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zu den

5 Oberhessischen Uachrichten.

Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.

auf der weiten Welt.

Gießen, den 5. August.

Die Erbschaft der Tante. Novelle von Max Ring.

Im wilden, unversöhnlichen Haß trennten sich die feindlichen Schwestern und noch an demselben Tage verließ die Amtsräthin, ohne Abschied zu nehmen, ihre bisherige Wohnung mit ihrer alten mürrischen Dienerin und dem geliebten Zampa, um in das erste Hötel der Stadt zu ziehen, wo auch sogleich der von ihr benachrichtigte Herr von Schmielinski mit einem frischen Blumenbouquet erschien und die verlassene Wittwe tröstete.

Jetzt, klagte sie,habe ich außer Ihnen keinen Menschen Aus Liebe für Sie habe ich meine Schwester, meine ganze Familie geopfert.

Weinen Sie nicht, mein süßes Herz! Werde ich Sie lieben mehr wie Ihre Schwester und Sie tragen auf meinen Händen,

Sie anbeten wie eine Heilige. Das schwör' ich Ihnen bei dem Andenken an meine gute Mutter und bei der Ehre meines seligen Vaters. Sie sollen niemals bedauern, was Sie gethan haben.

Es wäre schrecklich, wenn Sie mich täuschen könnten.

Beruhigen Sie sich, meine Gnädige! Werde ich Sie nicht täuschen, sondern glücklich, sehr glücklich machen. Ihnen absehen von den Augen, was Sie wünschen und immer liegen zu Ihren Füßen. Möchte ich lieber sterben, als Ihnen machen eine trübe Stunde oder einen Verdruß, so wahr ich lebe und hoffe, einmal

selig zu werden.

Nicht so leicht und schnell konnte sich die arme Stadträthin beruhigen und es vergingen Tage und Wochen, bevor sie den Schmerz einer so großen Enttäuschung überwand und sich wieder mit ihren beschränkten Verhältnissen und Entbehrungen aussöhnte, nachdem sie längere Zeit die Annehmlichkeiten des Reichthums genossen und sich mit den glänzendsten Hoffnungen getragen hatte.

Um so schmerzlicher empfand sie jetzt den Verlust eines vor übergehenden Luxus und die unvermeidliche Nothwendigkeit, sich einen Wunsch versagen oder auf ein Vergnügen verzichten zu müssen, wenn sie auch mit ihrer Familie keinen wirklichen Mangel litt und nur den bisherigen Ueberfluß entbehrte.

Nach und nach jedoch befreundete sich die Stadträthin mit dieser Wendung des Schicksals, wozu hauptsächlich der Umstand beitrug, daß sie wieder die Herrin im eigenen Hause war und nicht länger die Tyrannei ihrer Schwester dulden mußte, unter der sie mit ihren Angehörigen schwer gelitten.

Die ganze Familie athmete wieder auf, wie von einer schweren Last befreit, und bald herrschte von Neuem die alte gemüthliche Heiterkeit, welche die Tante durch ihre Ansprüche und Eingriffe in das innerste Leben jedes Einzelnen gestört und verscheucht hatte.

Wie nach einem schweren Gewitter die geknickten Halme

(Schluß.)

und zerzausten Bäume, so richteten sich allmählich die gebeugten Gemüther auf und erhoben sich durch eigene Kraft, mit der Elastizität der Jugend. Ihre bessere Natur siegte über die Verlockungen des Reichthums, dessen Nichtigkeit sie erfahren.

Von der Noth gedrängt, nahm Ludwig seine unterbrochenen Studien mit frischem Eifer wieder auf und bereitete sich so fleißig auf das gefürchtete Examen vor, daß er die Versäumnisse einholte und mit Ehren bestand, zur großen Freude der Seinigen.

Niemand aber fühlte sich so glücklich, als die bescheidene Sophie, da sie ihren guten Doktor Wiese jetzt wieder ungestört sehen und sprechen konnte, nachdem die Stadträthin ihn dringend eingeladen hatte, sie zu besuchen und sich mit ihm ausgesöhnt.

Gern vergaß er der Geliebten willen die ihm zugefügte Beleidigung, welche die reuige Mutter durch verdoppelte Zuvor kommenheit und Freundlichkeit wieder gutzumachen suchte.

Nur die lebenslustige Else ließ noch immer gegen ihre sonstige Gewohnheit das holde Köpfchen hängen und seufzte im Stillen, weniger weil sie den bisherigen Luxus und die gewohnten Zerstreuungen vermißte, als aus Furcht, ihren neuen Anbeter zu verlieren, wenn Herr Holzstamm die gänzlich veränderten Verhält nisse und den Verlust der gewiß gehofften Mitgift erfahren würde.

Da er aber, wie Else wußte und erwartete, in den nächsten Tagen um ihre Hand anhalten wollte, so vertraute sie der Schwester ihren geheimen Kummer an und fragte sie um ihren Rath in dieser hochwichtigen Angelegenheit, was sie thun und wie sie sich dabei verhalten sollte.

Nach meiner Ueberzeugung, sagte ihr Sophie,muß man ihm die Wahrheit mittheilen, bevor er Dir noch einen Antrag macht, damit er nicht sagen kann, daß wir ihn getäuscht haben.

Du kannst gut reden, versetzte Else unmuthig,da Du Deine Schäfchen im Trocknen hast. Leider sind nicht alle Männer so gut und so uneigennützig wie Dein Wiese, wie ich aus Er fahrung weiß.

Um so glücklicher wirst Du sein, wenn Herr Holzstamm, wie ich hoffe, die Probe besteht und Dir zeigt, daß er Dich wirklich liebt.

N er aber, wie der Assessor, zurücktritt, und mich sitzen 0

Dann hast Du nichts an ihm verloren, da ein solcher Mann nicht werth ist, daß man an ihn denkt.

Obgleich Else ihr beipflichtete und mit ihrem Rath einver standen war, konnte sie sich nicht einer bangen Unruhe erwehren. Ihr kleines Herz schlug laut und heftig vor Aufregung, als sie am Fenster zur bestimmten Stunde den erwarteten Fabrikanten kommen sah.

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