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gestreiftem Moireband gehen schnebbenförmig vom Fond aus, der die Hufeisenform beschreibt.
Immer noch viel Blumenhütchen! Aus Veilchen, aus Rosen, aus Vergißmeinnicht, die einen geschmückt mit moosgrünem Sammet und solchen Schleifen, die anderen mit pflaumenfarbenem Sammet und mit gleichen Schleifen. Wie reizend ist z. B. jenes Hütchen mit einem Fond aneinander gedrückter Rosen! Die Passe ist aus einem Rüschengefältel von feiner Goldspitze gebildet, das sich mit einer Draperie aus moos⸗ grünem Seidentüll mischt. Hierzu moosgrüne Kinnbänder.
Die schwarze Spitzencapote, stets hübsch, praktisch, von einfacher Eleganz, wird gegenwärtig häufig mit drei bis vier anmuthig gruppirten, jungen Rosentrieben, deren Laub sehr hellgrün, ausgeschmückt, oder mit einer Handvoll Goldknöpfchen, untermischt mit ein paar Fliederblüthen.
An den runden Hüten, deren Kopf nicht hoch ist, sieht man vielfach Blumenzweige, große Bandschleifen, Tüll⸗Echarpes oben auf dem Fond angebracht und von dort sich niederbreitend. Alles, was„Masse“ oder „Fülle“ bildet, wird gern getragen, vorausgesetzt, daß es nicht zu einem un⸗ geschickten Packet geformt ist. Zweige von dunkelrothen, fast schwarzen Kirschen, junge Epheu- und Pappeltriebe, Schneebälle, Gruppen enormer Rosen; das ist es, was man unter den Garnituren der neuesten Mode versteht. Der Hafer, die grünen Aehren werden auch oftmals gewählt, denn die zart⸗ und frischgrünen Töne sind in dieser Saison der Gegen⸗ stand blinder Vorliebe. Man begünstigt ferner die sehr großen Maaß— lieben aus weißem, grünlich weißem wie aus goldgelbem Sammet, mit schwarzsammetner Rückseite, ruhend in einer duftigen Tüllwolke.
Die rotheu Strohhüte in Capote- und in runder Form sind sehr gesucht. Man ziert sie mit rothem Seidentüll, mit schwarzem Sammet und mit schwarzen Bändern, mit rothen Johannisbeeren, mit weißen oder weißgrünlichen Blüthen, mit jungen Blättertrieben, mit Federn. Ein runder Hut aus rothem, englischem Stroh zeigte die mit schwarzem Sammet gefütterte Krämpe auf der linken Seite zu einem großen Revers aufgeschlagen. Ein schwarzes Moireband umgab den Kopf und formte sich oben, etwas nach hinten zu, in eine Schleife. Von der linken Seite fiel ein aufgethürmter Panache rother Straußfedern herab.
Eine sehr kleidsame Kopfbedeckung eleganten Gepräges ist ein Hut „Aurcole,“ welcher, obgleich man ihn den runden Fagons einreiht, eine Art Direktoire ist. Derselbe, mit niedrigem Kopf versehen, wird zurück— getragen, und sein breiter, be ne en Rand, glatt mit Sammet oder mit Stroh gefüttert, bildet einen reizenden Rahmen für das Gesicht.
Lose Blätter.
Messerschlucker. Wohl jedem sind schon während eines Jahrmarktes oder bei ähnlichen Gelegenheiten Leute mit jenen Produktionen aufgefallen, bei welchen sie Degenklingen, Messer und andere spitze Gegenstände theil⸗ weise oder ganz verschluckten, die sie dann ohne Schaden fuͤr ihre Gesund— heit wieder an's Tageslicht beförderten. Dieses sind nun im Grunde genommen leichte und ungefährliche Kunststücke, welche auf Uebung be⸗ ruhen. Ganz etwas anderes ist es mit den in der ärztlichen Praxis be— kannten Messerschluckern, denn die Personen, welche in dieser Beziehung bekannt geworden sind, haben aus Unvorsichtigkeit Messer ꝛc. verschluckt und konnten nur durch Oeffnen des Magens von außen her gerettet und geheilt werden. Nachstehende Fälle sind der Wahrheit gemäß aufgezeichnet und dürften jedenfalls von Interesse sein.
