1 . 4 1 1
1 1
1
1
2359.
werden, ist es hubsch und gefällig, auch damit nicht der Mode entgegen sein. Hieraus ergiebt sich, daß, wenngleich die eine Schnittform füt 5 bestimmte Zeit einmal die vorherrschende ist, doch noch immer viele andere neben ihr gültig sind. Man hatte sich so viel von den Empire-Moden versprochen, allein die geraden, knappen Röcke, die leicht gekräuselten Taillen waren von etwas zu einfachem, zu dürftigem Aussehen; die Koketterie fand dabei nicht ihre Rechnung, und die jungen Frauen und die jungen Mädchen ähnelten, so gekleidet, den Pensionsschülerinnen.
. Gewiß, wir sind bei der Einfachheit angelangt, aber dieselbe muß mit ein wenig Kunst gemischt sein, muß Chic verrathen. Es wäre sehr schwierig gewesen, in jene Form der ganz geraden Röcke etwas Neues, etwas Abwechselung zu bringen. Bald würden wir Alle wie in Uniform erschienen sein, und es hätte das Aussehen gehabt, als ob wir auf die Mode und deren Prunk verzichtet. Wir bleiben bei den Verfeinerungen aller Genres, aller Epochen; wir entlehnen bald dies, bald jenes den früheren Zeiten, verschmelzen es mit den Ideen der Gegenwart und wir erfinden tausend neue Koketterien, welche unserer Toilette Reiz und
I Grazie leihen.
1
9
Wintermoden. Schon letzthin wies ich darauf hin
Unter allen Kleiderformen bewahrt das Kostüm tailleur immer seine Anziehungskraft, denn kein Anzug ist bequemer, praktischer, distinguirter. Man fertigt es aus Cheviot, bunt jaspirt oder mit brouillirten Linien ver- sehen, ferner aus einfarbigem Tuch, mit gefaltetem Rock und drapirter
Tunika Das Leibchen schließt häusig schräg mit einer doppelten Reihe kleiner Knöpfe. Hierzu trägt man das Tuch⸗Jaquette, dunkel⸗beigefarben,
eisengrau ꝛc., das mit gleichnüancirtem Wollenatlas gefüttert wird und dadurch ein korrekteres, mehr männliches Air erhält. Die abstechend farbigen Futterstoffe mit Streifen oder kleinen Carreaux sollen nämlich ihre Laufbahn vollendet haben; sie werden durch jenen soliden Wollen— atlas ersetzt, der immer genau in der Farbe des Jaquettes gehalten sein muß. Man versucht auch wieder, Varianten in das Kostüm tailleur zu bringen, indem man ihm seine Monotonie etwas nimmt und es mit Soutaches und Galons, mit Gold- und Stahlstickerei garnirt. Die Hauptsache ist freilich, diese Zierrathen mit Geschmack und Einsicht zu verwenden. ö Die Garnituren spielen überhaupt eine bedeutende Rolle in den „und heut muß ich Hetonen, daß es nichts Beliebteres als Stickerei-Bordüren giebt. Die⸗ elben haben häufig weißes oder rahmgelbes Tuch als Grundstoff, und davon heben sich die entzückendsten Palmen- und Figurenmuster persischen, ndischen, byzantinischen und russischen Styls, oder halb orientalischen, zalb griechischen Styls, wie die Zeit des Direktoriums und des ersten
Empire ihn liebte, in bunter Seide oder in einfarbiger, jedoch mehrfach
1
1
1
1 — 9
1 1 2 1 1
N 10 0
1
1 1
(chattirter Seide ab, hier wie dort oft untermischt mit Gold- und Stahl—
»der mit bunten Metallperlen. In anderer Weise giebt es wieder gänzlich Lurchbrochene Seiden, Chenille- und Perlenstickereien in Palmen-, Blumen-
der Arabeskendessins, an welchem ein Grundstoff garnicht sichtbar ist.
Der kostspielige Preis mancher dieser Bordüren macht sie allein zu chmalen Westentheilen, kleinen, zugespitzten Plastrons, oder zu Stehkragen und Aermel⸗ nebst Taschen⸗Aufschlägen ꝛc. geeignet Wie elegant und
U eeschmackvoll sieht ein derartig geslickter Westentheil in weißem Tuch zu
nbigen Tuch- oder Seidenkleidern aus.
Man fertigt ferner Leibchen aus einfarbigen Stoffen aller Art im
Benre tailleur, geöffnet über einer Weste aus weißem, rahmgelbem oder
bsigem Tuch, überdeckt mit schmalen Brandebourgs aus Goldgalon und
u der Mitte geschlossen mit kleinen Goldknöpfchen.
