen den Bemerkungen des Kindes meine eigenen Beobachtungen zu machen. Die Tafel wies einen un⸗ gewöhnlichen Reichthum an Silber und kostbarem Service auf, die Zubereitung der Speisen entsprach aber diesem Reichthume nicht und auch die zahlreiche Dienerschaft war schlecht eingeschult. Die Pausen zwischen jedem Gericht erschienen mir ungewöhnlich lang, ebenso die Pausen in der Unterhaltung. Erst allmählich kam sie mehr in Gang, nachdem sie wie ein ungeübter Schlittschuh⸗ läufer erst mehrere verunglückte Versuche gemacht. Ich empfand es mit heimlicher Befriedigung, daß ich auf diesem Glatteise nicht zu Hause war, und kam mir wie ein abgeschiedener Geist unter den geputzten Menschen vor. War ich nicht auch nach alledem, was ich aufgegeben, unwiederbringlich verloren hatte, ein zum einsamen Erdenwallen verurtheilter Geist?

Als die Tafel aufgehoben wurde, ergriff ich dankbar den Wink der Hausfrau, ob ich mich etwa zurückzuziehen wünschte, ich sehe blaß und müde aus. Die Kleine, welcher ich ein so freundliches Interesse geschenkt, müsse nun auch zu Bett gehn.

Ja, ich war erschöpft, furchtbar erschöpft, bei aller Resignation blieb doch die unter so bedrückenden Verhältnissen fremdartige Begegnung mit dem Mann meiner ersten und einzigen Liebe eine überwältigende, und kostete es mich meine ganze Seelenstärke, um meine Rolle als geduldeter und überflüssiger Gast durchzu⸗ führen. Ich verabschiedete mich von Frau v. S.. von der übrigen Gesellschaft war das nicht nothwendig. Es hatte mich außer Herrn von S.... keiner beachtet, am wenigsten der Hausherr.

Noch eins, ehe wir uns trennen! bemerkte seine Frau. Assessor L.... hat mich beauftragt, Ihnen, liebes Fräulein, das Honorar für einen Monat vorauszuzahlen. Still bitte keine Ablehnung, keinen Dank. Ich sehe, Sie weinen! Jetzt muß ich Sie selbst bitten, sich zurückzuziehen, für profane Augen taugen Thränen nicht! Damit geleitete sie mich nach der Thüre, drängte Elly, welche mit mir hinaus wollte, ungeduldig zurück, gab einem Diener einen Wink, mir mit dem Licht hinauf⸗ zuleuchten und entließ mich mit freundlichem Händedruck.

(Fortsetzung folgt.)

und wenn nicht schön, fiel ihre zierliche Figur,

Jose Blätter.

Kronprinz Konstantin von Griechenland und seine Verlobte, Prin⸗ zessin Sophie von Preußen.(Siehe Illustration.) Als Kaiser Friedrich auf seinem Schmerzenslager den Tod herannahen fühlte, legte er seiner Tochter Sophie die Hand auf den Scheitel und nahm Abschied von ihr mit den Worten:Bleibe so gut und fromm, wie Du bisher warst. Die Prinzessin hat sich bekanntlich am 3. September dem Kronprinz Kon⸗ stantin von Griechenland, Herzog von Sparta, verlobt. Man weiß, daß Kaiser Friedrich die Herzensneigung seines Kindes gebilligt hat und daß die Verlobung nur aus Rücksicht auf den besorgnißerregenden Zustand des unvergeßlichen Dulders verschoben worden war. Prinzessin Sophie ist am 14. Juni 1870 zu Berlin geboren, also in der Zeit, da ihr Vater auszog, um für Deutschlands Größe und Einheit zu kämpfen. Als man ihr die ersten Wiegenlieder sang, trafen die glänzenden Siegesberichte in Deutschland ein, in denen der Name ihres Vaters eine hervorragende Rolle spielte. Die Prinzessin wuchs unter der sorgsamen Pflege einer liebe⸗ vollen Mutter fröhlich auf und zeigte früh große Anlagen für das Studium fremder Sprachen. Man rühmt ihren Sinn für die Reize der schönen Natur und ihre Herzensgüte. Kaiser Wilhelm nannte dies sein Enkel⸗ kindunsere kleine Weisheit. Als der junge Herzog von Sparta im Kreise ihrer Familie erschien, faßte sie zu demselben bald eine tiefe Herzens⸗ neigung. Die schweren Leiden des Vaters warfen freilich einen Schatten auf ihren Liebesfrühling. Der griechische Thronerbe nahm den innigsten Antheil an dem Weh und der Trauer seiner Braut und das gemeinsame Leid kettete die Herzen fester aneinander als die Freude dies vermag. Kronprinz Konstantin ist am 2. August 1868 geboren. Nachdem er in seiner Heimath eine sorgfältige Erziehung genossen, kam er nach Deutsch land, um in Leipzig seine Studien fortzusetzen und sich mit der preußischen Armee näher bekannt zu machen. Man rühmt die Freundlichkeit und Güte des Kronprinzen, sowie dessen innige Sympathien für Deutschland. Möglich, daß derselbe sehr bald in seiner sonnigen Heimath den Thron ee Dann wird die deutsche Kaisertochter als Königin in Athen einziehen.

der die Verlobten sterbend gesegnet hat. R. E.

