Ausgabe 
4.11.1888
 
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Bewußtlos brach ich zusammen. So fand mich der alte Arzt. Diese rauhe Berührung meines heiligen Geheimnisses entringt r pv wie ihn derjenige ausgestoßen haben Wochen, Monate sind dahin gegangen. Der Frühling webt mag, den man auf die Folter gespannt.Ja, sage ich, 1 seinen grünen Schleier auch über sein Grab. Seine Kameraden sehe sie an,darin irrt sich die Welt nicht! haben ihm ein Denkmal gesetzt; auf ihm sind in goldener Schrift Es mußte doch etwas in meinem Blick liegen, was sie in die Worte verzeichnet:Ueber Alles die Ehre! Welche Welt ihrem Hohn nicht weiter fortfahren heißt, denn sie verstummt und

des Schmerzes, der Entsagung, des Kampfes in diesen Worten hebt in einem veränderten, bei weitem freundlicheren Tone nach liegt, sagen diese todten Buchstaben Niemand. Mir aber will einer kurzen Pause an:Sie werden mir Elly wenigstens einige

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jetzt aus? Sie schweift von mir ab und überfliegt prüfend das eile vorwärts, ich will dem Gefürchteten vorbeugen, es ist zu spaͤt.

11 0 das Herz brechen, so oft ich sie auch lese. Wochen im Jahre überlassen? 0 Ich fürchte täglich, sie möchte kommen und mir das KindIch kann es nicht. Ich habe es dem Verstorbenen gelobt, 0 nehmen, aber sie kommt nicht. Bald ist es ein Jahr, daß es bis zu Elly's Mündigkeit dieses nicht zuzulassen. 1 mein geworden. Elly ist mein Glück, mein Sonnenschein, derUnd natürlich werden Sie inzwischen alles thun, sie der i Quell, aus dem ich meine Lebenskraft schöpfe. Mutter zu entfremden, sie als eine Ausgeburt des Leichtsinns, n Wie er es prophezeit, so ist es eingetroffen. Sie haben das der Herzlosigkeit hinstellen. 9 5 0 Trauerjahr kaum abgewartet. Sie sind verheirathet, nachdem erDas werde ich nicht. Ueber Todte pflegt man rücksichtsvoll g sich nach einem andern Ort hat versetzen lassen. Jetzt glaube ich mich zu sprechen und Sie sind in des Kindes Augen für jetzt todt, l meines Besitzes sicher, ihren Besuch nicht mehr fürchten zu dürfen. so wollte es ihr Vater gehalten wissen. 10 Ich bin in meiner Wohnung, da klingelt es. Das MädchenSie scheinen wirklich seine Marionette geworden zu sein! 5 ist mit Elly im Garten, ich gehe die Thüre zu öffnen. IhreWenn Sie unter Marionette einen Menschen versteben, der l Mutter steht vor mir. Sie sieht schöner, blühender, eleganter sein Gelöbniß einem Todten hält, verdiene ich diese Bezeichnung. 9 aus, als bisher. Sie grüßt mich von oben herab und schreitet,Ich sehe, bei Ihnen kommt man in nichts zum Ziele; ich 1 ohne meine Aufforderung abzuwarten, an mir vorüber in's Zimmer. sie verstummt und horcht auf. 1 Ich folge ihr. Wir stehen uns einen Moment wortlos gegenüber. Draußen geht die Thüre, fröhliche Stimmen dringen an unser 1 Sie betrachtet mich spöttisch, herausfordernd.Also so sieht man Ohr! Kleines Kindergetrommel nähert sich dem Zimmer. Ich. 80 00 del