Um auf die am Eingang erwähnte Redingote zu kommen, so gehört
e also zu einer der gesuchtesten Schnittformen für die winterlichen Tages-
ue Abendkleider. Man kann je nachdem die Redingote zu verschiedenen
döcken tragen und dadurch mit wenig Kosten im Anzuge variiren. Die—
Abe, so lang wie der Kleiderrock, öffnet sich über letzterem meist nur
born, zuweilen indeß auch an den Seiten, hiermit zwei lange Vorder—
aus beschreibend. Da sie der Weste oder dem Plastron freien Spielraum Ußt, so bietet das eine vortheilhafte Hülfsquelle, Sachen die schon gedient
luben, von neuem zu verwerthen.
Die Redingote erscheint in vielfach wechselnder Gestalt, überwiegend ö in Ganzen geschnitten, ähnlich der früheren Prinzeßrobe, und nur mit rgesetzter Rückenbahn, zuweilen mit angekräuselten Vorder- und Seiten- bohnen, hier wie dort ausgestattet mit großen Revers Directoire, mit
ungestürztem Revers, mit soutachirten oder gestickten Panneaux, mit crägem, durch große, artistische Knöpfe vermitteltem Schluß, mit Band—⸗
shleifenschluß ꝛc. Oft schlingt sich auch die Directoireschärpe um jenes seidungsstück und giebt ihm wieder ein anderes Aussehen. Man fertigt 0 de Redingote vornehmlich aus Tuch und ziert sie zuweileu mit Einsätzen Passementerie, wie denn überhaupt Einsätze in Spitzen die Redingotes ales Sammet für die Gesellschaftskleider schmücken sollen.. Im Uebrigen erhalten sich die verschiedenartigsten Taillenformen: dies Jaquetteleibchen, häufig zweireihig und mit Revers Directoire, Us Schnebbenleibchen, das Gürtelleibchen, größtentheils arrangirt mit Taperien und, wie schon angeführt, mit Westen- oder anderen Einsatz— heilen. Was die Aermel betrifft, so bleibt man, trotz aller Neuerungen herin, dem Ellbogenärmel treu, zumal für die alltägliche Tracht. Für igesellschaftlichen Kleider versucht man jedoch in den Aermeln große A wechselung. Da giebt es den Puffärmel, der in eine lange Manschette adet leine Erinnerung an den Gigotärmel, ohne indeß das Groteske eselben zur Darstellung zu bringen),— den Aermel, welcher auf der SHulter in einen schleifenartigen Puff zusammengerafft, dann vom Ell; legen abwärts gespalten und mit einem abstechenden Theil ausgefüllt der unten ringsum vorkommt und einen Doppelärmel markirt,— r oben mit einem herausstehenden Volantkopf eingekräuselten Aermel, eiht bauschig, um den Ellbogen mit einer Stoffspange drapirt und dann
sich in einen engen Aermel fortsetzend, der nach außen geöffnet und mit zwei hervorquellenden Puffen ausgefüllt ist ꝛc.—
Die Streifen haben bereits in den sommerlichen Geweben eine so hohe Bedeutung erlangt, daß es uns nicht Wunder nehmen kann, wenn wir ihnen auch in den winterlichen Kleider- wie Mäntelstoffen begegnen. Aecht englische Cheviots in dunklen Farben mit hellen Streifen mit Noppestreifen, mit ombrirten Streifen, mit buntgetönten Bandstreifen, Serges mit wollenen und mit seidenen Phantasiestreifen:— das ist's, was man in Verbindung mit einfarbigen Stoffen als„distinguirte, winter⸗ liche Toilette“ tragen wird; ferner melirte Vigognes und echt englische Cheviots in grauen, grünlichen und bräunlichen Nüancen, wollene Chan⸗ geants,— weiter Wollenbrokate, Armüres mit ramagirten Mustern, dunkle Foulées mit fortlaufenden, hellen Arabeskendessins, die meist ge⸗ flockt,— die einfarbigen Cheviots und fouléartigen Fabrikate, vor Allem die Tuche nicht zu vergessen, die sich in grünen, braunen, marineblauen, grauen, beige und röthlichen Farben geltend machen. Das Grün, das hell kolorirk im Sommer als Modefarbe galt, erscheint als solche in dunklerem Gewande wie: russisch⸗grün, moosgrün, epheugrün, kapergrün ꝛc., hier mit grauem oder gelblichem Hauch, dort rein in seinem tiefen Schimmer.
Viel einfarbige Tuche, Serges, Kaschmirs, Vigognes sind an der einen Seite der Webekante mit einer reichen Bordüre ausgestattet, die dem Stoff eingewebt ist und sich in verschiedenartigen Dispositionen präsentirt. Man unterscheidet darin sehr elegante und hübsche Soutache⸗Stickereien, russiche Stickereien, Tapisserien, Löckchen-Stickereien, welche an das Re- lief des Astrachans erinnern, dann„Tigrette“, welche das schöne Pelzwerk der wilden Katze nachahmt ꝛc. Da derartige Stoffe in doppelter Breite liegen, so ist es ein sehr leichtes und bequemes Verfahren, die Bordüre als Saum des Rockes zu verwenden. Gewöhnlich wiederholt sich dann eine solche in schmalerem Maßstabe an der andern Seite der Webekante, welche Bordüre zum Ausputz des Leibcheus und zu den anderen kleinen Garniturtheilen des Rockes oder der Tunika dient.