Im Jahre 1635 hatte ein Bauerknecht, Namens Andreas Grünheide, zu Grunwald in Ostpreußen, als er sich eines Morgens unwohl befand und den Rachen mit einem Messer kitzeln wollte, um Erbrechen zu erregen, dasselbe plötzlich infolge Entgleitens aus der Hand verschluckt. Zwar versuchte er alles Mögliche, um das Messer wieder zu entfernen, jedoch gelang es nicht. Die Sache wurde bald bekannt, erregte großes Aufsehen und führte schließlich zu einer Operation. Nachdem der zu Operirende
„etliche Balsamische Olitäten“ genossen, ein magnetisches Pflaster auf die
in Angriff zu nehmende Stelle erhalten und auf ein Brett gebunden worden war, wurden die Bauchdecken durchtrennt und die Bauchhöhle eröffnet. Der Chirurgus bemerkte bald das Messer, ergriff es und zog es heraus. Die Wunde schloß sich sofort und heilte vollständig zu. Dieses Messer war 18 em lang und von der Magensäure stark angegriffen. Der Geheilte heirathete im Jahre 1641 und hat noch lange gelebt.
Ein anderer Fall ereignete sich 1720 zu Rössel, wo eine Frau, Namens Anna Lembkin unter gleichen Umständen ein Messer verschluckte, wie Grünheide. Elf Tage später mußte sie sich ebenfalls einer Operation unter— ziehen. Auch hier wurde die Patientin auf ein Brett gebunden, dieses schräge gegen die Wand gestellt und vom Operateur Dr. Hübner durch einen kühnen Schnitt bald von dem unbequemen Gast befreit. Die Wunde, aus der etwa ein Löffel Blut und Eiter heraustrat, wurde vernäht und verheilte gut. Die Messerklinge sah schwarz angelaufen aus und der Schaft, der aus Hirschhorn gefertigt war, erschien ziemlich abgezehrt, woher die Patientin nach ihrer Aussage öfters Aufstoßen nach Hirschhornsalz gehabt hat.
Weiterhin laborirte ein 16 jähriger Knabe, Andreas Rudloff aus
taschwitz in Sachsen, an einem Messer, welches er sich durch einen Fall in den Mund stieß und schließlich aus Angst verschluckte. Auch er wurde operirt und geheilt.
In neuester Zeit haben wir von einem verschluckten Messer aus Amerika Kunde erhalten. Am 17. November 1886 befand sich zu St. Louis der Schneider Joseph Hoffmann in seiner Wohnung beim Kruge Bier. Bereits in etwas ausgelassener Stimmung wollte er einem Gaste ein Bravourstück zum Besten geben, welches darin bestand, daß er sich ein ½ Zoll langes Tischmesser in den Schlund schob. Ganz nach Art der Degenschlucker ließ er das Messer hinabgleiten, bis schließlich nur noch
½ Zoll hervorsteckte. Triumphirend schaute Hoffmann um sich— allein plötzlich veränderten sich seine Gesichtszüge, hastig griff er nach dem Munde — das Messer war in den Magen hinabgeglitten und H. fiel unter Krämpfen zu Boden. Ein schleunigst hinzugerufener Arzt schlug als einziges Rettungs— mittel die Mageneröffnung vor, zu welcher H. sich nur schwer entschloß. Nachdem er schloroformirt war, machte der Arzt Dr. Barnay, einen langen Schnitt vom Brustbein bis zum Nabel, ging mit der Hand vorsichtig in die Oeffnung und zog den Magen aus der Wunde hervor. Nun wurde ein ½ Zoll langer Schnitt in den Magen gemacht und das Messer ohne Schwierigkeit herausgezogen. Auch der schwierigste Akt der Operation, das Zunähen des Magens und der Bauchwunde, ging gut von Statten. Am zehnten Tage konnte H. bereits das Bett verlassen, am vierzehnten ging er wieder aus und leistete sich auf den ausgestandenen Schreck ein
Austernfrühstück mit Champagner.
Von 17 verschluckten Gabeln sind, nach Professor Adelmann's Samm⸗ lung aus der Literatur, bis zum Jahre 1874 vier mit Erfolg, eine mit tödtlichem Ausgang durch den Magenschnitt entfernt worden, die übrigen gingen theils auf natürlichem Wege, theils durch vorher gebildete Ge— schwüre ab. Außerdem sind auf operative Weise aus verschiedenen Mägen ein Theelöffel, ein 21 em langer Fremdkörper, ein drei Zoll langer Kupfer⸗ draht, letzterer nach 115 Tagen, ein Stück Blei von 10 Zoll Länge und ein 1 Blei von 10 Zoll Länge und 270 gr Schwere herausbefördert worden.
Aus Vorstehendem geht zur Genüge hervor, daß man bei der Han— tirung mit Messern im Munde oder Schlunde, sowie auch mit anscheinend ungefährlichen Sachen daselbst höchst vorsichtig umgehen muß, andernfalls Krankheit und Tod eintreten können. N. I.—I.