Zimmer,so lebt man, nachdem man sich als die einstige Ge- Elly stürmt herein. liebte eines Mannes entpuppt, welcher für das Rechenschaft geMütterchen, hier, hier hast Du Blumen! l fordert, das er sich selbst erlaubt. Vortrefflich! Ich mache Ihnen, Plötzlich stutzt sie, die Blumen entfallen ihren Händen, ihre Ihrem schlauen Intriguenspiel mein Kompliment, eine Maintenon Mutter hat sich zwischen uns gedrängt.Elly, mein Kind, er⸗ konnte nicht besser ihre Karten mischen. kennst Du mich nicht? 1 Jun diesem Tone darf sie nicht fortfahren, meine ganze SeeleMama, Mama! jubelt sie auf und stürzt sich in ihre weit empoͤrt sich gegen die niedrigen Angriffe dieser Frau. Soll ich geöffneten Arme. Mein Herz steht still, kein Wort will über mich rechtfertigen, vertheidigen? Nein, nimmermehr, es hieße meine Lippen. Ein triumphirender Blick trifft mich. Er sagt: nur zugeben, daß ich eine Vertheidigung nothwendig hätte. Ich Nun, was willst Du hier, wo Mutter und Kind sich gefunden, lasse ihren Angriff abgleiten, wie Wasser auf Atlas und sage wo die Natur selbst ihre Rechte fordert? Sie küßt ihr ruhig:Kommen Sie zur Sache, was führt Sie zu mir? und nennt es mit den zärtlichsten Schmeichelnamen. Ich stehe Eine köstliche Frage! Ihr Schauspielertalent ist vorzüglich. daneben, rathlos was hier zu thun, wie ich zu handeln habe, um Freilich, ich vergaß, man erzählte mir ja, daß Sie Ihre Karriere schonend zu trennen. 3 auf den Brettern begonnen, daher Ihre Gewandtheit, sich in Ihre Mutter läßt ihr Kind jetzt aus ihren Armen gleiten. jede Rolle zu finden!Nun, Elly, mein Liebling, sagt sie, willst Du mit Mama Selbst dieser Hohn ist nicht im Stande, mich zu einer heftigen kommen? 5 g Antwort herauszufordern, die Erinnerung an ihn, der todt, lehrtJa, ja, gern! Aber wenn Du wieder lebendig e mich Beherrschung, so wild auch mein Herz bei den schonungs so ist es wohl auch Papa, der liebe, gute Papa. Nicht g losen Angriffen dieser herzlosen Frau schlägt.Wenn man Ihnen Du führst mich zu ihm und Mütterchen kommt mit. 5 das erzählt hat, so hat man Sie falsch berichtet! erkläre ich. Ihre Mutter erblaßt bis an die Lippen. Auf diese Frage Aber Sie haben Recht, meine Frage war überflüssig. Ich hätte ist sie nicht vorbereitet.Nein, Papa ist nicht lebendig geworden! es mir denken können, daß Sie trotz alles Vorhergegangenen, trotz erklärt sie in unnatürlich scharfem Ton, bei dem das Kind sie des Verstorbenen gerichtlich aufgenommenen Bestimmungen über scheu von der Seite ansieht.Aber ein anderer, guter Papa ist sein Kinde einen Versuch machen würden, gegen diese zu handeln! da, der Dir immer die vielen, schönen Zuckerdüten gebracht hat! 8 Natürlich, denn sein Tod hat sie hinfällig gemacht. Ich,Den Papa will ich nicht. Ich will meinen ordentlichen, als Mutter, kann mein Kind zurückfordern! lieben Papa, sonst gehe ich nicht mit und bleibe bei Mütterchen Nein, das können Sie nicht, nachdem Sie sich durch Ihren die mir immer von ihm so schön erzählt. Nicht wahr, Mütterchen,

unerhörten Leichtsinn aller Rechte entäußert und einen Mann Du behältst mich? f* geheirathet, der der Mörder von Elly's Vater ist! Ob ich sie behalte? Diese Frage hat während dieser Szene ˖0 Sie hat es nicht anders gewollt. Sie hatte selbst alle Scho- wie ein Verzweiflungsschrei meine Seele zerrissen, und nun, da b nung durch ihren Ton unmöglich gemacht, mit dem sie mein sein Kind sie stellt, sie selbst stellt, da umfasse ich es mit jubelnder 1 rücksichtsvolles Vorgehen und Schweigen gelohnt. Lust. Seine unschuldigen Lippen haben das Urtheil gesprochen, e Mörder, nennen Sie ihn! ruft sie heftig,Sie vergessen, die Scheidewand aufgerichtet. ue er fiel im Duell! Sie wagt keinen Versuch dagegen, noch eine Minute und dass Ganz richtig, durch die Hand Ihres jetzigen Gatten. Wenn er Zimmer ist leer, sie ist fort.* N 1 sein Mörder nicht sein soll, wer gab die Ursache zu diesem Duell?Gerettet, gerettet! und unter heißen Dankesthränen drücke Sie erbleicht und einen Moment bleibt sie mir die Antwort ich sein Kind fest an's Herz. 1 schuldig. Doch nur einen Moment. Wer wie sie den Begriff 3 1 at von Ehre und Pflicht kennt, dessen Gewissen ist ebensowenig 8* zu erregen, wie sein Stolz zu wecken. 1 Zoi 1 N Mit Ihnen ist nicht zu streiten, wirft sie zornig hin.Sie 5 3 3 e, a I. ohe 0 i 1 i 10 Laune un antasie behe en a ne sind ebenso pedantisch wie er. Wahrhaftig, es ist schade, daß Mode ist, aber 22 bringt We dle Protektion der Wee Alles, wa

er Sie nicht geheirathet, Sie hatten besser zusammen gepaßt! gut kleidet, was elegant, schmuck erscheint. Fragt eine Dame in unseren Moͤglich! gab ich leise zu, indem mich nun doch meine donangebenden Magazinen oder Ateliers, welche Form von Tageskleiden Kraft zu verlassen droht. 5 7 7 115 8 man 1 e Ihr entgeht diese Wirkung ihrer letzten Worte nicht und sie nut Rodegote, nd auf ihren Einwand daß sie das nicht eg

triumphirt.So ist es doch wahr, was man sich erzählt, Sie e De zegr 4 haben ihn geliebt! wählen Sie das, was Ihrem Geschmack am meisten entsp nd