Eine hervorragende Mode sind schwarze Garnituren; schwarze Bänder, Passementerien, Galons, schwarzer Sammet, schwarze Moire auf Stoffen jeglicher Farbe. Gewiß, man wird auch den Ausputz in gleichem Ton wie das Kleid wählen, doch zieht man mehr das Abstechende vor, und man findet, daß das Schwarz sich wirkungsvoll von jeder hellen, mittleren wie dunklen Nüance abhebt. Immer noch etwas Tournüre, aber so wenig, daß man sie mehr ahnt, als sieht. Wie sonderbar! Zuerst haben wir uns gegen die Annahme derselben mit allen Kräften gewehrt, und nun finden wir, daß sie, freilich in sehr, sehr bescheidenem Maße eine Nothwendigkeit für unsere modernen Kleider geworden.
Ich muß von Neuem die große Begünstigung bestätigen, welche sich das Jaquette zu bewahren weiß. Für den Winter gestaltet man es meist fest anschließend mit langer Taille und häufig mit Falten im Rückenschooß. Eine Neuerung ist, das Jaquette aus Tuch in neutralen oder dunklen Farben am Rande der Vordertheile, auf dem Kragen, den Taschen und Aufschlägen mit einem breiten Tuchgalon zu garniren, der mit Erbsen oder mit einem japanischen Muster bestickt ist. Mehr indeß als Tuch finden zu den richtigen Winter-Jaquettes, ebenso wie zu langen, anschließenden Paletots und anderen Mantelformen feine Kammgarnstoffe in Tricot-, Ripps⸗ und Streifengeweben, in steilem Diagonalgewebe, mit angewebtem, gleichfarbigem Futter, glatte Eskimo-Doubles und melirte Doubles Ver— wendung. Herrscht Schwarz darin vor, so neigt man sich indeß mehr als je der Farbe zu, und die russisch⸗grüne ist darin gleichfalls eine sehr begehrte. Ihr folgen Marineblau, Bronze, Dunkelbraun, Grau und verschiedene Beigetöne.
Eine noch größere Auswahl von Stoffen steht uns für die wirklichen Mäntel zu Gebote, für welche man ferner die so einfach-vornehm aus— sehenden Himalayas mit Streifen, die dicken, gestreiften Cheviots, die gehaarten Serges mit ramagirten Arabeskenmustern, diese meist in grauen Nüancen auf dunklem Grunde,— die Kaschmirfonds mit kleinen seidenen Dessins wählt und, für besonders elegante Zwecke, die Seiden-Matelassés mit allerliebsten kleinen Figuren- oder Rococo-Mustern, die Matelassés mit Sammetblumen, die Seidenpekings mit Sammetstreifen(die letztgenannten Fabrikate in Schwarz, Dunkelbraun und Bronze) und die Sealskin— Plüsche, deren tief-dunkelbraunem Ton sich ein bronzebrauner zugesellt.
Zu Pelzmänteln verwendet man meist jene kleingemusterten Kasch— mirs, zu wattirten Mänteln, welche mit einem Seidenfutter versehen werden, die Haarserges und die Matelassés. Als Garnitur der Mäntel: Durchbruchs⸗Bordüren in Kurbelarbeit, ferner und dies noch mehr: matte Passementerie, die in schönen und geschmackvollen Tressen, Galons, Borden und Gehängen erscheinen.
Man sucht seit zwei Jahren den Krimmer und den fein gelockten Persianer als Besatz der langen Paletots und kurzen Jaquettes ein— zuführen, ohne sonderlichen Erfolg, hofft indeß, daß ihm in dieser Winter⸗ saison eine größere Begünstigung zu Theil werde. Jedenfalls steht er in erster Reihe auf der Modenliste und er schmückt, grau oder schwarz, die angeführten schwarzen wie farbigen Mäntel-Modelle, an denen er sich besonders in einem breiten, vorn und im Rücken zugespitzten Umschlag— kragen und in breiten Manschetten geltend macht. In den langen Mänteln begünstigt man nach wie vor diejenigen mit Bandagen-Aermeln und die Dolmanformen. Neu sind die Visiten, vorn so lang wie das Kleid, im Rücken indeß ganz kurz, so daß sie gerade den Taillenschluß decken.
Sie werden sich erinnern, daß ich Ihnen im Laufe des Sommers über die lange„Spitzenboa“ schrieb, die ein moderner und eleganter Toilettezubehör geworden. Sie dürfte es auch im Winter zur Abend— toilette sein, und mit ihr werden die Federboas in allen Farben rivalisiren. Zum Straßenanzug soll indeß die lange Pelzboa eine vielseitige Annahme finden..
71 2