Ein Münzkuriosum. Um's Jahr 1744 circulirten in Schlesien eine Meuge neuer preußischer Thaler, deren Prägung mit anderen Thaler— stücken bis auf einen kleinen Unterschied übereinstimmte. Betrachtete man nämlich die auf denselben befindliche Umschrift„Ein Reichsthaler“ genauer, so wurden in diesem Worte einige kleine Punkte sichtbar, welche derart an— gebracht waren, daß sich ein höchst befremdender Sinn ergab, aus: „EINREICHSTHALER“ war„EIN REICH STHAL.ER“ geworden. Die angestellten Recherchen ergaben, daß ein in der Königlichen Münze zu Breslau bediensteter Oesterreicher wegen der Eroberung Schlesiens durch Friedrich II. diese Aenderung im Prägestocke vorgenommen hatte; er wurde hierfür zu einer mehrjährigen Festungsstrafe verurtheilt. Obgleich man eifrig bemüht war, die ominösen Thaler einzuziehen, blieben dennoch manche in den Händen von Münzsammlern zurück und sind jetzt zu einer gesuchten numismatischen Seltenheit geworden. M. I.—I.
Tod des englischen Königs Richard Löwenherz. Einer der Vasallen Richard's hatte auf seinem Grund und Boden einen Schatz in der Erde gefunden. Richard verlangte die Auslieferung desselben, indem nach einer gesetzlichen Bestimmung der dritte Theil von dergleichen Funden dem Landesherrn gebührte. Dem Gebote ward nicht Folge geleistet, und der König eilte, die Burg des Vasallen, ein unbedeutendes Schloß, zu belagern. Bald war dies der Uebergabe nahe, als ein Bogenschütz von der Mauer herab zielte und Richard tödtlich verwundete. Da das Schloß noch früher in die Hände der Belagerer fiel, als der König der Wunde erlegen war, so befahl der hochherzige Monarch, den unglücklichen Schützen vorzuführen und fragte ihn, warum er ihm so ernstlich nach dem Leben getrachtet hätte?—„Ihr erschlugt,“ versetzte der Bogenschütz,„meinen Vater und meinen Bruder, und trachtetet auch mir nach dem Leben; hatte ich nicht Ursache, Euch zuvorzukommen und Euch zu tödten?“— Der sterbende König gab ihm Recht, verzieh ihm und befahl großmüthig, daß man ihn ungekränkt ziehen lassen sollte.— Allein Richard lag im Sterben, als er diesen Befehl ertheilte, und so konnte er die Vollstreckung nicht mehr bewirken.— Der Hauptmann einer Schaar von Richard's Söldlingen aber ließ den Schützen Bertram de Gurdun lebendig schinden, welche Todesart ihm und seinen Genossen die grausamste dünkte, den Tod ihres Monarchen zu rächen. M.
Der Khalif Mahadi und der naive Bauer. Der Khalif Mahadi wurde von zwei Leidenschaften, der Jagd und dem Trunke, beherrscht. Als er sich einstmals bei Verfolgung eines Hirsches verirrt hatte, kam er zu einer Bauernhütte. Die Hitze war groß; er forderte einen Trunk frischen Wassers. Nachdem er den ersten Becher geleert hatte, fragte er den Bauer, mit wem er wohl zu sprechen meine?—„Das kann ich nicht wissen!“ versetzte der Bauer.—„Ich bin einer aus dem Gefolge des Khalifen,“ sagte Mahadi.—„Das kann wohl sein!“ antwortete der Bauer,„so habt Ihr es besser als ich.“— Der Khalif ließ sich den zweiten Becher geben, und wiederholte die vorige Frage.—„Ihr habt mir ja schon gesagt,“ erwiderte der Bauer,„daß Ihr aus dem Gefolge des Khalifen seid.“—„Ich bin noch mehr, ich bin der Großvezier.“— Der Bauer sah ihn verwundert an, ohne ihm jedoch mehr oder weniger Ehrfurcht zu erzeigen.— Der Khalif ließ sich den dritten Becher ein⸗ schenken, und fragte abermals, wofür ihn der Bauer halte?—„Unmöglich ist es nicht,“— antwortete dieser—„daß Ihr der Großvezier seid.“— „Ich bin noch mehr, ich bin der Khalif selbst!“—— Der Bauer nahm anz kaltblütig seinen Krug und Becher und kehrte dem Trinker den Rücken zu, um nach seiner Hütte zu gehen.—„Wo willst Du hin?“— „Die Gefäße wegtragen! denn“— setzte der Bauer hinzu—„Khalif seid Ihr schon; wenn ich Euch noch mehr einschenke, so würdet Ihr Euch zum Mohammed oder gar zu einem Gott trinken.“— Diese naive Ant⸗ wort gefiel dem Mahadi so sehr, daß er den Bauer für sein Wasser mit zehn Goldftücen belohnte. M.
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