Ausgabe 
4.11.1888
 
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Weilage

zu den

Ourrhessischen Uuchrichten.

ever Nachveuc aus dein aubalt bieser Reltschelst wir strafrechtlich erfolgt werben

1888.

Gießen, den 4. November.

Seifenblasen. Erzählung von Eliga Orzesgko. Peutsch von Johanng Ruhe. (Portsetung,)

II.

Man müßte die Unwahrheit sagen, wollte man behaupten, Mirewieg hätte keine Veranlassung zu seiner inneren Unzufrieden heit gehabt. Stand er doch mit seinem Denken und Fühlen ganz einsam da. Obgleich er weder ein Genie noch sonst eine hervorragende Persönlichkeit war, so fühlte er sich dennoch der Bevölkerung von Ongrod geistig weit überlegen. Er las gern und viel, liebte leidenschaftlich die Mustk und war ein großer Verehrer der bildenden Künste. Bei seiner nicht unbedeutenden Begabung stel es ihm nicht allzu schwer, in Ongrod sich eine sichere Existenz zu gründen. Er hatte dort vier Klassen des Gymnastums absolpirt, als seine Verhältnisse ihn zwangen, das

zu drehen. Man sprach von den Wilden, von Parwin, von, dem Verhältniß der Aesthetik zur Gtiquette, über Gwologle, her Paläontologie, Fortschritt, Philosophie und Mustk, von Arbest und Kapital und von der frelen Liebe. Ueber all' dieses flog Paula nur so dahin, bis Mirewieg endlich rief:Halt, halt! Warte doch ein wenig, wir stud ja noch nicht mit dem Einen zu Ende!

Ozymski ärgerte sich über die Unterbrechung und naunte Mirewiez einen Pedanten.

Jas, Du J möchtest alles krltisch, systematisch.

Wie könnte es denn anders sein? flel ihm Johann lachend in's Wort,Paula phantaskrt ein wenkg.

9 Studium aufzugeben. Er trat in eine Kanzlei ein, so sehr auchMein Gott, rief Ludwig erzürnt,in dieser lebendigen 5 die prosaische Arbeit seiner Natur widerstrebte. Seinen Gehalt und klaren Darstellung liegt ja gerade der Zauber!

10 verwandte er sast ausschließlich dazu, wissenschaftliche Werke sich an Schließlich wünschten Mirewieg und Sgymsky, sie möchten 1 zuschaffen; zu diesen Büchern flüchtete er sich, wenn immer seine] dauernd eine solch' anregende Gesellschaft haben. Allein wie Zeit es erlaubte, mit ihrer Hilse bildete er sich weiter aus, und war daran zu denken? Wie konnten zwei so ganz verschteben 1 so entstand in ihm der Hang zur Träumerei, das Jagen nach[geartete Frauen, dle einfache, selbstlose und herzlose Aung, pelche 4 selbstgebildeten Idealen. Wie traurig und vereinsamt ner sich nur Sinn für ihre Wirthschaft hatte, und die Kandidatin ber J unter solchen Umständen in Ongrod vorkommen mußte, bedarf e Medizin, friedlich nebeneinander in einem Hause leben? Anfangs 1 keiner Erläuterung. that Paula nur, als üübersähe ste Aung, daun ignorkrte ste die * Jetzt erzählte er Abends Paula wiederholt von seinem Ringen selbe vollständig, und schltesßlich spitzte sich das Merhältulß, derart 0 und Streben und klagte ihr all' sein Herzeleid. Auch der Ber zu, daß die Koustne ansiug, den Vetter gegen die eigene Frau 5 ruf eines Rechtsanwaltes, zu welchem er sich emporgeschwungen,] zu hetzen.

6 gewährte ihm keine Befriedigung; denn seine Klienten waren Einst kehrten Paulg und Mirewieg von einem espagtergange nur ungebildete Leute, hauptsächlich langröckige Juden. Ozymskye zurück, welchen ste, wie gewöhnlich, nur allein gemacht hatten. Pa f war ebenfalls unzufrieden; obwohl nicht so hoch gestellt, wie[blieb Paula auf der Thürschwelle stehen und rief:gk ist boch

..

Mirewiez, hatte er doch eine gute Eiunahme, aber er konnte ihrer nicht froh werden. Auch er ossenbarte Paula, was sein Herz bebrückte. Wie kann der Mensch nur dieses alles ertragen? Wer kann helfen, wenn nicht der Tod, der aller Unzufriedenheit ein Ziel setzt? So fragten sie sich oftmals gegenseitig. Allein bis der Tod kommt, lautete die Antwort, da heißt ez kämpfen und ringen. Paula war nach ihrem eigenen Geständniß ihre

Regina Victoria das Liebste auf Erden gewesen; nachdem ste

ihr Glück verloren, kämpfte sie gleich den beiden Herren um innere Befriedigung.

Erliegen können nur armselige Naturen, ref ste,und alles mit Geduld und Demuth zu ertragen, vermögen nur solch' er barmenswerthe Geschöpfe, wie Fräulein Josepha, oder... ober... entschuldige meine Freimsftthigkeit, lieber Jas, oder Peine Gattin. Sie haben keinerlei Bedürfuisse, sie haben keine Flügel, und ste lähmen durch irgend eine Gemeinschaft mit ihnen die Schwingen Anderer.

Hierauf begann sich die Unterhaltung nur um gelehrte Pinge

wunderbar, daß dem Menschen in Peinem Hause eine solche Kälte entgegenweht. Man fühlt sofort, ess ist hier Niemand, der es verstände, Licht und Wärme um sich zu verbrekten.

Anna stand im Nebenzimmer und hörte sebess Wort, aber ste erwiderte keine Silbe. Mirewiez schwieg anfangs, daun sagte ex leise:Ich bitte Dich, Paula.

Diese Bitte fruchtete seboch bet sener Vame nichts; denn als ste am nächsten Tage bei ische saßen, und Aung den Braten gerlegte, schaute ste der Hausfrau auf die Häude und meinte; Ich verstehe garnicht, daß eine Frau, welcher solche Pinge oh liegen, nicht zu der Einsicht kommt, ihre Hände zu pflegen.

Anna blickte zuerst naiy und verwundert zu ihr hlullber und wurde, als sle den hämischen und kronischen Blick Paula's be merkte, dunkelroth im Gesichte, aher sle sagte ahermalz nichts, Ihre innere Empörung jedoch, welche sie seit pier Wochen zu unterdrücken bemüht war, wuchs immer mehr und sollte hald zum Ausbruch kommen. Eines Abends betrachtete Paulg beim Thee die junge Frau lange und in auffälliger Weise und sagte