Die Prinzessin Eboli ist von Schiller im Don Carlos nicht nach der Geschichte gezeichnet worden. Anna de Mondoza gehörte einer hoch stehenden Adelsfamilie an, die auch durch Reichthum glänzte. Verwöhnt durch die Liebe der Eltern, hatte sich ihr Stolz und ihre Energie schon in der Jugend entwickelt. Sie war eine Freundin ritterlicher Uebungen, als sie früh an den Hof Die Blässe ihres Gesichtes, das sich durch hohe Stirn und glänzende Augen auszeichnete, kontrastirte mit dem tiefschwarzen Haar. Der Günstling Philipps II., Rui Gomez de Silva, Fürst von Eboli, schwärmte bald für sie, so daß er ihr seine Hand reichte. Auch die Königin Elisabeth fühlte sich von ihrer Persönlichkeit wie durch ihren Witz angezogen. Sie führte eine glückliche Ehe, in der sie ihrem Gatten zehn Kinder schenkte. Ihr Glück wurde aber 1558 getrübt; denn in diesem Jahre starb ihre königliche Freundin und ihr Gemahl, worauf sie sich in ein Kloster zurückzog; doch kehrte sie nach drei Jahren an den Hof zurück und trat die Vormundschaft ihrer Kinder an. Ausgezeichnet durch die Gunst des Königs, zog das Herz sie zu dem jungen Staatssekretär Don Antonio Perez hin, ein Liebesverhältniß, das ihren jähen Sturz 1579 herbeiführke. Durch Eifersucht gereizt, kehrte sich der ganze Grimm des Monarchen gegen die Fürstin Eboli. Sie wurde beschuldigt, an den Intriguen gegen Don Juan d' Austria, den Halbbruder Philipps, thätigen Antheil genommen zu haben. Sie wurde eingekerkert und in einen jahre⸗ langen Prozeß verwickelt, dann zwar aus dem Kerker freigelassen, doch auf eines ihrer Schlösser verbannt, wo sie in halber Gefangenschaft ihr Leben beschloß. Der spätere Herzog von Pastrana galt allgemein für ihren und des Königs Sohn. W. G.

kam, allgemein auf.

Auch eine Grabschrift. Auf einem Londoner Kirchhofe befindet sich folgende Inschrift eines Leichensteins, die sich ein dortiger Chemiker selbst verfaßt hatte:Hier ruht, sich einzubeizen, zu amalgamiren und dem Staube zu vereinen, der Bodensatz von John William Warnley, dem Chemiker. Das Leben war für ihn ein düstres Laboratorium, wo er das Elixir seines Daseins weder feststellen, noch sondern, noch dehnen konnte. Seine Hoffnungen verdampften wie der Merkur im Feuer; er fand wenig Silber und konnte es nie zum Goldmachen bringen. Er war auf dem Punkte, das arcanum vitas zu finden, als seine Grund-Prinzipien sich plötzlich auflöseten und das Radikal⸗Fluid sich bis auf das letzte Tröpfchen erschöpft zeigte. Er sah die flüchtige Quintessenz, die 65 Jahre lang luft⸗ dicht in der Retorte seines Körpers verschlossen gewesen, verdunstet. Möchte sie geläutert und abgedampft in ihrem natürlichen Rezipienten, dem Himmel, Platz finden! N.

Auslegung nach dem Grundtext. Der König Gustav Adolph begegnete in Sachsen einem Prediger zu Pferde, und sagte:Herr Pastor! es heißt ja: Gehet hin in alle Welt, und nicht: reitet, das ist gegen die Bibel. Ihro Majestät, erwiderte der Prediger,halten zu Gnaden, im Grundtext steht: Sehet zu, wie ihr fortkommt. M.

Dem Könige Jakob I. von England setzte sich eine Fliege auf die Nase.Ich babe drei Königreiche, rief er,kannst du darin keinen andern Platz finden, als auf meiner Nase? NI.

Möge dort das junge Paar im Geiste des Fürsten walten,